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Kapitel 4.

Penulis: Kester
last update Tanggal publikasi: 2026-08-05 13:02:43

Eine bedrückende Stille legte sich über den Ballsaal des Hotels, sobald sich die Tür zum VIP-Raum hinter Elena geschlossen hatte. Charlie blieb wie erstarrt stehen, sein Atem ging schwer und hastig. Das Gesicht des kleinen Jungen ließ ihn nicht mehr los – die markante Kieferlinie und die Augenpartie waren eine nahezu perfekte Kopie seines eigenen Gesichts als Kind.

„Charlie ...“

Mit zitternder Hand griff Sarah nach dem Ärmel seines Sakkos.

„Das kann unmöglich dein Sohn sein. Elena will dich nur täuschen. Sie—“

„Sei still, Sarah!“

Charlie schlug ihre Hand grob beiseite.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren fuhr er Sarah vor den Augen der Öffentlichkeit an. Scham und Wut ließen ihr Gesicht erröten, als sie bemerkte, dass mehrere Mitglieder der Wirtschaftselite bereits tuschelnd zu ihnen hinüberblickten.

Ohne seiner Frau noch einen weiteren Blick zu schenken, drehte Charlie sich um und ging mit großen Schritten zu seiner privaten Lounge im oberen Stockwerk. Seine Brust fühlte sich an, als würde sie von einer unsichtbaren Last zusammengedrückt.

Fünf Jahre.

Fünf lange Jahre hatte Elena ihr gemeinsames Kind allein unter dem Herzen getragen und geboren, während er Nacht für Nacht nichts anderes getan hatte, als ihren Namen zu verfluchen.

„Ray!“

Kaum hatte Charlie den Raum betreten, rief er mit schneidender Stimme nach seinem Assistenten.

Ray kam hastig herein.

„Ja, Herr Vane?“

„Finden Sie alles über die Aethel Corp heraus“, befahl Charlie mit rauer Stimme, hinter der sich ein heftiges Zittern verbarg. „Ich will wissen, wer Elena in City-B geworden ist, wie sie diesen Erfolg erreicht hat ... und ich will alles über diesen Jungen erfahren.“

Er machte eine kurze Pause.

„Noch heute Nacht.“

„Jawohl, Herr Vane. Allerdings gibt es noch etwas, das Sie vor dem morgigen Fusionsgespräch wissen sollten.“

Ray schluckte nervös.

„Die CEO der Aethel Corp hat soeben unsere Logistikkooperation einseitig gekündigt. Sie arbeiten künftig mit der Wyatt Group zusammen.“

Ein bitteres Lachen entwich Charlie.

Elena war nicht einfach zurückgekehrt.

Sie war gekommen, um der Vane Corp die Luft zum Atmen zu nehmen.

Die Frau, die einst stets den Kopf gesenkt und sich entschuldigt hatte, hielt nun das Schicksal seines Unternehmens in ihren Händen.

Währenddessen herrschte in der Limousine, die durch die Straßen der Hauptstadt glitt, eine völlig andere Atmosphäre.

Leo war bereits tief eingeschlafen und lag mit dem Kopf auf Elenas Schoß.

Sanft strich sie ihrem Sohn über das schwarze Haar und blickte schweigend auf die vorbeiziehenden Lichter der Stadt.

„Das haben Sie heute ausgezeichnet gemacht, Madam“, sagte Aria, ihre persönliche Sekretärin, vom gegenüberliegenden Sitz aus. „Uns fehlen nur noch zehn Prozent der Anteile an der Vane-Tochtergesellschaft. Charlie Vane gerät bereits in Panik.“

Elenas Gesicht blieb ausdruckslos.

„Das ist erst der Anfang, Aria. Panik allein reicht nicht aus, um fünf Jahre Hölle zu bezahlen, die er mir bereitet hat.“

„Und was ist mit Sarah?“

„Lass sie ihre Angst noch ein wenig genießen“, erwiderte Elena mit eisiger Stimme.

Sie kannte ihre jüngere Schwester nur zu gut.

Sarah war ein Parasit, der von Charlies Schuldgefühlen wegen ihrer angeblichen Lähmung lebte – einer Lähmung, die nie existiert hatte. Alles war nur eine Inszenierung gewesen, wie die echten Krankenakten bewiesen, die sich inzwischen in Elenas Besitz befanden.

Sobald Charlies Schuldgefühle verschwanden, würde Sarah ihren einzigen Schutz verlieren.

Plötzlich vibrierte das Handy auf dem Sitz neben Elena.

Eine unbekannte Nummer.

Sie nahm den Anruf wortlos entgegen und hielt das Telefon ans Ohr.

„Elena ...“

Schon beim Klang dieser Stimme spannte sich ihre Kiefermuskulatur an.

Charlie.

Seine Stimme klang verzweifelt und voller Frustration – so hatte Elena ihn in ihrem ganzen Leben noch nie gehört.

„Elena, bitte. Wo bist du? Ich weiß, dass das mein Sohn ist. Wir müssen reden!“

Charlie sprach hastig weiter, als hätte er Angst, sie könnte jederzeit auflegen.

Elena holte langsam Luft.

Als sie antwortete, klang ihre Stimme ruhig und vollkommen emotionslos.

„Sie haben sich verwählt, Herr Vane.“

„Belüg mich nicht! Der Junge sieht aus wie ich!“, rief Charlie mit heiserer Stimme, die fast wie ein verzweifelter Aufschrei klang. „Warum hast du ihn vor mir versteckt? Warum bist du einfach gegangen?“

In der Dunkelheit der Limousine erschien ein spöttisches Lächeln auf Elenas Lippen.

Dieser Mann hatte seine eigene Grausamkeit tatsächlich vergessen.

„Sie waren es, die mich mit den Scheidungspapieren aus Ihrem Leben verbannt haben, Herr Vane“, antwortete sie scharf. „Sie waren es, die gesagt haben, meine Existenz sei ein Fehler.“

Jedes einzelne Wort traf wie ein Messer.

„Dieses Kind hat nichts mit Ihnen zu tun.“

Sie machte eine kurze Pause.

„Er hat keinen Vater.“

„Elena—“

Klick.

Elena beendete das Gespräch und blockierte die Nummer sofort.

Anschließend warf sie das Telefon achtlos auf den Fahrzeugboden.

Dann senkte sie den Blick wieder auf Leos friedliches Gesicht, das im Schlaf vollkommen unbeschwert wirkte.

Langsam ballte sie die Hand zur Faust.

Ein gewaltiger Sturm würde schon bald über die Hauptstadt hereinbrechen.

Und diesmal würde Elena nicht länger das Opfer sein, das von diesem Sturm verschlungen wurde.

Sie selbst würde der Sturm sein.

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