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Kapitel 5

ผู้เขียน: Ella Jean Ross
last update วันที่เผยแพร่: 2026-09-02 21:56:59

Iris

Ich drehte mich um und ging davon, ohne auf seine Antwort zu warten. Innerlich verspürte ich eine seltsame Mischung aus Erleichterung und anhaltender Bitterkeit. Jedes einzelne Wort, das ich gesagt hatte, war ehrlich gewesen, ebenso wie die Tatsache, dass ich ihm hatte vertrauen wollen, zumindest ein wenig. Dieser Fehler würde mir nicht noch einmal passieren.

Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen, während ich davonging, bevor seine Freunde hinter ihm in Gelächter ausbrachen.

„Bro, mach dir nichts draus. Sie hat einfach einen Wutanfall. Mädchen wie sie machen das immer, sobald sie merken, was ihnen entgeht.“

„Ja, Mann. Ihre Eiskönigin-Nummer wird nicht lange anhalten. Bald ist sie völlig gebrochen und kommt weinend zurück.“ fügte ein anderer hinzu.

Ich hörte sie, aber es war mir egal.  Wenn sie sich selbst etwas vormachen wollten, bitte. Ich hatte größere Probleme, um die ich mich kümmern musste.

Ihr Gelächter verklang hinter mir, während ich aus ihrem Blickfeld verschwand und die Blicke der Passanten ignorierte, die das Ganze zweifellos beobachtet hatten. Ich holte tief Luft und zwang mich, mich zu konzentrieren.

Vorlesungen, Noten, Geld und Überleben. Das war alles, was zählte.

…

Der Rest des Tages verging wie im Nebel aus Vorlesungen und Notizen. Ich hielt den Kopf gesenkt, konzentrierte mich und arbeitete jede Aufgabe wie ein Uhrwerk ab. Ohne Calebs Anwesenheit in meinen Hauptfächern fiel es mir leicht, mich zu konzentrieren.

Früher hatte seine Anwesenheit mich ständig abgelenkt. Nachdem wir angefangen hatten, uns zu daten, versuchte er unaufhörlich, meine persönlichen Grenzen zu überschreiten, sei es, indem er mir ins Ohr flüsterte, mit meinen Haaren spielte oder während der Vorlesungen versuchte, meine Hand zu halten. Es hatte mich zunehmend genervt, und ich hatte versucht, geduldig zu sein, doch trotz meiner ständigen Ablehnungen machte er weiter. Je mehr ich darüber nachdachte, desto erleichterter war ich, dass es vorbei war.

Doch es gab ein neues Hindernis für meine Konzentration. In jedem ruhigen Moment drifteten meine Gedanken zurück zu dem geheimnisvollen Mann von letzter Nacht. Seine Stimme. Sein Körper. Die Art, wie er mich so mühelos herumkommandiert und mich härter hatte kommen lassen als seit Monaten.

Ich zwang die Gedanken beiseite, aber es fühlte sich vergeblich an. Jede Erinnerung ließ meinen Kopf noch benommener werden.

Am Abend konnte ich meine Aufmerksamkeit kaum noch aufrechterhalten, als ich den Hörsaal betrat. Laut meinem neuen Stundenplan fand die neue Wahlfachvorlesung heute Abend statt. Normalerweise hätte ich mich auf alles im Voraus vorbereitet, aber dank meiner ständigen Ablenkung war ich froh, überhaupt angekommen zu sein.

„Reiß dich zusammen“, flüsterte ich, während ich den Saal betrat. Überrascht blinzelte ich angesichts der großen Zahl an Menschen, die trotz der vergleichsweise frühen Uhrzeit bereits da waren. Es waren nur noch wenige Plätze frei.

Ich wählte einen Platz in der zweiten Reihe an der Ecke des Saals, während immer mehr Leute hereinkamen, und begann, meine Lernmaterialien herauszuholen. Welches Fach war das noch einmal?

„Meinst du das ernst?“

„Ja. Es ist heute Morgen passiert.“

Flüsternde Stimmen gingen durch den Raum. Ich fing Gesprächsfetzen auf und begriff mit einem Schlag, dass sie über mich redeten.

