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Kapitel 4

Author: Jane writes
last update publish date: 2026-07-05 01:55:50

Anna POV

Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich so heiraten würde, hätte ich widersprochen. Unzählige Male hatte ich mir ausgemalt, wie märchenhaft meine Hochzeit sein würde. Doch hier stand ich nun in einem Kleid, das sich wie eine zweite Haut an meinen Körper schmiegte – weiße Seide, die mehr gekostet hatte als meine alte Wohnung.

Ich stand vor dem Spiegel in Carltons Villa, die Finger zitternd, während eine Zofe meinen Schleier richtete. Heute wurde ich Mrs. Carlton Blackwood. Eine Fake-Ehefrau. Ein echter Vertrag. 

Mama lag immer noch im Krankenhaus und erholte sich von der Operation. Sie war zu schwach, um dabei zu sein, aber Dr. Parker James hatte mir am Telefon versichert, dass sie stabil sei und sogar gelächelt habe.

„Sie sehen wunderschön aus, Miss Anna“, sagte die Zofe mit einem warmen Lächeln. „Der Wagen ist bereit.“ Ich nickte. „Danke. Bringen wir es hinter uns.“

Die Fahrt zum kleinen, privaten Veranstaltungsort kam mir viel zu kurz vor. Nur eine Handvoll Gäste war anwesend: enge Freunde der Familie Blackwood, ein paar Geschäftspartner, die Presse und seine Mutter,

 Mrs. Veronica Blackwood, die in einem eleganten cremefarbenen Kostüm in der ersten Reihe saß. Keine große Menge. Gerade genug, um es echt wirken zu lassen.

Ich stieg aus. Mrs. Veronica erhob sich sofort und kam eilig auf mich zu, zog mich in eine sanfte Umarmung. Ihr Parfüm hüllte mich wie ein Trost ein.

„Hallo, ich bin Carltons Mutter, Veronica. Du kannst mich Veronica oder auch Mom nennen, 

Schwiegertochter.“ Man merkte ihr an, wie sehr sie sich freute.

„Veronica, ich habe schon viel von Ihnen gehört von…“, ich drehte den Kopf zu Carlton, der 

zustimmend nickte, „…Carlton, deshalb freue ich mich sehr, Sie endlich kennenzulernen.“ Dann umarmte sie mich erneut.

„Oh mein Gott, so ein süßes Kind. Deshalb liebe ich Töchter so sehr. Ich war total überrascht, als Carlton endlich zugestimmt hat zu heiraten, nachdem er—“ „Mom“, unterbrach er sie, bevor sie weitersprechen konnte.

„Willkommen in der Familie, mein Liebes.“ Ihre Augen strahlten vor echter Wärme. Sie hatte keine Ahnung von dem Vertrag. Für sie war das Liebe auf den ersten Blick – ihr Sohn ließ sich endlich nieder. Ich zwang mich zu einem Lächeln.

„Danke, Veronica. Ich bin froh, dass Sie hier sind.“ Sie drückte meine Hände. „Carlton ist ein Glückspilz. Jetzt geh und mach meinen Sohn zum glücklichsten Bräutigam der Welt.“

Carltons Assistent wartete am Rand des Ganges. „Bereit, Mrs. Vale? Ich meine, bald Mrs. Blackwood.“ „So bereit, wie ich nur sein kann“, antwortete ich sarkastisch und verdrehte die Augen.

Sanfte klassische Musik setzte ein. Ich ging allein den kurzen Weg entlang, der mit weißen Rosen gesäumt war. Carlton stand am Altar in einem schwarzen Smoking, der ihn noch größer, schärfer und attraktiver wirken ließ, als er ohnehin schon war. 

Seine Augen waren die ganze Zeit auf mich gerichtet – tief und intensiv. Kein Lächeln. Nur dieses kalte Lächeln, gemischt mit etwas Heißerem.

Der Standesbeamte räusperte sich, als ich bei ihm ankam. „Liebe Anwesende, wir haben uns heute hier versammelt…“

Die Worte verschwammen. Ich konzentrierte mich auf Carltons Gesicht. Er nahm meine Hände in seine – warm und fest, genau wie an dem Tag, als wir zusammengestoßen waren.

