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Auroras Perspektive
Die Bar war dunkel und laut. Musik hämmerte unter dem ständigen Klirren von Gläsern, und in unserer Eckbank waren meine Freundinnen irgendwie noch lauter als beides zusammen.
„Im Ernst?“, sagte Mia und kreiste den Rest ihres Drinks. „Du bist als Jungfrau von der Schule abgegangen und irgendwie auch durchs Studium gekommen?“
Ihr Lachen trug weit. Jeder, der vorbeiging, konnte jedes Wort hören. Hitze kroch mir den Nacken hoch. Ich fuhr mit dem Finger am Rand meines Glases entlang und wünschte mir, das Eis würde schneller schmelzen, nur damit ich etwas anderes anstarren konnte.
Ana grinste spöttisch, auch wenn für den Bruchteil einer Sekunde etwas Weicheres über ihr Gesicht huschte. „Sei nicht unhöflich, Mia. Wir wissen doch alle, dass die Männer vor Aurora weglaufen.“
Ich zwang mir das übliche selbstironische Lächeln ab und starrte weiter in mein Glas.
Mia schüttelte den Kopf, immer noch lächelnd. „Genau.“
„Das stimmt nicht“, sagte ich leise. „Hört auf. Bitte.“
Ana rollte mit den Augen. „Womit? Damit, das Offensichtliche auszusprechen? Du wirst nicht jünger, Aurora. Wenn sie nicht zu dir kommen, dann geh du zu ihnen. Versuch nur, dabei nicht allzu verzweifelt auszusehen.“
Ich schob den Stuhl zurück. Mias Hand schloss sich um mein Handgelenk, bevor ich aufstehen konnte.
„Siehst du den Typen da drüben? Den mit den braunen Locken?“
Ich blickte über den Raum, die Stirn gerunzelt. „Ich sehe niemanden.“
Ana tippte mir an die Schläfe. „VVIP-Bereich. Ärmel hochgekrempelt. Schwer zu übersehen.“
Ich folgte ihrem Blick. Mein Puls schlug hart gegen meine Rippen. „Was genau schlagt ihr vor?“
„Wenn du den kriegst“, sagte Mia, „beweist du, dass du nicht verflucht bist.“
Das Wort traf wie ein Schlag. Seit dem Studium – ehrlich gesagt schon länger – hatte ich Männer auf Distanz gehalten. Das war meine Entscheidung gewesen. Nach jener Nacht hatte ich Mauern errichtet und mich geweigert, mich dafür zu entschuldigen. Ich wusste immer noch nicht, ob ich sie jemals wieder einreißen würde.
Meine Stimme kam schärfer heraus, als ich wollte. „Ihr seid meine Freundinnen. Sagt mir nicht, dass ihr tatsächlich glaubt, was die Leute über mich erzählen. Wenn ich mich entscheide, mich nicht einzulassen, bin ich dann automatisch verflucht? Früher habt ihr diese Gerüchte immer unterdrückt. Warum macht ihr das jetzt?“
Anas Gesicht weichte für einen halben Moment auf, bevor sie höhnisch lachte. „Wir helfen dir. Du wirst uns später danken. Wir sagen dir nicht, dass du mit ihm schlafen sollst. Komm ihm einfach nahe. Wenn er kein Interesse hat, siehst du, dass das alles nur in deinem Kopf war.“
Ich hob das Kinn und ließ einen zittrigen Atemzug heraus. Das waren dieselben Leute, die mich früher verteidigt hatten. Jetzt forderten sie mich heraus, ihnen das Gegenteil zu beweisen.
Ich griff zur Flasche, füllte mein Glas bis zum Rand und trank es in einem Zug leer. Ich musste niemandem etwas beweisen.
Mia beobachtete mich über den Rand ihres Glases. „Ich weiß, wie sehr du Wetten hasst.“
Anas Grinsen wurde scharf. „Ich wette—“
„Nicht“, unterbrach ich. „Hört auf, mit mir zu spielen.“
„Ich wette, dass du es tust“, sagte Mia trotzdem.