„Hast du gehört? Sie hat Caleb Sterling vor allen Leuten abserviert. Sie hat ihn gedemütigt.“

„Mutige Aktion. Niemand weist einen Sterling so zurück.“

„Warte, meinst du das ernst? Soweit ich gehört habe, war es genau andersherum. Ich hab gehört, sie war so wütend, dass sie abgehauen ist, nachdem er sie abgewiesen hatte.“

„Sie war doch nicht einmal mehr in dem Kurs. Hat sie gewechselt? Ist das der Grund, warum sie hier ist?“

Ich biss die Zähne zusammen. Mein Blick blieb auf meinem Notizbuch gerichtet. In Hawthorne verbreiteten sich Gerüchte schnell, besonders wenn Menschen wie Caleb darin verwickelt waren. Ich konnte mir vorstellen, dass andere Gerüchte von seinen Freunden oder Caleb selbst stammten, aber was sollte ich schon dagegen tun?

Ich hasste es, im Mittelpunkt zu stehen, aber jetzt konnte ich nichts mehr daran ändern.

Mich wieder in die Realität zurückholend, blickte ich auf die Mappe mit den Informationen über das Fach und erstarrte.

‚Literaturwissenschaft für Fortgeschrittene 380‘

Und der Dozent war-

Die Tür klickte auf und der Raum wurde still. Mein Blick schnellte hoch, gerade rechtzeitig, um eine große Gestalt hereinkommen zu sehen, die mit ruhigen, gemessenen Schritten auf uns zukam. Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Perfekt frisiertes schwarzes Haar, markante Wangenknochen und diese durchdringenden grauen Augen. Hier im Hörsaal wirkte er aus der Nähe noch eindrucksvoller als gestern, als ich mit ihm zusammengestoßen war. Er trug ein makellos sitzendes schwarzes Hemd mit Knopfleiste, die Ärmel ordentlich heruntergerollt und die Manschetten geschlossen.

Das war Dmitri Sterlings Vorlesung. Calebs Onkel, der kalte und rätselhafte junge Professor, über den alle tuschelten. Derselbe Mann, mit dem ich gestern so entsetzlich peinlich zusammengestoßen war.

Heilige Scheiße.

Ich holte tief Luft, um mich zu beruhigen. Alles war in Ordnung, ich sollte nicht überreagieren. Es bedeutete nichts, und selbst wenn er mich gesehen hatte, würde es ihm egal sein. Er war einfach ein sexy Mönch, wie Jean gesagt hatte. Kein Grund zur Sorge,

Als er am Podium stand, ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen, als würde er nach etwas suchen. Ich hätte schwören können, dass seine Augen für einen kurzen Moment in meine Richtung glitten, aber das war wahrscheinlich nur Wunschdenken.

Ich senkte den Blick und holte tief Luft, um mich zu konzentrieren. Alles war in Ordnung. Absolut-

„Guten Abend, alle zusammen, und willkommen zurück in Literaturwissenschaft für Fortgeschrittene.“

Mein ganzer Körper erstarrte.

Diese Stimme. Tief und geschmeidig. Sie klang genauso wie-

Nein. Das war nur meine Fantasie. Zufall. Viele Männer hatten tiefe Stimmen. Mein Verstand spielte mir nach dem intensiven privaten Anruf letzte Nacht einen Streich.

Professor Sterling war ein äußerst erfolgreicher Mann, dessen Kurs ich nun bestehen musste. HingebungsvollerDom war nur ein gesichtsloser Patron. Nichts weiter.

Er begann mit der Vorlesung, seine Stimme kühl und professionell, während er über das aktuelle Thema sprach: Motive verbotener Begierde in der klassischen Literatur. Ich versuchte, mich auf meine Notizen zu konzentrieren, aber mein Puls wollte sich einfach nicht beruhigen.

Mir war nicht einmal bewusst, wann ich aufgehört hatte, den Kopf gesenkt zu halten. Jedes Mal, wenn er sich bewegte, ertappte ich mich dabei, wie ich ihn aufmerksam beobachtete. Seine Bewegungen waren, genau wie seine Stimme, magnetisch.

Kein Wunder, dass so viele Leute seinen Kurs belegten.

Ich verdrängte diese Gedanken und hielt für den Rest der Zeit den Kopf gesenkt.

Die Zeit verging und schon bald näherte sich die Vorlesung ihrem Ende. Als nach Fragen gefragt wurde, hörte ich jemanden hinter mir sprechen.

„Professor, wie treiben unausgesprochene Begierden die Handlungen der Figuren in diesen Texten voran?“

Instinktiv blickte ich auf und sah, dass er nachdenklich wirkte, während er darüber nachdachte. Als er sich in die Richtung drehte, wanderte sein Blick noch einmal kurz zu mir.

