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Vom Fluch Gezeichnet Alpha
Vom Fluch Gezeichnet Alpha
作者: Zaria

Die klammen Kiefern

作者: Zaria
last update 公開日: 2026-06-13 20:07:59

Die verrosteten Türen des Linienbusses öffneten sich ächzend. Der Fahrer blickte nicht zurück. Er hielt seine Hände fest um das Lenkrad geschlossen, seine Knöchel traten weiß unter der gedämpften Kabinenbeleuchtung hervor.

Grace trat hinab in den eisigen Platzregen.

Ihre Stiefel trafen mit einem schweren, schmatzenden Geräusch auf die aufgeweichte Erde. Schlamm spritzte über ihre Knöchel und durchnässte die ausgefransten Säume ihrer Jeans. Die Kälte kam sofort und war bösartig. Sie biss sich in ihre Haut und trug den scharfen, überwältigenden Geruch von nassen Kiefern und verrottendem Holz in sich.

Der Busfahrer drückte den Knopf, um die Türen zu schließen, noch bevor sie die Stufen vollständig verlassen hatte. Das hydraulische Zischen schnitt durch das Rauschen des Regens. Das schwere Fahrzeug machte einen Satz nach vorn, die Reifen drehten im Matsch durch, bevor sie auf dem rissigen Asphalt Halt fanden. Rote Rücklichter bluteten in den dichten Bergnebel und verschwanden die kurvenreiche Straße hinab.

Grace stand allein am Rand der Baumgrenze.

Blackridge County hieß keine Fremden willkommen. Die Warnung stand auf keinem Schild gedruckt. Sie war tief in die Atmosphäre eingebrannt. Die hoch aufragenden Kiefern thronten wie Gefängnisgitter über der zweispurigen Straße und schlossen die Nachmittagssonne aus. Dichter Nebel kroch über den Waldboden und verbarg die tiefen Schluchten und schroffen Felsen.

Sie griff fester um die Riemen ihrer Segeltuchtasche. Regenwasser klebte ihr dunkles Haar an die Wangen. Sie zitterte nicht. Sie blickte nicht die Fernstraße zurück.

Sie wandte ihr Gesicht der Ansammlung von Gebäuden zu, die sich in den Talgrund schmiegten.

Der Weg in die Stadt war eine zwei Meilen lange Strecke auf einer trostlosen Straße. Grace schlug ein brutales Tempo an. Ihre Stiefel trafen in einem stetigen, unerbittlichen Rhythmus auf den Asphalt. Der Sturm peitschte gegen ihre Jacke und stellte ihre Ausdauer auf die Probe, doch ihr Blick blieb starr auf die grauen Dächer vor ihr gerichtet.

Massive Holztransporter donnerten alle paar Minuten an ihr vorbei. Sie wirbelten blendende Schichten aus schmutzigem Regenwasser auf und zwangen sie, auf den unbefestigten Seitenstreifen der Straße auszuweichen. Jeder Lastwagen trug das gleiche Abzeichen an der Seite seines Metallaufbaus. Ein strenger, schwarzer Wolfskopf vor dem Hintergrund gekreuzter Äxte. Die Vance Logging Company.

Der Boden bebte noch lange, nachdem die Lastwagen im Nebel verschwunden waren. Allein ihr schieres Gewicht fühlte sich wie eine Bedrohung an. Ihnen gehörte die Straße. Ihnen gehörte das Holz. Ihnen gehörte die Stadt.

Grace wischte sich das eisige Wasser aus den Augen und ging weiter.

Die Randgebiete von Blackridge sahen aus wie ein Friedhof gescheiterter Unternehmen. Verrammelte Tankstellen verrotteten hinter Maschendrahtzäunen. Verblichene Werbetafeln priesen Diners an, die schon vor Jahrzehnten niedergebrannt waren. Die einzigen makellosen Strukturen waren die neu errichteten Stahltore, die die privaten Feldwege bewachten, welche von der Hauptstraße abzweigten.

An diesen Toren hingen schwere Eisenschilder. Privatbesitz. Unbefugtes Betreten wird strafrechtlich verfolgt.

Grace starrte auf die dichte Baumwand hinter den Eisenstäben. Die Schatten zwischen den Kiefern waren unnatürlich dunkel. Die Stille unter dem heulenden Wind fühlte sich schwer an, als hielte der Wald selbst den Atem an. Sie spürte den plötzlichen, irrationalen Drang zu rennen, während ein animalischer Adrenalinschub über ihren Rücken jagte.

Sie zwang sich, den Blick abzuwenden, und konzentrierte sich auf den nassen Asphalt.

Die Hauptstraße von Blackridge war größtenteils leer. Ein paar Einheimische eilten über die rissigen Bürgersteige, die Köpfe gegen den Wind eingezogen. Sie trugen dicke, dunkle Mäntel. Keiner von ihnen hatte einen Regenschirm dabei. Sie bewegten sich mit einer hastigen, nervösen Energie, verzweifelt bemüht, ins Innere zu gelangen, bevor die Sonne vollständig hinter den Bergen versank.

