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Kapitel Zwei:

Author: PEARL_BLESIE
last update Petsa ng paglalathala: 2026-06-28 00:50:44

Darians Perspektive

„Sie atmet nicht.” Die Worte rissen aus mir heraus, bevor ich sie aufhalten konnte.

Elyra lag verdreht auf dem Boden zu meinen Füßen, ihr Brautschleier um sie herum verstreut, der schwarze Griff des Wolfsbandolches aus ihrer Seite ragend. Blut quoll darunter hervor, zu viel, zu schnell, und für eine schreckliche Sekunde konnte ich nur meinen eigenen Puls hören, der in meinen Ohren hämmerte.

Maris packte meinen Arm mit beiden Händen. 

„Darian, sieh mich an.” 

Das tat ich nicht. Mein Blick blieb auf Elyras Gesicht. Ihre Augen waren geschlossen. Ihre Lippen hatten ihre Farbe verloren. Sie sah zu still aus. 

„Du hast gesagt, du wolltest sie nur erschrecken”, schnappte ich, meine Stimme brach in ein raues Flüstern. „Du hast gesagt, sie würde nicht drängen.”

Maris’ Finger gruben sich härter in meinen Ärmel. 

„Und du hast gesagt, sie würde uns nicht erwischen. Machen wir das jetzt?” Ich fuhr so scharf auf sie zu, dass sie zusammenzuckte. „Denkst du, das ist ein Witz?” 

„Nein.” Ihre Brust hob sich schnell. 

„Ich denke, wenn du hier zitternd stehst, sind wir beide tot.”

Das traf. Ich sah wieder zu Elyra. Der Raum roch nach Blut, Schweiß und Panik. Mein Hemd hing noch halb offen. Maris’ Mund war geschwollen von meinen Küssen. Der Dolch steckte noch in Elyras Seite — Beweis für alles. Meine Kehle zog sich zusammen. 

„Sie hat zu viel gehört”, sagte Maris. „Das weißt du.”

Ich fuhr mit einer Hand durch mein Haar. „Sie sollte still bleiben.”

Maris lachte einmal auf, kurz und scharf. 

„Elyra? Still? Sie war drauf und dran, nach unten zu rennen und dem gesamten Rudel zu erzählen, dass der künftige Alpha ihre Cousine gevögelt hat, bevor das Paarungsband besiegelt wurde.” 

Ich presste die Kiefer zusammen.

Maris trat vorsichtig um Elyra herum, dann kauerte sie sich hin und starrte auf das Blut, das sich über die Dielen breitete. 

„Wenn sie tot ist, können wir das noch reparieren.”

Ich starrte sie an. „Reparieren?”

Ihre Augen hoben sich zu meinen, jetzt kalt und hart. 

„Wir sagen, sie kam in eifersüchtiger Rage hierher. Wir sagen, sie hat mich angegriffen. Wir sagen, du hast versucht, sie aufzuhalten.” Mir wurde der Mund trocken.

Maris stand auf und trat näher. 

„Hör mir zu. Wenn die Ältesten hören, dass Elyra dich zuerst beschuldigt hat, ist dein Anspruch erledigt. Aber wenn sie eine Frau in deiner Kammer in deiner Hochzeitsnacht angegriffen hat, werden sie sich gegen sie wenden, bevor sie auch nur sprechen kann.”

Ich sah zur Tür. Stimmen von unten drangen schwach durch den Korridor. Das Fest war noch im Gange. Das Rudel glaubte noch, diese Nacht sei ein Grund zum Feiern. 

„Hilf mir, sie zu bewegen”, sagte Maris. 

Ich rührte mich nicht. Maris packte mein Gesicht und zwang mich, sie anzusehen. 

„Darian. Wenn sie aufwacht und zuerst spricht, verlierst du alles.”

Den Thron.

Den Titel. 

Die Zukunft, die ich jahrelang aufgebaut hatte, während ich Elyra anlächelte und so tat, als hätte sich Pflicht in Liebe verwandelt. Ich schluckte.

