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Kapitel 5: Alexandra

last update publish date: 2026-04-30 04:29:04

Das Rudelhaus der Ashclaws war genau so, wie es in den Geschichten beschrieben wurde.

Groß. So groß, dass man sich tagelang in den Hallen verirren konnte. Die Kutsche hatte uns am Außentor vorbei, wo sich die Stadt befand, gefahren und hielt vor dem angestammten Rudelhaus.

„Willkommen zurück, Alpha Damarus.“ Eine Frau trat aus dem großen, palastartigen Gebäude und kam auf uns zu. „Wir hatten euch erst bei Tagesanbruch erwartet.“

„Es ist etwas Unvorhergesehenes dazwischengekommen.“ Ich spürte, wie Alpha Damarus seinen Blick auf mich richtete. Dieser eine Blick reichte aus, um mich hinter Marcus zusammenzucken zu lassen, und nur seine Hand, die meine umschloss, hielt mich davon ab, zurück in die Kutsche zu rennen.

„Bring die Tasche meiner Gefährtin in ein Zimmer in meinen Gemächern.“ Ich zuckte fast zusammen bei dem befehlenden Ton, mit dem Marcus die Magd ansprach.

Ihre Augen weiteten sich und wanderten zu mir, als könne sie nicht glauben, was sie sah. Auch ich konnte es kaum glauben, doch eine der Dienstmädchen, die sie begleitet hatten, trat vor, nahm mir die Tasche aus der Hand und verbeugte sich tief.

Ich zögerte, bevor ich sie losließ. In dieser Tasche befand sich mein ganzes Leben, und nun wurde sie ins Rudelhaus gebracht, weit weg von mir.

„Du hast nichts zu befürchten, Alexandra. All das gehört mir, und was mir gehört, gehört auch dir.“ Er drückte beruhigend meine Hand, bevor er mich hinein zog und die anderen Rudelbeamten zurückließ.

„Ich glaube nicht, dass dein Vater mich besonders mag.“ Meine Stimme war leise, ein schwacher Versuch, ein Gespräch anzufangen und den Mann kennenzulernen, dem ich nun im Grunde gehörte.

„Mein Vater mag vieles nicht. Er ist ein verbitterter alter Mann, der mir nicht vom Hals geht.“ Wir traten durch die schweren, mit Stein verzierten Türen, seine Hand ließ meine nicht los.

„Ich möchte eure Beziehung zueinander nicht beeinträchtigen.“ Mein Blick hob sich vom Boden und ließ den breiten Flur auf sich wirken.

Kerzen erhellten ihn, gehalten von Skulpturen von Männern, von denen ich annahm, dass sie frühere Alphas waren. Alles an diesem Rudelhaus wirkte uralt, bis hin zu den raumhohen Fenstern, die einen perfekten Blick auf die Stadt des Ashclaw-Rudels boten.

„Du kannst keinen Schaden anrichten, der nicht ohnehin schon da ist. Mein Vater und ich verstehen uns so gut wie nie. Er duldet mich nur, weil er keine andere Wahl hat.“ Das schien ihn nicht zu stören. Zumindest war das eine Sache, die wir gemeinsam hatten.

Obwohl ich meinen leiblichen Vater eigentlich gar nicht kannte. Meine Mutter weigerte sich, mir mehr zu erzählen, als dass er ein Ritter gewesen war. Sie war besonders grausam zu mir gewesen, um die Gunst ihres Alphas zurückzugewinnen, aber ich konnte jedes Mal den Ekel in seinen Augen sehen, wenn er sie ansah.

Dieser Blick war auch da, wenn er mich ansah, einfach weil ich ihn an meine Mutter erinnerte.

„Worüber denkst du nach, kleine Gefährtin?“ Marcus bog in einen Flur ein, der zu einer hohen Bronzetür führte, vor der zwei Männer als Wachen standen. Sie verneigten sich tief, sobald sie ihn erblickten, und stießen die Tür auf.