Grace kam an einem Diner mit flackernden Neonlichtern im Fenster vorbei. Ein Mann, der in einer Ecknische saß, blickte von seinem Kaffee auf. Er sah ihr durch das regengestreifte Glas in die Augen. Sein Ausdruck wandelte sich von leichter Neugierde zu eklatanter Panik. Schnell wandte er den Blick ab und rutschte tiefer in seinen Kunstledersitz.

Angst war die Hauptwährung in Blackridge.

Sie erreichte das Ende der Straße. Das Bezirksarchiv lag auf der Kuppe eines kleinen Hügels, getrennt von den restlichen Geschäftsgebäuden durch einen rissigen Parkplatz. Es war ein brutalistischer Block aus grauem Stein mit schmalen Fenstern. Wasser strömte aus den verstopften Dachrinnen und ergoss sich wie ein schlammiger Wasserfall über die Steinstufen.

Grace stieg die Treppe hinauf. Ihre Beine brannten vor Kälte und dem langen Fußmarsch, doch ihre Haltung blieb aufrecht. Sie erreichte den oberen Absatz und griff nach dem Messinggriff der schweren Eichentür.

Sie drückte sie auf und trat ein.

Die plötzliche Stille im Inneren war erschütternd. Die dicken Steinmauern sperrten die Geräusche des Sturms draußen aus. Die Luft im Gebäude roch nach altem Kaffee, nasser Wolle und verfallendem Papier. Leuchtstoffröhren summten leise und unregelmäßig über ihr.

Grace ließ ihre Segeltuchtasche auf den Linoleumboden fallen. Der dumpfe Schlag hallte durch das leere Foyer.

Eine Frau saß hinter einer dicken Scheibe aus kugelsicherem Glas am Empfangsschalter. Sie blickte von einem Stapel gelblicher Aktenordner auf, mit weit aufgerissenen Augen. Sie war Ende fünfzig, ihr ergrauendes Haar war streng zu einem Knoten zurückgebunden. Eine beigefarbene Strickjacke war eng bis zum Hals zugeknöpft. Auf einem Messingschildchen auf dem Tresen stand Martha.

Martha starrte auf die Wasserpfütze, die sich rasch um Graces Stiefel bildete.

„Wir haben geschlossen“, sagte Martha. Ihre Stimme klang dünn, angespannt. „Die Öffnungszeiten besagen eindeutig, dass wir die Türen um vier abschließen.“

Grace blickte auf die analoge Uhr an der Wand. Der rote Sekundenzeiger tickte an der Zwölf vorbei.

„Es ist drei Uhr fünfundfünfzig“, sagte Grace.

Sie ging auf den Tresen zu. Ihre Stiefel quietschten auf dem nassen Boden. Sie griff in die Innentasche ihrer klammen Jacke und holte ein gefaltetes Stück Zeitungspapier heraus. Sie glättete es mit dem Handballen gegen die Glastrennwand.

„Ich bin wegen der Stelle als Archivarin hier“, sagte Grace.

Martha blickte von dem nassen Zeitungsausschnitt in Graces Gesicht. Der Kiefer der älteren Frau spannte sich an. Ihre Augen huschten zu der schweren Holztür hinter dem Schreibtisch, jener, die hinab in die Kellergeschosse führte.

„Diese Anzeige ist veraltet“, sagte Martha schnell. Sie mischte ihre Aktenordner durcheinander und weigerte sich, Blickkontakt herzustellen. „Die Stelle ist nicht mehr verfügbar. Sie müssen gehen. Ich schließe ab.“

Grace nahm ihre Hand nicht vom Glas. „Die Anzeige wurde vor drei Tagen in der Staatszeitung veröffentlicht. Per Gesetz müssen Stellen des Bezirks mindestens zwei Wochen lang für Bewerbungen offenbleiben. Sie haben die Position nicht besetzt.“

Marthas Hände begannen zu zittern. Sie ließ einen Ordner fallen, sodass lose Papiere über ihren Schreibtisch flogen. Sie bückte sich nicht, um sie aufzuheben.

„Sie verstehen das nicht“, flüsterte Martha. Sie lehnte sich näher an das kleine Sprechgitter, das in das Glas eingelassen war. „Dies ist kein Ort für Außenseiter. Das Archiv ist ein Keller, der mit alten Eigentumsurkunden und vergessenen Steuerakten überflutet ist. Es ist schmutzige Arbeit. Es ist gefährliche Arbeit.“

„Gefährlich“, wiederholte Grace ausdruckslos. „Papier zu ordnen ist gefährlich.“

„In Blackridge schon.“ Martha schluckte schwer. Die Sehnen an ihrem Hals traten scharf hervor. „Sie müssen wieder in den Bus steigen. Sie müssen dorthin zurückkehren, wo immer Sie herkommen, bevor die Sonne untergeht.“

„Der Bus fährt erst am Dienstag wieder“, sagte Grace.

Sie beugte sich näher ans Glas. Ihre dunklen Augen bohrten sich in Marthas verängstigten Blick.