„Du machst dich ganz gut“, flüsterte ich sarkastisch, während der Standesbeamte sprach. Seine Lippen zuckten. „Ich weiß, dass ich gut aussehe, Anna. Versuch wenigstens so zu tun, als würdest du das hier wollen.“

Dann kamen die Gelübde. Ich sprach meines zuerst, mit fester Stimme: „Ich, Anna Vale, nehme dich, Carlton Blackwood, zu meinem Ehemann. Ich werde an deiner Seite stehen…“ Er hörte zu, seine Augen warnten mich. Dann war er an der Reihe.

„Ich, Carlton Blackwood, nehme dich, Anna Vale, zu meiner Ehefrau.“ Seine Stimme blieb tief und geschmeidig. „Ich werde beschützen, was mir gehört. Ich werde dir alles geben, was du brauchst.

 In Krankheit und Gesundheit, für das kommende Jahr und darüber hinaus.“

Der Standesbeamte lächelte. „Sie dürfen die Braut jetzt küssen.“

Carlton zog mich eng an sich, eine Hand an meiner Taille, die andere hob mein Kinn. Kameras der wenigen Gäste blitzten. Sein Mund senkte sich fest auf meinen – nicht sanft. Hitze durchfuhr mich. 

Ich küsste ihn zurück, weil ich musste, meine Lippen öffneten sich gerade genug, dass er den Kuss vertiefte. Für einen Moment fragte ich mich, ob er immer noch spielte.

Er löste den Kuss, blieb aber ganz nah, sein warmer Atem an meinem Ohr. „Mi corazón, du gehörst jetzt mir“, flüsterte er leise, die Worte rollten wie Samt von seiner Zunge.

Ich blinzelte verwirrt. Mein Herz raste. Es klang romantisch, fast zu süß für den kalten Mann, mit dem ich die Papiere unterschrieben hatte. Aber in seinen Augen brannte etwas, das ich noch nicht verstand.

„Was hast du gerade gesagt?“, flüsterte ich zurück, während wir uns den Gästen zuwandten. Er lächelte kühl. „Das wirst du schon noch früh genug lernen, Ehefrau.“

Veronica klatschte zuerst, Tränen in den Augen. „Meine wunderschöne Schwiegertochter! Kommt her, ihr beiden.“ Sie umarmte mich erneut, diesmal fester. „Anna, du hast meinen Sohn zum Lächeln gebracht, wie ich es seit Jahren nicht mehr gesehen habe.

 Danke. Wir werden bald ein richtiges Familienessen haben. Zuerst nur wir drei, dann zu viert, sobald Helene stärker ist.“

„Das würde mir gefallen“, sagte ich und versuchte, meine Stimme leicht zu halten und nicht emotional zu klingen. „Wunderbare Neuigkeiten!“, strahlte Veronica. „Carlton, behandle sie gut. Sie gehört jetzt zur Familie.“

Er nickte, den Arm weiter um meine Taille gelegt. „Das habe ich vor, Mutter.“ Wenn seine Mutter nur wüsste, dass er nur schauspielerte.

Der kleine Empfang fand direkt im Garten statt. Kellner servierten Champagner und leichte Häppchen. Die Gäste sprachen kurze Glückwünsche aus. John hatte früher Blumen mit einer schlichten Karte geschickt und mir alles Gute gewünscht, aber er war nicht gekommen.

Er hatte mit mir über meine Entscheidung gestritten, und ich fühlte mich schlecht deswegen.

Auch meine Mutter war letzte Woche wütend gewesen, als ich es ihr erzählt hatte. Sie fühlte sich schuldig, weil sie dachte, ich würde nur wegen der 

Krankenhausrechnung heiraten. Das stimmte zwar, aber ich musste sie beruhigen und ihr sagen, dass ich ihn liebe, bevor sie sich endlich beruhigte.

