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Kapitel 2

Penulis: Crystal
last update Tanggal publikasi: 2026-08-07 18:36:01

Nadias Sicht

Die Nachtluft ist eiskalt und dringt durch den dünnen Stoff meines abgewetzten Mantels, während ich das letzte Stück zum Anwesen der Bennetts laufe.

Als ich die massiven, schmiedeeisernen Tore erreiche, ist es bereits 01:00 Uhr morgens. Das aufragende Steingebäude des Anwesens ragt dunkel und bedrohlich gegen den Nachthimmel empor. Für mich ist es jedoch ein vergoldetes Gefängnis gewesen.

Ich schließe leise die schwere Eichentür auf und schlüpfe mit der geübten Schleichweise von jemandem herein, der fünf Jahre damit verbracht hat, unsichtbar zu bleiben. Ich halte den Atem an und warte ab, ob das Knarren der Dielen jemanden alarmieren wird.

Doch bevor meine Füße überhaupt die Schwelle der Eingangshalle erreichen, hallt ein lautes, explosives Klirren durch das stumme Haus.

Eine dunkelgrüne Weinflasche fliegt durch die Luft und prallt nur wenige Zentimeter von meinen Turnschuhen entfernt gewaltsam auf den Marmorboden.

Scharfe, glitzernde Glassplitter spritzen nach außen, schneiden durch die Luft und schrammen über das Leder meiner Schuhe. Ich erstarre, mein Körper blockiert auf der Stelle, während Adrenalin durch meine Adern schießt.

Oben auf der imposanten Mahagonitreppe steht mein Cousin Alex. Er lehnt schwer gegen die Wand, ein halbleeres Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in der Hand.

Seine Augen sind blutunterlaufen, und ein boshaftes Grinsen prangt auf seinem Gesicht. Er ist völlig betrunken.

„Uups. Tut mir leid, Cousine“, spottet er. Seine Stimme ist lallend und trieft vor gespieltem Mitleid. Er gluckst – ein feuchtes, widerliches Geräusch, bei dem sich mir der Magen umdreht. „Habe dich im Dunkeln nicht gesehen. Du solltest wirklich hellere Kleidung tragen. Oder, weißt du... mir einfach aus dem Weg gehen.“

Er nimmt einen gierigen Schluck aus seinem Glas, dreht sich um und torkelt wieder nach oben, während seine schweren Schritte auf dem teppichbelegten Flur verhallen.

Ich stehe in der Dunkelheit der Eingangshalle. Meine Hände ballen sich zu Fäusten, bis sich meine Fingernägel in meine Handflächen graben. Mein Herz hämmert wild.

Wäre diese Flasche nur wenige Zentimeter höher gezielt gewesen, hätte sie mein Gesicht getroffen. Sie hätte mich erblinden lassen können. Und dennoch wird es keine Entschuldigung geben, keine Konsequenzen.

Mit einem stummen, bitteren Seufzer gehe ich zum Putzschrank am Ende des Flurs. Ich greife nach dem schweren Besen und der Kehrschaufel aus Metall und kehre in die Halle zurück, um seine Unordnung zu beseitigen.

Das ist meine Routine, meine Rolle in diesem Haus. Ich bin das Dienstmädchen, das sie nicht bezahlen mussten.

Ich fege die großen Brocken des grünen Glases zusammen und gehe dann mit einem feuchten Papiertuch auf die Knie, um den klebrigen, süßlich riechenden Wein aufzuwischen.

Ich stelle sicher, dass nicht ein einziger Splitter zurückbleibt, der jemanden in den Fuß stechen könnte. Wenn meine Tante morgen auch nur ein Stäubchen Glas findet, bin ich diejenige, die dafür ausgeschimpft wird.

Sobald der Boden sauber ist, steige ich die große Treppe hinauf; meine Schritte sind leise und vorsichtig. Ich komme am Arbeitszimmer meines Onkels Lucas vorbei und kann nicht umhin zu bemerken, dass warmes Licht auf den dunklen Flur fällt.

