INICIAR SESIÓNDominics Perspektive
Ich hatte sie nicht treffen wollen.
Ich redete mir ein, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Dann kam der Drang trotzdem – scharf, unerwartet, unmöglich zu ignorieren. Schuldgefühle oder etwas Schlimmeres. Ich wusste immer noch nicht, was davon.
Mein Wagen hatte unterwegs eine Panne. Bis der Fahrer mit einem anderen Fahrzeug zurückkam, war es bereits zu spät. Er war der Erste, der sie sah – eine Gestalt auf dem Boden, die dort nicht hingehörte.
Aurora, in ihrem eigenen Blut liegend.
Ich hätte ihr schreiben sollen. Ich hätte ihr sagen sollen, dass ich mich verspätet. Der Schaden war bereits angerichtet.
Jetzt stand ich vor dem Krankenzimmer, die Hände in den Taschen vergraben, der sterile Geruch brannte mir im Rachen. Ich lief auf und ab, weil Stillstehen unmöglich erschien. Ich sollte mich nicht kümmern. Sie war eine Angestellte. Mehr nicht. Ich wiederholte die Worte, bis sie fast wahr klangen.
Der Arzt trat heraus.
„Wie geht es ihr?“ Meine Stimme kam leiser heraus, als ich beabsichtigt hatte.
„Sie ist stabil. Sie ist fast gestorben.“ Er machte eine Pause. „Sie war schwanger. Wir haben alles getan, was wir konnten. Sie hat das Kind verloren.“
Die Worte trafen härter, als ich erwartet hatte.
Schwanger.
Ich starrte eine lange Weile auf die geschlossene Tür. Dann leuchtete mein Handy mit einer Nachricht auf, für die ich keine Geduld hatte. Ich biss die Zähne zusammen, warf dem Zimmer noch einen Blick zu und ging hinaus.
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Der Treffpunkt war ruhig. Julian kam mit demselben wissenden Blick, den er immer trug, wenn er glaubte, die Oberhand zu haben.
Wir hatten uns nie gemocht. Zu viele überschneidende Interessen, zu viele alte Rechnungen. Trotzdem landeten wir öfter auf derselben Seite von Verträgen, als es uns beiden lieb war.
„Hätte nicht erwartet, dass du so früh da bist“, sagte er. „Dachte, du wärst immer noch mit deiner neuen kleinen Ablenkung beschäftigt.“
Ich warf ihm einen flachen Blick zu. „Sag, was du sagen wolltest, Julian.“
Sein Mund verzog sich, dann glättete er sich wieder. „Es gibt noch einen Spieler. Lucas Sterling. Er geht gegen uns beide vor.“
Julian verschwendete nie Worte an Rivalen, die keine Rolle spielten.
„Kümmere dich selbst um ihn“, sagte ich. „Ich habe kein Interesse.“
„Ich frage nicht“, erwiderte er.
Julians Kiefer spannte sich an.
„Ich habe keine Zeit für Spielchen, Julian. Wenn Lucas einen Kampf will, bekommt er einen. Aber ich werde meine Zeit nicht damit vergeuden, zu beweisen, wer schlauer ist.“
Ich drehte mich von ihm ab.
„Kümmere dich um deinen Teil. Ich kümmere mich um meinen.“
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Ich versuchte, mich auf die Arbeit zu konzentrieren, die ich erledigen wollte, aber meine Gedanken kreisten immer weiter. Auroras Gesicht schnitt immer wieder dazwischen – Blut in ihrem Haar, die kleinen Finger über dem Bauch gekrümmt, als könnte sie noch schützen, was bereits verloren war.
Sie war eine Angestellte. Mehr nicht.
Die Erinnerung hielt nicht mehr.
In jener Nacht im Club hatte ich etwas empfunden, das ich mir selten erlaubte – das verzweifelte Bedürfnis, sie zu nehmen, nur einmal. Ich hatte nicht erwartet, dass sie Jungfrau war. Ich hatte nichts davon erwartet. Und jetzt lag sie in einem Krankenhausbett, und die Ärzte sagten mir, sie habe ein Kind getragen, das – wenn der Zeitpunkt stimmte – nur von mir sein konnte.
Nichts davon ergab einen Sinn. Ich würde die Antworten finden. Aber zuerst musste ich sie sehen.
