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Kapitel 7

作者: Madame Fischer
Emily stand aufrecht da. Nur ihre Fingerspitzen zitterten leicht.

Mit ihrem langen Hals und der geraden Haltung erinnerte sie an einen stolzen weißen Schwan.

Sie sah Julian auf sich zukommen. Ihr Blick war kühl und unbeugsam, doch sie sagte kein Wort.

Katharina schluchzte.

„Es ist meine Schuld. Tut mir leid. Julian, bitte sei Emily nicht böse.“

Emily sah auf sie hinunter.

„Lass mich vorbei. Du stehst im Weg.“

Katharina und Julian versperrten ihr den Durchgang.

Katharina schluchzte noch lauter.

Emily wollte sich an ihnen vorbeidrängen, doch Julian packte sie am Handgelenk.

Sie sah ihn direkt an, trotzig und ohne jede Angst.

Von der Zuneigung, mit der sie ihn früher angesehen hatte, war nichts mehr zu erkennen.

Julian bemerkte die Veränderung. Seine Stimme klang gereizter als sonst. „Katharina wird bald deine Schwägerin. Ein bisschen Nachsicht kannst du ihr schon zeigen.“

In Emilys Brust schien auch noch der letzte Rest von dem zu zerbrechen, was Julian längst verletzt hatte.

Die Liebe, die sie für ihn empfunden hatte, löste sich in Schmerz auf, der bis in ihre Fingerspitzen zog.

Sie schloss kurz die Augen und öffnete sie wieder.

Sie wollte sich scheiden lassen und dieses Haus verlassen. Bis dahin hatte es keinen Sinn, den Streit weiterzutreiben.

Sie wusste nicht, welche Schwierigkeiten er ihr aus Ärger noch bereiten konnte.

Sie sah Katharina an.

„Dann habe ich eben deinen Hund verärgert. Lass mich jetzt vorbei.“

Ihre Augen glänzten, doch es waren keine Tränen. Ihr Blick war kühl und fest. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen.

Julian stutzte.

Dieser Blick verunsicherte ihn.

Noch bevor er sich darüber klarwerden konnte, ging Emily an ihm vorbei.

Ihr leichter Duft blieb einen Moment in der Luft.

Sie war schon halb die Treppe hinauf, als Katharina ihr mit weinerlicher Stimme nachrief.

„Emily, es tut mir leid. Ich werde dafür sorgen, dass Flocke sich besser benimmt. Wenn du sauer bist, sei bitte sauer auf mich, nicht auf ihn.“

Emily lachte kurz auf, ohne sich umzudrehen.

„Nun ist aber gut“, sagte Thomas hastig. „Katharina, hör auf zu weinen. Emily nimmt dir die Sache mit Flocke bestimmt nicht übel.“

„Nicht übel?“ Claudia schnaubte. „Hast du ihr Gesicht gesehen? Sie ist doch stinksauer!“

Julian blieb kühl. Mit finsterer Miene ging er ohne ein Wort nach oben.

Im Schlafzimmer hatte Emily bereits frische Sachen in der Hand und wollte duschen gehen.

„Emily, lass uns reden.“

Sie sah ihn an.

„Wozu? Ich bin doch sowieso an allem schuld.“

„Kannst du nicht ein bisschen freundlicher mit mir reden?“

Seine Stimme wurde kälter.

„Redest du mit anderen auch so abfällig?“

Er ließ ihr keine Zeit zu antworten.

„Ich sage es dir nur einmal. Wenn du dich nicht im Griff hast und ständig erst spät nachts nach Hause kommst, dann gib deine Arbeit auf. Vergiss nicht, dass du meine Frau bist.“

Alles, was Emily seit Tagen hinuntergeschluckt hatte, brach aus ihr heraus. „Julian, ich finde dich inzwischen widerlich.“

Plötzlich dröhnte es in Julians Kopf.

Emilys „widerlich“ hallte so laut in seinen Ohren nach, dass es wehtat.

„Was hast du gesagt?“

Emily wollte es nicht wiederholen. Sie wollte sich nicht noch einmal verletzen lassen.

Doch kaum hatte sie das Wort ausgesprochen, wusste sie, dass sie es meinte. Der Mann, den sie einmal über alles geliebt hatte, war ihr fremd geworden.

„Emily, wie kannst du, wie kannst du es wagen?“

Mit geröteten Augen zog Julian sie an sich und drückte sie gegen die Badezimmertür.

Emily wollte nicht, dass er sie berührte.

Sie wusste, was er vorhatte. Diesmal ließ sie es nicht zu.

„Fass mich nicht an.“

Sie sah ihn kühl an.

Ihr Blick und ihr Körper wehrten ihn gleichermaßen ab.

Julian drückte sie ohne jede Rücksicht zu Boden und hielt sie unter sich fest.

