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Kapitel 2

Author: Jadenacht
Die Luft erstarrte plötzlich.

Die Spannung zwischen Stella, Fabian und Helene war beinahe zum Zerreißen.

Stella sah ihren Mann an, trat den Stuhl neben sich um und ließ die Villa mit einem weiteren ohrenbetäubenden Krachen erbeben.

Stellas Haltung war scharf wie eine Klinge. „Dann erklär deiner Mutter doch, welche Suppe ich angeblich kochen kann.“

Stella fuhr fort: „Isabelle behauptet, dass sie meine Taubenbrühe will. Merkst du wirklich nicht, wie offensichtlich sie mich provoziert? Oder hast du ebenfalls vergessen, dass ich überhaupt nicht kochen kann?“

Jedes Wort brannte vor Zorn, jeder Satz traf messerscharf.

Nach dem Verlust ihres Kindes stand Stella unter Schock. Wer sie jetzt weiter reizte, musste mit einer Explosion rechnen.

Helene schnappte nach Luft. „Du ... also du ...“

Fabian sah Stella mit ernster Miene an. „Wenn du es nicht kannst, soll eben das Personal die Brühe kochen. Musst du deshalb so einen Aufstand machen?“

Für Fabian war es wieder nichts weiter als eine Kleinigkeit.

Stella verstummte. In diesem Augenblick erlosch der letzte Rest von Wärme in ihrem Herzen.

Helene schimpfte außer sich: „Was haben wir Hartmanns nur verbrochen? Du hast uns nicht einmal ein Kind geschenkt, und jetzt, wo eine andere Frau Kinder bekommen hat, machst du als Erste Ärger ...“

„Genug!“, unterbrach Fabian seine Mutter mit tiefer Stimme und schnitt ihr das Wort ab.

„Verwöhn Stella nur weiter!“, fuhr Helene Fabian an und drehte sich wütend um.

Als Helene gehen wollte, sagte Stella mit gepresster Stimme: „Frau Hartmann, Sie irren sich. Nicht ich bin unfruchtbar. Vor zwei Jahren habe ich ein Kind verloren, weil Isabelle mich mit dem Auto angefahren hat!“

Stella setzte nach: „Verdrehen Sie nicht die Tatsachen, und hören Sie auf, mich mit Ihrer gehässigen Schwiegermuttermasche als unfruchtbar hinzustellen.“

Damit schleuderte Stella Helene die Anschuldigung zurück, mit der die ältere Frau sie seit Jahren demütigte.

Mit der distanzierten Anrede „Frau Hartmann“ zog Stella noch deutlicher eine Grenze zwischen sich und der Familie.

Helene wäre bei diesen Worten beinahe vor Wut ohnmächtig geworden. „Das ist ja wirklich unerhört! Du bist einfach unverschämt!“

Für Helene war ihre Schwiegertochter endgültig außer Kontrolle geraten.

Kochend vor Zorn wandte Helene sich an ihren Sohn.

„Das ist die Frau, die du geheiratet hast. Bring Stella gefälligst zur Vernunft!“

Nach diesen Worten stürmte Helene aus der Villa.

Fabians Blick verdunkelte sich, weil Stella seine Mutter so förmlich angesprochen hatte.

Fabian sagte jedoch nichts und folgte Helene.

Stella sah ihrem Mann hinterher und empfand die Szene als bitteren Hohn.

Nach allem, was passiert war, ging Fabian trotzdem zu Isabelle.

Stella konnte nicht mehr sagen, ob Fabian sich nur wegen Adrians Tod um seine Schwägerin kümmerte oder ob er es von Anfang an gewollt hatte.

Nachdem die beiden gegangen waren, trat Martha besorgt an Stella heran. „Frau Hartmann, Sie sehen gar nicht gut aus. Soll ich einen Arzt rufen?“

Sogar die Haushälterin erkannte sofort, wie elend Stella aussah.

Stellas eigener Mann dagegen hatte nichts bemerkt.