Ein älterer Geschäftspartner hob sein Glas. „Auf das neue Ehepaar Blackwood. Möge eure Verbindung stark und profitabel sein.“

Carlton stieß mit ihm an. „Das wird sie sein.“ Ich nippte an meinem Champagner und drehte mich zu ihm. „Profitabel? Wie romantisch.“

Er beugte sich zu mir, seine Stimme nur für meine Ohren bestimmt. „Alles mit dir wird das sein, Anna. Spiel mit.“ Ich wusste nicht, ob er den romantischen oder den profitablen Teil meinte.

Mrs. Veronica gesellte sich zu uns und hakte sich bei mir ein. „Erzähl mir, Liebes, wie habt ihr zwei euch wirklich kennengelernt? Carlton war so geheimnisvoll deswegen.“

Ich warf ihm einen Blick zu. Er antwortete glatt: „Im Krankenhaus-Empfang. Anna hat ihre Mutter besucht. Wir sind zusammengestoßen. Buchstäblich. Der beste Unfall meines Lebens.“

Veronica lachte. „Wie süß! Das Schicksal, sage ich euch. Ich wusste, dass du eine gute Frau brauchst, mein Sohn. Anna passt perfekt.“

„Das tut sie“, sagte Carlton, seine Hand glitt tiefer auf meinen Rücken. Die Berührung jagte Funken meine Wirbelsäule hinauf.

Ich schenkte ihr ein falsches Lächeln. „Ihr Sohn kann sehr überzeugend sein.“ „Überzeugend?“ Carlton hob eine Augenbraue. „Du hast ziemlich schnell Ja gesagt, Baby.“

Da war das Kosewort wieder. Baby. Es klang jetzt anders – neckend, fast besitzergreifend. Hitze stieg mir in die Wangen. „Nur weil du kein Nein akzeptiert hast“, schoss ich zurück.

Veronica lachte leise. „Das ist mein Junge. Er weiß immer, was er will. Ich will euch Turteltauben nicht länger stören. Genießt eure erste Nacht als Mann und Frau.“ Sie küsste mich auf die Wange und ging, um mit ihren Bekannten zu sprechen.

Als wir einen Moment allein am Rande des Gartens hatten, drehte ich mich zu Carlton. „Deine Mutter liebt diese Geschichte wirklich. Sie hat keine Ahnung, dass alles nur Papier und Unterschriften ist.“

Er zog mich näher, unsere Körper berührten sich fast. „Und das wird sie auch nie. Du hast den Deal unterschrieben, Anna. Lächel für die Gäste, sie beobachten uns.“

„Ich lächle doch“, sagte ich scharf. „Aber dieses Flüstern am Altar – was hat das bedeutet? ‚Mi‘ irgendwas. Spiel keine Spielchen.“

Seine Augen verdunkelten sich. „Es bedeutet ‚mein Herz‘.“ Mir stockte der Atem. „Ach ja? Das ist nur ein Vertrag. Vergiss das nicht.“

Er strich mit den Lippen über mein Ohr. „Verträge haben Kleingedrucktes, Ehefrau. Ich träume nicht einmal davon, dich anzufassen – aber bist du dir sicher, dass es bei dir genauso ist?“

Ich wich ein Stück zurück, mein Herz hämmerte. „Du bist unmöglich.“

„Und du steckst ein Jahr lang mit mir fest.“ Er bot mir seinen Arm an. „Zeit zu gehen. Der Fahrer wartet mit dem Wagen.“

Wir verabschiedeten uns schnell. Mrs. Veronica umarmte mich noch einmal. „Passt auf euch auf. Ich bin so glücklich für euch beide, Anna. Du bist die Tochter, die ich mir immer gewünscht habe.“ Ihre Worte trafen mich sanft. Echte Zuneigung. „Danke, Veronica.“

Im Bentley schloss sich die Tür, und die Sichtschutzscheibe fuhr hoch. Carlton saß mir gegenüber, die Beine ausgestreckt, den Blick fest auf mich gerichtet.

„Immer noch verwirrt wegen der ganzen Abmachung?“, fragte er. „Ja. Gestern war ich noch unverheiratet.“ Es fühlt sich seltsam an, und ich kann mir nicht vorstellen, was die Zukunft bringt.

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