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Kapitel 6

Alicia S. Rivers
Ich ging zu meinem Zimmer und schrie auf, als mich jemand zu Boden riss. Ich begann zu lachen, als Cassie von mir herunterstieg. „Warum zum Teufel hast du mir nicht gesagt, dass du kommst?“ Sie boxte mich in die Schulter, während ich aufstand.

„Ich wusste es erst heute Morgen.“ Ich zog sie an mich. „Ich habe dich vermisst.“

„Ich auch.“ Sie trat zurück und warf mir eine kleine Schachtel zu. „Alles Gute zum Geburtstag.“

Ich lachte erneut. „Bei all dem, was passiert ist, hatte ich völlig vergessen, dass heute mein Geburtstag ist.“

„Achtzehn – was für ein Alter! Hast du dich schon verwandelt?“ Cassie hüpfte vor Aufregung auf und ab.

Ich schüttelte nur den Kopf. „Ich verwandle mich nicht. Das weißt du doch.“ Meine Miene verdüsterte sich. In meinem Kopf hörte ich ein schnaubendes Geräusch.

„Ich glaube, du blockierst es nur. Du hast eine Wölfin. Wir alle spüren sie.“ Sie stieß mich mit der Hüfte an. „Ich spüre, dass sie rauswill.“ Meine Wölfin schnaubte zustimmend.

„Cassie ist schlauer als du.“ Die Stimme meiner Wölfin hallte in meinem Kopf wider und ich lächelte nur. „Es gibt Dinge, die ich dir nicht sagen kann, nicht einmal jetzt, aber irgendwann, wenn wir Glück haben, wirst du deine Antworten finden.“

Ich rollte mit den Augen. Schon wieder eine nicht-Antwort von Nix, meiner Wölfin. Sie schnaubte mir entgegen und zog sich dann in die Tiefen meines Bewusstseins zurück.

„Antwortet Nix dir immer noch nicht?“

„Doch, aber es sind eher ihre nicht-Antworten.“ Ich griff nach meiner Tasche und öffnete sie. „Du wirst niemals erraten, was heute passiert ist.“

Cassie ließ sich auf mein Bett fallen. „Erzähl mir alles.“

Ich öffnete den Mund, um ihr zu sagen, dass ich schon einmal gelebt hatte, da erklang die Stimme meines Vaters in meinem Kopf. „Mein Mädchen, ich weiß, du willst Cassie vielleicht von deinem ersten Leben erzählen, und ich verstehe das Bedürfnis, aber sag es vorerst niemandem. Du kannst ihre Zungen nicht versiegeln und unser Erbe ist gefährlich.“

„Okay, Papa. Werde ich nicht.“

„Ich liebe dich.“ Dann war seine Stimme verschwunden und ich musste meine Gedanken neu ordnen.

„Erzähl schon.“ Cassie warf mir ein Kissen zu und ich schüttelte den Kopf.

„Ich glaube, der Sohn des Alphas ist mein Gefährte, und Shannon denkt das auch. Sie hat völlig den Verstand verloren und hat meine Kleidung gestohlen, damit er sie beachtet.“ Ich schüttelte angewidert den Kopf.

„Sie hat versucht, deinen Gefährten zu stehlen?“ Cassies Augen blitzten auf.

„Sie kann ihn haben. Ich will ihre abgelegten Klecker nicht. Selbst wenn sie ihn nicht schon gefickt hätte, was ich sicher glaube, würde ich ihn nicht wollen. Er ist gemein und nachtragend. Und einfach… klein.“

„Klein, klein?“ Cassie hielt Daumen und Zeigefinger nah zusammen, schoss mit den Blicken in meinen Schoß und ich lachte so sehr, dass mir die Tränen kamen, während sie mitlachte.