Später in dieser Nacht. Ich war allein in meiner Wohnung, die Worte des Arztes lagen noch schwer in meiner Brust.
„Sie war schwanger. Wir haben alles getan, was wir konnten. Sie hat das Kind verloren.“
Ich starrte auf die Lichter der Stadt, ohne sie zu sehen. Jemand hatte Hand an sie gelegt. Jemand hatte sie beinahe umgebracht, während sie ein Kind trug … mein Kind.
Aber ich war zu spät gekommen. Und das reichte.
Wer auch immer dafür verantwortlich war, würde bezahlen. Dafür würde ich sorgen.
Bis dahin würde ich sie in meiner Nähe halten.
Ob sie mich hasste oder nicht.
‡
Als ich das Krankenhaus erreichte, schlief sie noch. Ich blieb in der Tür stehen. Ihre Wimpern ruhten auf blasser Haut, die Lippen leicht geöffnet. Etwas in meiner Brust verschob sich – ein Gefühl, das ich vor Jahren begraben und geschworen hatte, nie wieder zu empfinden.
Ich drehte mich zum Gehen.
Das Bett knarrte.
Ihre Augen öffneten sich, gerötet und unscharf. Zuerst Verwirrung. Dann Wiedererkennen. Dann etwas Kälteres. Ihre Hand ging direkt an den Bauch.
„Mein Baby ist in Ordnung, oder?“ Ein kleines, hoffnungsvolles Lächeln berührte ihren Mund, während sie über den Bauch strich.
Mein Gesichtsausdruck musste alles verraten haben.
Das Lächeln zerbrach.
„Was ist mit meinem Baby passiert, Dominic?“ Ihre Stimme wurde lauter. „Hör auf, mich so anzusehen—“
Sie drückte sich hoch. Tränen strömten über ihr Gesicht.
„Beruhig dich—“
„Geh weg von mir!“ Sie stieß gegen meine Brust, die Stimme brach. „Fass mich nicht an. Ich will mein Baby!“
Ihre Schluchzer zerrissen die stille Zimmertür. Ich stand wie erstarrt da und sah zu, wie sie zerbrach, und hasste die Tatsache, dass ich zu spät gekommen war, hasste, dass ich überhaupt etwas empfand.
Ich hatte Jahre damit verbracht, sicherzustellen, dass ich das nie wieder fühlte.
Und doch war sie hier, zerbrach vor meinen Augen, und alles, was ich tun konnte, war dazustehen und es auszuhalten.
Dominics PerspektiveUnwiderstehlichIch blieb, wo ich war, die Hand noch an ihrer Taille, und spürte das feine Zittern, das durch ihren Körper lief.Florella.Schon der Gedanke an den Namen tat etwas mit mir, das ich mich weigerte, genauer zu betrachten.Ich hätte zurücktreten sollen. Ich hätte sie gehen lassen sollen. Stattdessen beugte ich mich vor, nah genug, um den schnellen Schlag ihres Herzens zu hören.Mein Kiefer spannte sich an. One-Night-Stands waren dazu da, in dem Moment vergessen zu werden, in dem sie endeten. Ich löschte sie immer. Aber dieses Mädchen … ich konnte nicht aufhören, an sie zu denken.Als sie zum Vorstellungsgespräch hereinkam, wusste ich innerhalb von Sekunden, wer sie war. Ich hätte Natalia sagen sollen, sie abzulehnen. Stattdessen ließ ich alle anderen Termine absagen. Ich wollte sie hier. Ich wollte sie jeden Tag sehen – was sie trug, wie sie sich bewegte, wie sie reagierte, wenn ich sie forderte. In diesem Moment entschied ich, dass ich sie in Reichwei
Auroras PerspektiveWas soll das Ganze, schwanger zu werden, wenn man es nie geplant, nie wirklich gewollt hat … nur um es zu verlieren, bevor man überhaupt begreifen kann, was es bedeutet?Meine Brust schmerzte, als würde jemand sie von innen verdrehen. Ich legte die Hand auf den Bauch und spürte nichts als Leere. Der Raum, in dem kurz etwas existiert hatte, fühlte sich jetzt lauter an als mein eigener Herzschlag. Tränen liefen mir über das Gesicht, aber es war nicht nur Trauer. Es war Wut. Reine, brennende Wut auf das Universum, auf das Schicksal und auf den Mann, der in mein Leben getreten war und nichts als Trümmer hinterlassen hatte.Ich hatte das nicht gewollt. Ich wusste noch nicht einmal, was ich wollte. Und jetzt war es weg, bevor ich mich entscheiden konnte.Die Tür öffnete sich.Dominic.Er war seit meiner Einlieferung jeden Tag aufgetaucht. Ich verstand immer noch nicht, warum. Reichte es nicht, dass mir das passiert war? Wenn er in jener Nacht pünktlich gewesen wäre, wäre
