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Die Gala

Penulis: David Okeke
last update Tanggal publikasi: 2026-06-16 03:16:27

Die nächsten Wochen verflogen schneller, als Maya lieb war. Jeder Tag brachte neue Aufträge, neue Bilder, neue Ausreden, warum sie wieder bei Ethan im Büro stand. Das war dumm. Je mehr Zeit sie mit ihm verbrachte, desto schwerer wurde es, sich die Liste im Kopf aufzusagen: Warum sie ihn nicht mochte. Warum sie Abstand halten musste. 

Er passte nicht in das Bild, das sie von reichen Männern hatte. Kein aufgesetztes Lächeln, kein Gerede über Yachten, keine Models an seinem Arm. Er war still, manchmal witzig, wenn er locker ließ. Und er sah verdammt gut aus, ohne es zu wollen. Genau das machte es schlimm.

Maya redete sich ein, dass sie nicht an ihn dachte. Log natürlich.

Freitagmorgen knallte Olivia ohne anzuklopfen die Bürotür auf. In der Hand ein Klemmbrett, im Gesicht dieses Grinsen, das nichts Gutes bedeutete.  

„Du bist dran.“  

Maya sah von ihrem Laptop hoch. „Dran wofür?“  

„Sommergala.“  

Maya blinzelte. „Bitte was?“

„Sommergala.“ Olivia sagte es, als würde sie einen Oscar ankündigen.  

„Wenn du das so sagst, klingt das wichtig.“  

„Ist es auch.“ Olivia ließ sich schwer in den Stuhl fallen, als wäre sie nach einem Marathon hier. „Die Sommergala ist das Ding bei Blackwood. Einmal im Jahr. Alle kommen.“

Maya zog die Augenbrauen hoch. „Und?“  

„Wir laden Promis ein.“  

„Mhm.“  

„Investoren.“  

„Aha.“  

„Vorstände.“  

„Verstehe.“  

Olivia beugte sich vor und zeigte mit dem Finger direkt auf Maya. „Und Ethan will, dass du kommst.“

Maya legte den Stift weg. „Zum Fotografieren, oder?“  

Olivias Grinsen wurde noch breiter.  

„Nicht nur.“  

Das gefiel Maya gar nicht.

„Fotografen stehen doch normalerweise hinter der Kamera.“  

„Normalerweise schon.“  

„Dann sag mir, warum du so grinst.“  

Olivia lehnte sich zurück, sichtlich zufrieden mit sich. „Weil er dich persönlich eingeladen hat.“

Maya spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog.  

„Wofür genau?“  

„Damit du da bist.“  

„Da sein? Wie… als Gast?“  

Olivia nickte, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.  

Maya unterdrückte ein Lachen. „Und warum?“  

Olivia zuckte mit den Schultern. „Frag ihn selbst.“

Genau das tat Maya später am Nachmittag. Sie fand Ethan bei der Hauptlodge, über Pläne gebeugt, eine Hand in der Hosentasche.  

„Wolltest du mich sprechen?“  

Er hob den Kopf und lächelte. „Hey.“  

Maya verschränkte die Arme. „Olivia hat mir von der Gala erzählt.“  

„Hab ich mir gedacht.“  

„Warum soll ich hingehen?“  

Ethan legte die Pläne beiseite. „Weil du seit Wochen durchackerst. Du brauchst mal einen Abend frei.“  

„Und das ist dein Grund?“  

„Der Hauptgrund.“  

Maya sah ihn skeptisch an. „Der Hauptgrund?“  

Er wirkte für einen Moment fast verlegen, dann seufzte er. „Die Leute wollen den Fotografen kennenlernen. Die Kampagne kommt gut an. Sie fragen nach dir.“

Maya nickte langsam. Ergab Sinn. Nicht viel, aber ein bisschen.  

„Na gut.“  

Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Du kommst also?“  

„Anscheinend schon.“  

Sein Lächeln wurde breiter. Und aus irgendeinem Grund zog sich bei Maya etwas warm zusammen in der Brust. Zu warm.

Drei Tage später war es soweit. Und Maya bereute alles.

Sie stand vor dem Spiegel in ihrer Hütte und erkannte die Frau dort kaum wieder. Olivia hatte sie in ein dunkelgrünes Kleid gezwängt, das saß wie angegossen. Zu gut. Maya sah erwachsen aus. Elegant. Nicht wie jemand, der sonst mit Matsch an den Stiefeln durch den Wald stapfte und nach dem perfekten Licht suchte.

Es klopfte. Olivia stürmte rein, blieb stehen, riss die Augen auf.  

„Wow.“  

„Hör auf.“  

„Nein. Du siehst unglaublich aus.“  

„Du bist befangen.“  

„Überhaupt nicht!“ Olivia packte sie an den Schultern. „Maya, hör zu. Wenn Ethan dich so sieht, vergisst er, wie man atmet.“  

Maya verschluckte sich. „Sowas sagst du nicht.“  

„Doch, sag ich. Und ich hab recht.“

Olivia schleifte sie zur Gala. Die Türen gingen auf und Maya blieb stehen. Der Saal war alles, was sie gehasst und gleichzeitig bewundert hatte: Kristalllüster, Streichquartett, Menschen in Anzügen, die mehr kosteten als ihre Kameraausrüstung. Luxus tropfte von den Wänden. 

Sie fühlte sich sofort fehl am Platz. Falsches Kleid. Falsches Lächeln. Falscher Ort.

Dann wurde es still. Nicht komplett, aber genug, dass Maya es merkte. Sie drehte sich um, weil alle hinter sie schauten. 

