MasukKAPITEL 64LAYLAS PERSPEKTIVE„Was meinst du damit?“, fragte Rayyan leise.Seine Stimme war nicht laut, aber ich konnte die Überraschung darin hören, als hätten meine Worte noch nicht ganz in seinem Kopf angekommen. Als hätte er mich zwar genau verstanden, bräuchte aber noch einen Moment, um sicher zu sein, dass er auch wirklich begriff, was ich eigentlich sagte.Für ein paar Sekunden herrschte völlige Stille im Zimmer. Der sanfte goldene Schein der Nachttischlampe fiel auf eine Ecke, während der Rest im Dunkeln lag. Draußen war die Nacht ruhig, fast friedlich, doch mein Herzschlag hallte so laut in meinen Ohren wider, dass er alles andere übertönte.Langsam umklammerte ich die Kante der Decke mit meinen Fingern. Ich öffnete meine Augen nicht.„Ich meine …“, schluckte ich schwer. „Ich bin noch Jungfrau.“Die Worte kamen kaum mehr als ein Flüstern über meine Lippen, doch in dem stillen Zimmer klangen sie unglaublich laut. Ich hielt meine Augen fest geschlossen, zu ängstlich, um ihm ins
KAPITEL 63 (TEIL 3)LAYLAS PERSPEKTIVEEs wurde wieder still im Zimmer. Nur das leise Summen der Klimaanlage und das schwache Zirpen der Grillen draußen durchbrachen die Stille.Ich ging langsam zur linken Seite des Bettes. Seit ich mich erinnern konnte, habe ich es immer vorgezogen, auf der linken Seite zu schlafen. Es war zu einer Gewohnheit geworden, über die ich nie wirklich nachgedacht hatte. Vorsichtig setzte ich mich auf die Kante der Matratze.Das Bett war groß genug für uns beide, doch irgendwie kam es mir plötzlich zu klein vor.Meine Finger spielten unbewusst mit dem Saum meiner Abaya. Mein Herz, das sich während des Gebets endlich beruhigt hatte, begann langsam wieder zu rasen.Beruhige dich, Layla. Es ist nichts passiert. Lass deinen Gedanken nicht freien Lauf.Ich legte mich langsam hin und hielt dabei einen angemessenen Abstand zur anderen Seite des Bettes ein. Die Decke über mir wurde plötzlich zum interessantesten Anblick. Alles. Alles außer Rayyan.Aus dem Augenwinke
KAPITEL 63 (TEIL 2)LAYLAS PERSPEKTIVEDas Wasser war schon längst kalt geworden, als ich endlich die Dusche abstellte, doch ich nahm es kaum wahr. Ich war länger darunter geblieben, als ich eigentlich vorhatte, und hatte mich vom Wasser umspülen lassen, bis sich meine Fingerspitzen schrumpelig machten, bis die Stille des Badezimmers das Einzige war, was mich noch zusammenhielt.Ich trocknete mich ab und zog dann eine schlichte, cremefarbene Abaya an, die ich mitgebracht hatte. Sie war schlicht, weit geschnitten, zurückhaltend und bequem – ein völliger Gegensatz zu der luxuriösen Hochzeitskleidung, die ich erst vor kurzem getragen hatte.Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich durch das Anziehen dieser schlichten Kleidung wieder mehr wie ich selbst. Ich wickelte meinen Schal ordentlich um den Kopf, bevor ich zum Waschbecken ging. Langsam und sorgfältig führte ich meine Waschung durch.Als das kühle Wasser meine Hände, mein Gesicht und meine Füße berührte, spürte ich, wie die Schwere in
KAPITEL 63 (TEIL 1)LAYLAS PERSPEKTIVEDas leise Klicken der Tür durchbrach die Stille im Raum. Mein Herz setzte augenblicklich einen Schlag aus. Er war da.Ich hob langsam den Blick, gerade als Rayyan hereinkam und die Tür leise hinter sich schloss.„As-salamu alaykum“, begrüßte er mich mit seiner tiefen, ruhigen und festen Stimme, die den stillen Raum erfüllte.„Waalaikum Salam“, antwortete ich leise.Für einen kurzen Moment sprach keiner von uns wieder. Der Raum kam mir plötzlich viel kleiner vor als zuvor.Der zarte Duft frischer Rosen aus den Blumendekorationen lag in der Luft und vermischte sich mit dem Duft von Oud-Kerzen, die sanft auf dem Nachttisch brannten. Das sanfte goldene Licht tauchte den geräumigen Raum in einen warmen Schein und ließ alles friedlich erscheinen.Friedlich … Doch mein Herz war alles andere als das.Dies war meine Hochzeitsnacht. Endlich war ich allein mit Rayyan. Demselben Rayyan, den ich von ganzem Herzen geliebt hatte. Demselben Rayyan, der mich einst
