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Kapitel 4: Purpurrote Fäden im Dunkel   

Auteur: Oceanly
last update Date de publication: 2026-07-21 20:00:20

Ich behielt Dravens Zettel den ganzen Tag über in meiner Tasche. Als die Nacht hereinbrach, waren meine Nerven zum Zerreißen gespannt. Ich hatte kaum gegessen, war Serenas Clique zweimal ausgewichen und hatte in den Vorlesungen gesessen, ohne ein Wort zu hören. Mein beengtes Zimmer fühlte sich wie der einzige sichere Ort an, der mir noch blieb. Ich schloss die Tür ab, streifte meine Stiefel ab und sank auf die Bettkante, rieb mir die Schläfen.

Ein leises Klicken ließ mich erstarren.

Das Schloss drehte sich von selbst. Schatten glitten unter der Tür hindurch. Draven trat ein, als würde ihm der Ort gehören, und schloss die Tür mit einem leisen Klopfen hinter sich. Die Luft wurde sofort schwer von seiner Dominanz und etwas Elektrischem, das ich in diesem Moment nicht benennen konnte.

„Wie hast du…“, begann ich und sprang auf.

Er lehnte sich gegen die Tür, seine Augen auf mich gerichtet. „Magie hat ihren Nutzen. Wir müssen über die Rückzahlung sprechen, Elowen.“

Ich verschränkte die Arme und versuchte zu ignorieren, wie klein sich das Zimmer anfühlte, wenn er es ausfüllte. Seine hochgewachsene Gestalt, sein athletischer Körperbau und diese markante Kieferlinie ließen alles andere verschwinden. „Das habe ich dir schon gesagt. Ich zahle das Aurum zurück. Extraschichten, was auch immer. Nenn mir nur den Betrag und den Zeitplan.“

Draven stieß sich von der Tür ab und trat näher. Langsam. Wie ein Raubtier, das wusste, dass seine Beute nirgendwo hinkonnte. „Und ich habe dir gesagt, es geht nicht um Geld. Das ist nicht, was ich von dir will.“

Mir stockte der Atem. Ich wich zurück, bis meine Beine gegen das Bett stießen. „Was willst du dann?“

Er blieb nur wenige Zentimeter entfernt stehen. Der Geruch von Rauch und Nachtluft umgab mich. Seine Augen leuchteten an den Rändern schwach violett. „Dich. Für ein volles Semester. Du gibst dich öffentlich als meine Schicksalsgefährtin aus.“

Ich starrte ihn an und wartete auf den Scherz. Er kam nicht. „Das ist dein Ernst.“

„Absolut ernst.“ Seine Stimme war tief, rau. „Trag mein Wappen. Besuch Veranstaltungen mit mir. Zieh in meine Turm-Villa. Verkauf die Bindung überzeugend mit Zuneigungsbekundungen. Im Gegenzug bleibt deine Schuld beglichen. Keine Vollstrecker mehr. Schutz vor meiner Schwester und jedem anderen, der glaubt, dich anrühren zu können.“

Das Angebot hing in der Luft wie ein bereits halb unterschriebener Vertrag. Ich war nicht überrascht. Zumindest nicht völlig. Männer wie Draven tilgten keine gewaltigen Schulden aus Freundlichkeit. Trotzdem trafen mich die Worte hart. „Fake-Dating mit dir? Als deine Schicksalsgefährtin? Das ist wahnsinnig. Die ganze Akademie würde durchdrehen. Und warum ich? Es gibt genug hochblütige Mädchen, die sofort zugreifen würden.“

Dravens Hand hob sich und stützte sich an der Wand neben meinem Kopf ab. Er umschloss mich, ohne mich zu berühren. Dominanz strömte wellenweise von ihm aus. „Das ist nicht willkürlich, Elowen. Ich brauche diese Vereinbarung. Und du brauchst den Schutz.“

Mein Herz schlug so laut, dass ich sicher war, er könnte es hören. Die Spannung verdichtete sich. Seine Körperwärme erwärmte den kleinen Raum zwischen uns. Ich konnte die schwachen Bartstoppeln an seinem Kiefer erkennen, wie sein dunkles Haar unordentlich herabfiel. Ein Teil von mir wollte ihn wegstoßen. Ein anderer, gefährlicherer Teil fragte sich, wie es sich anfühlen würde, wenn er diese Lücke schlösse. Ich verscheuchte den Gedanken. Ich sollte solche Gedanken jetzt nicht haben. Schon gar nicht bei einem Nightshade.

