登入Das plötzliche Fehlen des blendenden Halogenlichts stürzte die Schlucht in eine erstickende Leere.
Die dicken Glaskolben zischten heftig, als der eisige Regen auf die überhitzten, zersplitterten Fragmente traf, die über den Schlamm verstreut waren. Der Übergang von strahlend weißem Licht zu pechschwarzer Dunkelheit war körperlich erschütternd. Er beraubte die Söldner im Bruchteil einer Sekunde ihres taktischen Vorteils. Die tiefen, schweren Schatten der Schlucht verschmolzen zu einer einzigen, undurchdringlichen schwarzen Wand.
Grace blieb in der Mitte der Kampfgrube auf den Beinen.
Sie zuckte nicht zusammen. Sie griff nicht nach einer Waffe. Sie stand vollkommen still und ließ den eisigen Regen über ihr Gesicht spülen. Sie lauschte dem hektischen, stoßweisen Atem der drei Männer, die sie umgaben. Die Luft in der Arena schmeckte nach Ozon, Schießpulver und nackter Angst.
Der glatzköpfige Anführer machte blind einen Schritt rückwärts. Sein schwerer Stahlkappenstiefel schmatzte laut im blutigen Morast.
"Formiert euch", befahl der Anführer. Seiner Stimme fehlte das arrogante, raue Kratzen von vor wenigen Augenblicken. Sie war dünn und zitterte von einem plötzlichen, heftigen Beben. "Rücken an Rücken. Lasst ihn nicht den Perimeter flankieren."
Der Mann mit dem gebogenen Jagdmesser krabbelte rückwärts und rutschte auf der nassen Erde aus. Er stieß mit dem Söldner zusammen, der die Eisenkette hielt. Die beiden massigen Männer fluchten, drückten sich in der Dunkelheit gegeneinander und richteten ihre Waffen blind auf die Holzpfähle, die den Ring säumten. Sie bildeten ein enges Dreieck um Grace und nutzten ihre Körper als Barriere, aber sie beschützten sie nicht. Sie nutzten sie als Mittelpunkt ihrer Verteidigung.
Hoch über ihnen auf den Metallstegen gerieten die Grenzwachen in Panik.
Das harte Klappern geladener Sturmgewehre hallte durch die dunkle Schlucht. Das metallische Klicken der gelösten Sicherungshebel klang wie ein Chor brechender Knochen.
"Erleuchtet die Baumgrenze!", schrie eine Stimme vom westlichen Laufsteg.
Dem Befehl folgte augenblicklich eine ohrenbetäubende Explosion von Gewehrfeuer.
Dutzende schwere Sturmgewehre eröffneten gleichzeitig das Feuer. Der Lärm war katastrophal und zerriss den heulenden Sturm mit einem brutalen, mechanischen Rhythmus. Das Mündungsfeuer wirkte wie ein gewaltsames, unberechenbares Stroboskoplicht. Die schnellen Salven grellorangen Feuers erleuchteten den Regen in gezackten, eisigen Momentaufnahmen.
Grace sah zu, wie die Schlucht aufleuchtete.
Der Stroboskopeffekt enthüllte die schiere Todesangst von der Armee des Onkels. Die wilden Streuner, die sich um die Kampfgrube versammelt hatten, knurrten nicht mehr. Sie zerstreuten sich. Riesige Wölfe krochen auf dem Bauch durch den Schlamm und suchten verzweifelt Schutz unter den laufenden gelben Bulldozern und den schweren Holzkarren. Sie erkannten das Brüllen, das die Lichter zerstört hatte. Sie wussten, dass der Bestienkönig entfesselt worden war.
Die Söldner auf den Laufstegen feuerten blindlings in den dichten Kiefernwald. Die schweren Kugeln zerfetzten das dunkle Blätterdach, ließen dicke Äste brechen und schickten Schauer von Splittern in den Schlamm hinab. Leere Messinghülsen regneten mit einem chaotischen, klirrenden Scheppern auf das Metallgitter.
Sie trafen nichts.
Die Baumgrenze war leer. Das Gewehrfeuer riss durch den leeren Wald und antwortete nur dem Wind.