Dominics PerspektiveIch hatte sie nicht treffen wollen.Ich redete mir ein, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Dann kam der Drang trotzdem – scharf, unerwartet, unmöglich zu ignorieren. Schuldgefühle oder etwas Schlimmeres. Ich wusste immer noch nicht, was davon.Mein Wagen hatte unterwegs eine Panne. Bis der Fahrer mit einem anderen Fahrzeug zurückkam, war es bereits zu spät. Er war der Erste, der sie sah – eine Gestalt auf dem Boden, die dort nicht hingehörte.Aurora, in ihrem eigenen Blut liegend.Ich hätte ihr schreiben sollen. Ich hätte ihr sagen sollen, dass ich mich verspätet. Der Schaden war bereits angerichtet.Jetzt stand ich vor dem Krankenzimmer, die Hände in den Taschen vergraben, der sterile Geruch brannte mir im Rachen. Ich lief auf und ab, weil Stillstehen unmöglich erschien. Ich sollte mich nicht kümmern. Sie war eine Angestellte. Mehr nicht. Ich wiederholte die Worte, bis sie fast wahr klangen.Der Arzt trat heraus.„Wie geht es ihr?“ Meine Stimme kam leiser hera
Auroras PerspektiveWochen später kehrte die Übelkeit zurück, stärker als zuvor. Zuerst schob ich es auf den Stress. Dann zählte ich die Tage und merkte, dass meine Periode ausblieb.Auf dem Heimweg von der Arbeit kaufte ich einen Test. Ich redete mir ein, es sei nur, um den Zweifel zum Schweigen zu bringen. Eine Nacht. Kein Schutz. Die Wahrscheinlichkeit fühlte sich immer noch unmöglich an.Im Badezimmer wartete ich. Als das Ergebnis erschien, glitt der Test mir aus den Fingern und fiel auf die Fliesen.Schwanger.Ich stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus. „Nein … das kann nicht sein.“Ich griff zum zweiten Test. Dasselbe Ergebnis.Ich sank auf den Boden, die Hände zitternd. Dominics kaltes, ausdrucksloses Gesicht blitzte vor meinem inneren Auge auf. Wie sollte ich es ihm sagen? Würde er überhaupt glauben, dass es nicht geplant war? Würde er mich auf der Stelle feuern?Ich presste die Handflächen an die Schläfen und zwang Luft in meine Lungen.Du wirst das regeln, sagte ich meinem
Auroras PerspektiveDas Taxi fuhr davon und hinterließ den Geruch von Benzin. Ich zog meinen Mantel enger um mich, als könnte das den Lärm in meinem Kopf dämpfen. Meine Absätze klackten auf dem Pflaster, während ich alles noch einmal durchspielte – wie seine Stimme an meinem Ohr geklungen hatte, wie ich ihm Dinge zugeflüstert hatte. In dem Moment, in dem ich anfing, wieder davon zu träumen, schob ich den Gedanken beiseite.Was um alles in der Welt hatte ich getan?Die Lichter in der Lobby flackerten, als ich eintrat. Die Aufzugtüren öffneten sich, und mein Herz setzte einen Schlag aus. Als ich an meiner Tür ankam, zitterten meine Hände. Ich stieß den Schlüssel ins Schloss und trat ein. Ich würde mir selbst ins Gesicht sehen müssen – und der Wahrheit, die dazugehörte.Ich hätte nie gedacht, dass ich in einer solchen Situation landen würde – ein One-Night-Stand mit einem völlig Fremden. Warum war ich so wütend? Das hätte ich nicht sein sollen. Selbst wenn ich mich belügen wollte: Ich ha
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