Etwas Heißes und Rücksichtsloses loderte hinter meinen Rippen auf. Ich hasste Wetten. Hasste, wie sie jede Wahl auf pure Reaktion reduzierten. Meine Finger ballten sich unter dem Tisch zur Faust.
Dann stand ich. Ich sah nicht zurück, als ich den Raum in Richtung VVIP-Bereich durchquerte. Ein feines Zittern lief durch mich, und es war nicht nur Angst.
Ich blieb an seinem Tisch stehen, beugte mich vor, bis mein Mund fast an seinem Ohr war, und sprach gerade laut genug, dass er mich hören konnte.
„Du wirkst viel zu gelassen für jemanden, dessen Abend gleich unterbrochen wird.“
Einen Moment lang rührte er sich nicht. Dann stellte er sein Glas ab und drehte den Kopf gerade so weit, dass er mich ansehen konnte. Braune Locken fielen ihm in die Stirn. Seine Augen waren dunkler, als ich erwartet hatte, und viel zu ruhig – als hätte er schon etwas über mich entschieden, bevor ich den Mund aufgemacht hatte.
Ein Schauer des Bewusstseins glitt unter meine Haut. Ich hätte das nicht tun sollen.
„Dann sag mir“, erwiderte er mit tiefer, gleichmäßiger Stimme, „was genau du mit meinem Abend vorhast.“
Ich erstarrte. Ich hatte überhaupt nicht erwartet, dass er antworten würde, und schon gar nicht so.
Sein Blick glitt langsam über mich, mit der unbeeilten Sicherheit eines Mannes, der gewohnt war, angeschaut zu werden, und dem es nie in den Sinn kam, den Blick zu erwidern. Um uns herum warfen andere Frauen immer noch Blicke in seine Richtung und warteten.
„Also“, fügte er hinzu, und ein Mundwinkel hob sich, „bist du hier, um mich zu unterbrechen … oder um mich zu unterhalten?“
Mein Puls sprang. Meine Handflächen waren feucht, aber ich hob das Kinn und hielt seinem Blick stand.
Ich setzte mich auf den leeren Platz ihm gegenüber und biss mir auf die Innenseite der Lippe.
„Das machst du nicht wirklich, oder?“, fragte er. Es lag kein Spott darin. Nur stille Beobachtung, als hätte er bereits jedes nervöse Zeichen katalogisiert, das ich zu verbergen versuchte.
Ich sah ihm in die Augen. Mein Herz schlug so heftig, dass ich es im Hals spüren konnte. „Vielleicht doch.“
Ich hätte nicht mehr sitzen bleiben sollen. Ich hatte getan, wofür ich gekommen war. Es gab keinen Grund zu bleiben.
Ich stand auf. „Meine Arbeit hier ist erledigt.“
Seine Hand schloss sich um mein Handgelenk, bevor ich mich abwenden konnte. „Habe ich das gesagt?“
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Und was genau willst du damit andeuten?“
Er erhob sich, zog mich zurück und drängte mich leicht gegen die Wand hinter der Bank. Der Lärm der Bar schien zu verstummen. Er senkte den Kopf, sein Mund streifte die Seite meines Halses, dann höher, nahe an meinem Ohr. Mein Atem stockte. Für einen halben Moment fielen mir die Augen zu.
Das ist falsch. Warum kann ich mich nicht bewegen?
Ich öffnete die Augen und versuchte, zur Seite zu treten. Seine Finger legten sich um die Seite meines Halses, der Daumen ruhte leicht auf meinem Puls.
Schweiß sammelte sich an meinen Schläfen. Ich sah ihn an. „Was willst du von mir?“
„Ich will dich“, sagte er leise und bestimmt. Keine Show. Nur Tatsache.
