LOGINDer weiße Strahl der Taschenlampe beleuchtete die monströsen Spuren.
Grace starrte auf die tiefen Furchen im Schlamm. Der Regen füllte die gezackten Krallenspuren rasend schnell mit dunklem Wasser. Die Spuren führten nicht vom Eisengitter weg. Sie umkreisten es. Die Raubtiere hatten hier gewartet. Sie waren im eisigen Platzregen auf und ab getigert und hatten genau den Moment abgepasst, in dem sich die verborgene Tür öffnen würde.
Grace schaltete die Taschenlampe aus.
Sich wieder in den pechschwarzen Wald zu stürzen, war eine furchteinflößende Notwendigkeit. Ein Lichtstrahl, der sich durch die Bäume bewegte, war ein Signalfeuer. Es lud die Jäger zum Angriff ein. Sie schob den schweren Stahlzylinder tief in ihre Jackentasche. Sie holte den Messingkompass und die gefaltete topografische Karte heraus. Sie schirmte die Werkzeuge unter der Klappe ihres Mantels ab und verließ sich auf das schwache Umgebungslicht der Blitze, die über den Himmel zuckten, um die Skala abzulesen.
Die Koordinaten wiesen nach Nordwesten. Tiefer in die schwarze Zone. Tiefer in das umstrittene Gebiet.
Grace begann zu gehen.
Der Wald kämpfte bei jedem Schritt gegen sie an. Das Gelände war ein brutaler Anstieg aus rutschigem Fels und verrottender Vegetation. Dorniges Gestrüpp verfing sich in ihren nassen Jeans und riss an dem Stoff. Der eisige Regen peitschte gegen ihr Gesicht und betäubte ihre Wangen und Lippen. Die Kälte sickerte durch ihre durchnässte Jacke und zog direkt in ihre Knochen. Sie hielt nicht an. Sie zwang ihre schweren Stiefel durch den saugenden Schlamm vorwärts und nutzte das rohe Adrenalin, das in ihren Adern brannte, um ihren Schwung aufrechtzuerhalten.
Sie war nicht allein in der Dunkelheit.
Der Sturm brüllte durch das Blätterdach und übertönte das Geräusch von Schritten, aber Grace spürte, dass die Raubtiere sie verfolgten. Das Gefühl war wie ein physisches Gewicht, das auf ihren Nacken drückte. Gelegentlich blitzte es auf und erhellte einen massiven, sich verschiebenden Schatten in ihrem peripheren Sichtfeld. Eine Gestalt, zu groß, um ein Mensch zu sein, huschte zwischen den uralten Kiefernstämmen hindurch. Ein leises, vibrierendes Knurren glitt unter das Rauschen des Windes.
Sie flankierten sie.
Die Streuner griffen nicht an. Sie trieben sie zusammen. Die Ältesten des Vance-Rudels hatten sie aus dem Anwesen geschickt, und die Männer des Onkels führten den Köder geradewegs in die Falle. Grace kannte die taktische Realität ihrer Situation. Sie war unbewaffnet. Sie war erschöpft. Sie lief in ein Söldnerlager, umgeben von wilden Monstern. Aber ihr Bruder befand sich am Ende der Koordinaten, und eine Rückkehr in den Steinkäfig des Alphas war keine Option.
Sie wanderte zwei qualvolle Stunden lang.
Die Geografie des Berges begann sich zu verändern. Der steile Anstieg flachte zu einem zerklüfteten, felsigen Plateau ab. Die dichten Kiefern lichteten sich und wurden durch massive Felsbrocken und steile Abgründe ersetzt.
Der scharfe Geruch nach nasser Kiefer und verrottender Erde verblasste. Ein neuer Geruch schnitt durch die eisige Luft.
Grace blieb stehen. Sie kauerte sich tief auf den Boden und drückte ihre Hand gegen einen kalten, nassen Felsbrocken. Sie atmete langsam ein.
Dieselabgase. Verbranntes Öl. Rohes Abwasser.