Dann begann das Schreien.
Es begann nicht im Wald. Es begann innerhalb der Schlucht, direkt unter den Metallstegen.
Ein scharfer, qualvoller Schrei durchbrach das ohrenbetäubende Brüllen der Sturmgewehre. Es war das Geräusch eines Mannes, dem gewaltsam die Kehle herausgerissen wurde. Der Schrei blubberte zu einem nassen, widerlichen Gurgeln, bevor er mit einem schweren Knacken abbrach.
Das Mündungsfeuer erleuchtete den Raum hinter dem riesigen gelben Bulldozer.
Für den Bruchteil einer Sekunde erfasste das orangefarbene Licht eine hoch aufragende, monströse Silhouette, die sich durch die Schatten bewegte. Die Gestalt war zu groß, zu breit und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit, die den Gesetzen der Physik trotzte. Die Hitze, die von der Gestalt ausging, verzerrte die Luft und verschwimmen ließ die Ränder des Albtraums.
Ein Söldner, der nahe den schweren Ketten der Maschine stand, feuerte seine Waffe direkt auf die Gestalt ab.
Der Schatten wich den Kugeln nicht aus. Er floss durch sie hindurch.
Eine riesige, von Blutergüssen übersäte Hand schoss aus der Dunkelheit hervor. Die dicken Finger schlossen sich um den Lauf des Sturmgewehrs. Die Stahlwaffe verbog sich und brach mit einem lauten, metallischen Kreischen in zwei Hälften.
Das Stroboskoplicht erlosch.
In der pechschwarzen Leere hörte Grace das entsetzliche, nasse Geräusch von menschlichem Fleisch, das von Knochen gerissen wurde. Der Söldner hatte keine Zeit, ein zweites Mal zu schreien. Ein schwerer Körper wurde gewaltsam durch die Luft geschleudert. Die Leiche prallte mit einem ohrenbetäubenden Krachen gegen das Wellblech eines Seecontainers und hinterließ einen dicken Schmierer aus dunklem Blut an der Seite der Metallkiste.
"Er ist innerhalb des Perimeters!", schrie eine Wache auf dem Laufsteg, seine Stimme brach vor nackter Hysterie. "Feuert nach unten! Feuert in den Schlamm!"
Die Wachen passten ihr Ziel an. Sie neigten ihre Gewehre nach unten und feuerten blind auf den dunklen Boden der Schlucht.
Die Kugeln fraßen sich durch den tiefen Schlamm und wirbelten schwere Fontänen aus Morast und stehendem Wasser auf. Sie trafen auf die schweren Maschinen und ließen Funken in die Nacht stieben. Sie trafen die wilden Streuner, die unter den Karren kauerten.
Die Schlucht versank in absolutem Gemetzel.
Grace stand regungslos in der Mitte der Grube. Sie verfolgte die Gewalt mit klinischem, furchteinflößendem Fokus. Jedes Mal, wenn ein Mündungsfeuer das Lager erleuchtete, suchte sie nach dem Alpha.
Er war nie zweimal am selben Ort.
Eine Wache, die am Rand des östlichen Laufstegs stand, ließ plötzlich ihre Waffe fallen. Er stieß ein atemloses Keuchen aus. Im kurzen Aufblitzen eines nahegelegenen Gewehrs sah Grace, wie sich eine riesige Hand um die taktische Weste der Wache schloss. Der Mann wurde nach hinten gerissen, gewaltsam über das Eisengeländer gezogen. Er verschwand in der dunklen Leere unter dem Laufsteg.
Ein widerliches Knirschen hallte über den Lärm des Sturms hinweg. Der Mann schlug nie auf dem Boden auf.
Der Geruch in der Schlucht veränderte sich. Der rohe, metallische Gestank nach frischem Blut überdeckte den Geruch nach Dieselabgasen. Ein dichter, schwerer Nebel aus heißem Karmesinrot sprühte durch den eisigen Regen.
Der glatzköpfige Anführer, der knapp einen Meter von Grace entfernt stand, begann zu hyperventilieren.
