ログインEr bewegte sich nicht. Er stand einfach da, versperrte mir den Weg, seinen dunklen Blick fest auf mich geheftet, als versuche er herauszufinden, was für eine Sorte Ärger ich genau war.
Die Luft zwischen uns fühlte sich schwer an, als hätte jemand die Tür zu einem ohnehin schon viel zu warmen Raum geschlossen. Ich konnte meinen eigenen Herzschlag in meinen Ohren hören – einen lästigen, ungleichmäßigen Rhythmus, der mich verriet, als ich doch nur gefasst wirken wollte. Ich musterte ihn mit großen Augen und halb geöffnetem Mund, unfähig mich zu entscheiden, ob ich etwas Scharfes sagen oder einfach ganz still bleiben und hoffen sollte, dass er mich ignorierte, so wie die meisten Männer seines Schlags es taten. Und dann blitzte Wiedererkennen in seinen Augen auf, so als würde ihm erst jetzt klar werden, dass ich Valentina war – das Mädchen, das seine Frau sein sollte. Je länger er starrte, desto heißer brannte mein Gesicht. Es war dumm, aber meine Hand glitt ohne nachzudenken zu meinem Pony. Ein Reflex, den ich mir vor Jahren angewöhnt hatte, als könnte ich mich dahinter verstecken, wenn Leute mich zu intensiv anstarrten. Seine Augen folgten der Bewegung, den ganzen Weg hinab zu meinen knöchernen Beinen und schließlich zu meinem Haar, und ich sah etwas anderes in seinem Blick aufblitzen. Er hielt mich für ein Kind. Ein schwerer Knoten bildete sich in meinem Magen. Ich wusste nicht, warum es mich so störte. Schließlich war ich weitaus jünger als er, aber die Art, wie er mich jetzt ansah, bedeutete etwas. Es bedeutete, dass er mich nicht als ebenbürtig betrachtete – nicht im Geringsten. Aus der Nähe war er … auf eine scharfe, gefährliche Art gutaussehend, die Sorte Mann, bei der man sich unmöglich irren konnte: pure Macht, gehüllt in Fleisch und Knochen. Aber die Art, wie er mich musterte – stetig und unleserlich –, gab mir das Gefühl, vermessen, abgewogen und möglicherweise für ungenügend befunden zu werden. Ich straffte die Schultern und klammerte mich an jeden Rest Würde, den ich finden konnte. „Entschuldigung, Sir“, sagte ich und zwang meine Stimme, nicht zu zittern. „Ich will Sie nicht kränken, aber … Sie sollten wirklich nicht mit mir allein sein, ohne dass jemand anderes anwesend ist. Und Sie sollten definitiv nicht so nah bei mir stehen.“ Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sich das Gesicht seines Freundes verzog, als wäre er nur Sekunden davon entfernt, wieder in schallendes Gelächter auszubrechen. Ich hielt stand, obwohl jede Faser meines Körpers mir zuschrie, einen Schritt zurückzutreten. Seine Augen waren so dunkel, dass sie fast bodenlos wirkten, und ihre Schwere machte es mir schwer zu atmen. „Weißt du, wer ich bin?“, fragte er. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und erzwang eine feste Stimme. „Ja. Sie sind der Underboss in Chicago. Aber im Moment unterstehe ich der Herrschaft meines Vaters, nicht Ihrer. Und selbst wenn dem so wäre, verbietet es mir die Ehre, mit einem Mann allein zu sein, mit dem ich nicht verheiratet bin.“ Sein Blick wich nicht aus. „Das stimmt“, sagte er leise. „Aber in ein paar kurzen Monaten wirst du meine Frau sein.“ Die Worte trafen mich wie ein eisernes Gewicht. Nicht, weil ich es nicht ohnehin schon gewusst hätte, sondern wegen der Art, wie er sie aussprach. Als wäre es eine unvermeidliche Tatsache des Universums, wie die Schwerkraft. Etwas, worüber ich keinerlei Kontrolle hatte. Ich hob das Kinn und versuchte, größer und mutiger zu wirken. Mein Körper verriet mich. Meine Finger hörten nicht auf zu zittern, mein Herz hämmerte unaufhörlich, aber ich war nicht bereit, vor seinem Blick einzuknicken. „So wie ich das sehe …“, er senkte die Stimme, jedes Wort bedacht, „… hast du uns belauscht. Wir haben ein vertrauliches Gespräch geführt, und du bist einfach ohne Erlaubnis hereingeplatzt.“ Hitze schoss mir in die Wangen. Ich wandte den Blick ab, und meine Entschuldigung sprudelte aus mir heraus, bevor ich es mir anders überlegen konnte. „Ich war zuerst in der Bibliothek, bevor Sie reinkamen und mich erschreckten.