ANMELDENDer nächste Abend kam schneller, als mir lieb war. Ich hatte den ganzen Tag halb damit gerechnet, dass Draven mitten in einer Vorlesung oder in der Schlange der Mensa auftauchen würde. Als es nach Sonnenuntergang an meiner Zimmertür klopfte, wusste ich bereits, wer es war. Mein Magen zog sich vor Nervosität und etwas Schärferem zusammen.
Ich öffnete die Tür. Draven füllte den Türrahmen aus, ein zusammengerolltes Pergament in der Hand, versiegelt mit leuchtendem schwarzem Wachs. Seine Präsenz traf mich sofort.
„Komm rein“, sagte ich, bevor er sprechen konnte. Besser, das zu meinen Bedingungen hinter mich zu bringen, auch wenn das Zimmer winzig war.
Er trat ein und schloss die Tür. Die Luft wurde sofort dicker. Dominanz und unausgesprochene Spannung umschlangen uns wie unsichtbare Fäden. Er setzte sich nicht. Er stand nur da, seine Augen auf meine gerichtet, hielt den Vertrag, als wäre es das Natürlichste der Welt.
„Du hattest Zeit zum Nachdenken“, sagte er, seine Stimme leise und fest. „Das ist der Handel.“
Draven rollte das Pergament auf meinem kleinen Schreibtisch aus. Das Papier schimmerte vor Magie, dunkle Runen krochen an den Rändern entlang. Oben stand in fetten Lettern: Seelengebundener Pakt.
Ich beugte mich darüber und las schnell. Mein Herz hämmerte mit jeder Zeile stärker.
„Das ist ein seelengebundener Pakt“, flüsterte ich.
Draven nickte und trat näher, sodass sein Arm meinen streifte. Hitze sprang zwischen uns über. „Genau. Die Bedingungen sind klar. Es ist genau das, was ich zuvor gesagt habe. Du trägst jederzeit mein verzaubertes Hauswappen. Du ziehst noch heute Nacht in die Nightshade-Turm-Villa. Keine Durchbrechung der öffentlichen Fassade. Private Nähe, wenn nötig, um es glaubhaft zu machen. Im Gegenzug bleibt die Schuld deiner Mutter getilgt. Dauerhafter Schutz. Und ich trainiere deine Magie, damit sie nicht mehr so schwach ist.“
Ich sah zu ihm auf, meine silbergrauen Augen trafen seine obsidianschwarzen. „Seelengebunden? Das bedeutet, wenn ich ihn breche…“
„Die Magie setzt es durch“, sagte er beiläufig, doch sein Blick war intensiv. „Die Schuld wird reaktiviert, mit verdreifachten Zinseszinsen. Aber du wirst ihn nicht brechen. Dafür bist du zu klug.“
Ich war von den Bedingungen nicht mehr überrascht. Nach dem Gespräch letzte Nacht hatte ich etwas Bindendes erwartet. Trotzdem wurde mein Mund trocken, als ich es auf Papier sah. „Warum ein Seelenpakt? Warum nicht eine normale Vereinbarung?“
„Weil normale Vereinbarungen gebrochen werden können.“ Er legte eine Hand auf den Schreibtisch und beugte sich vor. Unsere Gesichter waren nah beieinander. „Dieser hier nicht. Er ist zu beiderseitigem Nutzen. Ich brauche, dass die Akademie glaubt, ich hätte meine Schicksalsgefährtin gefunden. Du brauchst Sicherheit und Macht. Wir gewinnen beide.“
Die Spannung im Raum wurde schwerer. Ich konnte seinen Atem auf meiner Wange spüren. Hitze baute sich trotz allem tief in meinem Bauch auf. Sein Körper war so nah, dass ich die Linie seines markanten Kiefers nachzeichnen konnte.
„Und wenn ich Nein sage?“, fragte ich, meine Stimme leiser, als mir lieb war.