Seine schwere Brust hob und senkte sich unter rasenden, stoßweisen Atemzügen. Er hielt seine Hände in der Dunkelheit hoch, seine Finger zuckten heftig. Er hatte sein Leben damit verbracht, sich als Spitzenprädator aufzuspielen, Menschen zu drangsalieren und schwächere Wölfe zu terrorisieren. Nun war er in einem Holzring gefangen und wartete darauf, dass ein Monster ihn in die Dunkelheit zerrte.
"Haltet die Stellung!", schrie der Anführer und schlug dem Mann mit dem gebogenen Messer auf die Schulter. "Er muss die Barrikade überqueren, um zu uns zu gelangen. Behaltet die Pfähle im Auge!"
Der Mann mit dem Messer hörte nicht zu.
Sein Verstand riss. Das psychologische Gewicht des unsichtbaren Gemetzels brach den letzten Faden seines Mutes. Er ließ die schwere gezackte Klinge in den Schlamm fallen. Er drehte seinem Anführer den Rücken zu und sprintete auf die andere Seite der Arena, verzweifelt darauf bedacht, die Holzpfähle zu erklimmen und in den dunklen Wald zu fliehen.
"Lauf nicht weg!", brüllte der Anführer und stürzte nach vorn, um ihn zu packen.
Er verfehlte ihn.
Der Mann erreichte die Holzbarrikade. Er warf seine Hände über die zugespitzten Pfähle, seine Stiefel suchten hastig nach Halt im rutschigen Schlamm. Er wuchtete seinen Oberkörper über das gezackte Holz und machte sich bereit, sich auf der anderen Seite in die Dunkelheit fallen zu lassen.
Die Dunkelheit griff nach oben und packte ihn.
Ein massiver, brennender Schatten erhob sich auf der anderen Seite der Barrikade. Die Gestalt verdeckte das schwache Umgebungslicht der Blitze.
Der fliehende Söldner stieß einen hohen, durchdringenden Schrei aus.
Eine dicke Hand schloss sich um die Kehle des Mannes. Der Söldner wurde gewaltsam über die Pfähle gerissen. Er wurde kopfüber in die pechschwarzen Schatten gezogen.
Grace hörte den brutalen, schweren Aufschlag einer Faust, die auf einen menschlichen Schädel traf. Es klang wie ein Vorschlaghammer, der auf eine reife Melone schlug. Der Schrei verstummte augenblicklich. Ein schwerer Schwall heißer, nasser Flüssigkeit spritzte über die Holzpfähle und regnete auf den Schlamm innerhalb des Kampfrings herab.
Dicke Tropfen warmen Blutes trafen das Gesicht des glatzköpfigen Anführers.
Der Anführer taumelte rückwärts und wischte sich mit zitternder Hand den Schweiß von der Wange. Er stieß mit dem Mann zusammen, der die Eisenkette hielt.
Der Mann mit der Kette weinte.
Tränen strömten über sein vernarbtes Gesicht und vermischten sich mit dem eisigen Regen. Er schwang die schwere Eisenkette in einem weiten, panischen Kreis und versuchte, die Schatten auf Abstand zu halten. Das schwere Metall peitschte durch die Luft und erzeugte ein verzweifeltes, pfeifendes Geräusch.
"Zeig dich!", schluchzte der Mann mit der Kette und schwang die Waffe schneller. "Komm ins Licht, du verfluchter Freak!"
Ein greller Blitz zuckte über den Himmel und erleuchtete den Boden der Schlucht für eine einzige, unbarmherzige Sekunde.
Grace sah ihn.
Andre stand direkt hinter dem Mann mit der Kette.
Der Alpha machte kein Geräusch. Seine Stiefel wühlten den Schlamm nicht auf. Er war ein hoch aufragendes Monument aus wilder, glühender Gewalt. Sein durchnässtes Hemd war zerrissen und entblößte die schweren, sehnigen Muskeln seiner breiten Brust. Seine Haut war mit dem dunklen, frischen Blut der Armee des Onkels bemalt. Die tiefe, qualvolle Narbe auf seiner Wange zog sich über seinen zusammengebissenen Kiefer.
Aber seine Augen waren der wahre Terror.