KAPITEL 62LAYLAS PERSPEKTIVE„Vielen, vielen Dank“, sagte ich aufrichtig zu dem älteren Ehepaar, das vor uns stand.Nach der Nikah war ich nach oben gegangen, um mein Hochzeitskleid abzulegen und eine schlichte, aber elegante Abaya anzuziehen. Sie war zurückhaltend, wunderschön und bequem genug für den langen Abend, der vor uns lag. Da Rayyan und ich nun offiziell Mann und Frau waren, mussten wir alle Anwesenden begrüßen und ihnen persönlich danken.Auch wenn die meisten Gäste Verwandte und Freunde der Familie waren, war es dennoch wichtig, ihnen unsere Wertschätzung zu zeigen.„Gern geschehen, meine Liebe“, antwortete die Frau herzlich.„Möge Allah eure Verbindung segnen und euer Zuhause mit Glück erfüllen.“„Amin“, erwiderte ich mit einem Lächeln.Rayyan neben mir nickte respektvoll.„Amin.“Wir gingen weiter durch die Versammlung und begrüßten einen Verwandten nach dem anderen. Einige sprachen von Herzen Gebete aus. Einige gaben Ratschläge zur Ehe. Einige sprachen warmherzig mit
Kapitel 61LAYLAS PERSPEKTIVE„Guten Morgen, unsere Braut“, sagte Yusrah aufgeregt, gleich nachdem wir nach dem Salat unsere Gebetsteppiche zusammengefaltet hatten.Ich blickte zu ihr auf und lächelte schwach.„Guten Morgen, kleine Schwester.“Sie kniff misstrauisch die Augen zusammen, während sie mit gekreuzten Beinen auf dem Bett saß.„Bist du aufgeregt oder nervös wie eine zukünftige Braut?“Ich hielt ehrlich gesagt kurz inne, um darüber nachzudenken. War ich nervös? Vielleicht. Aufgeregt? Ein bisschen. Hatte ich Angst? Auf jeden Fall. Aber vor allem … fühlten sich meine Gefühle kompliziert an. Zu kompliziert, um sie zu erklären.„Nein“, antwortete ich schließlich leise. „Mir geht es gut. Alhamdulillah.“Yusrah starrte mich ein paar Sekunden lang an, bevor sie theatralisch den Kopf schüttelte.„Du bist viel zu ruhig für jemanden, der heute heiratet.“Ein leises Lachen entfuhr mir.„Was soll ich denn tun? Mich auf dem Boden wälzen?“„Ja“, antwortete sie schamlos.„Dann weiß ich weni
Kapitel 6LAYLAS PERSPEKTIVE„Oh? Hast du jetzt Angst?“, fragte er.Seine Stimme war leise. Sie war nicht laut. Sie war nicht schroff. Aber sie trug etwas Schwereres als Wut in sich, etwas Beherrschtes, etwas, das nicht laut werden musste, um spürbar zu sein.„Antworte mir.“Meine Finger ballten si
Kapitel 5LAYLAS PERSPEKTIVE„Nein.“Das Wort entfuhr mir, bevor ich es abmildern konnte. Ich wandte meinen Blick nicht ab. Ich hielt seinem Blick stand, ohne zu zucken, obwohl sich tief in mir etwas schmerzhaft zusammenzog.„Ich bereue es nicht.“Meine Stimme klang ruhig, zu ruhig.„Nicht ein einz
Kapitel 4LAYLAS PERSPEKTIVE„Bist du derjenige, der mich aus dem Gefängnis geholt hat?“Die Frage lag wie etwas Lebendiges im Auto, schwer und unmöglich zu ignorieren. Er antwortete nicht.Der Motor brummte gleichmäßig unter uns, doch die Stille zwischen uns fühlte sich lauter an als jedes Geräusc
Kapitel 3LAYLAS PERSPEKTIVE„Rayyan …“Sein Name entglitt meinen Lippen wie etwas Zerbrechliches. Wie etwas, das ich nicht mehr aussprechen durfte.Wie ist das möglich? Der Atem stockte mir in der Brust, als ich ihn anstarrte. Für einen Moment … verschwand alles um mich herum. Der erdrückende Druc







