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KAPITEL 3

作者: Natalie May
last update 公開日: 2026-10-27 10:23:39

VALENTINA

Mutter war unmissverständlich gewesen: Ich sollte Adrian erst kennenlernen, wenn wir offiziell beim Abendessen einander vorgestellt wurden. Bis dahin wurde von mir erwartet, dass ich mich in meinem Zimmer verkroch, während meine Eltern und mein zukünftiger Ehemann über meine Zukunft diskutierten, als wäre ich eine Marionette, die kein Mitspracherecht über ihr eigenes Leben hatte.

Als jedoch die Klingel ertönte, siegte die Neugier. Gekleidet in meine Lieblings-Denim-Jorts und ein weißes Tanktop, das mit winzigen Tropfen-Strasssteinen verziert war, schlich ich mich in den Flur. Barfuß bewegte ich mich lautlos, vermied jedes Knarren in den alten Dielen, bis ich den oberen Treppenabsatz erreichte.

Ich sank vor dem Treppengeländer auf die Knie, machte mich ganz klein und spähte nach unten.

Den Stimmen nach zu urteilen, tauschten meine Eltern bereits höfliche Begrüßungen mit zwei Männern aus. Vater trat zuerst ins Blickfeld und trug sein poliertes „Lächeln für geschäftliche Zwecke“, während Mutter, absolut strahlend, hinter ihm herlief. Dann folgten zwei Gestalten.

Ich brauchte keine Vorstellung, um zu wissen, wer von beiden Adrian De Luca war.

Er war größer als sowohl mein Vater als auch der Mann an seiner Seite, und seine schiere Präsenz füllte das Foyer aus. Der dunkelblaue Dreiteiler schmiegte sich um einen breiten, massiven Körperbau, seine Schultern waren so breit, dass er aussah, als könnte er den ganzen Raum auf seinem Rücken tragen. Sein Gesichtsausdruck war in Stein gemeißelt, völlig unbewegt selbst dann, als meine Mutter mit den Wimpern klimperte, als würde sie für ein Parfum-Plakat vorsprechen.

Sein Begleiter wirkte zumindest einigermaßen menschlich und zeigte hier und da ein schmales Lächeln. Adrian tat das nicht.

Er war nicht alt. Er war definitiv weder fett noch kahlköpfig. Selbst durch den Anzug hindurch konnte ich die definierten Muskeln erkennen. Sein Gesicht war markant, mit einer kantigen Kinnpartie, hohen Wangenknochen und einem gezielten Schatten aus dunklen Bartstoppeln, die eher teuer als ungepflegt wirkten.

Das war kein Junge. Adrian De Luca war durch und durch ein Mann. Ein gefährlicher, gebieterischer und absolut selbstkontrollierter Mann.

Und ich hatte erst vor zwei Jahren die Highschool abgeschlossen.

Worüber um alles in der Welt sollten er und ich überhaupt reden?

Ich mochte Malen, Skizzieren, und ich fand Regen das wunderbarerweise Faszinierendste auf der Welt. Irgendwie bezweifelte ich, dass auch nur eines davon das geringste Interesse bei einem Mann wie ihm wecken würde. Seine Hobbys liefen wahrscheinlich eher auf Erpressung, Einschüchterung und Geldwäsche hinaus, vielleicht ab und zu mit einer Mätresse im Schlepptau.

Ein Kloß der Angst zog sich in meinem Magen zusammen. In weniger als vier Monaten würde von mir erwartet werden, das Bett mit diesem Mann zu teilen. Einem vollkommenen Fremden. Einem Mann, der vielleicht seine Frau in ein frühes Grab getrieben hatte.

Der Gedanke ließ ein schlechtes Gewissen in mir aufsteigen. Ich verurteilte ihn ohne Beweise. Adrian hatte seine Frau verloren und zog nun zwei Kinder alleine groß. Was, wenn er sie wirklich geliebt hatte? Was, wenn er noch immer um sie trauerte?

Aber er sah nicht aus wie ein Mann in Trauer.