Der industrielle Gestank lag schwer und unnatürlich in der unberührten Bergluft. Unter dem heulenden Wind erschütterte eine tiefe, rhythmische Vibration den Granit unter ihren Stiefeln. Es war das tiefe, mechanische Summen schwerer Generatoren.
Grace schlich vorwärts. Sie blieb geduckt und hielt ihren Körper dicht gegen die massiven Felsen gepresst. Sie erreichte den Rand des Plateaus.
Der Boden verschwand einfach.
Grace ließ sich auf dem nassen Stein auf den Bauch fallen. Sie kroch die letzten paar Meter und spähte über die gezackte Kante der Klippe.
Unter ihr erstreckte sich eine riesige, ausgehöhlte Schlucht.
Das Ausmaß der Operation war atemberaubend. Der Onkel hatte nicht nur ein paar Morgen Holzfällergebiet gestohlen. Er hatte eine weitläufige, brutalistische Festung aus dem Grundgestein gehauen. Ein massives Tarnnetz spannte sich über die Oberseite der Schlucht und war in die umliegende Baumgrenze eingewoben. Das dunkle Netz verbarg das Lager vor Luftüberwachung und schirmte den Schein der Lichter vor dem fernen Highway ab.
Unter dem Netz war die Schlucht ein Albtraum aus Schlamm, Stahl und Blut.
Vier massive industrielle Halogentürme überfluteten den Boden der Schlucht mit blendend weißem Licht. Der Regen zischte, als er auf das heiße Glas der Glühbirnen traf. Die Mitte des Lagers bildete eine breite, kreisförmige Arena, die tief in die Erde gehauen war. Die Wände der Grube waren mit angespitzten Holzpfählen und verrosteten Eisenstangen gesäumt. Der Schlamm innerhalb des Rings war in einem dunklen, widerlichen Karmesinrot befleckt.
Das war die Kampfgrube.
Um die Arena herum befand sich ein Labyrinth aus schweren Holzerntemaschinen. Massive gelbe Bulldozer und Holzverlader liefen im Leerlauf im Schlamm. Dicke Stahlkabel durchzogen den Schlamm, befestigt an schweren Winden und massiven Stapeln roher, entrindeter Kiefernstämme.
Grace suchte das Gelände ab.
Die Armee des Onkels war riesig. Dutzende schwer bewaffnete Söldner patrouillierten auf den erhöhten Laufstegen, die an den Rändern der Schlucht errichtet worden waren. Sie trugen dunkle taktische Ausrüstung und hatten schwere automatische Gewehre bei sich. Zwischen den menschlichen Wachen befanden sich die Streuner. Massive, vernarbte Männer und Frauen in zerrissener Kleidung standen um brennende Mülltonnen herum. Ihre Augen leuchteten in dem grellen Licht mattgelb und kränklich grün. Ihnen fehlte die disziplinierte, starre Unterwerfung des Vance-Rudels. Diese Wölfe waren wild, zuckten vor aggressiver Energie und schnappten sich gegenseitig wegen Fleischabfällen an.
Grace zwang ihre Augen von den Raubtieren weg. Sie musste die Gefangenen finden. Sie musste das menschliche Pfand finden.
Sie verfolgte die schweren Stahlkabel, die von den Holzerntemaschinen wegführten. Die Kabel schlängelten sich zum anderen Ende der Schlucht und endeten an einer Reihe massiver, verrosteter Seecontainer aus Eisen. Die Metalltüren der Container waren aus den Angeln gerissen worden. Über die Öffnungen waren schwere Eisenstangen geschweißt, die die Frachtkisten in brutale, verdreckte Käfige verwandelten.
Grace kniff die Augen zusammen und spähte durch den Regen und das grelle Licht der Halogenstrahler.
Männer bewegten sich im Schlamm außerhalb der Käfige.
Es waren Menschen. Sie trugen Lumpen. Sie waren mit dickem, dunklem Schlamm und offenen, blutenden Wunden bedeckt. Schwere eiserne Halsbänder waren um ihre Hälse befestigt, verbunden mit dicken Stahlketten. Die Ketten waren an einem massiven, hölzernen Holzkarren festgemacht, der mit Tausenden von Pfund entrindeter Kiefer beladen war.