„In ihr Zimmer”, sagte Maris schnell. „Wir legen sie dort ab. Wir sagen, sie ist weggelaufen, nachdem sie mich angegriffen hat, und zusammengebrochen. Wir reinigen diesen Boden, bevor jemand es sieht.”

Ich bückte mich schließlich und griff nach Elyras Schultern. Ihr Körper war warm. Zu warm. Meine Hand zitterte gegen ihre Haut. Dann flatterten ihre Wimpern. Ich erstarrte. 

„Sie lebt noch”, atmete ich.

Maris fluchte leise. „Dann beweg dich schneller.” 

Ich schob einen Arm unter Elyra und hob sie hoch. Ihr Kopf fiel schlaff gegen meine Brust, und Blut sog sich durch meinen Ärmel. Ihr Atem streifte schwach meinen Hals. Erleichterung traf mich so heftig, dass sie beinahe Schmerz war. Ich hasste dieses Gefühl in dem Moment, in dem es kam.

„Darian”, zischte Maris. Wir hatten kaum zwei Schritte gemacht, als die Kammertüren aufflogen. 

„Künftiger Alpha!” Drei Wachen stürmten herein, Schwerter halb gezogen, ihre Blicke fegten durch den Raum.

Alles erstarrte.

Maris reagierte zuerst. Sie stieß sich von mir weg, stieß einen Schrei aus und ließ sich dann neben dem umgeworfenen Stuhl zu Boden fallen. In einer fließenden Bewegung riss sie den Dolch aus Elyras Seite und warf ihn von mir weg.

Die Klinge schleuderte über den Boden.

Dann umklammerte Maris ihre eigene Kehle und brach dramatisch neben den Blutflecken zusammen, die Augen fest geschlossen. Ich hätte fast gestarrt. Einer der Wächter sprang vor. 

„Was ist hier passiert?” 

Mein Verstand holte gerade rechtzeitig auf. Ich ließ Elyra aus meinem Halt gleiten. Sie traf den Boden mit einem schwachen Laut, der etwas Hässliches in meinem Magen aufwühlte, aber ich hob die Hände und trat zurück, Wut bereits auf meinem Gesicht geformt.

„Sie hat den Verstand verloren”, sagte ich.

Die Wächter sahen zwischen uns hin und her.

Ich zeigte auf Elyra. 

„Sie kam schreiend herein. Sie beschuldigte mich, sie zu entehren, dann ging sie mit einem Dolch auf Maris los.”

Maris ließ vom Boden ein gebrochenes Schluchzen hören, ohne die Augen zu öffnen. 

„Sie wollte mich töten.” Eine der Wachen runzelte die Stirn. 

„Lady Elyra?” 

„Sie war eifersüchtig”, bellte ich. 

„Sie sah Maris dabei, mir beim Wechseln des Hemdes zu helfen, und wurde wild.” Das klang selbst für mich dünn, also trat ich über Elyra und härtete meine Stimme.

„Sie nannte Maris eine Hure. Sagte, keine Frau dürfe sich mir nähern. Dann zog sie Stahl.”

Die älteste Wache starrte auf den Dolch auf dem Boden, dann auf das Blut an Elyras Kleid. 

„Warum ist sie diejenige, die blutet?”

Maris drückte eine zitternde Hand an ihren Mund und flüsterte: „Die Mondgöttin hat sie bestraft.” 

Alle drei Wachen sahen sie an. Sie öffnete dann die Augen und füllte sie mit Tränen so mühelos, dass es beinahe eine Kunst war. 

„Sie hob die Klinge gegen mich, und dann einfach…” Ihre Stimme brach. „Sie schrie auf und fiel. Der Dolch wandte sich gegen sie. Ich schwöre es. Ich habe sie nicht einmal berührt.” 

Stille fiel über den Raum.

Ich senkte den Kopf und zwang einen schmerzlichen Atemzug durch meine Zähne. 

