LOGINLeise fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss.Der Raum, den die Staatsanwaltschaft Daven zur Verfügung gestellt hatte, war klein, aber zumindest angenehm warm. Neben einem Zweisitzersofa standen dort nur ein kleiner Tisch und ein Wasserspender. Durch ein Milchglasfenster fiel Tageslicht herein, ohne dass man nach draußen sehen konnte. Vor allem waren hier keine Kameras und keine grellen Scheinwerfer. Der Lärm von draußen drang nur gedämpft herein, und mit der Stille ließ auch die Anspannung ein wenig nach.Noch wichtiger war jedoch, dass sie hier endlich einfach nur Mann und Frau sein konnten – und nicht zwei Menschen, deren jedes Wort und jede Bewegung zur nächsten Schlagzeile werden konnte.„Setz dich“, sagte Daven und stieß langsam den Atem aus. Mit Altheas Besuch rechnete er überhaupt nicht. Seine Anwälte teilten ihm lediglich mit, dass jemand aus der Familie ihn sehen wollte. Hätte er gewusst, dass Althea kommen wollte, hätte er sofort abgelehnt.Hatte Arven das mit dem federfü
„Ich fahre zur Staatsanwaltschaft.“Altheas Stimme klang ruhig, ließ jedoch keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit. Sie stand mit dem Handy in der Hand im Wohnzimmer und wartete auf Arvens Antwort. Um Josh und Grace kümmerte sich inzwischen Lydia. Die beiden Kinder schienen das, was am Nachmittag passiert war, zumindest für den Moment langsam zu vergessen.Althea dagegen hielt es nicht länger aus, einfach nur zu warten. Sie musste Daven sehen. Mit eigenen Augen. Sie musste wissen, wie es ihrem Mann ging.„Nein, Althea.“ Arvens Stimme wurde augenblicklich angespannt. „Ich rate dir dringend davon ab.“„Arven.“ Althea atmete kurz durch. „Ich frage dich nicht, ob du es für eine gute Idee hältst. Ich sage dir, dass ich hinfahren werde.“„Die Lage bei der Staatsanwaltschaft ist immer noch angespannt“, hielt Arven dagegen. „Dort stehen weiterhin Reporter und warten auf jede neue Entwicklung in Davens Fall. Sobald du dort auftauchst, werden die Kameras auf dich gerichtet sein. Und ansch
Im Haus der Familie Miller war es ruhig und friedlich. Althea hatte es sich gemütlich gemacht und sich in einen ihrer Lieblingsromane vertieft. Erst als ihr Handy mehrmals klingelte, riss sie sich von der Geschichte los.Als Arvens Name auf dem Display erschien, spannte sie sich augenblicklich an. Noch bevor das Klingeln verstummte, nahm sie ab.„Ja, Arven?“„Althea …“ Seine Stimme klang ungewöhnlich vorsichtig. „Ich muss dir etwas sagen.“Allein dieser Tonfall ließ sie sofort aufhorchen. Althea richtete sich auf. „Was ist passiert?“Am anderen Ende blieb es einen Moment still. Dann sagte Arven: „Daven wird gerade bei der Staatsanwaltschaft befragt. Heute Morgen sind Beamte mit einer offiziellen Vorladung in die Firma gekommen.“„Was?!“ Althea sprang auf. „Wird er nur befragt, oder halten sie ihn dort fest, Arven?“Arven atmete leise aus. „Es gibt keine offizielle Anordnung, ihn in Gewahrsam zu nehmen.“Althea schloss kurz die Augen. „Aber?“„Er steht unter verstärkter Überwac
Das grelle weiße Licht an der Decke schmerzte beinahe in den Augen.Daven saß aufrecht auf einem Metallstuhl, die Hände ruhig auf dem Tisch gefaltet. Die Luft war kalt und steril, die Stille im Raum beinahe bedrückend. Ihm gegenüber standen zwei Ermittler der Staatsanwaltschaft. Keiner von ihnen schien es eilig zu haben, die Akten in seinen Händen zu öffnen. Es wirkte, als ließen sie sich ganz bewusst Zeit, nur um Davens Geduld auf die Probe zu stellen.Der Raum war nahezu leer. Am meisten fiel das Fenster zu Davens Rechten ins Auge. Von hier aus war dahinter nichts als Dunkelheit zu erkennen, aber Daven wusste, dass auf der anderen Seite Menschen standen und jede seiner Reaktionen beobachteten. Nur das leise Summen der Klimaanlage durchbrach die Stille.Schließlich schob einer der Ermittler eine weitere Akte nach vorn. Bedächtig öffnete er den dicken Ordner und legte ihn mitten auf den Metalltisch. Das dumpfe Geräusch hallte durch den engen Raum.„Sind Ihnen diese Geldbewegungen b
„Endlich bist du da.“Nichts konnte Arvens Anspannung in diesem Moment besser lösen als Davens Ankunft. Gleichzeitig ließ ihn die Sorge um seinen Chef nicht los. Deshalb hatte er bereits alle rechtlichen Vorkehrungen getroffen, die Daven angesichts der möglichen Vorwürfe schützen konnten.„Wie schlimm ist die Lage?“ Daven lockerte seine Krawatte. Die Erschöpfung und der Druck der vergangenen Stunden standen ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.„Sie prüfen immer noch jede Menge Unterlagen.“ Arven atmete schwer aus. „Aber … inzwischen versiegeln sie bereits die Archivräume.“Davens Kiefer verhärtete sich. „Wie lange, bis sie bei den zentralen Servern sind?“„Weniger als eine Stunde.“„Dann mach es sofort. Erstelle verschlüsselte Kopien und schick sie an meinen privaten Speicher.“„Ja, Daven …“In diesem Moment flog die Tür zu Davens Büro auf. Ein Mitarbeiter versuchte vergeblich, mehrere Beamte der Staatsanwaltschaft aufzuhalten, die sich Zutritt zum Büro verschafften.„So könn
„Arven, hör mir jetzt genau zu.“Davens Stimme war leise, aber unmissverständlich. Der schwarze Wagen raste über eine der Hauptstraßen von Sun City. Er musste so schnell wie möglich zur Zentrale der Callister Enterprise – bevor die Situation noch weiter außer Kontrolle geriet. Zwei Begleitfahrzeuge hielten zu beiden Seiten mit ihm Schritt. Hinter den getönten Scheiben verschwanden allmählich die verlassen wirkenden Außenbezirke, während immer mehr Hochhäuser ins Blickfeld rückten. Bis ins Stadtzentrum war es noch ein Stück, doch sie kamen schnell näher.„Ja, Daven“, erwiderte Arven und bemühte sich hörbar, die Ruhe zu bewahren.„Gib den Zugriff auf die Archive des Kaltenburg-Projekts frei“, sagte Daven ohne jede Einleitung. „Phase zwei und drei. Ich brauche sämtliche internen Prüfberichte, alle Daten zu grenzüberschreitenden Überweisungen und die komplette Korrespondenz mit den lokalen Partnern.“Am anderen Ende blieb es zunächst still. Dann drangen Geräusche durch die Leitung – au
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß







