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Kapitel 3: Marcus

last update publish date: 2026-04-30 04:24:16

Meine Gefährtin leistete fast keinen Widerstand und folgte mir schweigend nach draußen. Die Worte meines Vaters beschäftigten mich wie Unkraut, das zu hartnäckig war, um zu verdorren, doch die Verbindung zwischen uns vertrieb das Echo schnell.

Wir gingen zum Rand des Geländes, wo sich der Zug meines Rudels befand. Im grellen Sonnenlicht waren die blauen Flecken, die ihre zitternde Haut bedeckten, noch deutlicher zu sehen und schürten eine Wut, die mir fremd war.

Ich war fast versucht, zum Rudelhaus zurückzukehren, um die Hand zu brechen, mit der Alpha Mattias ihr zartes Gesicht geschlagen hatte, aber das hätte bedeutet, mich von ihrer Seite zu entfernen. Von ihrem Duft.

Er war noch stärker als zuvor in der Halle, und schon das hatte gereicht, um mich von der Seite meines Vaters in die Ecke zu treiben, wo dieser Alpha sie schikaniert hatte.

Damals war etwas in mir aufgeflammt. Ein tiefes, besitzergreifendes Gefühl, das jegliche logische Überlegung verdrängt hatte. Mein Wolf heulte, ich solle das Omega-Mädchen retten, das in Lumpen statt in Seide gekleidet war.

„Wie heißt du?“

Ihr Blick schoss vom Boden hoch und traf meinen, distanziert, als wäre ihr Geist woanders. Zuvor hatte sie sich meinem Griff nicht widersetzt, doch in diesem Moment versuchte sie, sich loszureißen. Fast instinktiv umklammerte meine Hand ihre, dünn und zerbrechlich.

„Lauf nicht vor mir weg. Wenn du das tust, werde ich dich verfolgen. Und wenn ich dich verfolge, werde ich dich einholen.“ Ihre blauen Augen flackerten, glasig und voller Angst. „Dein Name.“

„Alexandra.“ Ihre Stimme war so leise, dass sie fast im Wind verhallte, bereits an Stille und Unterwerfung gewöhnt.

„Du hast einen wunderschönen Namen. Es tut mir leid, wenn ich dir Kummer bereitet habe, aber sie hätten dir sonst Schaden zugefügt.“ Vielleicht war das der Grund für das Misstrauen in ihren Augen, oder vielleicht war es die Warnung meines Vaters.

Der Fluch des Dämonenauges hatte Generationen unserer Familie übersprungen, doch nun trug ich ihn, und sie würde ihn ebenfalls tragen, sobald sie meine Gefährtin wäre.

„Fürchtest du mich?“ Meine Schritte kamen vor dem hohen Innentor des Rudels zum Stillstand.

Ihre Augen weiteten sich, als sie den Kopf schüttelte, wobei sie meinen Blick weiterhin mied, obwohl ich mich verzweifelt danach sehnte, den ihren zu treffen. „Ich fürchte das, was ich über dich gehört habe, aber ich kenne dich nicht, Alpha, also fürchte ich dich nicht.“

Meine Finger fanden die Unterseite ihres Kinns und hoben ihren Kopf an, bis sich unsere Blicke trafen. „Und was hast du über mich gehört?“

Sie zögerte, holte tief Luft und rang darum, meinem Blick standzuhalten. „Manchmal, in den Nächten, die ich in den Bedienstetenquartieren verbrachte, erzählten die älteren Dienstmädchen Geschichten über dein Rudel.“

„Und was sagen sie, kleine Gefährtin?“ Sie schnappte nach Luft, als meine Hand sie näher zu mir zog und sich dann um ihre Taille schlang, um sie an mich zu drücken.

