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Sein einziges Verlangen
Sein einziges Verlangen
Author: Annie

Kapitel 1

Author: Annie
last update publish date: 2026-07-20 00:54:11

„Guten Morgen, Annie“, begrüßte mich meine Assistentin Lillian mit einem warmen Lächeln, als ich das Büro betrat.

Unwillkürlich lächelte ich zurück. Der schwere Nebel in meinem Kopf lichtete sich wenigstens ein wenig.

„Guten Morgen, Lillian. Du scheinst heute außergewöhnlich gute Laune zu haben.“

„Warum auch nicht? Heute ist Zahltag!“, sagte sie begeistert und legte einen kleinen Freudentanz hin, der uns beide zum Lachen brachte.

Ehrlich gesagt hatte ich völlig vergessen, dass heute der Tag war, auf den ich mich jeden Monat am meisten freute. In letzter Zeit waren meine Gedanken von ganz anderen Dingen beherrscht worden.

Lillian lehnte sich gegen meinen Schreibtisch und verzog das Gesicht.

„Und? Wie läuft es mit Josh?“

Ich seufzte schwer und begann, einige Unterlagen zu ordnen, nur um meine Hände zu beschäftigen.

„Immer noch genauso.“

„Er macht dir einen Heiratsantrag und verschwindet dann einfach eine ganze Woche?“, schnaubte sie. „An deiner Stelle hätte ich die Verlobung längst aufgelöst.“

„Es ist doch erst eine Woche“, murmelte ich und versuchte erneut, sein Verhalten zu entschuldigen.

„Ja. Eine ganze Woche“, erwiderte sie und zeigte mit dem Finger auf mich. „Mehr als genug Zeit, um einen besseren Mann zu finden.“

Ich wollte gerade widersprechen, als ein Klopfen an der Tür uns unterbrach.

„Lieferung für Annie Lin.“

In der Tür stand eine Zustellerin, die hinter einem riesigen Strauß rosafarbener Blumen kaum noch zu sehen war.

„Das bin ich.“

Mit hörbarer Anstrengung stellte sie den schweren Blumenstrauß auf meinen Schreibtisch.

„Ihr Verliebten solltet wirklich mal an uns Lieferfahrer denken“, murmelte sie und streckte sich den schmerzenden Rücken.

„Das tut mir wirklich leid.“

„Kein Problem. Sagen Sie ihm einfach, dass er es beim nächsten Mal etwas kleiner angehen soll. Hier bitte unterschreiben.“

Kaum hatte die Frau das Büro verlassen, stürzte sich Lillian auf den Strauß.

„Ich frage mich, von wem der wohl ist.“

„Von Josh natürlich“, sagte ich.

„Ach wirklich?“

Sie verdrehte die Augen.

Ich ignorierte ihren Tonfall und trat näher.

Pfingstrosen.

Üppig, duftend und wunderschön.

Meine Lieblingsblumen.

Doch gleichzeitig breitete sich ein seltsames Gefühl in meinem Magen aus.

Josh hatte mir noch nie Pfingstrosen geschenkt.

Während unseres gesamten Jahres zusammen hatte er mir immer Rosen gekauft. Nicht etwa, weil ich sie besonders mochte, sondern weil sie die Lieblingsblumen seiner Mutter waren. Er bestellte einfach jedes Mal denselben Strauß für uns beide.

Ich hatte ihm unzählige Male gesagt, dass ich Pfingstrosen liebte.

Er hatte nur gelächelt und gemeint, das spiele doch keine Rolle.

Beim Anblick dieses riesigen Straußes wollte ich so sehr glauben, dass er mir diesmal endlich zugehört hatte.

„Da ist eine Karte!“, rief Lillian.

Noch bevor ich danach greifen konnte, hatte sie sie bereits in der Hand.

„Darf ich?“

„Nur zu.“

Sie räusperte sich übertrieben.

„Liebe Annie. Ich kann es kaum erwarten, an deiner Seite zu sein, denn genau das wollte ich schon immer. – X.“

Hitze schoss mir ins Gesicht.

„Ein bisschen kitschig“, meinte Lillian grinsend, „aber irgendwie trotzdem romantisch.“

„Siehst du? Josh ist gar nicht so schlimm.“

„Josh?“

Sie lachte ungläubig.

„Das ist eindeutig von einem heimlichen Verehrer. Hör endlich auf, für diesen Mann Ausreden zu suchen.“

„Du solltest meinem Verlobten etwas mehr zutrauen.“

„Und du solltest aufhören, ihn ständig zu entschuldigen. Wenn die Blumen von Josh sind – warum steht dann da nur ein X?“

„Vielleicht ist das der Name des Blumenladens.“

Lillian sah mich mit völlig ausdrucksloser Miene an.

„Annie. Jetzt mal im Ernst.“

„Wo ist eigentlich der Bericht, den ich dir gestern aufgetragen habe?“

Ihre Augen wurden groß.

Langsam wich sie rückwärts zur Tür.

„Wie bitte? Irgendwie höre ich heute gar nichts.“

„Lillian.“

„Ich glaube, ich brauche einen Hörtest.“

„Lillian.“

„Was hast du gesagt? Ob ich Pause machen soll?“

Noch bevor ich antworten konnte, war sie lachend aus dem Büro verschwunden.