„Ich habe versucht, beide aufzuhalten.” Die jüngste Wache trat einen Schritt auf Elyra zu. „Sie atmet noch.” „Dann kettet sie, bevor sie wieder aufsteht”, sagte ich. 

Daraufhin regte sich Elyra.

Ein schwacher Laut verließ ihre Kehle. Ihre Finger zuckten gegen den blutbefleckten Boden. 

Die Wachen eilten hin, einer trat den Dolch weiter weg, ein anderer packte ihre Handgelenke. Sie keuchte auf, als sie hochgerissen wurde. Ihr Kopf fiel zur Seite, hob sich dann unsicher. Ihre silbernen Augen waren trüb, aber als sie mich fanden, schloss sich etwas in meiner Brust. 

„Du”, flüsterte sie.

Maris vergrub ihr Gesicht in den Handflächen. 

„Lasst sie nicht in meine Nähe.” 

Die älteste Wache wirkte jetzt erschüttert. „Ich rufe die Ältesten.” 

„Tut es”, befahl ich, zu schnell. 

Er drehte sich um und rannte. Die anderen zwangen Elyra auf die Knie. Blut streifte an ihrer Seite hinunter und durchtränkte die Spitze ihres Kleides. Sie wirkte benommen, aber nicht gebrochen. Ihr Blick wanderte von Maris zu mir, und ich wusste den genauen Moment, in dem die Erinnerung zurückkehrte. Ihr Gesicht veränderte sich. 

„Du hast mich gestochen”, sagte sie, diesmal lauter. 

Eine Wache zog ihren Griff an ihren Armen fester. Ich kauerte mich vor ihr hin und ließ Kummer meinen Ausdruck verzerren. 

„Elyra, hör auf.” Ihre Brauen zogen sich zusammen. „Tu das nicht.”

„Du warst außer Kontrolle.”

„Du Lügner.” Sie versuchte, auf mich loszustürmen, aber der Schmerz faltete sie in der Mitte zusammen, und sie keuchte. 

Schritte donnerten den Korridor entlang. Die verbleibende Wache richtete sich sofort auf, als die Tür weiter aufging. Vier Älteste traten zuerst in schweren Gewändern ein, ihre Gesichter bereits in Abscheu gemeißelt. Hinter ihnen kam Alpha Theron.

Elyra sah ihn, und all die Wut in ihrem Gesicht brach in etwas Rohes zusammen. 

„Vater.” Therons Augen gingen direkt zum Blut, dann zu Maris auf dem Boden, dann zu mir. Sein Gesicht verhärtete sich mit jeder Sekunde. Einer der Ältesten sprach, bevor sonst jemand es tat. 

„Was hat sie getan?”

Ich stand auf, Schultern angespannt, Stimme rau. 

„Ich wechselte nach dem Fest das Hemd. Maris kam, um mit den Zeremonialnadeln zu helfen. Elyra betrat den Raum ohne Ankündigung. Sie beschuldigte uns, sie zu entehren.”

Maris ließ zum perfekten Zeitpunkt ein weiteres leises Schluchzen hören. Ich fuhr fort. 

„Bevor ich sie beruhigen konnte, griff sie nach einem Dolch und ging auf Maris los.” 

„Das ist eine Lüge!” Elyras Stimme riss durch den Raum. 

„Er war mit ihr im Bett. Ich habe ihn gehört. Ich habe sie gesehen.” 

Ein Murmeln ging durch die Ältesten, aber nicht das, das sie begünstigte. Elyra wandte sich an ihren Vater. 

„Er hat gesagt, er hat mich nie gewollt. Er hat gesagt, der einzige Grund, warum er dieser Ehe zugestimmt hat, war wegen dir und dem Thron.”

Therons Kiefer zuckte. 

„Er hat mich gestochen”, sagte Elyra, jetzt lauter, verzweifelt. 

„Vater, er hat mich gestochen, weil ich sie erwischt habe.” Mein Puls sprang an, aber der älteste Älteste schlug seinen Stab auf den Boden.

„Genug!”