Stella winkte ab. „Nein. Geh bitte.“

Stellas Zorn war noch immer zu groß, um sich beherrschen zu können.

Martha zögerte kurz, nickte schließlich und zog sich zurück.

Als Stella allein war, begann ihr Handy zu vibrieren.

Jana König, ihre beste Freundin, rief an.

Beim Anblick des Namens ließ die Anspannung ein wenig nach. „Jana.“

Jana fragte sofort: „Ich versuche seit dem Nachmittag, dich zu erreichen. Warum gehst du nicht ran? Isabelle hat ein Zwillingspärchen bekommen. Weißt du davon?“

„Ja“, antwortete Stella kühl. „Fabian war bei der Entbindung.“

Jana wurde laut: „Du weißt es und lässt Fabian einfach? In welcher Eigenschaft begleitet ein Mann seine Schwägerin bei der Geburt? Reichen die ganzen Hartmanns nicht aus, um sich um Isabelle zu kümmern?“

Als Jana hörte, dass Fabian selbst in dieser Situation keinen Abstand hielt, ergriff sie sofort Partei für ihre Freundin.

Seit Adrians Tod vor sechs Monaten hatte Stella wegen Isabelles völliger Missachtung jeglicher Grenzen unzählige Kränkungen hinuntergeschluckt.

Jana fragte sich, ob Fabian die Not seiner eigenen Frau wirklich nicht erkannte oder ob ihm ihre Gefühle schlicht gleichgültig waren.

Stellas Stimme klang so kalt wie ihr Blick. „Was soll man machen? Fabians Gesicht sieht dem von Adrian zum Verwechseln ähnlich. Angeblich beruhigt Fabians Gesicht Isabelle, sobald ihre Depressionen wieder schlimmer werden.“

Seit sechs Monaten musste genau diese Begründung dafür herhalten, Fabian immer wieder abzurufen.

Sobald Isabelle die Beherrschung verlor, rief jemand vom Familienanwesen an.

Jana wusste das alles und schnaubte vor Wut. „Die Hartmanns haben doch alle den Verstand verloren.“

Isabelle konnte den Tod ihres Mannes nicht akzeptieren, also sorgte die Familie ständig dafür, dass Fabian vor ihren Augen auftauchte.

Fabian hatte eine eigene Frau, sollte aber das Herz einer anderen beruhigen. Für Jana war das vollkommen absurd.

Stella sagte tonlos: „Ich habe heute Nachmittag eine Fehlgeburt erlitten. Als du angerufen hast, lag ich gerade auf dem Operationstisch.“

Am anderen Ende verstummte Jana.

Jana brauchte einen Moment, um Stellas Worte zu begreifen. Dann explodierte sie förmlich.

„Du hast eine Fehlgeburt, während Fabian seiner Schwägerin bei der Entbindung beisteht? Hat er den Verstand verloren? Weiß er überhaupt davon?“

Jana konnte nicht fassen, dass Fabian seine Frau bei einem solchen Eingriff allein ließ.

Stella hob langsam den Blick. In ihren Augen lag eine düstere, abweisende Ruhe. „Komm bitte mit dem Auto und hol mich ab.“

Stella war vollkommen erschöpft und verabscheute inzwischen jeden Zentimeter der Villa. Sogar die Luft darin machte sie krank.

Nach dem Gespräch ging Stella nach oben, packte hastig ihre persönlichen Sachen zusammen und sammelte alles ein, was sie Fabian im Laufe der Jahre geschenkt hatte.

Martha eilte entsetzt nach draußen, als sie sah, wie Stella vor der Tür einen ganzen Stapel Gegenstände anzündete.

„Frau Hartmann, was machen Sie da? Bitte hören Sie auf!“

Die Haushälterin fügte besorgt hinzu: „Wenn Ihre Schwiegermutter das sieht, wird sie wieder sagen, dass so etwas Unglück bringt.“

Helene war schon wegen des umgeworfenen Tisches außer sich geraten. Martha wollte sich Helenes Reaktion auf dieses Feuer gar nicht erst ausmalen.