Ein Söldner stand auf der Rückseite des Karrens. Er ließ eine schwere Lederpeitsche gegen die Holzplanken knallen. Das scharfe Knallen hallte über das Dröhnen der Generatoren hinweg.
Die menschlichen Gefangenen warfen ihr Gewicht gegen die Eisenketten. Ihre Stiefel rutschten im blutigen Schlamm. Sie strengten sich in qualvollem Einklang an und zogen den massiven Karren langsam über den schlammigen Boden der Schlucht.
Grace suchte die Gesichter der angeketteten Männer ab.
Ihre Brust zog sich zusammen. Der Atem stockte in ihrer Kehle und brannte wie zersplittertes Glas. Ihre Hände umklammerten die gezackte Kante des nassen Felsbrockens, bis ihre Knöchel reinweiß wurden.
Sie fand ihn.
Er war an der linken Vorderseite des massiven Holzkarrens angespannt. Sein dunkles Haar war mit Schlamm und getrocknetem Blut verklebt. Sein Gesicht war eingefallen, seine Wangenknochen traten scharf unter der geprellten, geschwollenen Haut hervor. Seine Kleidung hing in Fetzen von seinem abgemagerten Körper. Ein schwerer violetter Bluterguss bedeckte die gesamte rechte Seite seines Kiefers. Er zog sein linkes Bein leicht nach, während er gegen das brutale Gewicht der Eisenkette drückte.
Es war ihr Bruder.
Er war am Leben. Er war gebrochen, erschöpft und wie ein Tier angekettet, aber seine Brust hob und senkte sich. Die Luft strömte in einem hektischen, verzweifelten Keuchen in Graces Lungen zurück. Die qualvolle Ungewissheit, die sie seit ihrer Ankunft in Blackridge geplagt hatte, verschwand. Der Geist, den sie gejagt hatte, war echt und er litt fünfzehn Meter unter ihr.
Grace weinte nicht. Die rohe, blutende Trauer, ihn in Ketten zu sehen, verkalkte augenblicklich zu purer, kalkulierter Wut.
Sie wandte ihren Blick von seinem geprellten Gesicht ab. Sie zwang ihren Verstand zu einem scharfen, taktischen Fokus. Sie war kein weinendes Opfer. Sie war eine Bedrohung. Und sie würde dieses Lager auseinandernehmen, um ihn da rauszuholen.
Sie begann, die Schlucht zu kartieren.
Der Grundriss war ein defensiver Albtraum. Der Boden der Schlucht war ein Engpass. Es gab nur eine Hauptzufahrtsstraße, die einen steilen, schlammigen Hang in Richtung des nördlichen Höhenrückens hinaufführte. Der Rest des Lagers war von steilen Felswänden umgeben. Die schwer bewaffneten Söldner kontrollierten die höher gelegenen Punkte auf den Metalllaufstegen. Die wilden Streuner dominierten den Schlamm unten.
Grace studierte die Patrouillenrouten.
Zwei Söldner gingen auf dem erhöhten Stahllaufsteg direkt über den Seecontainer-Käfigen. Sie bewegten sich in einem langsamen, gelangweilten Rhythmus. Sie erreichten das Ende des Laufstegs, kehrten den Käfigen den Rücken zu und patrouillierten genau vier Minuten lang am Rand entlang, bevor sie zurückkehrten.
Die Streuner waren chaotisch, aber sie mieden die schweren Maschinen. Der Lärm und die Abgase irritierten ihre geschärften Sinne. Der Pfad entlang der westlichen Felswand, der hinter den im Leerlauf befindlichen Bulldozern verlief, war ein toter Winkel.
Grace berechnete den Abstieg.