„Keine Ahnung.“ Ich wischte mir die Augen, nachdem ich mich beruhigt hatte. „Und die will ich auch nicht haben. Ich meine nur, selbst als Alpha strahlt er dieses Klein-Mann-Gehabe aus? Ich weiß nicht einmal, wie ich es genau erklären soll. Nur, dass ich selbst dann, wenn er seine Alpha-Aura ausstrahlt, nichts spüre, nicht einmal ein bisschen, nicht einen Bruchteil von dem, was mein Papa ausstrahlt.“

Ich setzte mich auf mein Bett. „Und du willst nicht mit einem Gefährten zusammen sein, der schwächer ist als du?“

„Nein, darum geht es nicht.“ Ich schüttelte den Kopf. Ich erklärte es nicht richtig. „Ich weiß, dass er mich verraten würde, wenn er einen Grund hätte. Seine Hingabe wäre schwach, genau wie seine Aura.“

„Ah. Jetzt verstehe ich.“ Cassie rollte sich auf den Rücken und schnaubte. „Das wäre absolut das Schlimmste. Ich weiß nicht, wie dein Papa mit dem Schmerz umgeht.“ Sie sah mich an und verzog das Gesicht.

„Wussten hier alle die Wahrheit?“

Cassie schüttelte den Kopf. „Nein, nachdem ihr gegangen wart, ist der Alpha nie bei einer Wölfin geblieben. Bei keiner einzigen Wölfin, da haben wir gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Und als dann der Welpe geboren wurde, konnten wir alle den Geruch des Gefährten der Mutter an ihm riechen. Da wussten wir, dass sie uns belogen hatten. Wir verstehen nur den Grund nicht. Sie drehte sich um. Weißt du schon?“

Ich nickte.

„Mein Papa hat mir heute die Wahrheit gesagt, als ich ihm sagte, dass ich meinen Gefährten zurückweisen will.“

„Nun, das ist ja nur deprimierend. Lass uns rausgehen und was unternehmen?“ Cassie setzte sich auf, aber ich schüttelte nur den Kopf. „Komm schon.“

„Ich habe morgen früh Training und mein Papa sagte, es würde brutal.“

„Also kannst du heute nicht raus? Quatsch. Steh auf. Wir gehen einkaufen und dann führe ich dich vor allen herum, damit sie neidisch werden, dass meine beste Freundin die Tochter des Alphas ist.“

Ich hellte mich auf. „Hat hier jemand Probleme mit dir gemacht?“ Cassie schüttelte den Kopf, aber ich sah, dass jemand es getan hatte. „Cass?“

Sie spitzte missmutig die Lippen und nickte: „Sind nur ein paar eingebildete Wölfinnen, die sich wegen ihres höheren Rangs für etwas Besseres halten.“ Das konnten nur Amanda und ihr kleiner Anhang sein.

„Machen sie dir viele Schwierigkeiten?“

„Nur ein bisschen.“ Sie packte meinen Arm und zog mich zur Tür. „Genug von denen, es ist mir egal. Ich habe nur dich vermisst und ich will mit meiner besten Freundin rumstolzieren.“

„Abgemacht.“ Ich konnte nicht nein zu ihr sagen, wenn ich wusste, dass sie gemobbt wurde. Cassie war schwächer als ich, aber das war ja war ja bei allen so. Aber sie war süß und war von Geburt an an meiner Seite. Ihre Mama und meine Mama waren früher beste Freundinnen. „Aber du musst mir zeigen, wer dich mobbt.“

„Auf keinen Fall. Ich komme damit klar.“

„Ich weiß, dass du es kannst, aber du müsstest es nicht.“ Ich spürte, wie Nix näher an die Oberfläche kam. Meine Wut stieg bereits.

„Du bist nicht oft genug hier.“ Ihr Flüstern ließ mich innenhalten. „Ich möchte nicht, dass du dich schlecht fühlst, aber du bist nicht oft genug hier, um deswegen etwas mit ihnen anzufangen. Denn es wird nur schlimmer, wenn du wieder gehst.“ Sie sah mich mit traurigen Augen an. „Können wir es einfach auf sich beruhen lassen?“

Ich nickte, aber schwor mir, dass ich eine Lösung für diese Situation finden würde. „Lass uns etwas Spaß haben. Führe mich nur herum, so viel du willst. Ich bin den ganzen Sommer hier.“ Ich lächelte und schob den Amanda-Mist in den hintersten Teil meines Verstandes. Ich würde mich so bald wie möglich um sie kümmern.

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