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Kapitel 6

작가: Jane writes
last update 게시일: 2026-07-14 19:19:06

Anna POV

Die Uhr auf dem Nachttisch zeigte Mitternacht. Ich lag allein in dem riesigen Bett und starrte an die Decke mit ihren aufwendigen Mustern, die wahrscheinlich ein Vermögen gekostet hatten.

Hochzeitsnacht. Meine Hochzeitsnacht. Als Mädchen hatte ich sie mir so oft ausgemalt. Sanftes Licht in einem kleinen gemütlichen Zimmer, ein Mann, der mich wirklich liebte, Lachen, das in leise Gespräche überging, vielleicht Blumen auf dem Bett. Sanfte Worte und jemand, der mir das Gefühl von Sicherheit gab. Nicht diese leere Stille in einer Villa, die sich wie ein schicker Käfig anfühlte.

Getrennte Zimmer. Carltons Regel. Ich sollte froh über den Abstand sein. Stattdessen drückte die Stille wie ein Gewicht auf mich. Das Zimmer war wunderschön – dicke Teppiche, schwere Vorhänge, die die Welt aussperrten, eine Sitzecke mit Samtstühlen und ein Badezimmer, das größer war als meine alte Wohnung. Frische Blumen standen auf der Kommode, wahrscheinlich von den Hausmädchen früher hingestellt. Alles perfekt, aber kalt.

Ein leises Klopfen ertönte an der Haupttür. Ich setzte mich auf und zog die Decke höher. „Herein.“

Smith trat ein, mit einem kleinen Tablett in den Händen. Er bewegte sich leise, als gehörte er zu den Schatten dieses großen Hauses. „Heiße Schokolade, Anna. Das hilft bei den ersten Nächten an einem neuen Ort. Das Personal hat sich für den Abend zurückgezogen, aber ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung, falls Sie etwas brauchen.“

„Danke, Smith. Wirklich.“ Ich nahm den Becher. Die Wärme tat meinen Händen gut. „Dieser Ort ist wunderschön, aber es ist viel zu verarbeiten. Wie ein Resort, das nie endet.“

Er nickte mit diesem freundlichen, professionellen Lächeln. „Mr. Blackwood legt Wert auf Privatsphäre und Ordnung. Das Haus wird mit der Zeit und der richtigen Präsenz wärmer. Gute Nacht, Anna.“

Er ging, ohne ein weiteres Wort. Ich nippte langsam an der Schokolade und ließ die Süße auf meiner Zunge zergehen. Dann ging ich zur Verbindungstür zwischen unseren Suiten. Sie sah schwer aus – massives Holz mit einem Messinggriff. Wahrscheinlich von seiner Seite aus verriegelt, vermutete ich. Trotzdem klopfte ich – drei kurze Schläge.

Zuerst kam keine Antwort. Ich wartete, dann klopfte ich erneut. Endlich öffnete sich die Tür. Carlton stand da, in schwarzer Hose und einem schlichten dunklen Hemd, die Ärmel hochgekrempelt. Sein Haar sah ordentlich aus, als hätte er gar nicht versucht, sich zu entspannen. Keine Wärme in seinem Gesicht. Nur dieselbe kalte Maske wie im Büro.

„Was wollen Sie?“, fragte er mit flacher Stimme.

„Hochzeitsnacht“, sagte ich. „Und ich sitze allein in diesem riesigen Zimmer. Behandeln Sie so Ihre Frau? Selbst Fake-Ehefrauen verdienen etwas Gesellschaft, oder nicht?“

Er lehnte sich gegen den Türrahmen, die Arme verschränkt. „Regeln, Anna. Getrennte Zimmer, es sei denn, ich entscheide etwas anderes. Sie haben Ihre Gefühle vorhin klar gemacht. Sie mögen mich nicht, und das beruht auf Gegenseitigkeit. Gehen Sie schlafen.“

Ich stellte den Becher mit einem harten Klicken auf einem Beistelltisch ab. „Ich mag Ihre Regeln nicht. Und auch nicht, wie Sie alle herumkommandieren, als wären sie Diener. Ihre Mutter denkt, wir wären wahnsinnig verliebt. Was passiert, wenn sie morgen kommt und fragt, warum wir nicht wie normale Frischvermählte in einem Bett schlafen?“

Sein Blick glitt einmal über mich – Tanktop, Sweatpants, barfuße – und kehrte dann zu meinem Gesicht zurück. Seine Augen wirkten berechnend. „Sagen Sie ihr, was Sie wollen. Oder spielen Sie die Rolle, für die Sie unterschrieben haben. Ihre Entscheidung.“