Die Felswand unter ihrem Findling war steil, aber zerklüftet. Dicke Wurzeln und tiefe Risse boten genügend Halt für einen leisen Abstieg zum Boden der Schlucht. Wenn sie ihren Abstieg in das vierminütige Fenster legte, in dem die Wachen auf dem Laufsteg ihr den Rücken zuwandten, könnte sie die Schatten hinter den Bulldozern erreichen. Von dort aus wäre sie weniger als sechs Meter von dem schweren Holzkarren entfernt, an den ihr Bruder angekettet war.
Sie hatte keinen Plan, wie sie die eisernen Halsbänder knacken sollte. Sie hatte keine Waffe, um gegen die Wachen zu kämpfen. Sie hatte nur die schwere Stahltaschenlampe in ihrer Tasche. Sie würde die Flucht in dem Moment ausarbeiten, in dem sie seine Seite erreichte. Sie würde den chaotischen Lärm der Generatoren nutzen, um ihre Flucht zu tarnen. Sie würde ihn in die schwarze Zone zerren und sich in den tiefen Schluchten verstecken, wohin die taktischen Fahrzeuge nicht folgen konnten.
Es war eine verzweifelte, fast selbstmörderische Strategie. Es war die einzige Option, die sie hatte.
Grace verlagerte ihr Gewicht auf den nassen Stein. Sie überprüfte die Position der Wachen auf dem Laufsteg. Die beiden Männer erreichten das Ende des Metallgitters. Sie hielten inne, um sich eine Zigarette anzuzünden, und schirmten die Flamme vor dem eisigen Regen ab. Sie kehrten den Käfigen den Rücken zu und begannen ihre langsame, vierminütige Patrouille an der westlichen Grenze entlang.
Das Zeitfenster war offen.
Grace schob sich rückwärts und ließ ihren Körper von der flachen Oberseite des Felsbrockens gleiten. Ihre Stiefel fanden einen schmalen Vorsprung an der steilen Felswand. Sie umklammerte eine dicke, nasse Kiefernwurzel, die aus dem Stein ragte. Sie prüfte ihr Gewicht. Die Wurzel hielt fest.
Sie begann ihren Abstieg.
Der Abstieg war qualvoll. Der Regen machte den Granit rutschig und tückisch. Grace bewegte sich mit langsamer, qualvoller Präzision. Jeder Muskel in ihren Armen schrie protestierend auf, während sie sich den senkrechten Abhang hinunterließ. Sie hielt die Augen auf den Fels gerichtet und weigerte sich, auf den schwindelerregenden Abgrund unter ihr zu schauen. Der Lärm des Industrielagers übertönte das leise Kratzen ihrer Stiefel auf dem Stein.
Sie erreichte den Boden der Schlucht.
Ihre Stiefel trafen auf den weichen, dicken Schlamm hinter dem massiven gelben Bulldozer. Der Geruch nach Dieselabgasen war hier unten erstickend. Die Hitze des laufenden Motors strömte über ihre eiskalte Haut und vermischte sich mit dem strengen Gestank von Blut und Schweiß.
Grace drückte ihren Rücken gegen die kalten Stahlketten der Maschine.
Sie spähte um das massive gelbe Schild herum. Die Wachen auf dem Laufsteg gingen immer noch in die entgegengesetzte Richtung. Die wilden Wölfe hatten sich auf der anderen Seite der Kampfgrube um die brennenden Mülltonnen versammelt und rissen an einem rohen Kadaver.
Der Holzkarren war sechs Meter entfernt.
Ihr Bruder stand im Schlamm, den Kopf gesenkt, die Hände auf die Knie gestützt, während er nach Luft schnappte. Der Söldner mit der Lederpeitsche war abgelenkt und schrie einem Mann, der eine schwere Winde auf der anderen Seite der Schlucht bediente, einen Befehl zu.
Der Weg war frei.
Grace griff in ihre Jackentasche. Ihre kalten Finger schlossen sich fest um den schweren Stahlzylinder der Taschenlampe. Sie bereitete sich darauf vor, über den offenen Schlamm zu sprinten. Sie visualisierte die Route. Sie visualisierte, wie sie den Arm ihres Bruders packte. Sie visualisierte, wie sie ihn in die Schatten zerrte.
