ログインEvelyns POVDas Abendessen an diesem Abend fühlte sich nicht wie ein Abendessen an.Es fühlte sich wie ein Treffen an.Ein kaltes Treffen.Der Tisch war lang, poliert und wie immer perfekt. Das Essen war teuer, gut zubereitet und wunderschön angerichtet. Jeder, der von außen zusah, würde denken, diese Familie hätte alles.Aber als ich dort saß … konnte ich es spüren.Etwas stimmte nicht.Sogar die Luft fühlte sich angespannt an.Lucas saß bereits da. Sein Gesichtsausdruck war wie immer ruhig, aber ich hatte lange genug gelebt, um zu wissen, wann Ruhe kein Frieden bedeutete. Seine Stille in diesen Tagen war nicht normal. Sie war schwer, wie bei einem Mann, der etwas mit sich herumträgt, das er nicht loslassen will.Valentina kam einige Minuten später herein. Sie sah wie immer wunderschön aus, trug ein eng anliegendes Kleid und hatte ihr Haar perfekt frisiert. Aber ihr Gesicht … ihr Gesicht war anders.Man sah die Anspannung darin.Sie setzte sich neben Lucas, ohne ihn anzusehen.Allein
Evelyns POVDer Morgen fühlte sich viel zu still an.Nicht wie die friedliche Stille. Nein. Diese hier fühlte sich schwer an … als würde etwas passieren.Ich saß mit einer Tasse Tee im Wohnzimmer, aber ich trank nicht davon. Der Tee war schon vor langer Zeit kalt geworden.Meine Augen waren auf den Fernseher gerichtet.Die Nachrichten liefen.Zuerst ging es nur um geschäftliche Themen. Aktien. Unternehmen. Zahlen.Dann plötzlich … sah ich es.Ein Bild meines Sohnes.Lucas Ashford.Und neben ihm … Valentina.Meine Finger schlossen sich fester um die Tasse.„Mach die Lautstärke höher“, sagte ich scharf.Das Dienstmädchen nahm schnell die Fernbedienung.„Ja, gnädige Frau.“Der Ton erfüllte den Raum.„…die Familie Ashford dominiert weiterhin die Geschäftswelt“, sagte der Reporter mit einem Lächeln. „Doch immer mehr Menschen beginnen, Fragen über die Zukunft der Familie zu stellen – besonders über die Frage nach einem Erben.“Mein Herz setzte kurz aus.Ich beugte mich langsam nach vorne.D
Naomis SichtDer zweite Tag fühlte sich schwieriger an als der erste.Ich weiß nicht warum.Vielleicht, weil die Aufregung von gestern verschwunden war.Gestern fühlte sich alles neu und hell an. Ich hatte keine Zeit, zu viel nachzudenken. Ich war einfach in Bewegung … und versuchte nur, mitzuhalten.Aber heute …Mein Kopf war voller Gedanken.Voller Erinnerungen.Voller stiller Angst.Ich wachte früh auf, noch vor Martha und Leo. Das Zimmer war noch dunkel, aber ich konnte nicht mehr schlafen.Langsam setzte ich mich auf und sah Leo an.Diesmal schlief er auf dem Rücken, eine Hand über seinem Kopf. Seine kleinen Finger bewegten sich ein wenig, als würde er träumen.Ich lächelte.„Wovon träumst du?“, flüsterte ich.Ich beugte mich näher zu ihm und küsste seine Stirn.Er wachte nicht auf.Gut.Er brauchte Ruhe.Nach allem, was er durchgemacht hatte … verdiente er Frieden.Ich stand leise auf und ging zum Fenster.London war bereits wach.Autos fuhren.Menschen gingen schnell.Niemand w
Naomis POVDas Erste, was mir auffiel, als ich die Augen öffnete, war die Stille.Nicht diese ruhige Art von Stille aus den Bergen. Diese war weich und friedlich, wie die Hand einer Mutter auf dem Kopf ihres Kindes. Diese hier war anders. Sie fühlte sich … seltsam an. Schwer. Als würde die Luft auf etwas warten.Ich blinzelte langsam und sah mich um.Das Zimmer war groß. Größer als jedes Zimmer, in dem ich jemals zuvor geschlafen hatte. Die Decke war hoch und weiß gestrichen wie frische Milch. Die Vorhänge waren lang und cremefarben und bewegten sich sanft im Wind, der durch das Fenster kam.Für einen Moment vergaß ich, wo ich war.Dann fiel es mir wieder ein.London.Wir waren in London.Ich setzte mich langsam auf, mein Herz schlug schnell. Das Bett war weich unter mir, viel zu weich. Es fühlte sich an, als würde ich darin versinken, wenn ich zu lange liegen blieb.Ich drehte schnell den Kopf.„Leo?“Meine Stimme kam leise heraus, fast ängstlich.Dann sah ich ihn.Er lag zusammenger
Naomi verspürte ein kleines bisschen Schuld, aber sie wusste, dass sie nicht für ihn bleiben konnte. Ihre Flügel waren endlich gewachsen, und sie musste fliegen.Im Anwesen saß Valentina in ihrem Zimmer und warf ihren Schmuck gegen den Spiegel. Klirr! Funkeln! Schepper!„Sie geht nach London!“, schrie Valentina ihren Vater Victor an, der in einem Stuhl in der Nähe saß. „Sie wird mit ihrem verzogenen Balg in einer schicken Wohnung leben! Und Lucas ist hier und starrt jeden Tag auf ihr Bild! Tu etwas, Vater!“Victor sah seine Tochter an. Langsam wurde er ihres Geschreis müde. „Ich kann nichts tun, Valentina. Sie steht jetzt unter internationalem Schutz. Die Medien lieben sie. Wenn wir ihr jetzt etwas antun, wird die Polizei direkt zu uns kommen. Wir müssen sie gehen lassen.“„Ich werde sie nicht gehen lassen!“, schrie Valentina. „Ich werde ihr folgen! Ich werde einen Weg finden, sie auch in London zu ruinieren!“„Du wirst hierbleiben und Ehefrau sein“, sagte Victor mit kalter Stimme. „W
Das Ashford-Anwesen war am Morgen sehr ruhig, aber die Stadt draußen war laut. Überall, wo man hinsah – auf den großen Bildschirmen auf den Straßen, an den Seiten der Busse und in den Fenstern der Ashford-Bürogebäude – war ein Gesicht zu sehen. Es war ein wunderschönes Gesicht mit freundlichen Augen und einem markanten Kinn.Es war Naomi.Das Unternehmen hatte eine große Entscheidung getroffen. Sie wollten der Welt zeigen, dass ihnen echtes Talent wichtig war. Sie wählten Naomis Zeichnung „Die Wahrheit“ als Gesicht ihrer neuen globalen Marke. Ihr Bild war nun in den Vereinigten Staaten, in Europa und auf der ganzen Welt zu sehen. Sie wurde als beste junge Künstlerin des Landes bezeichnet.Im Anwesen stand Valentina endlich wieder auf eigenen Beinen. Ihr Gips war weg, und sie trug wieder teure High Heels. Ihr Vater Victor hatte ihr gesagt, dass sie jeden Tag mit Lucas ins Büro gehen musste. Er wollte, dass sie das Geld im Auge behielt. Er wollte sicherstellen, dass Lucas nicht versucht