Das silberne Licht brannte mit einer massiven, unheiligen Intensität. Die Pupillen waren zu riesigen schwarzen Leeren geweitet und schwammen in einem Meer aus raubtierhaftem Zorn. Er sah nicht wie ein Mann aus. Er sah aus wie die physische Manifestation des Todes.
Der Blitz verblasste. Die Dunkelheit kehrte zurück.
Die schwere Eisenkette pfiff bei ihrer nächsten Rotation durch die Luft.
Sie vollendete den Bogen nie.
Eine riesige Hand griff in die pechschwarze Leere hinaus und fing die dicken Eisenglieder im Flug auf. Das plötzliche Stoppen des Schwungs verrenkte die Schulter des Söldners.
Der Mann stieß ein verwirrtes Keuchen aus.
"Nein", flüsterte der Mann, und seine Stimme brach.
Es folgte das Geräusch brechender Knochen. Der Söldner wurde gewaltsam nach hinten gerissen. Seine Stiefel verließen den Schlamm. Er wurde direkt in die dunklen Schatten in der Nähe der östlichen Barrikade gezogen.
Der Kampf dauerte keine zwei Sekunden. Ein schweres, nasses Reißgeräusch hallte über den Regen. Ein Körper schlug mit einem dumpfen, schweren Aufprall im tiefen Morast außerhalb des Rings auf.
Das Gewehrfeuer von den Metallstegen begann nachzulassen.
Den Söldnern ging die Munition aus, oder sie rannten einfach um ihr Leben. Das chaotische Brüllen der Sturmgewehre schrumpfte auf vereinzelte, panische Schüsse zusammen. Die leeren Messinghülsen hörten auf zu fallen. Die Männer auf den erhöhten Laufstegen erkannten, dass ihre Waffen gegen einen Geist nutzlos waren. Sie verließen ihre Posten, stürzten die Metalltreppen hinunter, um in die tiefen Schluchten zu fliehen, und ließen ihren Anführer im Schlamm sterben.
Der glatzköpfige Anführer stand mit Grace allein in der Mitte des Rings.
Er zitterte heftig. Seine bernsteinfarbenen Augen huschten panisch in der pechschwarzen Arena umher. Der strenge, metallische Gestank der abgeschlachteten Wachen hing schwer in der kalten Luft. Die Stille, die in die Schlucht zurückkehrte, war unendlich viel furchteinflößender als das Gewehrfeuer.
"Alpha", würgte der Anführer hervor. Er ließ sich in den blutigen Morast auf die Knie fallen. Er hob seine Hände in der Dunkelheit und entblößte seine dicke Kehle in einer verzweifelten, verspäteten Zurschaustellung tierischer Unterwerfung. "Alpha, bitte. Der Onkel hat die Befehle erteilt. Wir haben nur den Auftrag ausgeführt."
Eine tiefe, dumpfe Vibration begann im Boden unter ihnen.
Es war ein Knurren.
Das Geräusch kam nicht aus einer einzigen Richtung. Es schien aus den Steinen der Schlucht selbst zu bluten. Es wanderte durch den Schlamm, vibrierte durch Graces schwere Stiefel nach oben und ratterte tief in ihren Rippen. Es war das dunkle, rohe Geräusch eines Raubtiers, das eine Kapitulation ablehnte.
Grace sah zu, wie der Anführer zusammenbrach.
Dem Kahlköpfigen wurde klar, dass Betteln ihn nicht retten würde. Der Bestienkönig machte keine Gefangenen. Der Alpha war aus einem einzigen Grund zur Kampfgrube gekommen, und er würde jedes Lebewesen abschlachten, das zwischen ihm und seiner Gefährtin stand.
Der Anführer drückte sich aus dem Schlamm hoch. Sein Überlebensinstinkt setzte sich über seine Unterwerfung hinweg.
Er wandte sich Grace zu.
Er stürzte sich nach vorn und überwand die Distanz zwischen ihnen. Er streckte seine massigen, vernarbten Hände aus.
Bevor seine Finger ihre nasse Jacke streifen konnten, segelte ein schwerer Gegenstand über die Holzbarrikade.