Sie holte langsam und tief Luft und zog die eisige, verschmutzte Luft in ihre Lungen.
Sie verlagerte ihr Gewicht nach vorn, bereit, sich von den Stahlketten abzustoßen.
Die Luft um sie herum veränderte sich plötzlich.
Der erstickende Geruch nach Dieselabgasen verschwand. Er wurde augenblicklich durch den fauligen, nassen Gestank von verrottendem Fleisch, nassem Fell und heißem Kupfer ersetzt. Das Umgebungsgeräusch des im Leerlauf befindlichen Bulldozers schien zu verstummen. Das schwere, erdrückende Gewicht eines Spitzenprädators legte sich auf ihre Schultern.
Die Schatten hinter der massiven Maschine wurden unnatürlich dunkel.
Grace hatte keine Zeit, den Kopf zu drehen. Sie hatte keine Zeit, die schwere Stahltaschenlampe zu schwingen. Sie hatte keine Zeit zu schreien.
Eine massive, schwere Hand schoss aus der pechschwarzen Dunkelheit hinter ihr hervor.
Die Hand war gewaltig, die Finger dick und mit rauen taktischen Lederhandschuhen bedeckt. Der Handschuh legte sich gewaltsam über ihren Mund und ihre Nase und drückte ihre Lippen gegen ihre Zähne. Der Geschmack von altem Blut und Schmutz überflutete ihre Zunge.
Grace schlug wild um sich. Sie rammte ihren Ellbogen mit brutaler Kraft nach hinten.
Ihr Schlag traf auf eine massive Muskelwand. Der Angreifer grunzte nicht einmal. Ein zweiter massiver Arm legte sich um ihre Taille und presste ihre Arme fest an ihre Rippen. Der Griff war unausweichlich und schloss ihren Körper in einen furchteinflößenden, erdrückenden Schraubstock ein.
Eine schwere Brust presste sich gegen ihren Rücken. Die physische Hitze, die von dem Mann ausging, war intensiv, aber es war nicht der qualvolle, glühende Hochofen des Alphas. Es war eine kränkliche, aggressive Wärme.
Grace trat wild mit den Stiefeln und versuchte, im rutschigen Schlamm Halt zu finden.
Der Angreifer hob sie einfach vom Boden hoch.
Ihre Stiefel baumelten nutzlos in der Luft. Der schwere Arm um ihre Taille zog sich zu und schränkte die Ausdehnung ihrer Lungen ein. Sie keuchte gegen den erstickenden Lederhandschuh, ihre dunklen Augen waren vor Todesangst aufgerissen.
„Ruhig, kleiner Vogel“, flüsterte eine dunkle, spöttische Stimme direkt in ihr Ohr. Der Atem, der über ihre erfrorene Haut strich, roch nach verrottendem Fleisch.
Der Angreifer trat rückwärts. Er zerrte sie von dem Bulldozer weg und zog sie tief in die pechschwarzen Schatten der Schluchtwand. Grace wehrte sich mit jedem Gramm ihrer Kraft, wand und krümmte sich gegen den monströsen Griff, aber ihre Bemühungen waren nutzlos.
Sie sah zu, wie die grellen Halogenlichter der Kampfgrube in der Ferne verschwanden, während sie von der Dunkelheit verschluckt wurde. Die Falle, von der sie gewusst hatte, dass sie kommen würde, war endgültig zugeschnappt.
Die Raubtiere hatten sie nicht nur zum Lager getrieben. Sie hatten darauf gewartet, dass sie in den Käfig hinabstieg.