„Das ist eine interessante Frage“, begann er. „Die Antwort darauf ist ziemlich simpel; alles. Jede unausgesprochene Begierde ist es, die gewöhnlich die wahre Natur der Figuren offenbart, genau wie sie es bei uns in der Realität tut. Die äußerliche Fassade dient meist als Tarnung. Nehmen wir Madame Defarge in ‚Eine Geschichte zweier Städte‘, deren Kampf für eine Revolution nobel erschien, bis am Ende ihr wahres Verlangen nach Rache an den Evrémondes offenbart wurde, oder Sydney Carton, der seine Hingabe an Lucie verbarg und sich schließlich für ihr Glück opferte. Hass, Leidenschaft, Rache, Neid, Liebe. All das sind gefährliche Emotionen, die wir gelernt haben zu verbergen, aus Angst vor den gesellschaftlichen Konsequenzen. Man muss nur Annas Kareninas Schicksal betrachten.“

Ohne Vorwarnung hob er die Hände und begann, die Ärmel seines Hemdes hochzukrempeln, zuerst den einen Arm, dann den anderen. Ein überraschte Murmeln ging durch den Kurs.

„Das hat er noch nie gemacht“, sagte jemand hinter mir, doch in meinem Kopf herrschte Aufruhr, als meine Augen auf seinen linken Unterarm fielen.

Dort, größtenteils unter dem schwarzen Rollkragen verborgen, war ein Tattoo.

Ein Tattoo in Form einer Schlange.

Mein Puls raste. Es war unverkennbar. Dasselbe aufwendige Design, das ich während unseres privaten Videoanrufs letzte Nacht auf dem Arm des geheimnisvollen Mannes gesehen hatte. Dieselbe dunkle Tinte, die sichtbar gewesen war, als er seinen Schwanz für mich gerieben hatte.

Nein. Nein, unmöglich. Das konnte nicht sein.

„Ich glaube jedoch“, donnerte seine Stimme, „dass manche Begierden verfolgt werden sollten, ungeachtet der gesellschaftlichen Konsequenzen. Wir sind Menschen, keine Werkzeuge. Das Leben ist dazu da, gelebt zu werden, nicht bloß erfahren, und manchmal ist die Leidenschaft, die man findet, die einzige Erinnerung daran, dass man lebt.“

Als ich wieder aufblickte, gefror mein Blut in den Adern. Seine grauen Augen waren direkt auf mich gerichtet.

Unsere Blicke trafen sich quer durch den Hörsaal. Die Luft zwischen uns fühlte sich aufgeladen an, elektrisch. Für alle anderen musste sein Gesichtsausdruck kühl und unergründlich wirken, doch ich sah es. Diese stille Intensität. Die Bestätigung.

„Und wenn ihr diese Leidenschaft in euren Händen haltet“, sagte er, „dann solltet ihr ihr nachjagen und sie niemals wieder loslassen.“

Die einzelnen Puzzleteile fügten sich mit brutaler Klarheit zusammen. Die vertraute Stimme. Die Art, wie er nach Jahren, in denen er verborgen geblieben war, plötzlich um einen privaten Anruf gebeten hatte, nur wenige Stunden nachdem ich mit ihm zusammengestoßen war.

Die bewusste Art, wie er gerade jetzt mitten im Unterricht seine Ärmel hochgekrempelt hatte, obwohl er das angeblich nie tat.

HingebungsvollerDom war kein anonymer Fremder. Er war Dmitri Sterling. Mein Professor. Calebs Onkel. Der Mann, der gerade vorne im Raum stand.

Und er wusste es.

Er wusste, wer ich war, von dem Moment an, als er mein Handy gesehen hatte. Er hatte absichtlich seine Ärmel hochgekrempelt. Er wollte, dass ich das Tattoo sah. Er wollte, dass ich genau wusste, wer mich beobachtet, mir Geld gezahlt und mich dazu gebracht hatte zu kommen, während ich in Gedanken seinen Namen stöhnte.

Hitze schoss in meine Wangen, während sich gleichzeitig bleierne Angst in meinem Magen ausbreitete. Das konnte nicht passieren. Der Mann, von dem ich fantasiert hatte, dessen Stimme mich feuchter gemacht hatte als die jedes anderen, war jetzt mein Professor. Er kannte mein tiefstes Geheimnis.

Und nach der Art, wie er mich ansah, hatte er keineswegs vor, mich dieses Geheimnis vergessen zu lassen.

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