„Nichts Relevantes.“ Ich schnappte nach Luft, als die Kerzen im Raum plötzlich erglühten, ohne dass jemand sie angezündet hatte. „Wie …?“

„Es gibt nichts, was du sagen, denken oder tun kannst, das für mich nicht relevant wäre.“ Er ignorierte meine Frage bezüglich des Lichts.

Die Tür führte in einen kürzeren Flur mit fünf Türen. Zwei auf jeder Seite und eine ganz am Ende. Marcus führte mich zur ersten Tür auf der rechten Seite. „Das sind meine Privatgemächer. Du wirst in diesem Zimmer bleiben, bis wir uns verbunden haben. Ich werde mit meinem Vater über die weiteren Vorkehrungen sprechen. Es ist spät, und ich bin mir sicher, dass du müde bist. Bald wird sich jemand um dich kümmern.“

Er stieß die Tür auf und trat auf den roten Teppich im Inneren. Meine Augen weiteten sich, als ich den Raum in mich aufnahm, der mir gehören sollte. „Es ist wunderschön.“

„Ja, das ist es.“ Mein Blick huschte zurück zu Marcus, nachdem ich seine Anwesenheit fast vergessen hatte. Er schaute jedoch nicht in den Raum. Seine meergrünen Augen waren auf mich gerichtet. „Ich muss zurück, um mit meinem Vater zu sprechen. Wir sehen uns morgen früh?“

Ich konnte die Beklemmung in seiner Stimme spüren, als würde ihm der Gedanke, mich zu verlassen, tatsächlichen Schmerz bereiten. „Mir geht es gut. Ich möchte mich nicht aufdrängen, und ich weiß, dass du viele Pflichten zu erfüllen hast. Gute Nacht, Alpha Marcus.“

Er trat einen Schritt vor, hob mein Kinn an, während er sich zu mir hinunterbeugte. Mein erschrockener Aufschrei wurde von seinen Lippen verschluckt, die sich auf meine pressten. Seine Hände schlangen sich um mich und weigerten sich, mich loszulassen, bis unsere Lungen nach Luft verlangten.

„Gute Nacht, Kumpel.“ Er drückte mir einen kurzen Kuss auf die Stirn, bevor er ging und die Eingangstür zu seinen Gemächern hinter sich zuschlug.

Etwas zerrte an mir, eine tiefe, besitzergreifende Sehnsucht, die mich dazu trieb, ihm zu folgen, und nach Berührung verlangte. Der ferne Duft, den er hinterlassen hatte, reichte nicht aus.

Ich drehte mich um, ließ den luxuriösen Raum auf mich wirken und hoffte, das obsessive Verlangen, das ich gegenüber Marcus verspürte, ignorieren zu können.

Meine Schuhe fielen zu Boden und landeten auf dem weichen roten Teppich, der weich genug war, um als Bett zu dienen. An der Wand, an der das einzige große Fenster saß, stand eine große Kommode aus Bronze.

Meine Hand schloss sich um den goldenen Griff der ersten Schublade und zog sie auf, um die grundlegenden Notwendigkeiten einer weiblichen Gastin zu enthüllen.

Ich nahm ein Seidennachthemd in die Hand und strich mit den Fingern darüber, während ich voller Ehrfurcht auf den Stoff starrte. Es war Jahre her, seit ich das letzte Mal Seide tragen durfte, und es fühlte sich befriedigend an, sie jetzt in den Händen zu halten.

Dann geschah es. Eine starke Windböe strich durch mein Haar, obwohl das Fenster fest verschlossen war, und dann folgte das Flüstern.

Als würden tausend verlorene Seelen gleichzeitig schreien. Mein Körper erstarrte, während meine Augen nach der Quelle der Stimmen suchten. Sie schienen gleichzeitig aus dem Nichts und von überall her zu kommen.

Mein Herz sprang mir fast aus der Brust, als eine unbekannte Stimme endlich deutlich sprach.

„Er hat wirklich seine Gefährtin gefunden.“

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