Accueil / Mafia / Unheilige Ehe / Kapitel 2 – Die Bedingungen

Partager

Kapitel 2 – Die Bedingungen

last update Date de publication: 2026-10-06 14:24:29

Dominik

An einem Ort wie diesem hat sie nichts zu suchen. Strahlend, lebendig, Wut unter dünner Haut.

Der Schrei, den sie ausstößt, als sie sieht, was ich tue, ist Musik in einer Tonart, von der ich nicht wusste, dass sie mir gefällt. Er zerreißt die Luft, lässt die Männer um mich herum zusammenzucken und meinen Buchhalter erstarren. Der Kopf gesenkt, Tränen zitternd auf den Wangen, wie ein Mann, der versucht, nasses Papier zusammenzuhalten.

Als sie sich zwischen ihn und mich stellt, tut sie es mit einer lächerlichen, kindlichen Tapferkeit. Sie nennt ihn Dad, als könnte sie die Geborgenheit dieses Wortes damit am Leben halten. Der Jäger in mir wird aufmerksam.

Ich bin nicht sentimental. Ich glaube nicht daran, Messer bloß für den großen Auftritt zu ziehen. Ich glaube an Ergebnisse. An Druckmittel. An die Fähigkeit eines Mannes, Bedingungen zu stellen und durchzusetzen. So hält man ein Imperium zusammen. Mit Verträgen und Konsequenzen. Indem man den Magen für das hat, wovor Feiglinge zurückschrecken.

Sie folgt mir in das winzige Büro hinten im Lagerhaus. Als ich die Tür schließe, hebt das Licht im Raum sie deutlich hervor. Sie trägt Sneaker. Ihre glänzenden braunen Locken haben sich halb aus einer Haarspange gelöst, und ihre Augen sind so weit aufgerissen, dass sie wie ein verängstigtes Reh aussieht. Bambis Mutter im Kreuzfeuer.

Sie möchte tapfer sein. Dieser Impuls gefällt mir. Er verrät mir, welche Art von Widerstand ich mit Vergnügen brechen werde.

„Setz dich“, sage ich, und sie tut es nicht. Stattdessen starrt sie mich an, die Kiefer angespannt, irgendwo auf dem schmalen Grat zwischen Wut und Erbrechen. Zu meiner Unterhaltung könnte ich ihr ewig zusehen.

„Sie haben gesagt, wir hätten etwas zu besprechen“, sagt sie mit erhobenem Kinn. Ihre Stimme ist erstaunlich fest, doch ich höre das Zittern darunter. „Was denn?“

„Bedingungen“, sage ich, ziehe mein Jackett aus und rolle die Ärmel bis zu den Unterarmen hoch. „Du darfst sie dir einmal anhören. Danach kannst du nur noch zustimmen oder ablehnen.“

Ihre Lippen werden schmal. „Sie tun so, als wäre das ein Vertrag.“

„Es ist ein Vertrag.“ Ich neige den Kopf. „Alles, was zählt, ist einer.“

Ich halte ihren Blick fest und lege die Bedingungen klar dar.

„Du wirst mich heiraten. Öffentlich, rechtsgültig und ohne Verzögerung. Du wirst treu bleiben. Du wirst sofort versuchen, schwanger zu werden, und innerhalb eines Jahres nach unserer Hochzeit einen Erben zur Welt bringen. Falls bis zum dreihundertfünfundsechzigsten Tag keine Schwangerschaft eingetreten ist, behalte ich mir vor, unseren Vertrag neu zu bewerten. Entweder lasse ich mich scheiden und widerrufe den Aufschub der Hinrichtung deines Vaters, oder ich gewähre nach eigenem Ermessen eine zeitlich festgelegte Verlängerung. Sollten wir uns irgendwann trennen, endet der Schutz deines Vaters in dem Moment, in dem die Scheidung eingereicht wird.“

Ich gebe der Stille Raum. Lasse sie zu einer dritten Präsenz im Zimmer werden.

Sie blinzelt einmal, zweimal. Schluckt. „Das können Sie nicht …“

„Ich sage nie etwas, das ich nicht so meine.“

Mit Interesse beobachte ich, wie sie die Rechnung aufmacht. Den Herzschlag ihres Vaters gegen ihre Zukunft abwägt. Den Preis eines Rings gegen den einer Kugel.

Ich fahre fort, bevor ihre Empörung explodiert, denn ich bin sicher, dass sie gleich kommt.

