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Kapitel 7

Author: Jens Sven
Das endlose Schwarz der Nacht wurde von den ersten Lichtstreifen durchbrochen. Am Himmel zeigte sich bereits das fahle Weiß des Morgens.

Elijah hatte Stacie gerade aus dem Badezimmer gehoben. Als er sie aufs Bett legen wollte, stellte er fest, dass dort kein Platz mehr war.

Alles lag völlig durcheinander.

Ihm blieb nichts anderes übrig. Er wickelte sie in ein Badetuch und legte sie zunächst auf das Sofa.

Danach ging er zurück, um das Schlachtfeld aufzuräumen.

Als er die Bettdecke anhob, erstarrte er.

Auf dem zartrosa Bettlaken war der dunkelrote Blutfleck deutlich zu sehen.

Elijah drehte ungläubig den Kopf und sah zu der Person auf dem Sofa.

Stacie war vollständig in ein Badetuch gewickelt. Sie sah aus wie eine Mumie. Nur ihr zartes Gesicht war noch zu sehen.

Ihre Wangen waren leicht gerötet. Vermutlich kam das vom heißen Dampf nach dem Duschen.

Sie war doch bereits verheiratet. Wie konnte sie trotzdem noch unerfahren sein?

Als Stacie auf dem Sofa unruhig wurde und beinahe herunterrollte, erschrak Elijah. Mit einem Satz war er bei ihr und hob sie zurück auf das Sofa.

Moment mal.

Ihre Körpertemperatur fühlte sich nicht normal an.

Zuvor hatte ihr Gesicht lediglich gerötet gewirkt. Jetzt glühte es.

Elijah legte ihr die Hand auf die Stirn. Die Hitze brannte beinahe auf seiner Haut.

Sie hatte Fieber!

Nach einer so langen kalten Dusche und einer Nacht, in der er sie ohne jedes Maß in Anspruch genommen hatte, wäre es eher überraschend gewesen, wenn sie kein Fieber bekommen hätte.

Elijah legte ihr ein Kissen unter den Kopf und deckte sie mit einer Decke zu.

Er musste schnell einen Weg finden, hier herauszukommen. Stacie war ohnehin ängstlich. Falls das Fieber nun auch noch ihr Gehirn schädigte, bekam er ein großes Problem.

Als er bemerkte, was er gerade dachte, beschimpfte er sich innerlich mehrmals.

Scheiße!

Seit wann war er so fürsorglich geworden?

Elijah hatte kein Kommunikationsgerät bei sich. Stacie konnte ebenfalls unmöglich eines haben.

Also blieb ihm nur, bei den Männern im Schlafzimmer zu suchen.

Er wollte sich gerade wieder hineinbegeben. Dann sah er Stacie auf dem Sofa liegen.

Er nahm eine Bettdecke, faltete sie doppelt und legte sie vor das Sofa, damit sie beim Herunterfallen nicht direkt auf den Boden stürzte.

Er sorgte sich nicht um sie. Sie hatte lediglich noch einen Nutzen für ihn.

Er musste herausfinden, wie seine Krankheit plötzlich geheilt worden war.

Lag es daran, dass man ihn am Vorabend unter Drogen gesetzt hatte? Oder lag es an ihr?

War er wirklich geheilt? Oder reagierte er nur auf sie?

Die meisten Männer im Ankleidezimmer waren bereits wieder zu sich gekommen.

Als Elijah den Raum betrat, wichen sie einer nach dem anderen zurück, als hätten sie einen Geist gesehen.

„Bitte verschonen Sie uns!“

„Wir wagen es nie wieder!“

Als der Anführer den Anfang gemacht hatte, stimmten die anderen sofort ein.

„Genau! Wir haben nur gegen Geld gearbeitet!“

Elijah beachtete sie nicht.

„Habt ihr ein Handy dabei?“

Die Männer schüttelten den Kopf wie Wackelfiguren.

„Uns wurde ausdrücklich verboten, während der Arbeit ein Handy mitzunehmen.“

„Ihr seid wirklich zu nichts zu gebrauchen!“

Elijah holte bereits mit dem Arm aus und trat auf sie zu. Er wollte ihnen wenigstens eine Tracht Prügel verpassen.

Sofort fielen die Männer auf die Knie und flehten um Gnade.

„Wollen Sie jemanden außerhalb kontaktieren?“

Der Mann, der sich in der Ecke verkrochen hatte, meldete sich zitternd zu Wort.

Elijahs Blick richtete sich sofort auf ihn.

Der Letzte streckte den Hals und seine gefesselten Hände nach vorn.

„Mit meiner Smartwatch kann man telefonieren ...“

„Du bist wenigstens ein bisschen nützlich.“

Elijah ging in die Hocke, nahm ihm die Smartwatch ab und ging sofort wieder hinaus.

Er wählte routiniert Samuels Nummer.

Beim ersten Versuch klingelte es ein paar Mal. Dann wurde der Anruf beendet.

Elijah musste beinahe lachen, so wütend war er.

Sobald er hier herauskam, schraubte er Samuel den Kopf ab und kickte ihn wie einen Ball weg.

Beim zweiten Versuch klingelte es nur einmal. Dann wurde der Anruf erneut beendet.

Elijah schlug mit der Faust gegen die Wand. Seine Wut hatte inzwischen ihren Höhepunkt erreicht.

Er beruhigte sich mit großer Mühe. Erst danach wählte er ein drittes Mal.