Andererseits lernten Männer in unserer Welt früh, ihre Emotionen hinter einer unleserlichen Maske zu verbergen. Seine Regungslosigkeit konnte alles bedeuten – oder absolut gar nichts.

„Warum gehen wir nicht in mein Arbeitszimmer für ein Glas von meinem besten Whiskey und besprechen die Hochzeit?“, deutete Vater in Richtung Flur.

Adrian neigte den Kopf wortlos zustimmend nach oben, und sein Blick traf meinen. Ich duckte mich blitzschnell weg, das Herz drohte mir vor lauter Angst aus der Brust zu springen.

Er hatte mich nicht gesehen. Oder?

Ich konnte es nur hoffen.

Ich wartete ein paar Sekunden, dann riskierte ich einen erneuten Blick. Seine Aufmerksamkeit galt jetzt wieder meinen Eltern.

„Ich sehe nach, ob in der Küche alles glattläuft. Unser Koch bereitet ein Festmahl für heute Abend vor“, sagte Mutter mit zuckersüßer Begeisterung.

Adrian und der Mann an seiner Seite warfen ihr gleichermaßen höfliche, zusammengepresste Lächeln zu.

Hat dieser Mann je echt gelächelt – für mehr als nur den Schein?

Ich wartete, bis sie im Flur verschwunden waren, bevor ich die Treppe hinunterhuschte, meine nassen, äh, barfüßigen Schritte lautlos auf dem Marmor. Ich schlüpfte in die Bibliothek, die direkt neben Vaters Arbeitszimmer lag, und presste mein Ohr an die Verbindungstür, während mein Herz wild hämmerte.

„Diese Verbindung wird uns beiden nützen“, sagte Vater in seinem gänzlich geschäftsmäßigen Tonfall.

„Hast du Valentina schon von der Vereinbarung erzählt?“

Seinen Namen in Adrians tiefem Ton zum allererste Mal zu hören, jagte mir einen seltsamen Schauer über den Rücken. Ich würde ihn den Rest meines Lebens so sprechen hören. Ein erschreckender Gedanke. Der Rest meines Lebens schien so verdammt weit weg.

„Ja“, sagte Vater, nachdem er sich räuspert hatte. Selbst ohne sein Gesicht zu sehen, wusste ich, dass ihm das unangenehm war. „Gestern Abend.“

„Wie hat sie reagiert?“

„Valentina versteht, dass es eine Ehre ist, einen Mann von deinem Status zu heiraten.“

Ich verdrehte die Augen. Ich wünschte, ich könnte ihre Gesichter sehen.

„Das beantwortet meine Frage nicht, Paul“, erwiderte Adrian mit einem Anflug von Genervtheit in der Stimme. „Sie wird nicht nur meine Frau sein. Ich brauche eine Mutter für meine Kinder. Das ist dir doch klar, oder?“

„Valentina ist … sehr fürsorglich und verantwortungsbewusst.“ Das Zögern in Vaters Stimme erwischte mich kalt. Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, dass er von mir sprach. „Sie hat sich ein paar Mal um ihre Neffen und Nichten gekümmert und schien Freude daran zu haben.“

Wenn er mit „gekümmert“ meinte, dass ich einem Kleinkind Plastikdinosaurier in die Hand drückte, während dessen Eltern im Nebenzimmer waren, sicher. Aber sie füttern? Eine Windel wechseln? Davon verstand ich absolut gar nichts.

„Ich kann dir versichern, dass Valentina dich zufriedenstellen wird.“

Hitze stieg mir den Hals hoch. War ich die Einzige, die hörte, wie sich das anhörte?

Es folgte eine Pause, viel zu lang für mein Wohlbefinden, bevor Vater sich abermals räusperte. „Hast du Rico informiert?“

„Ja. Gestern Abend, direkt nach unserem Anruf“, sagte Adrian.

Sie verfielen in ein Gespräch über irgendein bevorstehendes Treffen mit dem Don. Ein Thema, das so weit von meiner Welt entfernt war, dass meine Gedanken sofort abschweiften. Ich fuhr mit den Fingern über die Buchrücken neben mir und hörte nur halb zu, bis Adrians Stimme dazwischenfunkte.