„Weitere Bedingungen. Als dein Ehemann habe ich jederzeit freien Zugang zu dir. Ich habe einen gesunden sexuellen Appetit. Für mich gilt derselbe Maßstab, den ich an dich anlege. Solange wir verheiratet sind, bleibe ich treu. Deshalb wirst du dafür sorgen, dass ich ausreichend befriedigt werde. Jederzeit. Überall. Das ist nicht verhandelbar.“

Die Explosion kommt, und ihre Wangen werden rot. „Das ist barbarisch. Was zum Teufel stimmt nicht mit Ihnen?“

„Du kannst es nennen, wie du willst“, sage ich ruhig. „Barbarisch. Ein Geschäft. Vernünftig. Ich nenne es verbindlich. Mein Anwalt setzt einen Vertrag auf, den wir beide unterschreiben. Damit es später keine Diskussionen über die Fakten gibt.“

Sie lacht leise und ungläubig. „Sie wollen mich an ein Bett ketten, damit mein Vater am Leben bleibt. Sie bieten mir keine Bedingungen an. Sie verpacken Sklaverei nur hübscher.“

„Sklaverei bedeutet, jemandem ohne Wahlmöglichkeit zu gehören“, sage ich. „Du hast eine Wahl. Geh jetzt durch diese Tür, und ich beende, was ich im Lagerhaus angefangen habe. Dein Vater stirbt heute Nacht. Oder du bleibst, unterschreibst, und er lebt unter meinem Schutz. Eine Wahl hört nicht auf, eine Wahl zu sein, nur weil eine der Möglichkeiten hässlich ist.“

„Sie sind ein Monster.“

Ich lasse einen Hauch Belustigung erkennen. „Wahrscheinlich. Das ändert nichts daran, dass ich weiß, was ich will.“

„Was, wenn ich nicht schwanger werden kann?“, fragt sie mit dünner, aber fester Stimme. „Wenn es … nicht möglich ist?“

„Dann bewerten wir die Situation neu. Das habe ich dir bereits gesagt.“ Ich hebe eine Schulter. „Unfruchtbarkeit kommt vor. Lügen auch. Ich kann beides auseinanderhalten.“

Ihr Kinn hebt sich trotzig, getroffen in ihrem Stolz. „Ausgerechnet ein Mann, der mit dem Leben meines Vaters droht, unterstellt mir, ich würde lügen.“

„Wenn du mein Interesse wachhältst, mich zufriedenstellst und genau dort bleibst, wo ich dich haben will, werde ich ein sehr großzügiger Ehemann sein.“ Ich lasse das Wort einen Moment stehen. Ehemann, kein Liebhaber.

„Du wirst sicher sein. Reich. Von den Menschen respektiert, auf die es ankommt, und von denen gefürchtet, auf die es nicht ankommt. Ich werde dich nicht teilen. Du wirst mich nicht teilen. Das sind meine Gelübde.“

Sie starrt mich an, als wollte sie mich aufschneiden und einen Anflug von Weichheit finden. Da gibt es nichts. Ich glaube an Macht, Ehre und daran, mein Wort zu halten. Liebe ist eine Steuer, die schwache Männer sich selbst auferlegen.

„Sie erwarten, dass ich Ihr ‚Interesse wachhalte‘“, sagt sie, als schmeckte das Wort nach Gift. „Soll ich tanzen? Auf Kommando lächeln? Die Beine breitmachen, wenn Sie mit den Fingern schnippen?“

„Ich schnippe nicht“, sage ich. „Ich äußere meine Bedürfnisse. Und ja, dann wirst du die Beine breitmachen und sie erfüllen.“

„Also bestimmen Sie alles“, sagt sie leiser. „Was ist mit meinem Glück?“

„Ich kann unterhaltsam sein, Eve. Ich kann gute Gesellschaft sein. Ich kann dich zum Lachen bringen und dabei alles bekommen, was ich will. Ich werde dafür sorgen, dass deine sexuellen Erwartungen erfüllt und übertroffen werden. Darüber hinaus kannst du selbst die Verantwortung für dein Glück übernehmen.“

„Warum eine Ehe?“, fragt sie schließlich. „Kann er nicht irgendeine Art von … Ratenzahlung vereinbaren?“

„Eine Rückzahlung ohne Konsequenzen lädt zu weiterem Diebstahl ein“, sage ich. „Wenn ich ihn nicht bestrafe, züchte ich Chaos in meiner Organisation.“

Dann füge ich hinzu, weil die Wahrheit ein Luxus ist, den ich mir leisten kann: „Und weil ich dich gesehen und beschlossen habe, dass ich dich will. Ich mache keine Poesie aus meinem Appetit. Du bist schlicht eine leichte Eroberung.“

Die Wut lässt sie aufleuchten, als hätte jemand ein Licht hinter ihr eingeschaltet. Wenn sie zornig ist, ist sie noch schöner. Haselnussbraune Augen, von Grün durchzogen wie geschliffenes Glas. Ein voller Mund, in dem der Trotz sitzt.

