MasukLYDIAS PERSPEKTIVE
Mehrere Sekunden lang rührte sich keiner von uns; die Luft im Wagen war zum Zerreißen gespannt. Er hatte endlich die Worte ausgesprochen, die wir beide jahrelang nicht über die Lippen gebracht hatten, und irgendwie ließ das alles zwischen uns gefährlich real und kompliziert erscheinen.
Ich konnte meinen eigenen Atem hören, während er mich aufmerksam beobachtete. Keiner von uns wusste, was er als Nächstes sagen sollte – oder vielleicht wussten wir beide genau, was wir sagen wollten, hatten aber Angst davor, was geschehen würde, sobald die Worte ausgesprochen waren.
Seine Hände bewegten sich langsam auf meine zu; ich zog nicht zurück. Seine Finger streiften meine, bevor sie sich fest um sie schlossen.
„Lydia“, murmelte er. Die Art, wie er meinen Namen aussprach, ließ mich erschaudern.
Ich sah ihn an. „Was?“
„Bist du dir sicher?“
Ich wusste, was er meinte. Ich hätte sofort antworten sollen – schließlich wusste ich, dass ich es wollte. Stattdessen starrte ich auf unsere ineinander verschränkten Hände. Jahrelang hatte ich mir diesen Moment ausgemalt, doch nun, da er endlich da war, wirkte die Realität weitaus beängstigender als alles, was ich mir vorgestellt hatte.
Seine Finger schlossen sich sanft fester um meine, und ich sah wieder zu ihm auf.
„Ich weiß es nicht.“
„Das ist kein Ja.“
„Nein“, flüsterte ich. „Ist es nicht.“
Er nickte und wollte seine Hand zurückziehen. Etwas in mir geriet in Panik, und ich griff nach seinem Handgelenk, um ihn aufzuhalten.
„Lass es“, sagte er; seine Augen trafen meine, und ich schluckte.
„Ich habe gesagt, ich weiß es nicht“, begann ich. „Ich habe nicht Nein gesagt.“
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, als er sich langsam zu mir herüberbeugte und mir jede Gelegenheit gab, ihn aufzuhalten – doch ich tat es nicht. Seine Finger fanden den Saum meines Kleides, als warteten sie auf meine Erlaubnis; mein Herzschlag wurde schmerzhaft laut, als sich der erste Knopf löste. Ich schloss die Augen, dann löste sich ein weiterer; die Luft schien aus dem Wagen zu entweichen.
Das war keine Fantasie mehr, der ich bei Tagesanbruch entfliehen konnte; das Realität, und es geschah genau jetzt. Ich öffnete die Augen und fing seinen Blick ein. In seinen dunklen Augen lag Begehren und noch etwas anderes – Zurückhaltung. Er hielt inne.
„Sag mir, dass ich aufhören soll.“ Ich sah ihn an. Meine Lippen öffneten sich, doch keine Worte kamen hervor; seine Hände verharrten, und ich hielt seine Hand fest, gerade als er den vierten Knopf lösen wollte.
„Warte …“ Sein Blick suchte den meinen, während ich zittrig einatmete. „Wenn wir diese Grenze erst einmal überschritten haben, gibt es kein Zurück mehr zu den Menschen, die wir einmal waren.“
Er hielt meinen Blick einen langen Moment lang fest, dann umspielte ein leises, sündiges Lächeln seine Lippen.
„Das Alte ist vergangen“, murmelte er, während sein Atem eine Spur an meinem Ohr entlangzog. „Siehe, alles ist neu geworden.“
Mir stockte der Atem, und er lächelte erneut.
„Dann werde ich dir heute Nacht“, seine feuchte Zunge fuhr an meinem Hals hinab, während er flüsterte, „deinen neuen Bund zeigen.“
ELOISE PERSPEKTIVE Ich hatte keine Ahnung, wie es mir gelungen war, überhaupt zu schlafen. Ich wusste nur, dass ich aufwachte und die Sonne bereits hoch am Himmel stand. Ich rieb mir schlaftrunken die Augen und stand auf, um mich für den Tag fertig zu machen – und um der einen Person gegenüberzutreten, bei der ich mich eigentlich sicher gefühlt hatte. Ich stand noch immer unter Schock wegen des Videos, das mir gestern Abend zugeschickt worden war. Alexander war ein Mörder. Ich wusste zwar, dass er während seiner Zeit bei den Marines Menschen getötet hatte, aber ich hätte nie gedacht, dass er dieses Blutvergießen fortsetzen würde, jetzt, da er Zivilist war.Ich duschte schnell und zog mich an, ohne mir groß Gedanken über meine Kleidung zu machen. Meine Gedanken kreisten ständig um dieselben Fragen, die mich schon die halbe Nacht wachgehalten hatten. Warum hatte Alexander diesen Mann getötet? Warum hatte er mich angelogen? Und wer hatte mir überhaupt das Video geschickt?Ich nahm mein