Der dritte Anruf wurde sofort angenommen.

Direkt danach ertönte eine wütende Schimpftirade.

„Es ist fünf Uhr morgens!“

„Welcher verdammte Idiot will sterben und wagt es, mich beim Schlafen zu stören?“

„Sag mir, wer du bist. Heute Nacht mache ich dich persönlich fertig!“

„Rede schon, du gewissenloser Mistkerl!“

Samuel schimpfte am anderen Ende weiter.

Elijah hielt das Gerät zwei Zentimeter von seinem Ohr entfernt. Als Samuel kurz Luft holte, stieß er ein kaltes Lachen aus.

Die Schimpftirade verstummte augenblicklich.

Zwei Sekunden lang herrschte Stille. Dann wurde Samuels Stimme plötzlich ernst.

„Elijah?“

„Hm.“

„Scheiße! Ich habe gestern zu viel getrunken und vergessen, dass du noch bei Nachtglanz bist!“

Auf der anderen Seite ertönte hektisches Rascheln.

„Du ... du bist doch in Ordnung, oder? Ich komme sofort und hole dich ab.“

Natürlich war er nicht in Ordnung. Die Sache war sogar gewaltig!

„Organisiere Leibwächter, einen Hubschrauber und ein medizinisches Team. Sofort!“

Elijah wollte gerade die Adresse nennen. Dann fiel ihm ein, dass er selbst nicht wusste, wo er sich befand.

Er trat die Tür auf. Die Männer im Zimmer erschraken erneut.

Mit eisiger Stimme presste er zwei Worte hervor:

„Die Adresse!“

Der Mann, der ihm die Smartwatch gegeben hatte, reagierte sofort.

„Flussauen-Residenz, Haus 20!“

Elijah wiederholte die Adresse mit kalter Stimme.

„Das medizinische Team kommt in die Villa Wellenruh. Die Leibwächter und der Hubschrauber müssen innerhalb einer halben Stunde bei Haus 20 in der Flussauen-Residenz sein.“

Samuel war vollkommen sprachlos.

Was war in der vergangenen Nacht nur passiert?

Warum brauchte Elijah gleichzeitig Leibwächter, einen Hubschrauber und ein medizinisches Team?

„Und stell mehrere Ärztinnen bereit!“

Als er das hörte, wurde Samuel am anderen Ende sogar beim Atmen vorsichtig.

Mehrere Ärztinnen?

Er witterte, dass hier etwas nicht stimmte.

Doch er wagte nicht nachzufragen.

Er stimmte lieber sofort zu. Selbst eine spätere Abrechnung nahm er dafür in Kauf.

„Alles klar. Warte dort!“

Samuel handelte schnell.

Zwanzig Minuten später wurde das Tor der Villa gewaltsam aufgebrochen.

Elijah hatte Stacie gerade frische Kleidung angezogen und sie zusätzlich in eine Decke gewickelt. Sie lag wie eine Seidenraupe in seinen Armen.

Samuel sah das Chaos auf dem Boden. Dann blickte er auf das Mädchen in Elijahs Armen.

Er war so schockiert, dass er lange kein Wort hervorbrachte und sich auch nicht zu sprechen traute.

Elijah trat nach ihm.

„Geh aus dem Weg!“

Samuel sprang sofort zur Seite.

„Jawohl, Boss!“

„Die neun verdammten Männer dort drinnen werden der Polizei übergeben. Findet alle Kameras im Zimmer. Sichert die Daten und schickt sie mir!“

Elijah streckte den Hals und warf einen Blick hinein. Dabei bemerkte er, dass eine weitere Tür offen stand.

„Verstanden!“

Samuel gab den Leibwächtern hinter sich sofort Anweisungen. Danach eilte er Elijah hinterher.

Eine solche Gelegenheit, sich das Spektakel anzusehen, durfte er unmöglich verpassen.

Auch wenn er dafür vielleicht eine Tracht Prügel kassierte. Neugier war schließlich wichtiger.

Kurz darauf landete der Hubschrauber bei Elijahs Privatresidenz, der Villa Wellenruh.

Kaum war der Hubschrauber aufgesetzt, stürmte das bereits wartende medizinische Personal mit einer Trage heran.

Während Elijah Stacie auf die Trage legte, fasste er die Ereignisse knapp zusammen:

„Sie steht unter Schock. Sie hat ein unbekanntes aphrodisierendes Räucherwerk eingeatmet. Außerdem saß sie gestern eine halbe Stunde unter einer kalten Dusche. Danach hat sie die ganze Nacht keine Minute geschlafen.“

Samuel erstarrte vollständig.

Jetzt wusste er auch, dass sich der Weg gelohnt hatte.

Elijah konnte endlich funktionieren!

Das war ein Grund zum Feiern.

Er selbst hatte Elijah am Vorabend zu Nachtglanz geschickt. Wenn Elijah dank dieser Nacht wieder funktionierte, hatte Samuel immerhin ein wenig dazu beigetragen.

Damit war er praktisch sein Lebensretter.

Von wegen, Elijah wollte sich für seine Hilfe erkenntlich zeigen. Zumindest würde er ihn jetzt wohl nicht umbringen.

Samuel war so glücklich, dass er beinahe auf der Stelle herumgesprungen wäre.

Als die anderen bereits durch die Tür verschwanden, eilte er ihnen hinterher.

„Boss, warte auf mich! Und auf deine Schwägerin!“

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