„Sie können mich nicht dazu bringen, Sie zu wollen“, zischt sie.

„Ich brauche dein Verlangen nicht“, antworte ich. „Ich brauche deinen Gehorsam. Verlangen ist ein Bonus.“

Sie zuckt zurück, als hätte ich sie geschlagen.

„Ich hasse Sie“, sagt sie leise.

„Das ist erlaubt“, sage ich. „Es nährt die Leidenschaft. Behalte deinen Hass, wenn er dich wärmt. Halte nur auch deine Gelübde.“

„Ich werde nicht Ihre Hure sein“, sagt sie schließlich.

„Gut“, sage ich. „Huren verkaufen sich an viele. Du wirst nur mir gehören.“

„Ich werde Sie nie lieben.“

„Das werde ich auch nicht verlangen.“ Ich halte ihren Blick einen Moment länger fest. „Aber ich verlange, dass du dich entscheidest. Jetzt.“

Ihr Atem stockt, dann wird er gleichmäßiger. Sie versucht, nicht zu weinen, und es gefällt mir, dass es ihr gelingt. Tränen kosten viel und kaufen hier nichts.

„Ich will meinen Vater sehen“, sagt sie.

„Das wirst du.“ Ich gehe zur Tür, bleibe aber stehen und drehe mich noch einmal um. Die wichtigsten Klauseln sollen sich ihr einprägen.

„Deine Treue ist nicht verhandelbar. Dummheiten wie ein Flirt mit einem Rivalen gelten als Verrat. Ich dulde keine Demütigung. Privatsphäre ist ein Luxus, kein Recht. Wenn ich dich will, kommst du zu mir. Wenn ich ‚jetzt‘ sage, lautet die Antwort ‚ja, Dominik‘. Falls du dich fragst, ob ich scherze: Ich scherze nicht.“

Ihre Augen flammen auf. „Sie warnen mich, dass Sie mich nehmen werden, wo immer Sie wollen.“

„Ich teile dir mit, dass ich es tun werde“, korrigiere ich sie. „Es wird lustvoll sein, wenn du es zulässt. Ich bin ein hervorragender Liebhaber.“

„Die Hölle soll um diese Jahreszeit ja ganz reizend sein.“

„Der Teufel und ich haben einen festen Termin. Keine Sorge, du bist nicht eingeladen“, sage ich amüsiert. „Aber zuerst habe ich vor, sehr gut zu leben.“

„Was passiert mit ihm, wenn ich zustimme?“, fragt sie.

„Er geht nach Hause“, sage ich. „Er unterschreibt alles, was ich ihm vorlege. Er rührt nie wieder einen Dollar an, der ihm nicht gehört. Er stirbt alt, gelangweilt und ein bisschen beschämt. Das kaufst du mit deiner Zustimmung.“

„Ich hasse Sie“, wiederholt sie.

„Und?“ Ich warte geduldig auf ihre Antwort.

Sie hebt das Kinn. „Ich mache es.“

Die gleiche Befriedigung, die ich empfinde, wenn eine rivalisierende Familie kapituliert, zieht durch meine Brust. Ich zeige es nicht. Ich neige den Kopf, als hätte sie lediglich einen Termin bestätigt.

„Eine kluge Entscheidung“, sage ich. „Morgen früh liegen die Papiere für deine Unterschrift bereit. Die Hochzeit findet innerhalb einer Woche statt. Kleid, Ring, Fotos für die Leute, die eine Inszenierung brauchen. Blutuntersuchung durch einen Arzt meines Vertrauens. Du ziehst morgen in mein Haus und hast nur noch Kontakt zu Personen, die ich vorher genehmigt habe.“

Ihre Lippe kräuselt sich. „Natürlich, Meister.“

„Sieh mich an“, sage ich.

Sie tut es, und ich lasse sie nichts sehen außer der Wahrheit.