Eloise PerspektiveLena wartete bereits unten auf mich, als ich aus meinem Zimmer kam, und in dem Moment, als sie mich sah, klatschte sie in die Hände.„Endlich. Ich hatte schon gedacht, du hättest beschlossen, den Rest deines Lebens oben versteckt zu verbringen.“Ich verdrehte die Augen, während ich auf sie zuging. „Ich habe doch gesagt, dass ich mit dir shoppen gehe, oder?“„Hast du, aber so wie ich dich kenne, hättest du es dir auch anders überlegen können.“„Das würde ich mich gar nicht trauen.“„Gute Antwort.“ Sie musterte mich und nickte dann anerkennend. „Du siehst schon besser aus.“Ich lächelte leicht. „Ich fühle mich auch besser.“Ganz stimmte das nicht. Mein Ohr tat immer noch weh, und die Erinnerung an die Schüsse war nicht verschwunden. Manchmal, wenn es im Haus zu still wurde, konnte ich sie noch immer in meinem Kopf hören. Aber hier mit Lena zu sitzen und über Kleidung und Schuhe zu reden – so wie wir es schon hundertmal zuvor getan hatten – ließ alles ein wenig weniger
Eloise (Perspektivwechsel)Der Anblick von Blut an meinen Fingern ließ mir übel werden; Schüsse hallten noch immer durch den Raum, während Alexander meinen Kopf näher an sich drückte. Ein anhaltendes Pfeifen dröhnte in meinen Ohren, bis die Schüsse endlich verstummten.„Geht es dir gut?“Ich sah, wie sich seine Lippen bewegten, konnte aber nicht verstehen, was er sagte.„Die Kugel hat dein Ohr nur gestreift. Wenn ich dir das nächste Mal sage, du sollst dich ducken, dann tust du das ohne Fragen – hast du mich verstanden, Eloise?“Ich nickte, obwohl ich nur mitbekommen hatte, dass die Kugel mein Ohr gestreift hatte. „Sind wir in Sicherheit?“Alexander stand auf und verschaffte sich einen Überblick über die Schäden im Raum. Glas splitterte unter seinen Stiefeln, als er mit großen Schritten zu seinem Handy ging, das nun am anderen Ende des Zimmers lag. Ich erhob mich langsam und ließ meinen Blick schweifen, um die Verwüstungen zu betrachten, die die Schützen angerichtet hatten: Überall lag
ELOISE (Sichtweise)Ich öffnete langsam die Augen und blinzelte mehrmals, während ich versuchte, die weiße Decke über mir zu deuten. Ein paar Sekunden lang wusste ich weder, wo ich war, noch warum sich mein ganzer Körper anfühlte, als wäre er durch die Hölle gegangen. Dann kehrten die Erinnerungen bruchstückhaft zurück. Das Restaurant. Die Nachrichten. Das Auto, das auf mich zukam. Die Bremsen. Der Aufprall.Mein Herz begann zu rasen, als die Erinnerung mich mit voller Wucht traf. Instinktiv versuchte ich mich aufzusetzen, doch ein Schmerzstoß durchfuhr meinen Körper und zwang mich zurück in die Kissen. Ich zuckte zusammen und sah mich in dem fremden Zimmer um. Ein Krankenzimmer. An meiner Hand war ein Infusionsschlauch angeschlossen, und das leise Piepen des Monitors neben meinem Bett erfüllte die Stille. Ich blickte an mir herab und bemerkte die blauen Flecken auf meinen Armen. Mein Kopf pochte, und ein dumpfer Schmerz zog sich durch meine Rippen, doch angesichts dessen, was passiert
KAPITEL 1ELOISE (Perspektive)Das Leben hatte mir ein unglaublich leichtes Blatt ausgeteilt. Man könnte meinen, als Tochter eines Multimillionärs hätte ich keiner Sorgen, und ehrlich gesagt: Damit läge man völlig richtig. Ich hatte keine Probleme. Alles, was zu einem Problem zu werden drohte, konnte meistens von meinem Vater aus der Welt geschafft werden.Ihr könnt euch also vorstellen, wie geschockt ich war, als Daddy mich an einem Montagmorgen dringend in sein Büro rief.An einem verdammten Montagmorgen.Ich war gerade mitten in einer entspannenden Spa-Behandlung, als mein Handy klingelte. Sobald ich die Dringlichkeit in seiner Stimme hörte, brach ich die Behandlung ab, bezahlte für die bereits in Anspruch genommenen Leistungen und fuhr in die Innenstadt zu seinem Büro.Was auch immer passiert war – es musste ernst sein.Die Geschäfte liefen gut. Soweit ich wusste, gab es keine Probleme mit der Firma, und ich hatte sogar alle Termine wahrgenommen, die er in letzter Zeit sorgfältig
LYDIAS PERSPEKTIVEAm nächsten Morgen wachte ich auf, und die Erinnerung an die vergangene Nacht lastete schwer auf mir. Einen Moment lang starrte ich an die Decke und versuchte mir einzureden, alles sei nur ein Traum gewesen. Doch das Ziehen zwischen meinen Beinen belehrte mich eines Besseren: Es war absolut real. Nachdem wir uns beide beruhigt hatten, hatte Daniel mich so gut es ging gesäubert und nach Hause gebracht – nicht ohne mich zuvor zu küssen, als wäre er ausgehungert gewesen.Ich griff nach meinem Handy auf dem Tisch und entdeckte eine neue Nachricht von Daniel:„Heute Abend bei mir? 20 Uhr. Ich will dich wiedersehen, Schöne.“Die versteckte Absicht hinter seiner Nachricht entging mir nicht. Meine Beine zogen sich unwillkürlich zusammen, als ich an die Geschehnisse der letzten Nacht dachte.Am Abend stand ich vor seiner Wohnungstür; mein Herz hämmerte, während ich sie anstarrte. Als sie sich öffnete, stand Daniel da. Einen Moment lang sagte keiner von uns ein Wort; sein Bli