„Ich muss nach Hause telefonieren. Damien und ich könnten einen Moment der Ruhe gebrauchen, bevor das Abendessen beginnt. Es war ein langer Tag.“

„Natürlich“, antwortete mein Vater geschmeidig. „Durch diese Tür geht es in die Bibliothek. Es ist schön ruhig dort. Wir haben noch eine Stunde, bevor ich dir meine Tochter vorstelle.“

Ich schreckte von der Verbindungstür zurück, genau in dem Moment, als Schritte näherkamen. Die Klinke klickte, und ich huschte hinter eines der hohen Regale, drückte mich flach gegen das Holz. Vorsichtig spähte ich um die Kante und beobachtete, wie Adrian und sein Begleiter eintraten. Mein Vater schenkte ihnen ein weiteres höfliches Lächeln, ehe er hinausging und die Tür hinter sich schloss.

Die Tür war zu. Mit mir noch im Raum.

Adrians Freund Damien ließ sich in einen Sessel in der Nähe fallen. „Na und?“, trieb er ihn an.

Adrian trat tiefer in den Raum, seine Stirnfalten glätteten sich ein wenig. „Das ist alles so anstrengend. Besonders Mrs. Romano. Gott steh mir bei, wenn ihre Tochter auch nur annähernd so ist wie sie.“

Ein Funke Verärgerung erwärmte meine Wangen. Ja, meine Mutter konnte … intensiv sein, aber das gab ihm noch lange nicht das Recht –

„Hast du ein Bild von ihr gesehen?“, fragte Damien und fischte einen silbernen Bilderrahmen vom Beistelltisch. Ein kurzes Lachen entkam ihm.

Mein Magen stürzte in die Tiefe. Er hielt dieses Foto in der Hand – das, auf dem ich zwölf war, so breit grinsend, dass man jede Zahnspange sah, meine Zöpfe mit Plastikschleifen gespickt und ein gepunktetes Kleid kombiniert mit knallroten Gummistiefeln. Vater hatte sich geweigert, es wegzuräumen, egal wie oft Mutter sich beschwerte. Jetzt wünschte ich, er hätte es getan.

Damien drehte es Adrian zu.

Adrians Kiefer spannte sich augenblicklich an. „Leg das weg. Ich komme mir wie ein Creep vor, wenn ich da nur draufsehe.“

„Sie war ein wirklich süßes Kind“, sagte Damien locker. „Hätte schlimmer kommen können.“

Adrians Blick glitt erneut zu dem Rahmen. „Sie hat hoffentlich diese Zahnspange und diesen gottvorgestrigen Pony los.“

Meine Hand schnellte an meine Stirn, meine Finger strichen über den Pony, den ich hartnäckig geweigert hatte herauswachsen zu lassen.

Damien schmunzelte. „Ich weiß ja nicht. Passt zu diesem unschuldigen Schulmädchen-Vibe.“

„Ich habe kein Interesse an dieser Art von Mädchen“, schnitt Adrian ihm das Wort ab, seine Stimme durchschnitt die Luft.

Ein lautes Poltern zerstörte den Moment. Mein Ellenbogen hatte ein Buch im Regal umgestoßen.

Stille erfüllte den Raum.

Ich versuchte, mich in den nächsten Gang zu schleichen, aber ein Schatten warf sich über mich, bevor ich es schaffte. Meine Schulter traf auf etwas Festes … jemanden Festes, und ich stolperte zurück, prallte gegen die Regale. Schmerz schoss mir direkt die Wirbelsäule hinauf.

Ich blickte auf, und mir stockte der Atem. Adrian De Luca stand da, überragte mich, sein Blick mit unerbittlicher Intensität auf meinen geheftet.

„Tut mir leid … Es tut mir so leid, Sir“, stammelte ich, bevor mein Gehirn mit meinem Mund Schritt halten konnte.

Seine Augen verengten sich leicht, dann flammte darin Wiedererkennen auf. Und genau in diesem Moment war unser erstes Treffen offiziell ein Desaster.

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