Die Bestie, die über Grace aufragte, trotzte den natürlichen Gesetzen der Biologie. Er war eine Kreatur, geschmiedet aus einem verrottenden Fluch und einer reinen, uralten Blutlinie. Seine Schulterhöhe maß über zwei Meter. Dichtes, pechschwarzes Fell absorbierte das grelle weiße Licht der taktischen Flutlichter, die noch immer auf dem hohen Kamm brannten. Die schiere Masse seines Körpers strahlte eine glühende, erstickende Hitze aus, die den eisigen Regen augenblicklich verdampfen ließ, sobald er sein Fell berührte.Der Geruch von heißem Kupfer durchflutete die Schlucht. Die gewaltsame Verwandlung hatte die Blutgefäße in seiner menschlichen Haut zum Platzen gebracht und sein dunkles Fell mit einem frischen, metallischen Glanz überzogen. Das Geräusch seiner letzten Knochen, die zu ihrer monströsen Form verschmolzen, hallte wie brechendes Holz wider.Er senkte seinen gewaltigen, furchteinflößenden Kopf. Sein Kiefer war ein Albtraum aus gezackten, verlängerten Zähnen. Er atmete ihren Duf
Das fahle Licht des Vollmonds wirkte wie eine ätzende Säure auf die Haut des Alphas.Andre blieb auf Händen und Knien in der Mitte der Kampfgrube. Seine massiven Schultern bebten heftig. Die Luft um ihn herum verzerrte sich in einem schweren, unnatürlichen Hitzeflimmern. Dichter weißer Dampf stieg von seinem durchnässten Hemd auf und trug den scharfen Geruch nach brennendem Blut und verrottendem Ozon in sich. Das Geräusch seiner Knochen, die brachen und sich neu ausrichteten, hallte über den abklingenden Sturm hinweg. Es war ein nasses, schweres Knirschen, das Graces Blut in den Adern gefrieren ließ.Er kämpfte gegen seine eigene Biologie. Der Fluch forderte die Bestie, aber der menschliche Verstand kämpfte darum, die Kontrolle zu behalten.Grace machte einen zögerlichen Schritt auf ihn zu. Der Schlamm sog an ihren schweren Stiefeln.„Andre“, sagte sie, ihre Stimme angespannt vor nackter Panik.„Lauf“, brüllte Andre, sein Gesicht immer noch tief im Morast. Dem Befehl fehlte sein üblic
Der kalte Stahl des Pistolenlaufs bohrte sich härter in Graces Schläfe.Der glatzköpfige Anführer hyperventilierte, seine massige Brust hob und senkte sich gegen ihren Rücken in hektischen, unregelmäßigen Rhythmen. Er roch nach ranzigem Schweiß, nackter Angst und dem strengen kupfernen Beigeschmack der abgeschlachteten Grenzwachen. Er hielt seinen schweren Unterarm fest um ihre Kehle geschlossen, schnitt ihr die Luft ab und presste sie gegen die scharfen Holzpfähle der Barrikade. Sein Finger spannte sich um den empfindlichen Abzug. Er schrie in die dunkle Leere der Schlucht und forderte, dass der Alpha sich zeige oder zusehe, wie seine Gefährtin im Schlamm sterbe.Die Dunkelheit über ihnen verschob sich.Ein massiver, schwerer Schatten löste sich von den hohen Granitfelsen, die die Arena säumten.Andre trat nicht aus der Baumgrenze. Er fiel geradewegs vom Himmel herab.Er fiel wie ein lokaler Meteor und trug das dichte, furchteinflößende Gewicht eines monströsen Raubtiers in sich. Der
Das plötzliche Fehlen des blendenden Halogenlichts stürzte die Schlucht in eine erstickende Leere.Die dicken Glaskolben zischten heftig, als der eisige Regen auf die überhitzten, zersplitterten Fragmente traf, die über den Schlamm verstreut waren. Der Übergang von strahlend weißem Licht zu pechschwarzer Dunkelheit war körperlich erschütternd. Er beraubte die Söldner im Bruchteil einer Sekunde ihres taktischen Vorteils. Die tiefen, schweren Schatten der Schlucht verschmolzen zu einer einzigen, undurchdringlichen schwarzen Wand.Grace blieb in der Mitte der Kampfgrube auf den Beinen.Sie zuckte nicht zusammen. Sie griff nicht nach einer Waffe. Sie stand vollkommen still und ließ den eisigen Regen über ihr Gesicht spülen. Sie lauschte dem hektischen, stoßweisen Atem der drei Männer, die sie umgaben. Die Luft in der Arena schmeckte nach Ozon, Schießpulver und nackter Angst.Der glatzköpfige Anführer machte blind einen Schritt rückwärts. Sein schwerer Stahlkappenstiefel schmatzte laut im