„Liebe interessiert mich nicht. Ich will, dass alles, was mir gehört, meins bleibt. Das schließt dich jetzt ein.“

Sie sieht mich an. Eine letzte Suche nach Nachsicht. Ein letzter Tauchgang zum Grund eines Sees, der keinen Grund hat.

„Was musst du hören?“, frage ich. Manchmal kommt ein Geschäft schneller zum Abschluss, wenn man den Einwand offen anspricht.

„Dass Sie Ihr Wort halten“, sagt sie.

„Ich halte mein Wort immer.“ Ein Lächeln kommt und geht. „Frag die Menschen, die noch atmen.“

Continuez à lire ce livre gratuitement
Scanner le code pour télécharger l'application

Dernier chapitre

  • Unheilige Ehe   Kapitel 14 – Abrechnung im Wein

    EveIch stehe mitten in unserem Zimmer. Die Stille des Hauses drückt gegen meine Trommelfelle. Dominiks Hitze hängt noch an meiner Hüfte, wo seine Hand mich beansprucht hat. Diese eingebildete Wärme ist eine brutale Erinnerung daran, dass er mich für sein Eigentum hält.Jeder Seufzer, jedes Zucken, jeder Genuss gehört mir. Ich sehe alles und darf alles unterbrechen. Wie zum Teufel kommt er dazu, mir zu befehlen, baden zu gehen?Die Wut in mir ist nicht mehr heiß. Sie ist kalt und kristallklar. Geschärft von der Demütigung, dabei zusehen zu müssen, wie dieser Bastard einem Mann die Hand verletzt, nur weil er mich angesehen hat. Er hält mich für eine Trophäe, deren Wert sich daran bemisst, wie viel Gewalt er anderen antut.Ich brauche eine Pause von dem unablässigen Lärm in meinem Kopf.Ich stürme aus dem Schlafzimmer und wieder nach unten. Biege in Richtung Küchentrakt ab, meine Stilettoabsätze schlagen einen harten Rhythmus auf den Marmorboden.Ich will nicht baden. Ich will nicht nac

  • Unheilige Ehe   Kapitel 13 – Blut und Wein

    DominikIch habe immer darauf bestanden, dass mein Zuhause widerspiegelt, wer ich bin. Jetzt ist eine neue Variable hinzugekommen, und der Puls unseres gemeinsamen Lebens muss seinen Rhythmus erst finden.In der Abenddämmerung ist meine Villa bereit für ihren ersten Auftritt mit meiner Frau an meiner Seite.Poliertes Kristall, entzündete Kerzen, der lange Tisch mit reinweißem Leinen gedeckt. Die Gläser sind aus so makellosem Kristall, dass sie schon klingen, wenn man sie anhaucht.Doch ich sehe nicht auf die Gedecke. Ich sehe Eve an. Anders geht es nicht.Heute Abend trägt sie kein Kleid. Stattdessen habe ich einen anthrazitfarbenen Jumpsuit gewählt. Ein messerscharfer Schnitt, ein tiefer V-Ausschnitt und ein Satin-Obigürtel, der um ihre Taille geknotet ist. Gefährlich hohe schwarze Stilettos machen sie fast so groß wie mich.Ihr Haar ist auf eine Seite gelegt. Die Locken locker hochgebunden, damit die lange Linie ihres Halses frei bleibt. Keine Diamanten. Nur eine schmale goldene Arm

  • Unheilige Ehe   Kapitel 12 – Ausbruch aus dem goldenen Käfig

    EveDas Haus hat einen Herzschlag, wenn man genau hinhört.Regelmäßig stampfen die Stiefel der Wachen an meiner Tür vorbei. Lucianas Schritte sind schneller und leichter, begleitet vom leisen Klirren des Geschirrs auf einem Tablett. Enzos Gang ist unverwechselbar. Schwerer und langsamer als der der anderen. Ich habe sie alle gelernt. Jeder Laut hat sich wie eine Karte in mich eingeprägt. Jede Lücke ist eine mögliche Chance.Heute Morgen beschließe ich, es zu riskieren, nachdem ich tagelang mit mir gerungen habe.Ich bin diese unheilige Ehe eingegangen, um das Leben meines Vaters zu retten. Und dazu bin ich immer noch entschlossen. Aber als ich zugestimmt habe, mich Dominik Grimaldi auszuliefern, habe ich den Preis nicht ganz begriffen.Wie vollständig seine Welt mich verschlingen würde. Wie meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche restlos in dem untergehen würden, was er will.Sobald ich außer Sichtweite des Hauses bin, werde ich jemanden anhalten und um ein Handy bitten. Dad sagen, dass