Die Tür steht einen Spalt breit offen, und das Geräusch von gedämpften, panischen Streitigkeiten dringt durch den Spalt. Ich halte inne. Mein Körper schrumpft in den Schatten des Korridors zusammen.

„Was zum Teufel hast du dir gedacht, Lucas?!“, kreischt die Stimme meiner Tante Rosalind. Obwohl sie verzweifelt versucht, ihre Stimme leise zu halten, ist es ein hochfrequenter, zerbrechlicher Klang, der von fester Panik durchtränkt ist. „Wie konntest du dir Geld von jemandem leihen, der so gefährlich ist? Hast du überhaupt eine Ahnung, wer dieser Mann ist? Er wird uns alle töten! Er wird alles nehmen, was wir besitzen!“

„Halt den Mund, Rosalind!“, brüllt mein Onkel zurück; seine Stimme ist ein tiefes, drohendes Grollen. „Glaubst du, ich hatte eine Wahl? Die Investitionen sind gescheitert! Hätte ich diesen Kredit nicht aufgenommen, zugelegt hätten wir schon vor Monaten auf der Straße gesessen. Du hast dich in diesem Luxus gesoult, deine Designerhandtaschen gekauft und Wohltätigkeitsgalas veranstaltet – alles dank dieses Geldes! Also wage es nicht, mir jetzt Vorträge zu halten! Oder hast du vergessen, was wir vor fünf Jahren getan haben, um diesen Lebensstil überhaupt erst zu sichern?“

„Wage es nicht, fünf Jahre heraufzubeschwören!“, zischt Rosalind, und ihre Stimme zittert. „Das war etwas anderes. Das war...“

„Das war ein Geschäft, Rosalind“, unterbricht mein Onkel kalt. „Und das hier ist nur ein weiteres Geschäft. Ich werde einen Weg finden, das zu regeln, wie ich es immer tue.“

Ich weiche noch weiter in den kalten Flur zurück; mein Atem geht flach und kalt. Von wem hatte sich mein Onkel Geld geliehen? Und was genau war vor fünf Jahren passiert?

Eine schwere, erstickende Angst macht sich in meiner Magengrube breit. Wann immer mein Onkel und meine Tante über die Vergangenheit sprachen, fühlte es sich an, als würden sie um ein riesiges, dunkles Geheimnis herumtanzen – eines, das dem Feuer, das meinen Eltern das Leben gekostet hatte, gefährlich nahe kam.

Bevor sie mich auf dem Flur atmen hören können, eile ich den Korridor hinunter zu meinem Zimmer. Es ist das kleinste Zimmer im ganzen Anwesen und liegt am äußersten Ende des Dienstbotenflügels.

Während meine Cousins weitläufige Suiten mit begehbaren Kleiderschränken und privaten Balkonen haben, ist mein Zimmer kaum größer als ein begehbarer Kleiderschrank selbst. Es enthält ein einzelnes Bett, einen kleinen Holzschreibtisch und einen Kleiderschrank mit einer losen Tür.

Ich trete ein, schließe die Tür und drehe sofort den Schlüssel um. Ich überprüfe ihn zweimal, um sicherzugehen, dass er abgeschlossen ist.

Ich breche auf meiner kleinen Matratze zusammen und ziehe die dünne Bettdecke bis zum Kinn. Mein ganzer Körper zittert – nicht vor Kälte, sondern vor der erschöpfenden Anspannung, in diesem Haus zu leben.

Ich schließe die Augen, aber der Schlaf will nicht kommen. Jedes Mal, wenn ich wegnicke, spielt mein Geist die kalten, stechend blauen Augen des Mannes aus der VIP-Lounge wieder ab.

Gerade als meine Augenlider zuzufallen beginnen, summt mein Telefon auf dem Nachttisch. Ich greife danach und blinzle durch die Dunkelheit.

Es ist eine unbekannte Nummer. Da steht nur eine einzige Zeile:

„Schlaf gut, piccola. Wir sehen uns bald.“

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