Der Gegenstand flog in einem Bogen durch den eisigen Regen und landete genau im Schlamm, direkt zwischen Grace und dem Anführer. Er schlug mit einem nassen, schweren dumpfen Geräusch im Morast auf und spritzte dunkles Blut über die Stiefel des Anführers.
Der Mann erstarrte. Er blickte in den dunklen Schlamm hinab.
Ein weiterer gezackter Blitz erleuchtete den Kampfring.
Es war ein abgetrennter menschlicher Arm.
Die Gliedmaße war grob am Schultergelenk abgerissen worden, der Knochen gesplittert und gezackt. Ein dickes Stück dunklen taktischen Stoffes hing noch am Bizeps. Die Hand war in einem starren, krallenartigen Griff erstarrt, die Finger blass und leblos im eisigen Regen.
Grace starrte auf das abgetrennte Glied. Sie erkannte den taktischen Ärmel. Er gehörte dem Söldner, der die Eisenkette geschwungen hatte.
Der Blitz verblasste, aber das Bild blieb in die Dunkelheit eingebrannt.
Bei dem glatzköpfigen Anführer riss der Faden.
Der psychologische Terror trieb ihn über den Rand des Wahnsinns hinaus. Er stieß einen hohen, gebrochenen Schrei aus. Er griff hinab zu seinem Oberschenkelholster und riss eine schwere, mattschwarze Seitenwaffe aus der Lederscheide.
Er richtete die Waffe nicht in die dunklen Schatten.
Er stürzte sich auf Grace.
Er packte den dicken Kragen ihrer feuchten Jacke und verdrehte den Stoff gewaltsam, um sie gegen seine massive Brust zu zerren. Er schloss seinen schweren Unterarm um ihre Kehle und schnitt ihr die Luftzufuhr ab. Er hob die schwere Pistole und rammte den kalten Stahllauf direkt an ihre rechte Schläfe.
Das Metall grub sich schmerzhaft in ihre Haut.
Grace keuchte auf und zerrte an seinem dicken Unterarm, aber der Mann wurde von purer, unverfälschter Panik angetrieben. Sein Griff war wie ein Schraubstock.
"Bleib zurück!", schrie der Anführer in die Dunkelheit, seine Stimme zerriss seine Stimmbänder. Er zerrte Grace nach hinten und presste seinen Rücken gegen die scharfen Holzpfähle der Barrikade. Er benutzte ihren Körper als menschliches Schutzschild und vergrub sein Gesicht hinter ihrem dunklen Haar.
Die verbliebenen wilden Streuner, die sich unter den schweren Maschinen versteckten, stießen leises, verängstigtes Wimmern aus.
"Ich jage ihr eine Kugel ins Gehirn!", brüllte der Anführer, und Spucke flog ihm von den Lippen. Er drückte den Lauf fester gegen Graces Schädel. Seine Hand zitterte heftig, sein Finger schwebte über dem empfindlichen Abzug. "Zeig dich! Tritt ins Freie, oder ich male diesen Schlamm mit ihrem Blut an! Zeig dich sofort!"
Die Stille in der dunklen Schlucht wurde schwer, dicht und erstickend.
Das Zischen des Regens und das Dröhnen der fernen Generatoren traten in den Hintergrund. Das Raubtier hatte aufgehört, sich zu bewegen.
Aus den pechschwarzen Schatten, direkt auf der anderen Seite des Kampfrings, schnitt die dunkle, raue Vibration einer Stimme durch den Sturm.
"Du hältst, was mir gehört", flüsterte der Bestienkönig.
Der Laut trug ein dunkles, tödliches Versprechen in sich. Der Albtraum versteckte sich nicht länger in den Schatten. Er trat ins Licht.