„In Ihrer Hochzeitsnacht stürmen Sie in die Kammer des künftigen Alphas, schreien Anschuldigungen, vergießen Blut, und jetzt wagen Sie es, dieses Rudel mit Lügen zu vergiften?“

„Ich lüge nicht”, sagte sie.

Theron trat schließlich vor. Für einen Moment dachte ich, er würde zu ihr gehen. Stattdessen blieb er vor mir stehen. 

„Wurden Sie verletzt?”, fragte er. Die Frage war an mich gerichtet.

Elyra starrte ihn an. 

„Vater?” Ich senkte bescheiden die Augen. 

„Nur meine Ehre, Alpha.”

Maris gab vom Boden einen zitternden Weinkrampf von sich. 

„Sie kam zuerst auf mich los.”

Theron wandte sich dann um und sah Elyra an, als wäre sie etwas Verfaultes, das man in seine Halle geschleppt hatte.

„Du schämst mich”, sagte er. 

Die Worte trafen sie härter als die Wunde.

„Nein...” flüsterte Elyra. 

„Das kannst du nicht glauben.” 

„Du hast deinen Jähzorn immer über dich herrschen lassen” schnappte ein Ältester. 

„Heute Nacht hast du Schande über dein Blut, deinen Gefährten und dein Rudel gebracht.”

„Sie hat das Mondgesetz verletzt”, sagte ein anderer. 

„Eifersüchtige Gewalt gegen ihren Verlobten und eine edle Tochter unter seinem Schutz.”

Elyra kämpfte gegen die Wachen. 

„Er hat mich verraten.” Therons Stimme schnitt durch ihre wie eine Klinge. 

„Schweig.” Sie hielt inne. Selbst Maris hob den Kopf.

Elyra starrte ihren Vater an, schwer atmend, Blut, das noch immer auf den Boden tropfte. 

„Er hat mich mit meiner Cousine betrogen. Er hat versucht, mich zu töten. Sieh mich an.”

Theron sah endlich hin. Er sah ihr zerrissenes Kleid, ihren ruinierten Schleier, ihre blutende Seite – und was auch immer er wählen mochte zu fühlen, es erreichte nie sein Gesicht. 

„Du solltest Luna werden”, sagte er kalt. „Stattdessen benimmst du dich wie ein Rinnsteinmädchen, das sich um einen Mann balgt.” 

„Ich habe dich nicht dafür erzogen”, fuhr er fort. „Eine wütende, eifersüchtige Frau kann dieses Rudel nicht führen.”

Ich beobachtete, wie die Hoffnung aus ihren Augen wich. 

„Nein.” Ihre Stimme sank. 

„Du kennst mich.“ 

„Ich sehe genau, was ich sehe.“ Der älteste Älteste hob das Kinn. „Bringt sie in die unteren Zellen. Bei Tagesanbruch entscheiden wir ihre Strafe.“

„Strafe?” Elyra erstickte beinahe. 

„Ich bin deine Tochter!“ Theron antwortete nicht.

Die Wachen rissen sie auf die Beine. Sie schrie auf, als die Bewegung durch ihre Wunde riss, aber sie schleppten sie trotzdem. Ihre Schuhe hinterließen Blutstreifen auf den Dielen. Sie starrte die ganze Zeit auf ihren Vater.

„Bitte”, sagte sie, und es war nichts Stolzes mehr in diesem Wort. „Er lügt.“

Therons Mund verhärtete sich. 

„Du konntest kaum einen Mann eine einzige Nacht halten, ohne dich zu blamieren.“

Das brach zusammen, was noch in ihr stand. Die Wachen zerrten sie zur Tür, während sie kämpfte, auf den Beinen zu bleiben. Sie drehte sich einmal um, sah mich mit einem Gesicht an, das von allem außer Hass geleert war. Und kurz bevor sie in den Korridor hinausgezogen wurde, sagte sie mit einer Stimme, rau vor Schmerz:

„Das ist noch nicht vorbei, Darian.“

Dann öffneten sich die Kerkertüren darunter und verschluckten sie.​​

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