Ich ließ mich schmunzelnd in meinen Stuhl fallen.

Zumindest hatte sie endlich aufgehört, mich wegen Josh aufzuziehen.

Genau in diesem Moment vibrierte mein Handy.

Ich rechnete mit einer beruflichen Nachricht.

Doch stattdessen erschien auf dem Display nur ein kurzer Satz.

Treffen wir uns.

Von Josh.

Mein Herz machte einen Sprung.

Er hatte mich also doch nicht vergessen.

...

Kurze Zeit später saß ich ihm in unserem Stammcafé gegenüber.

Ganz in Schwarz gekleidet.

Mit einer dunklen Sonnenbrille.

„Was ist passiert?“, fragte ich besorgt. „Ist jemand gestorben?“

„Nein.“

„Versteckst du dich vor jemandem?“

„Nein.“

„Bist du kr—“

„Jetzt reicht's!“

Seine laute Stimme ließ mehrere Gäste zu uns herüberschauen.

Sofort lächelte er ihnen entschuldigend zu.

Ein schmerzhafter Stich traf mein Herz.

Josh hatte mich noch nie angeschrien.

„Warum hast du mich herbestellt?“, fragte ich kühl.

Er bemerkte meinen Ton.

„Tut mir leid. Es läuft einfach alles schief.“

„Das kannst du laut sagen. Du machst mir einen Antrag und verschwindest dann eine Woche lang.“

„Können wir ausnahmsweise mal nicht alles um dich drehen lassen?“

Seine Worte trafen mich wie ein Schlag.

„Ich mache gerade etwas viel Schlimmeres durch.“

Ich presste die Lippen zusammen.

„Gut. Dann erzähl.“

Er fuhr sich erschöpft durchs Gesicht.

„Seit einem Jahr verliere ich Aufträge. Kunden. Investoren. Es fühlt sich an, als hätte mich die gesamte Branche auf eine schwarze Liste gesetzt.“

Er schwieg einen Moment.

„Alles lief perfekt ... bis wir zusammengekommen sind.“

Mir wurde eiskalt.

„Was willst du damit sagen?“

„Gar nichts.“

„Josh ... überleg dir gut, was du sagst.“

„Immer willst du alles lösen. Bestimmt willst du gleich wieder deinen Vater um Hilfe bitten.“

„Wenn seine Unterstützung deine Firma retten könnte ...“

„Nein!“

Seine Stimme hallte durch das Café.

„Ich nehme niemals Geld von deinem Vater an.“

„Warum?“

„Weil er dann auf mich herabblicken würde.“

Ich starrte ihn fassungslos an.

„Du würdest lieber alles verlieren?“

„Ja.“

Er sah mich verbittert an.

„Vielleicht steckt dein Vater sogar hinter meinem Untergang.“

„Wie kannst du so etwas behaupten?“

„Er hasst mich.“

„Nein. Du hast ihm nie einen Grund gegeben, dir zu vertrauen.“

Josh lachte trocken.

„Es war alles ein Fehler.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Was meinst du damit?“

Er sah mich kalt an.

„Ich hätte dich niemals daten dürfen.“

Mein Herz zerbrach.

„Es tut mir leid, Annie.“

Seine Stimme klang erschreckend emotionslos.

„Aber du bringst nichts als Unglück.“

Er stand auf.

„Meine Mutter hatte recht. Ein verwöhntes Mädchen wie du konnte mir nur Pech bringen.“

Heiße Tränen liefen über meine Wangen.

„Willst du wirklich alles wegwerfen?“

Er richtete seine Sonnenbrille.

„Den Ring kannst du behalten.“

Dann verließ er das Café.

Ich brach in Tränen aus.

Plötzlich erschien ein makellos weißes Taschentuch vor meinen Augen.

Verwirrt blickte ich auf.

Eine fremde Frau stand vor meinem Tisch.

„Wisch deine Tränen weg“, sagte sie sanft.

„Er ist sie nicht wert.“

Ich nahm das Taschentuch dankbar entgegen.

Noch bevor ich mich bedanken konnte, war sie bereits verschwunden.

...

Die Frau verließ das Café und stieg in den Fond einer luxuriösen schwarzen Limousine.

Im Wagen herrschte eisige Stille.

Ihr Chef war seit dem Morgen in miserabler Stimmung gewesen.

Vorsichtig räusperte sie sich.

Durch die dunkel getönten Scheiben beobachtete der Mann weiterhin Josh, der einige Meter entfernt neben seinem Auto stand und sich gerade eine Zigarette anzündete.

„Ich habe gute Nachrichten, Boss.“

„Sprich.“

Seine kalte Stimme verriet keinerlei Emotion.

„Sie haben sich getrennt.“

Mit einem Mal schien die bedrückende Atmosphäre im Wagen zu verschwinden.

Endlich wandte er den Blick zu ihr.

Seine eisgrauen Augen wirkten gefährlich ruhig.

Ein kaum sichtbares Lächeln spielte um seine Lippen.

„Sag mir eines.“

Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Glaubst du ... sie mochte die Blumen?“

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