Ich trat näher in seinen Raum, ohne zurückzuweichen. „Die Rolle spielen? So wie am Altar, als Sie mich Ihr Herz genannt haben? Sie haben mit dem Schauspiel angefangen, Carlton. Und jetzt verriegeln Sie die Tür, als wäre ich nur ein Gast, den Sie gerade so ertragen?“

Sein Kiefer spannte sich an. „Sie fordern jedes einzelne Wort heraus, das ich sage. Diese scharfe Zunge schafft schneller Probleme, als ich erwartet hatte.“

„Gut“, schoss ich zurück. „Vielleicht brauchen Sie Probleme. Ich habe mir meine erste Nacht anders vorgestellt. Einen Ehemann, der mit mir spricht, als würde ich etwas bedeuten, statt nur Befehle zu erteilen. Vielleicht ein echtes Gespräch statt Regeln darüber, mich von anderen Männern fernzuhalten.“

Er kam nicht näher. Seine Stimme blieb kalt und gleichmäßig. „Vorsicht, Anna. Ich habe einen Deal gemacht, der Ihre Mutter gerettet hat. Treiben Sie es heute Nacht nicht zu weit. Getrennte Zimmer bleiben bestehen. Sie schlafen dort. Ich schlafe hier.“

Ich verschränkte die Arme. „Warum haben Sie dann überhaupt die Tür aufgemacht? Gehen Sie zurück in Ihr kaltes Bett, Ehemann. Genießen Sie die Stille.“

Er blieb stehen und versperrte den Durchgang. „Weil Ihr Klopfen wie eine weitere Prüfung klang. Und ich ignoriere keine Prüfungen. Aber dieses Gespräch endet hier. Keine weitere Diskussion.“

Wir standen da, Körper berührten sich nicht, die Blicke im dämmrigen Licht meines Zimmers ineinander verhakt. Die Villa blieb vollkommen still um uns herum. Keine Schritte des Personals. Kein Lachen von Gästen. Nur die schwere Luft zwischen uns.

„Ich habe mir mehr vorgestellt“, sagte ich. „Jemanden, der mich ansieht, ohne jeden Schritt zu berechnen. Worte, die länger dauern als Befehle. Zeit, die sich nicht wie ein Geschäftsmeeting anfühlt.“

Seine Stimme wurde leiser, blieb aber eisig. „Fahren Sie ruhig fort, Ihre Enttäuschungen aufzuzählen, dann werden die Regeln nur strenger. Ich kann Ihnen geben, was der Vertrag verlangt. Nicht mehr. Sie haben unterschrieben und wussten genau, worum es hier geht.“

Ich schluckte. „Echt genug für Ihre Mutter, aber nicht echt genug für grundlegenden Respekt? Mit Ihren Regeln, kein anderer Mann und dem Boss immer gehorchen?“

Er griff nicht nach mir. „Respekt entsteht durch das Einhalten der Bedingungen. Halten Sie sich von diesem sogenannten Freund und jedem anderen Mann fern. Diese Regel ändert sich nicht. Die Ehe muss nach außen echt wirken. Im Inneren bleibt sie kontrolliert.“

Ich wich zurück, Frustration stieg in mir auf. „Da sind Sie wieder mit den Befehlen. Genau deshalb bleiben wir in getrennten Zimmern. Gute Nacht, Carlton. Genießen Sie es, allein über Ihr Zimmer zu herrschen.“

Ich drehte mich zu meinem Bett um. Er sprach noch einmal, die Stimme hart.

„Noch etwas. Schlafen Sie gut. Montagmorgen Frühstück mit meiner Mutter. Vergessen Sie Ihre Rolle nicht. Und diese Einstellung von Ihnen bleibt unter Kontrolle.“

Er schloss die Verbindungstür. Das Schloss klickte laut in der Stille.

Ich kletterte in das große Bett, mein Herz schlug immer noch schnell von dem Wortwechsel. Ich fragte mich, was ich von diesem kalten Bastard eigentlich erwartet hatte. Ein Mann, der keine Gefühle zeigen konnte.

Ich berührte die Kante des Kissens und erinnerte mich an den kurzen Kuss am Altar. Die kalte Art, wie er sprach, ließ vermuten, dass die Distanz zwischen uns das ganze Jahr über bleiben würde.

Trotzdem, als ich die Lampe ausknipste und die Decke hochzog, blieb eine Frage hängen: Wie lange plant er, kalt zu mir zu sein? Die Stille gab keine Antwort.

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