LOGIN|| Abbie || „Rachel …“, keuchte ich, und der Name kam mir wie ein Schluchzen purer Freude über die Lippen. Meine Knie gaben nach, und für einen Moment hatte ich das Gefühl, die Welt würde sich wieder ins Lot bringen, einfach nur, weil sie da war. Sie fing mich auf, zog mich fest an sich und umfasste meine Wangen mit zitternden Händen. „Geht es dir gut, Abbie? Haben sie dir wehgetan?“ Ich nickte verzweifelt, die Worte blieben mir im Hals stecken. „Aber Cale … Rachel, sieh dir Cale an.“ Ich wandte mich dem Bett zu. Rachel trat vor, ihr Blick fiel auf seine gebrochene, ergraute Gestalt. Sie stieß einen schrillen, entsetzten Schrei aus, taumelte zurück und presste eine Hand an ihre Brust, während Tränen sofort über die Rußschicht auf ihrem Gesicht liefen. Slade betrat den Raum, seine Kleidung und Rüstung waren blutbefleckt. Er warf einen Blick auf Rachels Gesicht und eilte zum Bett. Sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich, als er zwei Finger an Cales Hals legte, sich dann vorbeugte
|| Abbie ||Meine Augen blinzelten langsam und kämpften gegen einen schweren, drogenähnlichen Nebel an. Als die Dunkelheit wich, starrte ich auf eine Decke aus kaltem, verziertem Putz in einem Raum, den ich nicht wiedererkannte. Plötzlich kam mir die Erinnerung – der Keller, das Seil, der Käfer. Ich versuchte, mich ruckartig aufzurichten, aber meine Gliedmaßen fühlten sich an, als wären sie in Beton eingegossen, schwer wie Blei und unbeweglich. Panik stieg in meiner Brust auf; ich musste mich bewegen. Ich musste wissen, ob er noch atmete oder ob ich in einer Welt aufgewacht war, in der er bereits nicht mehr da war. Ein rauer, feuchter Husten hallte durch die Stille. Es war nicht meiner. Mit einem verzweifelten Adrenalinstoß zwang ich meinen Hals, sich zu drehen. Dort, auf einem Einzelbett, das an die gegenüberliegende Wand geschoben war, lag Cale. „Cale …“ Der Name war ein gebrochener Flehen. Ich sprang aus dem Bett, schwankte und stolperte auf ihn zu. Mein Herz zerbrach
|| Abbie || Ich hatte stundenlang im Dunkeln gewartet, und die Stille im Raum verstärkte das Pochen meines Pulses. Ich wusste nicht, was vor sich ging oder ob Cale angekommen war, aber vor allem wusste ich nicht, ob er noch atmete. Sollte Tate ihm etwas angetan haben – sollte er ihm auch nur einen Kratzer zugefügt haben –, würde ich ihm das niemals verzeihen.Mein Hass auf den Mann, der meine DNA teilte, begann, die Angst zu überwiegen. Ich musste mich fragen: Hatte ich einen fatalen Fehler begangen, indem ich überhaupt meine Eltern kennenlernen wollte? Wäre ich nicht so neugierig auf die Geister meiner Vergangenheit gewesen, hätte ich niemals einen Fuß in Tates Villa gesetzt. Ich hätte Kash niemals kennengelernt, und ich hätte nicht … Ich kann das Wort nicht einmal aussprechen. Ich betrachtete meine Hände im trüben Licht und fragte mich, ob auch ich ein Monster war. Ist diese Fäulnis Teil meiner Seele, oder ist es nur das Gift, das durch meine verdammten Adern fließt?Wegen meine
|| Cale ||Das Auto kam ruckartig zum Stehen, das Brummen des Motors verstummte und hinterließ eine bedrückende, gespannte Stille. Der schwarze Sack wurde mir vom Kopf gerissen, und das plötzliche Licht ließ meine Augen brennen. Als sich mein Blick klärte, drehte sich Dave, der auf dem Beifahrersitz saß, mit einem spöttischen Grinsen zu mir um. „Wir sind da. Du wirst gleich deinen Schwiegervater kennenlernen. Bist du aufgeregt?“, fragte er, und seine Stimme triefte vor gespielter Freundlichkeit. Ich warf ihm einen ausdruckslosen Blick zu, mein Gesicht eine Maske aus kaltem Stein. Ich hatte keine Worte für ihn – nur eine mentale Liste all der Arten, wie ich ihn fertigmachen würde, sobald Abbie in Sicherheit war. Er lachte kurz und trocken und klopfte sich auf die Oberschenkel. „Los geht’s. Tate lässt sich nicht gerne warten.“ Ich folgte ihnen aus dem Auto und in das Gebäude hinein. Wir gingen durch weite, hallende Flure, bis wir einen prächtigen Speisesaal erreichten. Am Kopfen
|| Cale ||Als mir klar wurde, dass Dave derjenige war, der Abbie entführt hatte, fügten sich die Puzzleteile mit einem unheilvollen Knacken zusammen und führten mich direkt zurück zu Flora. Der Verrat schmeckte wie Säure in meinem Mund. Ich wollte sie sofort aufspüren – ihr die Wahrheit entreißen. Ich beschloss, zu Beth zu gehen; sicherlich würde ihre Schwester wissen, wo sie sich versteckte. Ich hatte Flora blind vertraut und an diese lächerlichen dreißig Tage geglaubt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht angefangen hätte, sie zu mögen, und mir sogar kurz eine Zukunft mit ihr vorgestellt hätte. Aber Abbie … Abbie war die Luft in meinen Lungen. Sie war die einzige Frau, ohne die ich nicht leben konnte, trotz meines eigenen verabscheuungswürdigen Verhaltens und der Art und Weise, wie ich ihr in der Vergangenheit das Herz gebrochen hatte. Slade riet mir, bis zum Morgen zu warten, und wies darauf hin, dass es bereits 2:00 Uhr morgens war. Die Dunkelheit u
|| Abbie ||Am nächsten Morgen lief ich im Zimmer auf und ab. Um ehrlich zu sein, hatte ich nie aufgehört, auf und ab zu laufen. Ich hatte immer noch keinen Weg gefunden, Cale zu kontaktieren oder dieser Hölle zu entkommen. Verzweiflung ist ein gefährlicher Antrieb; sie lässt einen Risiken eingehen, die man bei klarem Verstand niemals in Betracht ziehen würde. Schließlich blitzte eine Idee in meinem Kopf auf – ein rücksichtsloser, impulsiver Plan. Rückblickend wäre es besser gewesen, wenn ich in dem Moment gestorben wäre, als mir dieser Gedanke durch den Kopf schoss. Er hat mich nicht gerettet; er hat lediglich dazu beigetragen, mein Leben zu zerstören. Die Tür quietschte, als sie aufging, und einer meiner Schatten trat herein. „Das Frühstück steht bereit. Tate hat gesagt, du sollst kommen und essen.“ „Sag ihm, ich will verdammt noch mal nichts von ihm. Sag ihm, er soll sich selbst in den Arsch ficken“, fauchte ich.Der Wachmann presste die Kiefer aufeinander. „Ich würde Ihnen r