“ Sein Freund Damien schnaubte vor Lachen, aber Adrians scharfer Blick brachte ihn sofort zum Schweigen. Er stieß einen Seufzer aus, der schwer und müde klang. Etwas lag darin, etwas Abgekämpftes. „Damien, kannst du uns einen Moment allein lassen?“ Damien ging, und die Tür fiel mit einem Klick ins Schloss. Adrian trat einen Schritt zurück und gab mir mehr Platz. Das hätte meine Anspannung lösen und mir das Atmen erleichtern müssen, tat es aber nicht. „Das ist unangebracht“, sagte ich leise. „Ich möchte kurz mit dir reden. Später werden deine Eltern im Raum sein, und wir werden keine Zeit haben, uns zu unterhalten.“ Ein Mundwinkel zuckte ohne meine Erlaubnis nach oben. „Meine Mutter wird das ganze Reden übernehmen. Sie ist in der Hinsicht anstrengend.“ Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, aber ich bildete mir ein, ein kurzes Flackern in seinen Augen zu erhaschen. „Das war nicht für deine Ohren bestimmt“, sagte er. Dann deutete er auf die Sessel. „Wirst du dich mit mir unterhalten?“ Ich zögerte, legte den Kopf schräg und versuchte nach wie vor, ihn zu durchschauen. „Natürlich.“ Er wartete, bis ich mich zuerst setzte. Ich sank in einen der Sessel, schlug die Beine übereinander, um gefasst zu wirken, obwohl mein Herz sich seit dem Moment, in dem er mich erwischt hatte, nicht beruhigt hatte. Er setzte sich mir gegenüber, jede Bewegung kontrolliert wie bei einem Mann, der keine einzige Geste verschwendete. Ohne nachzudenken griff ich wieder nach oben, um meinen Pony glattzustreichen. In dem Moment, als ich merkte, dass er mich beobachtete, kroch Hitze meinen Hals hinauf. „Bitte erzählen Sie meiner Mutter nichts davon, Sir. Sie muss nicht alles wissen“, platzte es aus mir heraus, während ich versuchte, beiläufig zu klingen. „Nenn mich nicht Sir“, schnitt er mir das Wort ab, seine Stimme tief, aber scharf genug, um mich zusammenzucken zu lassen. Ich blinzelte ihn verblüfft an. „Wie soll ich dich denn sonst nennen?“ Ein Mundwinkelzucken – nicht direkt ein Lächeln, aber nah dran. „Nenn mich Adrian. Ich werde bald dein Mann sein.“Seine Stimme war so kalt, dass ich zusammenzuckte. Die Missbilligung in seinem Ton ließ keinen Raum für Fragen, und meine Brust zog sich zusammen, bevor ich überhaupt an eine Erwiderung denken konnte.Dazu kam ich ohnehin nicht. Meine Eltern waren bereits auf uns zugekommen, beide ein strahlendes, stolzes Lächeln für die Menge auf den Lippen.„Sie haben nicht zu den Blumen in meinem Strauß gepasst“, sagte ich schnell, meine Ausrede sprudelte heraus, bevor ich den Mut verlor.Es entsprach der Wahrheit. Ich hatte mich wochenlang mit Mutter gestritten, weil ich stattdessen verschiedene bunte Blumen in meinem Strauß haben wollte statt der langweiligen weißen, die sie sich eingebildet hatte, dazu Blumen im Haar. Sie hatte gesagt, die seien nicht elegant genug, sie ließen mich aussehen wie ein Kind, das sich verkleidet hatte. Vater hatte schließlich wie so oft eingegriffen und ihr gesagt, sie solle mir meinen Willen lassen. In dem Moment hatte es sich wie ein Sieg angefühlt. Doch hier und j
ADRIAN„Hey, das habe ich dir besorgt“, sagte Damien und reichte mir einen Flachmann.Ich zupfte meine Krawatte zurecht, spürte, wie sich der Knoten wie eine Schlinge um meinen Hals zuzog, bevor ich den Flachmann annahm, den er mir hinhielt. „Ich werde heute keinen harten Alkohol trinken.“Sein Mund verzog sich zu einem süffisanten Lächeln. „Es ist nicht zum Trinken da. Es ist dafür da, dass du dir den Kopf einschlägst, falls du noch mal auf die glorreiche Idee kommst, die Tradition mit dem blutigen Laken abzulehnen.“Ich schob den Flachmann tief in die Innentasche meiner Jacke, plötzlich von Unruhe erfasst. „Fang nicht schon wieder damit an.“Damiens Blick war hart und unbeugsam. „Ich fange so oft damit an, wie nötig ist. Schwör mir einfach, dass du nicht diesen ganzen Scheiß mit gefälschten Blutflecken versuchst. Du weißt doch genau, dass Rico dir keinen Ausweg angeboten hat, oder? Er hat dich geködert. Er wollte sehen, ob du darauf reinfällst. Glaub mir, er hat das in seiner Hochze