„Ich habe gesagt, du sollst mich nicht anfassen.“

Emily hielt ihre Stimme gedämpft, doch ihre Wut war unüberhörbar.

„Weißt du überhaupt, was Respekt bedeutet?“

„Nein. Dann bring es mir bei.“

Auch seine Stimme blieb kalt.

„Du klammerst dich doch sonst jedes Mal so hemmungslos an mich und willst mich nicht loslassen. Schon vergessen, meine liebe Frau?“

„Lassen wir uns scheiden!“

Emily hatte die Worte nur mit Mühe hervorgebracht.

Sie sah Julian an.

„Julian.“

Ihre Stimme war heiser und ungewohnt distanziert.

Julian stand auf und wandte sich von ihr ab.

Emily schloss die Augen.

Tränen liefen ihr über die Wangen.

„Lassen wir uns scheiden.“

Die Luft im Zimmer wurde plötzlich drückend.

Emily konnte kaum noch atmen.

„Scheiden lassen?“

Julian stand noch immer mit dem Rücken zu ihr. Seine Stimme war heiser und kalt.

„Du willst die Scheidung?“

Emily richtete sich mühsam auf.

„Julian, was hat unsere Ehe noch für einen Sinn? Dein Großvater lebt nicht mehr. Du brauchst niemandem mehr etwas vorzumachen.“

Julian fuhr zu ihr herum und sah sie ungläubig an.

„Du willst dich wirklich scheiden lassen? Das kommt nicht infrage, Emily. Hör auf mit diesem Unsinn.“

Er ging ins Bad und schlug die Tür so heftig zu, dass es durch das Zimmer hallte.

Als er wieder herauskam, war Emily fort.

Unten saß Claudia noch vor dem Fernseher.

„Was ist denn bei euch los? Emily ist einfach gegangen, ohne ein Wort zu sagen.“ Claudia verzog das Gesicht. Leiser fügte sie hinzu.

„Ganz schön unhöflich.“

Julians Miene verdüsterte sich noch mehr. Ohne zu antworten, ging er wieder nach oben.

Claudia sah ihm nach und murmelte.

„Bloß kein Streit, der zur Scheidung führt. Die beiden sollen ruhig weiter zusammenbleiben.“

Mit einer neuen Frau aus einer einflussreichen Familie an Julians Seite blieb Tobias kaum noch eine Chance, sich gegen ihn durchzusetzen.

Emily war mitten in der Nacht aus dem Haus gegangen.

Zurück in den Rosenpark wollte sie nicht. Auch dieses Haus gehörte Julian.

Zu ihren Eltern wollte sie ebenfalls nicht. Sie sollten sich keine Sorgen machen.

Schließlich fuhr sie zum Forschungsinstitut. Neben ihrem Büro gab es einen Ruheraum mit einem schmalen Bett.

Sie legte sich hin und starrte lange vor sich hin.

Ihr Körper zitterte noch immer. Der Schmerz in ihrer Brust ließ nicht nach.

In letzter Zeit hatte sie öfter an eine Scheidung gedacht.

Sie hatte einen ruhigen Moment abwarten und mit Julian darüber sprechen wollen.

Sie hatte nicht erwartet, die Scheidung ausgerechnet mitten in einem solchen Streit anzusprechen.

Früher hatte sie geglaubt, ihr ganzes Leben mit ihm verbringen zu können, auch wenn ihre Ehe nie mehr als höfliche Distanz bot.

Jetzt wusste sie, dass sie so nicht weiterleben konnte.

Julian respektierte sie nicht.

Ihre Gefühle zählten für ihn nicht.

Er behandelte sie nicht einmal wie einen Menschen mit eigenen Wünschen.

Welchen Sinn hatte es noch, an dieser Ehe festzuhalten? Und warum glaubte er, ihr die Scheidung verweigern zu können?

Die Gedanken quälten Emily noch lange. Erst spät in der Nacht schlief sie ein.

Am nächsten Morgen war Julian früh im Büro.

Bis zu seiner Besprechung hatte er noch Zeit. Er nahm sein Handy und wählte eine Nummer.

Es klingelte lange, bevor Sebastian Koch abhob.

„Das ist hoffentlich ein verdammter Notfall!“, knurrte er verschlafen. „Mich um diese Uhrzeit rauszuklingeln, Julian, ist echt das Letzte.“

Julian runzelte die Stirn.

„Du schläfst noch?“

„Weißt du, wie spät es ist?“

Sebastian fluchte.

„Du hast vielleicht kein Nachtleben. Andere schon. Meine Süße und ich haben gestern die halbe Nacht ...“

„Wie beruhigt man eine Frau, die sauer auf einen ist?“, unterbrach Julian ihn. Sebastians Bettgeschichten interessierten ihn nicht.

Sebastian setzte sich im Bett auf und zündete sich eine Zigarette an.

„Moment mal. Du willst eine Frau beruhigen? Du? Wen denn?“

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