Seine Wahl War Nicht Ich

Seine Wahl War Nicht Ich

last updateLast Updated : 2026-08-31
By:  Crystal L.CUpdated just now
Language: Deutsch
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„Ich will dich nicht. Ich hasse dich.“ Diese Worte von ihrem einzigen Sohn schneiden tiefer als jede Klinge. Sarah kehrt aus dem Krankenhaus zurück und erwartet Liebe, nur um festzustellen, dass ihr Platz am Familientisch gestohlen wurde. Ihr Ehemann James steht Arm in Arm mit Tiana – der Witwe seines verstorbenen Bruders –, während ihr Sohn sich an die Taille der anderen Frau klammert und seine eigene Mutter zurückweist. Der Verrat endet dort nicht. Nach einer Konfrontation mit Tiana wacht sie in einem verlassenen Gebäude auf, die Hände gefesselt und der Mund zugeklebt. Neben ihr ist auch Tiana. Gefesselt. James steht da, sein verwirrter Blick huscht von Tiana zu Sarah. Und dann kommt die baritonartige Stimme eines der Entführer: „Ein Leben. Eine Wahl. Du kannst nur eine retten. Wähle!“ Sarah dreht sich um und sieht, wie Tiana mit den Entführern durch Blicke kommuniziert. Sie kämpft darum, James die Wahrheit sehen zu lassen – dass dies alles eine Inszenierung ist. Doch sie kann es nicht. Ihr Mund ist zugeklebt. Doch dann, wie ein Streichholz, das auf Stahl trifft, kommt James’ Stimme spröde und endgültig. „Tiana.“ Er wählt seine Ex statt seiner eigenen Frau. Statt der Mutter seines Kindes. Sarah wird im Lagerhaus zurückgelassen. Sobald sie fort sind, explodiert das Lagerhaus und steht in Flammen. Und Sarahs Schreie und Wehklagen im Inneren erfüllen die Nacht. Hat Sarah den Brand überlebt? Und wenn ja – können sie ihrer Rache standhalten, wenn sie endlich zurückkehrt?

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Chapter 1

Kapitel 1: Sie wurde zur Fremden…

Sarah trat aus dem Krankenhaus, ihre kleine Tasche über der Schulter hängend, die Hände zitternd, als wären sie zu schwach, um etwas festzuhalten. Die Abendluft lag heiß und schwer auf ihrer Haut.

Sie blieb am Tor stehen, ihre Augen suchten in der Menge nach einem vertrauten Gesicht.  

Aber sie fand keines. Nicht James, nicht einmal ihren Sohn – Daniel.  

Kein Anruf vibrierte auf ihrem Handy, nicht einmal eine kurze Nachricht: „Mama, geht es dir gut?“ von Daniel. Ihr Daumen schwebte über James’ Namen in den Kontakten, doch der Mut, zu wählen, verließ sie.

Sie hielt ein Taxi an, das heranfuhr. Sie zwang sich hinein und sank auf den Rücksitz.

„Madam, geht es Ihnen gut?“, fragte der Fahrer höflich neugierig und beobachtete ihr blasses Spiegelbild im Rückspiegel.

Sarah nickte rasch und richtete den Blick aus dem Fenster. Sie ließ den Lärm der Straßenhändler und hupenden Autos an sich vorbeiziehen.  

Doch im Auto lastete die Stille noch schwerer und erinnerte sie daran, wie allein sie war. Leise nannte sie dem Fahrer ihre Adresse, und das Taxi fuhr los.

Tränen füllten ihre Augen und tropften auf den Bildschirm ihres Handys, bis er verschwamm. Sie wischte ihn hastig mit dem Handrücken ab. Über ihr zogen schnell Wolken auf, der Himmel verdunkelte sich, als hätte der Himmel sich herabgebeugt, um sie zu beobachten.  

Eine kühle Brise strich vorbei und brachte den Geruch von Regen. Dann begannen die Tropfen, zuerst sanft, dann immer heftiger, und durchnässten die Windschutzscheibe des Taxis. Der Regen fiel weiter und fiel mit ihren Tränen zusammen, als hätte der Himmel sich ihrem Schmerz angeschlossen.

Als das Taxi vor ihrem Haus anhielt, hatte der Regen nachgelassen, und ihre Brust pochte vor Angst. Das Haus, das ihr einst Freude versprochen hatte, sah nun aus wie das eines Fremden.  

Sie stieg langsam aus, die Beine schwach von Krankheit und Furcht.