Dravens freie Hand hob sich, die Finger strichen leicht über meinen Arm, von oben nach unten. „Dann kommt die Schuld morgen zurück. Vollstrecker werden dich wiederfinden. Und ich werde beim nächsten Mal nicht eingreifen.“
Ich zog meinen Arm zurück, aber langsam. „Du drängst mich in die Enge.“
„Ich biete dir einen Ausweg“, erwiderte er, seine Augen leuchteten schwach violett. „Einen besseren. Lies den Rest der Bedingungen.“
Ich wandte mich wieder dem Vertrag zu. Er listete alles auf: verpflichtende öffentliche Verabredungen, gemeinsame Mahlzeiten, Schlafen in Zimmern gegenüber voneinander in der Villa, keine anderen romantischen Interessen, gemeinsamer Besuch elitärer Veranstaltungen in seinen Farben. Intime Gesten, wenn Augen auf uns gerichtet waren. Der Pakt würde unsere Auren vorübergehend verbinden und die Geschichte der Schicksalsgefährten für andere Magier glaubhaft machen.
„Ein Semester“, sagte ich und zeichnete mit dem Finger eine Rune nach. „Dann endet es?“
„Es sei denn, wir wollen beide mehr.“ Seine Stimme sank tiefer, rauer. „Aber das ist ein Gespräch für später. Unterschreib, und du bist ab heute Nacht sicher. Lehn ab, und du bist wieder da, wo du angefangen hast. Allein und gejagt.“
Ich stand da, mein Herz raste. Das enge Zimmer fühlte sich noch kleiner an. Dravens Dominanz drängte sich auf, aber auch die Erinnerung an die Drohungen der Vollstrecker, Serenas Grausamkeit, den endlosen Kampf. Das war ein Käfig, aber wenigstens kam er mit Schutz.
„Was ist mit deiner Schwester?“, fragte ich. „Sie wird das hassen.“
Dravens Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Serena ist mein Problem. Sie wird dich nicht anrühren. Der Vertrag schützt auch davor.“
Ich nahm die Feder, die auf dem Schreibtisch erschienen war, sie glühte in derselben dunklen Magie. Meine Hand zitterte leicht. „Wenn ich unterschreibe, erklärst du mir alles. Keine Geheimnisse mehr darüber, warum du das tust.“
„Manche Geheimnisse bleiben vorerst meine“, sagte er. „Aber ich sage dir, was du wissen musst. Unterschreib, Elowen. Lass mich dich auf die einzige Art schützen, die funktioniert.“
Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt. Ich konnte eine gefährliche Anziehung zu seiner Macht, seiner Intensität, der Art, wie er mich ansah, spüren. Ich tauchte die Feder ein.
„Das sollte besser kein Fehler sein“, murmelte ich.
Ich unterschrieb mit meinem Namen. Das Pergament flammte in Karminrot und Schwarz auf. Die Magie sank in meine Haut, ein warmes Brennen über Brust und Handgelenk. Ein vorübergehendes leuchtendes Mal erschien kurz, bevor es verblasste und den Pakt besiegelte.
Dravens Augen verdunkelten sich vor Zufriedenheit. Er unterschrieb unter meinem Namen mit einem schnellen Federstrich. Der Vertrag rollte sich von selbst zusammen, pulsierte einmal, bevor er zur Ruhe kam.
„Es ist getan“, sagte er. Die Luft zwischen uns fühlte sich aufgeladen an, fast intim. „Pack deine Sachen. Wir gehen jetzt zur Turm-Villa.“
Ich nickte, immer noch dabei, alles zu verarbeiten. Mein Körper summte von der Seelenbindung. Alles fühlte sich lebendiger an, besonders seine Anwesenheit. „Gib mir zehn Minuten.“
Draven wartete an der Tür und sah zu, wie ich meine wenigen Habseligkeiten sammelte. Ein paar Kleidungsstücke, Bücher, eine kleine Kette von meinem Vater. Das Zimmer leerte sich schnell. Als ich fertig war, nahm er meine Tasche, ohne zu fragen.
„Bereit für dein neues Leben?“, fragte er, ein dunkler Unterton von Versprechen in seiner Stimme.
Ich trat mit ihm hinaus in den Flur. „So bereit, wie ich je sein werde. Aber vergiss nicht, das ist vorgetäuscht. Mach dir keine Hoffnungen.“
Sein leises Lachen sandte Hitze durch mich. „Dafür ist es zu spät, kleine Gefährtin.“
Wir schlichen uns unter dem Schutz der Nacht hinaus, in Richtung des Nightshade-Turms. Der seelengebundene Vertrag brannte in meinen Adern wie ein neuer Herzschlag. Ein Semester des Vortäuschens. Ein Semester, ihm zu gehören.
Ich hatte keine Ahnung, wie echt es sich bald anfühlen würde.
Einer der Jungen zerrte mich rückwärts, während ein anderer eine zweite Tür aufschlug. Der Lagerraum dahinter war kleiner, mit Regalen voller instabiler Reagenzien in versiegelten Kristallgläsern gesäumt. Warnrunen leuchteten entlang der Wände. Die Luft roch bereits scharf und unbeständig.„Da rein“, befahl Serena. „Lass den Raum den Großteil der Arbeit erledigen.“Sie stießen mich hinein. Die Tür versiegelte sich mit einem schweren Klicken und einem Aufflammen von Schließbannzauber. Ich schlug hart auf dem Steinboden auf. Schmerz schoss durch meine Schulter und Hüfte. Der Bannzauber an meinem Handgelenk löste sich in dem Moment, als die Tür zufiel, auf, aber der Schaden war bereits angerichtet. Ich war in einem Raum voller instabiler Reagenzien eingesperrt, ohne klaren Ausgang und mit vier Feinden auf der anderen Seite.Ich stemmte mich hoch. Gläser klirrten vom Aufprall in den Regalen. Eines bekam einen Sprung an der Seite und begann, einen langsamen, zischenden Dampf auszustoßen. D
Meine Magie hatte noch nie so reagiert. Silberne Funken, die zu seinen Schatten rasten, Kanäle, die sich weiter öffneten, als es jahrelange schwache Übung je geschafft hatte. Der Kuss hatte etwas Rohes aus uns beiden hervorgeholt.Ich zog mich langsam aus der Uniform aus, spürte immer noch die verbleibende Wärme. Ich legte mich hin und starrte an die Decke. Die Akademie würde einen kontrollierten Anspruchskuss sehen. Sie würden nie wissen, wie schnell er echt geworden war, oder wie heftig er sich danach zurückgezogen hatte, mit Begierde, die noch in seinen Augen glühte.Morgenlicht schnitt früher als gewollt durch die schweren Vorhänge des Turms. Ich zog meine Akademieuniform an, legte die Wappenkette an und ging nach unten. Er war bereits fort. Eine kurze Notiz auf dem Tisch besagte nur, dass das Shadowflame-Training früh begonnen habe und er mich danach finden würde.Ich ging allein zur Akademie. Die Studenten starrten immer noch. Das Foto des Kusses war über Nacht gepostet worden u
Die Schutzzauber des Turms versiegelten sich mit ihrem üblichen sanften Druck hinter uns. Draven ging voraus ins Wohnzimmer und schenkte Wasser für uns beide ein. Das Feuer brannte bereits niedrig. Ich setzte mich auf die Kante einer Couch und versuchte, das restliche Adrenalin sich legen zu lassen.Er reichte mir ein Glas und blieb stehen. „Wir brauchen mehr als gemeinsame Spaziergänge und eine öffentliche Ankündigung, um zu beweisen, dass wir wirklich zusammen sind. Wir brauchen ein intimes Foto zusammen.“Ich blickte auf. „Ein Foto?“„Einen Kuss.“ Seine Stimme blieb ruhig, aber die Intensität dahinter war unverkennbar. „Es muss glaubhaft sein. Die Akademie muss die Bindung als echt ansehen. Wir sollten es heute Abend tun. Der Zeitpunkt passt gut, angesichts des vorherigen Ausflugs.“Die Paktmale erwärmten sich bei den Worten unter meiner Haut. Ich stellte das Glas ab. „Hier? Jetzt?“„Hier. Das Licht ist gut, und der Hintergrund sieht schön aus. Ich poste es von meinem Konto aus, ge