Ethan stand oben an der Treppe. Schwarzer Anzug. Keine Krawatte. Haare leicht zerzaust, als hätte er sich eben noch mit der Hand durchgefahren. Er sah runter, sah sie, und für einen Moment existierte nichts anderes mehr. Kein Quartett, kein Klirren von Gläsern, keine Leute. Nur er. Sein Blick glitt von ihrem Gesicht runter zum Kleid, wieder hoch zu ihren Augen. Etwas flackerte in seinem Blick. Etwas, das Maya den Atem raubte.

Er kam die Stufen runter. Langsam. Jeder Schritt gezielt. Als er vor ihr stand, war ihr Puls irgendwo im Hals. Er sagte nichts für ein paar Sekunden. Starrte sie einfach an.

„Du siehst wunderschön aus.“  

Leise. Ehrlich. Fast so, als hätte er es nicht sagen wollen.  

„Danke“, brachte Maya raus. Keiner von beiden wich aus. Die Luft zwischen ihnen war schwer, heiß, gefährlich.

Dann kam Lärm von der Tür. Gemurmel, das anschwoll. Olivia drehte sich um und erstarrte. 

Eine Frau kam rein. Groß. Schlank. Rotes Kleid, eng geschnitten, als wäre es für sie gemacht worden. Sie bewegte sich, als gehörte ihr der ganze Saal. Köpfe drehten sich. Investoren nickten ihr zu. 

„Ethan!“, rief sie laut und steuerte direkt auf ihn zu. Ihr Arm hakte sich bei ihm unter, so selbstverständlich, als hätte sie das tausendmal gemacht. 

Maya spürte sofort dieses Ziehen in der Brust. Dumm, aber da.

Die Frau lächelte ihn an. „Man findet dich ja gar nicht.“  

Ethan versteifte sich kaum merklich. „Victoria.“

Dann sah sie zu Maya. Ihr Lächeln blieb, aber die Augen wurden kalt.  

„Und Sie sind?“  

Ethan antwortete, bevor Maya den Mund aufmachen konnte. „Maya Brooks. Die Fotografin.“

Victoria musterte sie. Kurz. Scharf. Man sah ihr an, dass der Name etwas auslöste. Erkennen? Neugier? Misstrauen?  

Dann lächelte sie wieder. „Ich habe von Ihnen gehört.“  

Harmlos gesagt. Aber der Ton war alles andere als harmlos.

Maya zwang sich zu einem Lächeln. „Hoffentlich nichts Schlechtes.“  

Victoria lachte leise. „Oh, nur interessante Dinge.“

Der Satz blieb hängen. Ethans Kiefer spannte sich an. Und Maya verstand. Victoria war nicht irgendeine Besucherin. Sie war wichtig. Geld, Macht, Geschichte. Vielleicht alles zusammen. Und wenn man in Victorias Blick sah, war Maya gerade zu einem Problem geworden. Zu einem Hindernis.

*[Die zusätzlichen 490 Wörter für den Fluss]*

Die drei Tage bis zur Gala waren die Hölle. Maya tat so, als wäre alles normal. Sie sortierte Bilder, saß in Meetings, fuhr sogar zum Wasserfall „um Licht zu testen“. Aber jedes Mal, wenn ihr Handy vibrierte, dachte sie: Jetzt sagt er ab.

Olivia tauchte mit Kleiderkartons auf. „Wir machen dich hübsch. Diskussion beendet.“  

„Ich bin keine Puppe.“  

„Heute schon.“

Am Abend der Gala war Maya fertig. Nicht emotional. Wörtlich. Gelockt, geschminkt, in Absätze gezwängt, die ihre Füße umbrachten. Vor dem Spiegel stand eine Fremde. Die Seide raschelte. Die Absätze machten sie größer. Und verdammt unsicher.

Was, wenn sie stolperte? Was, wenn sie vor einem Investor etwas Falsches sagte? Was, wenn Ethan sie ansah und dachte: Fehler.

Olivia kam rein, blieb stehen, pfiff leise.  

„Sieht man dir die Panik an?“ fragte Maya.  

„Nein. Man sieht nur, dass du hierher gehörst. Also hör auf, dir einzureden, du wärst falsch am Platz. Du hast dir das verdient.“

Olivia brachte sie bis zur Tür vom Saal. „Tief durchatmen. Kopf hoch. Und ja, er wird dich anstarren. Lass ihn.“

Maya trat ein. Das war der Moment, in dem ihr klar wurde, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Zu viel Glanz. Zu viele Augen. Zu viel Ethan.

Als er dann oben an der Treppe stand und sie sah, vergaß sie kurz, wie man normal läuft. Sein Blick traf sie voll. Runter, hoch, wieder runter. Und dieses Flackern in seinen Augen… das war kein höfliches Kompliment. Das war etwas Echtes.

Er kam runter. Vor ihr stehen bleiben. So nah, dass sie sein Parfum riechen konnte. Holz und etwas Kühles, Sauberes.

„Du siehst wunderschön aus.“  

Er sagte es leise. Nicht für den Saal. Für sie.  

Maya wurde rot. „Danke.“  

Sie rührte sich nicht. Er auch nicht. Für ein paar Sekunden war die Welt einfach weg.

Dann riss der Lärm an der Tür alles kaputt. Victoria. Das rote Kleid. Der Arm bei Ethan. Das Lächeln, das nicht bis zu den Augen ging.

Und Maya stand da, in ihrem perfekten Kleid, und fühlte sich zum ersten Mal seit langem klein.

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