„Sie haben mir einmal eine Geschichte über dein Rudel erzählt. Sie sagten, du besitzt eine Gabe, die euch seit Generationen gedeihen lässt, und auch einen Fluch, den der Alpha trägt. Auch dein Vater hat einen Fluch erwähnt.“

„Du wirst die Wahrheit erfahren, sobald wir Ashclaw erreichen und ich dich zu meiner Gefährtin mache.“ Meine Finger wanderten zu ihrer Wange. Die Verbindung verlangte von mir, sie genau hier zu nehmen, sie zu meiner zu machen, und es kostete mich alle Willenskraft, zu widerstehen. „Niemand wird dir jemals wieder etwas antun, Alexandra. Ich schwöre es jetzt unter der Sonne, und ich werde es noch einmal unter dem Mond tun, damit die Göttin meine Zeugin ist.“

Ihre blauen Augen glänzten, dann hob sie die Arme, schlang sie um mich und vergrub ihren Kopf in meiner Halsbeuge. „Ich werde mein Bestes geben als deine Gefährtin, aber ich weiß nichts darüber, eine Luna zu sein. Ich bin dieser Rolle nicht gewachsen, Alpha.“

„Marcus.“ Meine Zähne schmerzten, so fest hatte ich sie zusammengebissen. Was auch immer sie wissen musste, würde sie lernen, und das Erste war, dass sie mich als Gleichgestellten ansprach, nicht als Herrn. „Du kannst mich Marcus nennen.“

Schritte näherten sich, und ich drehte mich sofort um, löste mich von Alexandra und schob sie schützend hinter mich.

Mein Vater kam auf uns zu, sichtlich unzufrieden. Alexandra kauerte sich hinter mir zusammen und umklammerte meinen Arm fest.

„Marcus, wir müssen reden.“

„Es gibt nichts mehr zu besprechen.“ Unsere Blicke trafen sich, und eine stille Drohung schwebte zwischen uns. „Ich gehe davon aus, dass wir nach dem Vorfall, der sich gerade ereignet hat, in diesem Rudel nicht mehr willkommen sind. Meine Gefährtin wird ihre Sachen holen, und dann können wir uns auf den Weg machen.“

Er presste zwei Finger an seine Schläfe und starrte Alexandra an, die hinter mir aus ihrem Versteck hervorschaute. Wäre es nicht so herzzerreißend, wäre ihr schreckhaftes Verhalten fast schon niedlich.

„Du hast recht. Ich bezweifle, dass wir noch einen Grund haben werden, das Moonridge-Rudel erneut zu betreten.“ Sein Blick wanderte zurück zu mir. „Der Stunt, den du drinnen abgezogen hast, weckt bereits das Interesse der Leute. Die anderen Rudel werden ernsthaft anfangen zu vermuten, ob die Gerüchte tatsächlich wahr sind. Du konntest ihn nicht töten, ohne das Dämonenaugen zu benutzen, um das Wetter zu manipulieren?“

„Ich habe für einen Moment die Kontrolle darüber verloren. Die Gerüchte über mich werden sich bald legen. Das ist immer so.“ Ich wandte mich von ihm ab und zu Alexandra, deren Blick verwirrt zwischen uns hin und her huschte. „Wir holen deine Sachen, dann reiten wir nach Hause.“

„Weiß sie überhaupt, in was du sie da hineinziehst? Die Verantwortung, für die sie offensichtlich nicht ausgebildet ist, wird sie belasten und erdrücken.“ Die Finger meines Vaters ballten sich zu Fäusten, doch sie stellten keine Drohung gegen mich dar.

Alexandra würde nach Ashclaw zurückkehren, und weder mein Vater noch sonst jemand konnte etwas tun, um das zu verhindern.

Sie zupfte sanft an dem Ärmel meines schwarzen Hemdes und blickte mit sanften blauen Augen zu mir auf, die mich wohl zu allem hätten bewegen können. Ich verstand nicht sofort, was sie wollte, doch dann zeigte sie in Richtung des Rudelhauses, wobei sich ihre kurzen Fingernägel in meinen Arm gruben.

Ihre Stimme klang lauter als das zarte Flüstern von zuvor. Das Einzige, was die beiden Tonlagen gemeinsam hatten, war, dass beide von Angst durchdrungen waren, als sie sprach.

„Sie kommen.“

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