„Ich brauche keine falsche Gefährtin“, flüsterte ich. „Ich habe so lange überlebt.“

„Kaum.“ Seine freie Hand strich über meinen Arm, dort, wo das Mal gewesen war. Funken sprangen über. Meine silberne Magie reagierte auf seinen Schatten. Es fühlte sich gut an. Zu gut. „Ein Semester. Spiel die Rolle gut genug, und wir bekommen beide, was wir brauchen. Brich die Bedingungen, und die Schuld kehrt zurück. Verdreifacht. Mit Zinsen.“

Ich suchte in seinem Gesicht nach einem Anzeichen einer Lüge. Er wirkte todernst. „Das ist Erpressung.“

„Nenn es einen Vertrag.“ Er beugte sich noch näher heran, sodass wir uns nun auf Augenhöhe gegenüberstanden.

Hitze überflutete mein Gesicht. Ich legte eine Hand auf seine Brust, um ihn zurückzudrängen. Seine Muskeln waren hart unter meiner Handfläche. „Zurück, Draven. Ich brauche Luft.“

Er rührte sich nicht. Stattdessen fing er meine Hand ein und hielt sie gegen sich gedrückt. „Denk schnell nach. Die Akademie tuschelt schon über letzte Nacht. Gib Serena keine weitere Gelegenheit, dein Leben schlimmer zu machen. Bei mir rührt dich niemand an.“

Die Dominanz in seiner Stimme jagte mir einen Nervenkitzel durch den Körper, den ich hasste. Ich konnte mir die Gerüchte schon vorstellen. Armes Mädchen fängt sich den Schattenmagier. Oder er benutzt mich als Spielzeug. Beide Optionen waren furchtbar.

„Was hast du davon?“, fragte ich, meine Stimme leiser als gewollt. „Wirklich.“

Dravens Augen verdunkelten sich. „Das ist meine Angelegenheit. Sag für jetzt einfach Ja, und ich sorge dafür, dass du sicher bist, satt und stärker wirst. Deine Magie bleibt nicht ewig schwach, wenn du mir nahe bist.“

Ich schluckte schwer. Sein Daumen zeichnete einen kleinen Kreis auf meinen Handrücken. Der Kontakt war elektrisierend. „Ein Semester. Alles vorgetäuscht?“

„Einschließlich öffentlicher Zuneigungsbekundungen.“ Sein Blick fiel wieder auf meine Lippen. „Manche Momente werden sich real genug anfühlen. Das gehört dazu, es glaubhaft zu verkaufen.“

Mein Verstand raste. Ablehnen und zurück zum Durchwursteln, dem Ausweichen vor Vollstreckern und Mobbern. Annehmen und in die Höhle des Löwen treten, zum mächtigsten und gefährlichsten Kerl der Akademie. „Es müssen Regeln festgelegt werden. Keine Berührungen, außer wenn nötig. Keine Lügen mir gegenüber. Und behandle mich nicht wie ein Werkzeug.“

Draven lächelte finster. „Über einige Bedingungen können wir verhandeln. Aber Berühren wird nötig sein. Die Leute müssen die Bindung glauben.“

Die Luft fühlte sich heißer an. Ich zog meine Hand frei und schlüpfte seitwärts, stellte den Schreibtisch zwischen uns. „Kannst du mir Zeit zum Nachdenken geben? Du kannst morgen wiederkommen für meine Antwort.“

Er beobachtete mich, Belustigung und Hunger mischten sich in seinem Ausdruck. „Trödel nicht zu lange, kleine Magierin. Die Uhr beginnt bald zu ticken. Ich komme mit dem Vertrag zurück.“

Draven ging zur Tür. Bevor er hinausging, blickte er zurück. „Schließ nächstes Mal richtig ab. Nicht, dass es mich aufhalten würde.“

Dann war er fort, die Schatten glitten mit ihm hinaus. Ich sank aufs Bett, den Kopf in den Händen. Das beengte Zimmer trug noch seinen Duft.

Fake-Dating mit Draven Nightshade. Mich als seine Schicksalsgefährtin ausgeben. Es klang wie ein Albtraum, eingewickelt in Versuchung. Aber die Alternative war schlimmer.

Ich legte mich zurück und starrte an die Decke. Der Schlaf fiel mir nicht leicht. Träume vermischten Demütigungen im Innenhof mit Draven, der mich in die Enge trieb.

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