Stella stieß ein kurzes, bitteres Lachen aus. „Unglück klingt ausgezeichnet. Wenn ich zaubern könnte, verfluchte ich die ganze Familie Hartmann!“

Stellas Stimme troff vor Hass und Abscheu.

Während Stella sprach, drehte sie sich um, lief noch mehrmals nach oben und warf alles ins Feuer, was sie mit Fabian verband.

Als Jana eintraf, stand Stella vor der Villa.

Vor Stella schlugen die Flammen meterhoch in den strömenden Regen.

Stellas kreidebleiches Gesicht lag im Feuerschein, und sie wirkte furchtlos und vollkommen kalt.

Die hochgewachsene Freundin trat zu Stella, zog sie mit einem Griff unter den Regenschirm und schimpfte:

„Du hast gerade eine Fehlgeburt hinter dir und stehst im strömenden Regen? Willst du dir dauerhafte Beschwerden einhandeln?“

Entschlossen führte Jana Stella zum Auto.

Die Wärme in Janas Armen ließ die Anspannung, die Stella den ganzen Abend getragen hatte, schlagartig nachgeben.

...

Im Auto.

Jana nahm ein trockenes Handtuch und rubbelte Stellas nasses Haar ab. „Was hast du da verbrannt?“

„Alles, was ich Fabian gekauft habe, und alles, was er mir geschenkt hat.“

Die Freundin sah Stella mitfühlend an. „Wenn du weinen willst, dann wein. Du solltest dich nach dem Eingriff eigentlich schonen, aber alles in dir einzuschließen ist noch schlimmer.“

Das Paar war einmal so glücklich miteinander gewesen.

Doch in den vergangenen sechs Monaten war Stellas Ehe Stück für Stück zerbrochen.

Stella rieb sich weiter das Haar und lachte höhnisch. „Weinen? Nein. Warum sollte ausgerechnet ich weinen?“

Stella wollte dafür sorgen, dass die Menschen weinten, die es verdient hatten!

Jana schwieg.

Als Stellas Haar halbwegs trocken war, legte Stella das Handtuch weg. „Warte nur ab. Bei den Hartmanns werden bald reichlich Tränen fließen.“

Jana begegnete Stellas völlig gefühllosem Blick und nickte. „Genau. Weinen sollen die Hartmanns, nicht du.“

In einer Beziehung war kein Platz für eine dritte Person, ganz gleich unter welchem Vorwand.

Isabelle versuchte seit sechs Monaten ganz offen, Fabian für sich zu beanspruchen. Ihre Rücksichtslosigkeit zeigte, dass sie Stella für machtlos hielt.

Jana startete den Wagen und fuhr vom Grundstück.

Der Regen trommelte gegen die Scheiben, während die Scheibenwischer ununterbrochen arbeiteten.

„Seit der Fehlgeburt vor zwei Jahren konntest du doch nicht mehr schwanger werden, oder?“, fragte Jana leise.

Damals war Stella von Fabian schwanger gewesen.

Stella hatte selbst noch nichts davon gewusst, als Isabelle sie mit dem Auto anfuhr. Stella verlor das Kind noch am Unfallort.

Isabelle hatte damals noch verzweifelter geweint als Stella und immer wieder beteuert: „Es war keine Absicht!“

Am Ende war die Sache im Sande verlaufen.

Adrian lebte damals noch, und seine Frau hatte keinerlei Interesse an Fabian erkennen lassen. Deshalb verfolgte Stella die Angelegenheit nicht weiter.

Jetzt lag jedoch der Verdacht nahe, dass Isabelle es schon viel früher auf ihren Schwager abgesehen hatte.

Vielleicht hatte Isabelle Stellas Schwangerschaft längst bemerkt und den Unfall absichtlich verursacht!