Der hochblütige Duellant drehte sich langsam um. Die Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Seine Freunde traten zurück, ohne dass man es ihnen sagen musste. Der Druck in der Luft ließ die Kristallgläser auf den Tischen leise klirren.Draven kam näher. Die Schatten folgten ihm wie lebendige Ausläufer seines Willens. „Du hast dich über ihren Status lustig gemacht. Über ihre Magie. Ihren Platz hier. Tu das noch einmal, während ich im selben Raum stehe, und finde heraus, was mit deinen Zauberkanälen passiert.“Der Rivale schluckte. „Nightshade… ich meinte nicht…“„Du hast jedes Wort so gemeint.“ Dravens Macht drückte für eine einzige Sekunde stärker. Mehrere Studenten in der Nähe keuchten, als die Luft dicker wurde. „Sie steht unter meinem Anspruch. Wenn du das nächste Mal deinen Mund über ihre Blutlinie oder ihre Affinität aufmachst, sorge ich dafür, dass du den Rest des Semesters nicht einmal einen einfachen Zauber zustande bringst. Verstanden?“Der Duellant nickte schnell. Seine Freun
Der Elitetreffpunkt lag auf den oberen Terrassen der Eldritch-Akademie, ein weiter offener Pavillon, beleuchtet von schwebenden Laternen und umgeben von niedrigen Barrieren, die die gewöhnlichen Studenten fernhielten. Nur Teammitglieder, Hochblütige und ihre eingeladenen Partner durften die Schutzzauber passieren. Heute Abend füllten das Shadowflame-Team und zwei rivalisierende Mannschaften den Raum. Musik trieb von einem verzauberten Kristallset herüber. Tische trugen Platten mit Speisen, die schwach von gespeichertem Mana leuchteten.Draven führte mich mit seiner Hand an meiner Hüfte durch den Eingang. Gespräche verstummten, als wir hereinkamen. Blicke verfolgten uns genau wie seit Dravens Ankündigung, dass wir zusammen seien. Ich hielt mein Kinn gerade und passte mich seinem Tempo an.„Unser erstes öffentliches Date“, sagte er leise nah an meinem Ohr. „Sei nicht steif. Denk daran, wir müssen es verkaufen.“Wir erreichten einen niedrigen Tisch nahe der Mitte. Draven zog mir einen St
Am nächsten Nachmittag beobachtete ich sie vom oberen Balkon der Mensa aus, halb verborgen im Schatten einer Stützsäule. Elowen saß allein an einem Ecktisch, das Tablett vor sich, die Schultern gerade trotz des Gewichts jedes Blicks im Raum. Die Studenten warfen ihr wellenweise Blicke zu. Ehrfurcht von denen, die sie plötzlich interessant fanden, Scham von denen, die sie jahrelang verspottet hatten, und ein Dutzend anderer Ausdrücke, die ich mir nicht die Mühe machte zu benennen.Der Seelenpakt summte schwach am Rand meiner Sinne. Ich konnte ihre Magie spüren, schwach, aber beständig, silberne Fäden, die auf die Aufmerksamkeit um sie herum reagierten. Sie blickte nicht auf. Sie aß nur, langsam und kontrolliert, und weigerte sich, dem Raum die Reaktion zu geben, die er wollte.Serena saß drei Tische weiter.Ich beobachtete meine Schwester, sobald sie eintrat. Ihr Gesicht wirkte immer noch wütend von gestern. Sie lachte zu laut mit ihrer kleinen Gruppe, aber ihre Augen zuckten immer wie







