LOGINDas Dinner in der Residenz der Familie Vanguard neigte sich endlich dem Ende zu. Sobald das Dessert serviert worden war und die oberflächlichen Gespräche über die Machtverhältnisse in der Geschäftswelt allmählich verstummten, erhob sich Charlie unverzüglich von seinem Stuhl. Mit einer entschlossenen Bewegung richtete er sein elegantes Jackett. Er hatte nicht die geringste Absicht, noch länger in dieser Höhle voller Wölfe zu verweilen.„Ich muss mich verabschieden“, erklärte Charlie knapp. Seine Stimme klang emotionslos, doch seine Entschlossenheit ließ keinen Raum für Widerspruch.Stevanis Vater hielt mitten in der Bewegung inne, mit der er gerade seine Serviette zurechtrückte, und musterte den jungen Mann mit einem prüfenden Blick. Doch bevor das Oberhaupt der Familie Vanguard etwas sagen konnte, erhob sich Stevani bereits und eilte Charlie hinterher.„Charlie, warte!“, rief sie, als sie ihn auf der Hauptterrasse endlich einholen und aufhalten konnte.Ihr hübsches Gesicht verriet deu
Für einige Sekunden lag Stille in einer Ecke des Bankettsaals. Elena Victoria stand regungslos in ihrem eleganten Abendkleid und versuchte, den Ausdruck auf William Vanguards Gesicht zu deuten, der so vollkommen natürlich wirkte. Die Art und Weise, wie der Mann Leos Namen erwähnte und nach seiner privaten Villa fragte, verriet eine Vertrautheit, die ein gewöhnlicher Geschäftspartner unmöglich besitzen konnte.„Leo geht es gut, Mr. William“, erwiderte Elena schließlich. Ihre Stimme klang sanft, doch sie war von einer unsichtbaren Schutzmauer umgeben. „Er ist mit seinen schulischen Aktivitäten beschäftigt.“William kicherte leise. Ein warmes Lächeln zeichnete sich auf seinem attraktiven Gesicht ab. „Das ist schön zu hören. Ich war ein wenig besorgt, als ich erfahren habe, dass du dich in den letzten Wochen vollständig ausruhen musstest. Weißt du, Elena … du arbeitest immer zu hart, bis du sogar vergisst, auf deinen eigenen Körper zu achten.“Der Mann trat einen Schritt näher und drehte
Das Klingeln der Türglocke durchbrach die Stille der Suite.Charlie erhob sich von seinem Sitz. Er strich kurz sein Hemd glatt, bevor er zur Tür ging und die Klinke herunterdrückte.Auf der Türschwelle stand Stevani Vanguard, elegant in einem burgunderroten Abendkleid, das die Kurven ihres Körpers noch stärker betonte.Sobald sich die Tür weit geöffnet hatte, verringerte Stevani sofort den Abstand zwischen ihnen. Sie streckte beide Hände aus, um Charlie in einer warmen Umarmung die Arme um den Hals zu legen.Doch mit einer kühlen Reflexbewegung trat Charlie stattdessen einen Schritt zurück. Stevanis Finger griffen somit nur ins Leere.Ray war im Raum nicht zu sehen. Bevor Charlie Stevani hereingelassen hatte, hatte er seinem persönlichen Assistenten befohlen, sich vorübergehend im hinteren Bereich des Arbeitszimmers zu verstecken, damit die Situation unter Kontrolle blieb.Stevani trat mit einem dünnen, von Spott durchzogenen Lächeln ein. Ihr scharfer Blick fiel sofort auf den Glastis
Der späte Nachmittag wurde allmählich dunkler, während das von Charlie gelenkte Auto sich durch den dichten Verkehr von City B schlängelte und auf das Luxushotel zusteuerte, in dem er während seines Aufenthalts in der Stadt wohnte.Kaum angekommen, betrat Charlie mit entschlossenen Schritten die prachtvolle Hotellobby. Der mit Marmor ausgelegte Boden spiegelte das Licht der darüber hängenden Kristallleuchter wider.Doch plötzlich hielt er inne, als sein Blick auf die hochgewachsene Gestalt eines Mannes in einem grauen Anzug fiel, der ruhig neben der Hauptsäule stand.Ray – sein persönlicher Assistent aus Zürich – war bereits dort.Charlie war leicht überrascht, seinen Vertrauten ohne vorherige Ankündigung vorzufinden.„Ray, wartest du schon lange?“, begrüßte Charlie ihn, während er den Abstand zwischen ihnen verringerte.Ray verbeugte sich respektvoll mit einer äußerst kontrollierten Geste. „Kein Problem, Mr. Vane. Ich weiß, dass Ihr Terminkalender in letzter Zeit äußerst voll ist.“„
Am anderen Ende der Telefonleitung war ein leises Kichern zu hören. Ihre Stimme klang verspielt und schmeichelnd, doch in Charlies Ohren wirkte jede ihrer Betonungen stattdessen kalt und stechend.„Warum bist du so angespannt, wenn du einen Anruf von deiner eigenen zukünftigen Ehefrau erhältst, Mr. Vane?“, fragte sie und stieß dabei einen Seufzer aus, der absichtlich spöttisch zu klingen schien.Charlie krallte seine Finger um das eiserne Geländer des Balkons und blickte von den oberen Stockwerken des Aethel-Corp-Gebäudes über die Wolkenkratzer von City B.„Stevani, ich bin beschäftigt“, sagte Charlie nüchtern und betonte jede Silbe mit unmissverständlicher Entschlossenheit. „Wenn du mir nichts Wichtiges zu sagen hast, werde ich dieses Gespräch jetzt beenden.“„Oh, beschäftigt?“, flüsterte Stevani am anderen Ende der Leitung spöttisch. „Damit beschäftigt, deine arme Ex-Frau zu pflegen und dich um sie zu kümmern?“Charlie verstummte augenblicklich.Er entschied sich, nicht darauf zu an
Zum ersten Mal in seinem Leben fütterte Charlie Elena bis zum letzten Löffel der warmen Rübenbrei vollständig aufgegessen war. Zu sehen, wie die Frau, die er über alles liebte, jeden einzelnen Bissen gehorsam annahm, erfüllte seine Brust mit einem kaum merklichen Gefühl von Frieden.Wenn er durch seine Fürsorge und Hingabe auf diese Weise seine Sünden sühnen und zugleich die Reue über ihre gemeinsame Vergangenheit lindern konnte, schwor Charlie sich, ohne Unterlass weiterzumachen, bis Elenas Erinnerungen vollständig zurückgekehrt waren.Unbemerkt war die schwarze Limousine inzwischen direkt vor dem imposanten Eingangstor einer internationalen Schule zum Stehen gekommen.Ein Leibwächter eilte sofort herbei und öffnete die Tür. Leo machte sich bereit, aus dem Wagen zu steigen. Doch bevor er endgültig ausstieg, drehte sich der Junge noch einmal um, schlang seine Arme um Elenas Hals und gab seiner Mutter einen liebevollen Kuss auf die Wange.„Mommy, ich gehe jetzt in die Schule!“, flüster