Die Bestie, die über Grace aufragte, trotzte den natürlichen Gesetzen der Biologie. Er war eine Kreatur, geschmiedet aus einem verrottenden Fluch und einer reinen, uralten Blutlinie. Seine Schulterhöhe maß über zwei Meter. Dichtes, pechschwarzes Fell absorbierte das grelle weiße Licht der taktischen Flutlichter, die noch immer auf dem hohen Kamm brannten. Die schiere Masse seines Körpers strahlte eine glühende, erstickende Hitze aus, die den eisigen Regen augenblicklich verdampfen ließ, sobald er sein Fell berührte.Der Geruch von heißem Kupfer durchflutete die Schlucht. Die gewaltsame Verwandlung hatte die Blutgefäße in seiner menschlichen Haut zum Platzen gebracht und sein dunkles Fell mit einem frischen, metallischen Glanz überzogen. Das Geräusch seiner letzten Knochen, die zu ihrer monströsen Form verschmolzen, hallte wie brechendes Holz wider.Er senkte seinen gewaltigen, furchteinflößenden Kopf. Sein Kiefer war ein Albtraum aus gezackten, verlängerten Zähnen. Er atmete ihren Duf
Das fahle Licht des Vollmonds wirkte wie eine ätzende Säure auf die Haut des Alphas.Andre blieb auf Händen und Knien in der Mitte der Kampfgrube. Seine massiven Schultern bebten heftig. Die Luft um ihn herum verzerrte sich in einem schweren, unnatürlichen Hitzeflimmern. Dichter weißer Dampf stieg von seinem durchnässten Hemd auf und trug den scharfen Geruch nach brennendem Blut und verrottendem Ozon in sich. Das Geräusch seiner Knochen, die brachen und sich neu ausrichteten, hallte über den abklingenden Sturm hinweg. Es war ein nasses, schweres Knirschen, das Graces Blut in den Adern gefrieren ließ.Er kämpfte gegen seine eigene Biologie. Der Fluch forderte die Bestie, aber der menschliche Verstand kämpfte darum, die Kontrolle zu behalten.Grace machte einen zögerlichen Schritt auf ihn zu. Der Schlamm sog an ihren schweren Stiefeln.„Andre“, sagte sie, ihre Stimme angespannt vor nackter Panik.„Lauf“, brüllte Andre, sein Gesicht immer noch tief im Morast. Dem Befehl fehlte sein üblic
Der kalte Stahl des Pistolenlaufs bohrte sich härter in Graces Schläfe.Der glatzköpfige Anführer hyperventilierte, seine massige Brust hob und senkte sich gegen ihren Rücken in hektischen, unregelmäßigen Rhythmen. Er roch nach ranzigem Schweiß, nackter Angst und dem strengen kupfernen Beigeschmack der abgeschlachteten Grenzwachen. Er hielt seinen schweren Unterarm fest um ihre Kehle geschlossen, schnitt ihr die Luft ab und presste sie gegen die scharfen Holzpfähle der Barrikade. Sein Finger spannte sich um den empfindlichen Abzug. Er schrie in die dunkle Leere der Schlucht und forderte, dass der Alpha sich zeige oder zusehe, wie seine Gefährtin im Schlamm sterbe.Die Dunkelheit über ihnen verschob sich.Ein massiver, schwerer Schatten löste sich von den hohen Granitfelsen, die die Arena säumten.Andre trat nicht aus der Baumgrenze. Er fiel geradewegs vom Himmel herab.Er fiel wie ein lokaler Meteor und trug das dichte, furchteinflößende Gewicht eines monströsen Raubtiers in sich. Der
Das plötzliche Fehlen des blendenden Halogenlichts stürzte die Schlucht in eine erstickende Leere.Die dicken Glaskolben zischten heftig, als der eisige Regen auf die überhitzten, zersplitterten Fragmente traf, die über den Schlamm verstreut waren. Der Übergang von strahlend weißem Licht zu pechschwarzer Dunkelheit war körperlich erschütternd. Er beraubte die Söldner im Bruchteil einer Sekunde ihres taktischen Vorteils. Die tiefen, schweren Schatten der Schlucht verschmolzen zu einer einzigen, undurchdringlichen schwarzen Wand.Grace blieb in der Mitte der Kampfgrube auf den Beinen.Sie zuckte nicht zusammen. Sie griff nicht nach einer Waffe. Sie stand vollkommen still und ließ den eisigen Regen über ihr Gesicht spülen. Sie lauschte dem hektischen, stoßweisen Atem der drei Männer, die sie umgaben. Die Luft in der Arena schmeckte nach Ozon, Schießpulver und nackter Angst.Der glatzköpfige Anführer machte blind einen Schritt rückwärts. Sein schwerer Stahlkappenstiefel schmatzte laut im