Seit diesem Tag war Stella kein einziges Mal wieder schwanger geworden.

Helene behandelte Stella deshalb seit Jahren mit offener Verachtung und ließ ihr eine Packung bitterer Kräutermischungen nach der anderen bringen.

Und dann war der heutige Tag gekommen ...

Als Isabelles Wehen einsetzten, stieß sie Stella. Diese spürte deutlich, dass Isabelle es auch dieses Mal absichtlich getan hatte.

Jana sagte: „Damals ist mir nichts Verdächtiges aufgefallen. Aber wenn ich sehe, wie Isabelle sich in den letzten sechs Monaten Fabian gegenüber verhält, frage ich mich, ob der Unfall nicht doch Absicht war.“

Das Wort „Absicht“ ließ Stellas Miene vollständig erstarren.

Zwei Jahre zuvor. Und heute.

„Heute hat Isabelle mich ebenfalls gestoßen“, sagte Stella mit gepresster Stimme.

Vor Stellas innerem Auge erschien erneut das Bild von Fabian, der Isabelle an Stella vorbeigetragen und sie mit einem einzigen Blick zum Schweigen aufgefordert hatte.

Der Zorn raste wieder durch Stellas Brust.

Jana schnaubte. „Dann war es vor zwei Jahren also wirklich Absicht! Adrian lebte noch, und Isabelle hatte es bereits auf ihren Schwager abgesehen. Diese Frau ist krankhaft besessen.“

Stella fehlten schlicht die Worte.

Krankhaft besessen?

Für Stella gab es inzwischen keine andere Erklärung mehr.

Isabelles skrupelloser Besitzanspruch auf Fabian war tatsächlich krankhaft.

„Was willst du jetzt tun?“, fragte Jana. „Willst du das einfach hinnehmen?“

Einfach hinnehmen?

Stella sah aus dem Fenster. Der Regen fiel so dicht, dass die Straßen innerhalb kurzer Zeit unter Wasser standen.

Stella war nicht der Mensch, der so etwas einfach hinnahm.

Stella betrachtete die regennasse Straße. In ihrem Blick lag eine unerbittliche Entschlossenheit. „Zuerst lasse ich mich scheiden. Danach ...“

Was danach kam, sprach Stella nicht aus.

Stella betrachtete die nasse Dunkelheit und wechselte plötzlich das Thema. „Laufen die Exporte von Verena Winter noch immer so gut?“

Verena war Isabelles vermögende Mutter.

Isabelle hatte sich in den letzten Jahren nur deshalb so aufführen können, weil Helene und Verena als mächtige Stützen hinter ihr standen.

„Ja“, antwortete Jana überrascht. „Warum fragst du nach Verena? Verena ist keine Frau, mit der man sich leicht anlegt.“

Jana warnte ihre Freundin ganz bewusst, denn Verena hatte ihr Geschäft mit harten Methoden zu einem Imperium aufgebaut.

„Und was geschieht, wenn dieses Geschäft zusammenbricht?“, fragte Stella.

Jana schwieg einen Moment.

Die Exporte sollten zusammenbrechen?

Stella erklärte: „Das Spezialmaterial, mit dem Verena handelt, wird fast ausschließlich ins Ausland verkauft. Brechen die Exporte weg, trifft sie das wie ein Todesstoß.“

Jana sah Stella ernst an. „Süße, warum fragst du das? Ich habe nicht die Macht, die Familie Winter in die Knie zu zwingen.“

Verena verfügte über ein weitreichendes Netzwerk.

In Hafenburg war Verena wie ein uralter, tief verwurzelter Baum. Niemand konnte sie ohne Weiteres zu Fall bringen.

Als keine Antwort kam, drückte Jana Stellas kalte Hand. „Mach bitte nichts Unüberlegtes.“

Etwas Unüberlegtes?

Stella schwieg weiterhin.

Stella musste an den Mann aus Varen denken, der sie vor einem Monat aufgesucht und in die Arme geschlossen hatte ...

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