Gänsehaut lief mir die Arme hinauf. „Du kannst nicht einfach—“
Sein Daumen strich über meine Unterlippe. „Schh. Wenn ich mich entscheide, dass ich etwas will, nehme ich es. Und du bist mir direkt in die Hände gelaufen.“
Er beugte sich näher. Seine Stimme wurde noch leiser. „Eine Nacht. Keine Verpflichtungen. Mehr verlange ich nicht. Mehr mache ich nicht.“
Meine Augen weiteten sich. „Was …?“
Ich erinnere mich nicht, wie der Rest der Nacht verschwamm. Seine Worte blieben in meinem Kopf, lange nachdem alles andere weich und verschwommen geworden war – Berührungen, Hitze, das Gefühl, dass etwas Unumkehrbares seinen Platz einnahm.
†
Morgenlicht schnitt durch die Vorhänge und traf hart hinter meinen Augen. Mein Kopf pochte. Ich drückte eine Hand gegen die Stirn und blickte dann nach unten.
Mein Kleid lag zerknüllt auf dem Boden.
Die Luft trug noch seinen leichten, fremden Duft. Die Erinnerung kehrte in kalten, präzisen Fragmenten zurück. Die letzte Nacht war kein Traum gewesen. Jeder einzelne Moment war real gewesen.
Mein Magen zog sich zusammen. Übelkeit stieg scharf und plötzlich auf. Ich hatte mit einem Fremden geschlafen. Ich hatte das eine Ding hergegeben, das ich jahrelang festgehalten hatte – an einen Mann, dessen Namen ich immer noch nicht kannte.
Ich rollte mich auf die Seite, die Faust fest in das Laken gekrallt. Das Zimmer roch noch nach ihm. Jeder Atemzug machte es schwerer, so zu tun, als wäre nichts davon geschehen. Scham kratzte mir im Hals.
Ich presste beide Handflächen über die Augen und zwang mich zu einem langsamen Atemzug.
Als ich zum Nachttisch blickte, zitterte meine Hand immer noch. Vier ordentliche Bündel Geldscheine lagen auf der Schublade. Darunter ein zusammengefalteter Zettel.
Ich zog ihn hervor.
„Ich glaube, ich habe meine Regeln nicht erwähnt. Nimm das Geld. Such mich nicht wieder. Und falls ich es vergessen haben sollte – ich mag keine Jungfrauen.“
Adrenalin verbrannte den letzten Rest des Nebels. Ich zerknüllte den Zettel, bis er nur noch ein fester Ball in meiner Handfläche war.
Meine Finger krallten sich in den Rand des Lakens. Ich starrte auf den Boden und sprach halblaut, die Worte leise und gewiss.
„Er hat keine Ahnung, was er losgetreten hat.“
Er hatte den Wind gesät.
Er würde den Sturm ernten.
Dominics PerspektiveUnwiderstehlichIch blieb, wo ich war, die Hand noch an ihrer Taille, und spürte das feine Zittern, das durch ihren Körper lief.Florella.Schon der Gedanke an den Namen tat etwas mit mir, das ich mich weigerte, genauer zu betrachten.Ich hätte zurücktreten sollen. Ich hätte sie gehen lassen sollen. Stattdessen beugte ich mich vor, nah genug, um den schnellen Schlag ihres Herzens zu hören.Mein Kiefer spannte sich an. One-Night-Stands waren dazu da, in dem Moment vergessen zu werden, in dem sie endeten. Ich löschte sie immer. Aber dieses Mädchen … ich konnte nicht aufhören, an sie zu denken.Als sie zum Vorstellungsgespräch hereinkam, wusste ich innerhalb von Sekunden, wer sie war. Ich hätte Natalia sagen sollen, sie abzulehnen. Stattdessen ließ ich alle anderen Termine absagen. Ich wollte sie hier. Ich wollte sie jeden Tag sehen – was sie trug, wie sie sich bewegte, wie sie reagierte, wenn ich sie forderte. In diesem Moment entschied ich, dass ich sie in Reichwei
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