  • Unheilige Ehe   Kapitel 11 – Der Morgen danach

    DominikAls die Dämmerung den Raum in blasses Licht taucht, liegt sie steif neben mir. Ihr ganzer Körper ist gespannt wie eine Bogensehne. Sie kehrt mir den Rücken zu, die Schultern eingezogen, als könnte sie sich vor der Erinnerung an letzte Nacht verstecken.Sie glaubt, sie hätte etwas gewonnen, weil sie mich ausgehalten hat, ohne zu zerbrechen. Ihr Schweigen, ihre hartnäckige Weigerung zu betteln, seien ein Sieg gewesen.Sie irrt sich.Der Triumph gehört ganz allein mir.Ich habe sie frustriert zurückgelassen. Zitternd. Nass und wütend auf sich selbst. Jede Sekunde, die sie vor Verlangen zitternd neben mir lag, jeder scharfe Atemzug, den sie zu unterdrücken versuchte, gehörte mir. Sie ist ein in die Enge getriebenes Tier, das die Zähne fletscht. Und das weckt in mir nur den Wunsch, meine noch tiefer in sie zu schlagen.Und sie wird niemals Erleichterung finden dürfen, ohne zu mir zu kommen und darum zu bitten.Als ich aufstehe, versucht sie sich wegzudrehen und tiefer in den Laken

  • Unheilige Ehe   Kapitel 10 – Die Hochzeitsnacht

    EveDer Lärm der Hochzeitsfeier klingt mir noch in den Ohren, verstummt aber schlagartig, als wir in die Auffahrt einbiegen.Kein Geplauder über Champagnergläsern, keine anschwellende Orchestermusik. Die Villa empfängt uns mit einer Stille, die so vollkommen ist, dass sie inszeniert wirkt. Als hätten die Wände den Befehl bekommen, den Atem anzuhalten.Mein Puls stolpert gegen meine Rippen. Ich richte mich auf und verberge jedes verräterische Zeichen, so gut ich kann. Vor ihm Angst zu zeigen fühlt sich an wie Blut im Wasser, während ringsum Haie kreisen.Am Fuß der Marmorstufen zögert Dominik nicht. Er beugt sich vor, nimmt mich auf die Arme und hebt mich mühelos vom Boden. Mein erschrockenes Keuchen bleibt mir im Hals stecken. Um seinen Mund spielt diese leise, kalte Belustigung, die ich schon viel zu gut kenne.„Willkommen zu Hause, Mrs. Grimaldi“, murmelt er und trägt mich über die Schwelle.Die Worte legen sich wie Fesseln auf meine Haut. Schwerer noch als der Ring, der schon an me

  • Unheilige Ehe   Kapitel 9 – Die Zeremonie der Macht

    DominikHochzeiten sollen Feste sein. Meine ist ein Bühnenstück, und ich führe Regie.Das Gewölbe der Kathedrale ragt hoch über uns auf. Die Rippenbögen lenken den Blick zu Heiligen aus Stein, während die Buntglasfenster farbiges Licht über den Mittelgang bluten lassen.Jede Bank ist besetzt. Der riesige Innenraum quillt über von Männern und Frauen, die wissen, wie man lächelt, während man einen Mord plant.Blumen ergießen sich über jeden Sims und jede Säule, so üppig, dass der Marmor sich unter ihrem Gewicht zu biegen scheint. Kerzen brennen in eisernen Wandhaltern. Ihr Schein ringt mit dem Sonnenlicht aus den Rosettenfenstern und vergoldet die Szene in gebrochenem Glanz.Selbst der Priester trägt die Zufriedenheit eines Mannes im Gesicht, der für seine plötzliche Flexibilität gut bezahlt wurde. Seine Stimme ist weich von der großzügigen Spende, die eine so kurzfristige Zeremonie erst möglich gemacht hat.Die Heiligkeit dieses Ortes lässt sich so leicht beugen wie Männer. Die Ironie

Plus de chapitres
Découvrez et lisez de bons romans gratuitement
Accédez gratuitement à un grand nombre de bons romans sur GoodNovel. Téléchargez les livres que vous aimez et lisez où et quand vous voulez.
Lisez des livres gratuitement sur l'APP
Scanner le code pour lire sur l'application
DMCA.com Protection Status