ADRIANDrei Monate vergingen schneller als je zuvor. Es waren endlose Tage voller schlafloser Nächte, Wutanfälle von Kleinkindern und stressiger Arbeitstage.Am Morgen meines Junggesellenabends kniete ich vor Stefan nieder. Er saß über das iPad gebeugt und war völlig in das Spiel vertieft, das er so gerne spielte. Seine Haare waren ein einziges Chaos. Vorne standen Büschel ab, und am Hinterkopf bildeten sich Knoten, weil er sich weigerte, sie von Esther, unserer Haushälterin und Kindermädchen, bürsten zu lassen. Mir fehlte die Energie, ihn für sie festzuhalten, also wusste ich, dass wir sie nach der Hochzeit ohnehin kurz schneiden lassen müssten.„Hey, Stefan, ich muss mit dir über etwas reden.“Er sah nicht auf, also griff ich nach dem iPad in seinen Händen, aber er drehte sich weg. „Gib mir das iPad.“Seine kleinen Schultern sanken nach vorne. Mehr als diese Reaktion bekam ich nicht. Ich nahm ihm das Tablet aus den Händen und legte es zur Seite. „Es wird sich bald etwas ändern. Eine
VALENTINAIch zitterte vor purer Wut, als ich in mein Zimmer zurückkehrte. Wurde von mir ernsthaft erwartet, den Rest meines Lebens mit einem Mann zu verbringen, der so kalt und herrschsüchtig war? Der meine Kleidung musterte und mir vorschrieb, was ich zu tragen gewohnt war? Was gab ihm das Recht zu glauben, er könne so etwas tun? Wir waren nicht einmal verheiratet.„Ich habe dich überall gesucht!“, rief Mutter, als ich eintrat, und drückte mich sofort in Richtung meines begehbaren Kleiderschranks. „Du sollst Adrian jetzt treffen, wir müssen uns fertig machen.“„Mutter …“Sie musterte mich von oben bis unten, als ob sie mich gerade zum ersten Mal wahrnehmen würde. „Um Himmels willen! Was zum Teufel hast du da an?“Ihre Dramatik überraschte mich nicht. Ich wusste bereits, was sie sagen würde, an der Art, wie sie die Nase rümpfte.Sie zupfte an meinen Klamotten, bis ich anfing, mich auszuziehen, noch immer erfüllt von Wut.Mutter sah mich missbilligend an. „Was ist denn mit dir los?“„
ADRIANSie stieß einen zittrigen Atemzug aus. „Wir werden in drei Monaten heiraten.“Ihre Stimme zitterte, und die Worte hingen zwischen uns in der Luft.Ich nickte. „Ja, sobald du einundzwanzig wirst.“Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. „Glaubst du wirklich, das macht einen Unterschied? Ein paar Monate mehr machen mich nicht plötzlich zu einer Ehefrau.“Ich musterte sie. Sie sagte Dinge, die andere sich nicht trauen würden, mir ins Gesicht zu sagen, aber ihre Stimme verriet sie. Ich konnte hören, wie ängstlich sie war.„Du hast recht“, gab ich zu. „Du bist jetzt zu jung und wirst es dann immer noch sein. Aber wenigstens habe ich das Gefühl, kein Kind zu heiraten, sobald du volljährig bist.“Sie presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen und schüttelte langsam den Kopf. Es fühlte sich an, als stimmte sie mir nicht zu, aber sie wagte es nicht, weiter zu diskutieren.„Ich habe zwei Kinder“, sagte ich in schroffem Ton. „Sie sind sehr klein, und sie brauchen mich. Stefan wird
Er bewegte sich nicht. Er stand einfach da, versperrte mir den Weg, seinen dunklen Blick fest auf mich geheftet, als versuche er herauszufinden, was für eine Sorte Ärger ich genau war.Die Luft zwischen uns fühlte sich schwer an, als hätte jemand die Tür zu einem ohnehin schon viel zu warmen Raum geschlossen. Ich konnte meinen eigenen Herzschlag in meinen Ohren hören – einen lästigen, ungleichmäßigen Rhythmus, der mich verriet, als ich doch nur gefasst wirken wollte.Ich musterte ihn mit großen Augen und halb geöffnetem Mund, unfähig mich zu entscheiden, ob ich etwas Scharfes sagen oder einfach ganz still bleiben und hoffen sollte, dass er mich ignorierte, so wie die meisten Männer seines Schlags es taten.Und dann blitzte Wiedererkennen in seinen Augen auf, so als würde ihm erst jetzt klar werden, dass ich Valentina war – das Mädchen, das seine Frau sein sollte.Je länger er starrte, desto heißer brannte mein Gesicht. Es war dumm, aber meine Hand glitt ohne nachzudenken zu meinem Pon