Der erstickende Lederhandschuh presste Grace gnadenlos in die dunkle Realität ihrer Gefangenschaft.Sie konnte nicht atmen. Sie konnte nicht schreien. Der massige Angreifer zerrte sie rückwärts durch den eisigen Regen und riss sie von dem im Leerlauf tuckernden gelben Bulldozer und der vorübergehenden Sicherheit der Schatten weg. Sein schwerer Arm blieb wie ein massives Eisenband um ihre Rippen geschlossen. Die schiere körperliche Kraft des Mannes machte ihr heftiges Um-sich-Schlagen nutzlos. Sie rammte ihre schweren Stiefel in seine Schienbeine. Sie kratzte an dem dicken Leder, das ihren Mund bedeckte. Er geriet nicht einmal aus dem Tritt.Der industrielle Lärm des Lagers verschluckte die Geräusche ihres Kampfes. Das schwere Dröhnen der Dieselgeneratoren und die chaotischen Rufe der Söldnerwachen übertönten ihre verzweifelte Gegenwehr.Er trug sie auf die Mitte der ausgehöhlten Schlucht zu.Das blendende Licht der massiven Halogen-Lichttürme begann die Dunkelheit zu durchbohren. Die
Der weiße Strahl der Taschenlampe beleuchtete die monströsen Spuren.Grace starrte auf die tiefen Furchen im Schlamm. Der Regen füllte die gezackten Krallenspuren rasend schnell mit dunklem Wasser. Die Spuren führten nicht vom Eisengitter weg. Sie umkreisten es. Die Raubtiere hatten hier gewartet. Sie waren im eisigen Platzregen auf und ab getigert und hatten genau den Moment abgepasst, in dem sich die verborgene Tür öffnen würde.Grace schaltete die Taschenlampe aus.Sich wieder in den pechschwarzen Wald zu stürzen, war eine furchteinflößende Notwendigkeit. Ein Lichtstrahl, der sich durch die Bäume bewegte, war ein Signalfeuer. Es lud die Jäger zum Angriff ein. Sie schob den schweren Stahlzylinder tief in ihre Jackentasche. Sie holte den Messingkompass und die gefaltete topografische Karte heraus. Sie schirmte die Werkzeuge unter der Klappe ihres Mantels ab und verließ sich auf das schwache Umgebungslicht der Blitze, die über den Himmel zuckten, um die Skala abzulesen.Die Koordinate
Die schwere Eichentür schlug zu.Das chaotische Tosen des Sturms und die erdrückende Stille des Rudels verschwanden in einem Augenblick. Die plötzliche Stille im Inneren des massiven steinernen Foyers war erschütternd. Ein massiver eiserner Kronleuchter hing von der gewölbten Decke herab und warf l
Die schwere gepanzerte Fahrertür schwang auf.Andre glitt hinter das Lenkrad. Der massive SUV neigte sich unter seinem Gewicht stark nach unten. Er schlug die Tür zu und versiegelte die Kabine. Die augenblickliche Stille im Inneren des Fahrzeugs war ohrenbetäubend und schnitt das chaotische Tosen d
Der genetische Fluch riss durch den Schädel von Andre Vance wie gezacktes, rostiges Eisen.Zehn Minuten bevor er das Mädchen am Rand der Schlucht fand, stand er tief im nördlichen Höhenrücken. Der Sturm hämmerte gegen seine breiten Schultern. Er umklammerte die raue, nasse Rinde einer massiven Kief
Grace senkte das Brecheisen nicht.Sie ließ ihre Stiefel fest im eisigen Schlamm stehen. Der starke Regen strömte über ihr Gesicht und trübte ihre Sicht. Sie blinzelte schnell, um wieder klar sehen zu können.Der Mann, der in den blassen Strahl ihrer zu Boden gefallenen Taschenlampe trat, war ein A