„Und ich werde nicht gehen, bis Sie mir die Bewerbungsunterlagen aushändigen“, fügte Grace hinzu. Ihre Stimme war ruhig, fest und völlig frei von jeglichem Zögern.

Martha trat einen Schritt zurück. Ihre Hand schwebte über dem schwarzen Wählscheibentelefon, das am Rand ihres Schreibtisches stand. „Ich werde den Sheriff rufen. Ich werde Sie wegen Hausfriedensbruch entfernen lassen.“

„Rufen Sie ihn an“, forderte Grace sie heraus. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Sagen Sie ihm, ein neunzehnjähriges Mädchen versucht, sich während der gesetzlichen Geschäftszeiten für eine öffentliche Stelle zu bewerben. Ich bin sicher, er hat nichts Besseres zu tun. Mal sehen, wie lange er bei diesem Sturm braucht, um hierher zu kommen.“

Die Stille dehnte sich zwischen ihnen aus. Das Summen der Deckenbeleuchtung wurde lauter. Der Regen prasselte gegen die hohen, schmalen Fenster des Foyers.

Martha starrte Grace an. Sie suchte im Gesicht der jungen Frau nach einem Anzeichen von Schwäche, nach einem Hauch jener Angst, die jedes andere Leben in dieser Stadt diktierte. Sie fand nichts. Grace stand da wie eine Statue, gemeißelt aus dem gefrierenden Regen draußen, unverrückbar und unnachgiebig.

Marthas Schultern sanken herab. Sie zog ihre Hand vom Telefon zurück.

„Sie machen einen Fehler“, sagte Martha. Ihre Stimme sank zu einem kaum hörbaren Krächzen. „Leute, die in Blackridge im Dunkeln graben, kommen nicht wieder heraus.“

„Darüber bin ich mir im Klaren“, sagte Grace.

Martha schloss eine Schublade unter ihrem Schreibtisch auf. Die Metallschienen kreischten protestierend. Sie holte ein Klemmbrett mit einem dicken Stapel Einstellungsformulare heraus. Sie schob es durch den schmalen Schlitz unten an der Glastrennwand.

„Der Keller ist unbeheizt“, sagte Martha, und ihr Tonfall wurde als Abwehrmechanismus knapp und professionell. „Die Akten sind ein einziges Chaos. Jahrzehnte von Grundstücksgrenzen, Holzeinschlagserlaubnissen und Landstreitigkeiten. Die Hälfte der Kisten hat Wasserschäden. Die andere Hälfte gehört der Vance-Familie.“

Martha hielt inne und ließ den Namen in der schweren Luft hängen.

„Wenn Sie eine Kiste finden, auf deren Deckel ein schwarzer Wolf gestempelt ist“, fuhr Martha fort, während ihre Stimme erneut zitterte, „öffnen Sie sie nicht. Sie katalogisieren sie nicht. Sie tun so, als würde sie nicht existieren. Verstehen Sie mich?“

Grace nahm das Klemmbrett. Der Metallclip fühlte sich kalt auf ihrer feuchten Haut an.

„Ich weiß, wie man einen Raum organisiert“, sagte Grace.

Sie zog einen billigen Plastikkugelschreiber aus ihrer Tasche und klickte ihn auf. Sie begann das oberste Blatt direkt dort am Tresen auszufüllen. Ihre Handschrift war kantig, zackig und schnell. Sie hielt nicht inne, um nachzudenken. Sie zögerte nicht beim Abschnitt für den Notfallkontakt. Sie ließ ihn leer.

Martha sah ihr beim Schreiben zu. „Der letzte Junge, der diesen Job angenommen hat, hörte nicht zu“, flüsterte sie, wobei ihr die Worte entglitten, als könnte sie sie nicht zurückhalten. „Er fing an, die alten Gebietskarten der Vances hervorzuholen. Er begann Fragen über Grenzen zu stellen, die sich in der Nacht verschoben.“

Grace hörte auf zu schreiben. Die Spitze ihres Stifts drückte sich hart ins Papier.

„Er verschwand vor drei Wochen“, sagte Martha mit weit aufgerissenen, gequälten Augen. „Er lief in die Baumgruppe hinter dem Sägewerk und der Wald hat ihn im Ganzen verschluckt. Der Sheriff behauptete, er sei weggelaufen. Alle anderen kennen die Wahrheit.“

Grace hob langsam den Kopf. Sie begegnete Marthas verängstigtem Blick durch die dicke Glasscheibe. Das Neonlicht warf dunkle Schatten unter Graces Augen und ließ sie älter, schärfer und weitaus gefährlicher aussehen als eine Teenagerin, die auf der Suche nach einem Ablagejob war.

„Ich kenne die Wahrheit auch“, sagte Grace. Ihre Stimme war ein leises, stetiges Summen, das die Stille des Raumes zerschnitt.

Sie schob die ausgefüllte Bewerbung durch den Schlitz zurück und drückte sie so weit, bis sie gegen Marthas zitternde Finger stieß.

„Dieser Junge war mein Bruder“, sagte Grace. „Und nun geben Sie mir die Schlüssel für den Keller.“

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