Die Haustür öffnete sich in eine Stille, die nichts von Frieden, sondern von Abwesenheit erzählte. Dann fielen ihre Augen auf den Esstisch.  

Teller waren gedeckt. Gläser gefüllt. Drei Stühle waren herangezogen, als warteten sie auf ein Familienessen.

Für einen flüchtigen Moment flackerte Hoffnung auf. Vielleicht hatten James und Daniel etwas für ihre Heimkehr geplant. Vielleicht, nur vielleicht, hatte sie sich geirrt.

Doch dann trat Clara, das Hausmädchen, aus der Küche, ihr Lächeln dünn und nervös. Sie nestelte an ihrer Schürze und wich Sarahs Blick aus.  

Diese Stille sagte alles.

Sarahs Brust sank.

Schritte donnerten die Treppe herab. Eine kleine Stimme durchschnitt die Luft.

„Papa!“

Sarahs Gesicht erweichte. Ihre Arme öffneten sich weit, Tränen sammelten sich erneut in ihren Augen. Sie hatte diese Stimme mehr vermisst als alles andere. Sie machte sich bereit für die Umarmung ihres Sohnes.

Doch Daniel blieb auf halbem Wege stehen. Sein Lächeln zerfiel, als seine Augen auf sie trafen. Sein kleines Gesicht verhärtete sich, kalt in einer Weise, wie es kein Kindergesicht sein sollte.

„Danny Boy“, flüsterte sie und zwang ein Lächeln hervor. „Komm zu Mama. Ich habe dich so sehr vermisst.“

Aber er ignorierte sie und drehte sich scharf zu Clara um. „Wann kommt Tante Tiana zurück?“

Der Name traf sie wie eine Klinge in die Brust. Claras Gesicht wurde blass. Sie blickte zu Sarah, dann zurück zum Jungen. „Bald, Daniel. Sehr bald.“

Sarahs Beine wankten, als sie zum Tisch ging, um sich zu setzen. Doch Daniels Stimme schnitt scharf und voller Groll dazwischen.

„Das ist Tante Tianas Stuhl. Sie sitzt dort jeden Tag.“

Sarah festigte ihre Stimme, weich und flehend. „Danny, Mama ist gerade erst aus dem Krankenhaus gekommen. Lass mich hier sitzen. Ich bin noch schwach.“

Daniels Gesicht zog sich noch enger zusammen. „Du bist schon besser. Du gehörst nicht hierher. Dieser Stuhl ist ihrer, nicht deiner.“

Die Worte stachen tiefer als Messer. Sie streckte die Hand aus, verzweifelt, ihn festzuhalten, ihn daran zu erinnern, wer sie war.

Doch Daniel stieß sie mit beiden Handflächen gegen die Brust.

Der Stoß warf sie nach hinten. Ihre Schulter schlug auf den Boden, ihr Handgelenk verdrehte sich, und Schmerz schoss durch ihren Arm.  

Tränen flossen frei, doch das Geräusch der sich öffnenden Haustür zwang sie, den Kopf zu heben.

Daniels Wut löste sich im Nu auf. Sein Gesicht erstrahlte, und er rannte vorwärts, seine Freude sprudelnd. „Tante Tiana!“

Sarah stockte der Atem, als die Tür weit aufschwang.

Tiana Cadwell trat ein, poliert und anmutig, ihr Lächeln hell, als gehöre das Haus ihr. Arm in Arm mit ihr, sie führend wie eine Königin, war James Striker – Sarahs Ehemann.

Daniel warf sich in Tianas Arme, sein Lachen laut und süß, genau die Art von Lachen, die Sarah sich so sehr gewünscht hatte, auf sie gerichtet zu hören.  

James’ Hand lag warm auf Tianas Rücken, seine Augen weich in einer Weise, die Sarah seit Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Vom Boden aus hob und senkte sich Sarahs Brust in scharfem Schmerz.

Sie starrte auf die Szene vor sich: ihren Sohn in den Armen einer anderen Frau, ihren Mann, der diese Frau mit Zärtlichkeit ansah, ihre Körper, die zusammenpassten wie Puzzleteile, in denen für sie kein Platz war.

Der Esstisch glänzte, gedeckt für drei – aber nicht für sie.

Ihre Sicht verschwamm. Ihre Kehle schmerzte, als hätten sich Steine darin festgesetzt.

Zum ersten Mal drängte sich die Frage, die sie tief vergraben hatte, mit Gewalt nach draußen und zerriss sie von innen.

Hatte sie sich geirrt, überhaupt in dieses Haus zurückzukehren?

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