Der erstickende Lederhandschuh presste Grace gnadenlos in die dunkle Realität ihrer Gefangenschaft.Sie konnte nicht atmen. Sie konnte nicht schreien. Der massige Angreifer zerrte sie rückwärts durch den eisigen Regen und riss sie von dem im Leerlauf tuckernden gelben Bulldozer und der vorübergehenden Sicherheit der Schatten weg. Sein schwerer Arm blieb wie ein massives Eisenband um ihre Rippen geschlossen. Die schiere körperliche Kraft des Mannes machte ihr heftiges Um-sich-Schlagen nutzlos. Sie rammte ihre schweren Stiefel in seine Schienbeine. Sie kratzte an dem dicken Leder, das ihren Mund bedeckte. Er geriet nicht einmal aus dem Tritt.Der industrielle Lärm des Lagers verschluckte die Geräusche ihres Kampfes. Das schwere Dröhnen der Dieselgeneratoren und die chaotischen Rufe der Söldnerwachen übertönten ihre verzweifelte Gegenwehr.Er trug sie auf die Mitte der ausgehöhlten Schlucht zu.Das blendende Licht der massiven Halogen-Lichttürme begann die Dunkelheit zu durchbohren. Die
Der weiße Strahl der Taschenlampe beleuchtete die monströsen Spuren.Grace starrte auf die tiefen Furchen im Schlamm. Der Regen füllte die gezackten Krallenspuren rasend schnell mit dunklem Wasser. Die Spuren führten nicht vom Eisengitter weg. Sie umkreisten es. Die Raubtiere hatten hier gewartet. Sie waren im eisigen Platzregen auf und ab getigert und hatten genau den Moment abgepasst, in dem sich die verborgene Tür öffnen würde.Grace schaltete die Taschenlampe aus.Sich wieder in den pechschwarzen Wald zu stürzen, war eine furchteinflößende Notwendigkeit. Ein Lichtstrahl, der sich durch die Bäume bewegte, war ein Signalfeuer. Es lud die Jäger zum Angriff ein. Sie schob den schweren Stahlzylinder tief in ihre Jackentasche. Sie holte den Messingkompass und die gefaltete topografische Karte heraus. Sie schirmte die Werkzeuge unter der Klappe ihres Mantels ab und verließ sich auf das schwache Umgebungslicht der Blitze, die über den Himmel zuckten, um die Skala abzulesen.Die Koordinate
Der genetische Fluch riss durch den Schädel von Andre Vance wie gezacktes, rostiges Eisen.Zehn Minuten bevor er das Mädchen am Rand der Schlucht fand, stand er tief im nördlichen Höhenrücken. Der Sturm hämmerte gegen seine breiten Schultern. Er umklammerte die raue, nasse Rinde einer massiven Kief
Grace senkte das Brecheisen nicht.Sie ließ ihre Stiefel fest im eisigen Schlamm stehen. Der starke Regen strömte über ihr Gesicht und trübte ihre Sicht. Sie blinzelte schnell, um wieder klar sehen zu können.Der Mann, der in den blassen Strahl ihrer zu Boden gefallenen Taschenlampe trat, war ein A
Grace drehte den Zündschlüssel um. Der Motor ihrer Limousine stotterte, hustete eine Wolke dunkler Abgase in den eisigen Regen und sprang schließlich an.Die Heizung war kaputt. Zitternd saß sie auf dem rissigen Ledersitz und klammerte sich an das Lenkrad. Ihre Knöchel spiegelten das blasse Weiß de
Das eiserne Schloss der Kellertür gab mit einem heftigen, metallischen Kreischen nach. Grace ließ das schwere eiserne Brecheisen auf den Linoleumboden fallen. Das Metall schepperte laut in dem leeren Foyer. Der Empfangsschalter war verlassen. Martha war geflohen und hatte ihren Computermonitor leuc







