INICIAR SESIÓNJolene
Mein Kopf drehte sich langsam, und meine Augen trafen die seinen.
Er hatte kurzes dunkles Haar und dunkle Augen. Seine Kieferlinie war perfekt. Das Gesicht einer Art, das Frauen unfassbare Dinge tun lässt.
Wer ist dieser gefallene Engel?
Warum hat er mir einen Drink spendiert?
Und warum starrt er mich so an?
Er stand auf. Er war groß, und seine Schultern waren breit unter dem dunklen Hemd.
Mein Mund fiel auf.
Es musste der Alkohol sein, der ihn bewunderte, denn die nüchterne Jolene bewundert keine Menschen.
Schon gar nicht Männer.
Männer sind keine guten Menschen.
„Darf ich mich setzen?“, kam seine tiefe Stimme heraus, leise und rau.
Ein plötzlicher Hitzeschub durchfuhr mich.
Was stimmt nicht mit mir?
Ich sollte diesen Ort verlassen, bevor ich mich blamiere.
Trotzdem zeigte ich auf den Platz vor mir.
Er setzte sich.
Seine Augen ließen die meinen nicht los.
Der Kellner kam mit meinem Wodka und stellte ihn ab.
„Blended Whiskey“, sagte der Mann.
Der Kellner nickte und ging.
„Danke für den Drink“, sagte ich tonlos. „Aber ich wollte gerade gehen.“
Der Boden kippte, als ich meine Beine bewegte.
Er stieß ein kurzes Lachen aus, seine Hand schwebte in der Nähe meines Ellbogens. „Oh nein“, sagte er. „Geh noch nicht. Wir haben uns gerade erst getroffen. Und ich muss mit dir reden.“
Ich merkte gar nicht, wann er kam und sich neben mich setzte.
Der Kellner kam und stellte die Whiskeyflasche vor uns ab.
„Willst du mit mir ein paar Drinks teilen?“
Ich nickte.
Meine Augen waren inzwischen nur noch halb geöffnet.
***
Ich wachte auf vom lauten Platschen von Wasser im Badezimmer.
Ich versuchte mich zu bewegen, aber mein Kopf pochte.
„Argh!“, stöhnte ich.
Ich werde nie wieder Alkohol trinken.
Ich griff nach meinem Handy, das auf dem Nachttisch lag.
Sechsunddreißig verpasste Anrufe, fünfundzwanzig Sprachnachrichten und achtzehn Textnachrichten von Wendy.
Ich muss sie zurückrufen und ihr sagen, dass es mir gut geht.
Ich setzte mich im Bett auf, als die Erkenntnis mich wie Eiswasser traf.
Das Letzte, woran ich mich erinnerte, war, dass ich gestern Abend in Groovys war und mit einem Fremden zusammensaß.
Ich sah mich um.
Wie bin ich hierhergekommen?
Dieser Ort sieht mir nicht vertraut aus.
Wurde ich entführt?
Wer ist im Badezimmer?
Ich muss hier raus.
Sofort.
Ich sprang aus dem Bett, und kalte Luft traf meine Haut. Ich war völlig nackt. Meine Kleidung lag verstreut auf dem Boden.
In dem Moment kamen die Erinnerungen in widerlichen Blitzen zurück.
Der Mund des Fremden auf meinem, weiche Küsse, die von meinen Lippen zu meinem Hals wanderten. Meine Arme und Beine eng um ihn geschlungen, während er mich sanft streichelte. Ich, die jeden einzelnen Strich liebte und nie wollte, dass er aufhörte.
Mein Herz begann zu pochen. Ich legte die Hände auf den Kopf und grub die Finger in meine Kopfhaut.
Was habe ich getan?
Wie konnte ich das zulassen?
Ich griff hastig nach meiner Kleidung und zog sie schnell an. Meine Hände zitterten so stark, dass ich den Reißverschluss zweimal verfehlte.
Ich hoffe, er denkt nicht, dass wir jetzt irgendetwas sind, nur weil wir letzte Nacht Sex hatten.
Und vor allem hoffe ich, dass er weiß, dass ich nicht so eine bin.
Ich war betrunken.
Wir beide waren betrunken.
Und ich war hungrig nach Berührung.
Es war ein Fehler.
Die Badezimmertür klickte und öffnete sich.
Dampf quoll heraus, und mein Atem stockte.
Er kam heraus, ein Handtuch tief um die Hüften geschlungen. Wasser tropfte von seinem Haar über den Kiefer.
Meine Augen wanderten zu seiner breiten Brust, bevor ich sie stoppen konnte.
Ein Halbgott.
Ich merkte, dass es gestern Abend nicht der Alkohol war, der ihn bewunderte.
Er starrte mich an.
„Du bist wach“, sagte er.
„Was ist letzte Nacht passiert?“, fragte ich tonlos.
Er rieb sich mit einer Hand den feuchten Nacken.
Ich warf einen Blick auf seinen Bizeps, bevor ich mich zurückhalten konnte, und riss die Augen dann wieder zu seinem Gesicht.
„Was hast du letzte Nacht mit mir gemacht?“, fragte ich.
„Ich war betrunken, okay“, sagte er ruhig. „Und du hast danach gefragt.“
Die Erinnerung traf mich erneut.
Er hatte recht. Ich hatte im Bar danach gefragt, und ich hatte jeden Moment genossen. Ich hatte sogar nach mehr verlangt.
Mein Gesicht wurde heiß. Ich wünschte, der Boden würde sich öffnen und mich verschlingen.
„Wer bist du?“, kam meine Stimme trocken heraus.
Er sagte nichts.
Ich beobachtete ihn, wie er zum Sofa am Fenster ging und die schwarze Jeans nahm, die er gestern Abend getragen hatte.
Er holte seine Geldbörse aus der Tasche und klappte sie mit dem Daumen auf.
Warte.
Wollte er mir Geld geben?
Dachte er, ich sei eine Prostituierte?
Was für eine Frechheit!
Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Was glaubst du, was du da tust?“, zischte ich. „Was hast du vor? Du willst mich abfinden, stimmt’s? Glaubst du, ich bin eine billige Prostituierte?“
Er erstarrte und hob den Blick langsam zu mir.
„Was?“, kniff er die Augen zusammen.
„Du hast mich gehört!“, meine Stimme war jetzt laut. „Du abgebrannter Bar-Herumtreiber, der seinen ganzen Lohn dafür ausgibt, wildfremden Mädchen Drinks zu kaufen, nur damit er sich wie ein Mann fühlt!“
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.
Die kalte Maske riss.
Ich hatte seine Gefühle verletzt.
Sofort stach Schuld in mich.
Aber so konnte ich das nicht stehen lassen.
Er hatte auch meine Gefühle verletzt.
„Wenn du das nächste Mal ein anderes Mädchen aussuchst, sorg dafür, dass sie in derselben Liga ist wie du. Ich will dein Gesicht nie wieder sehen.“
Ich rannte halb zum Sofa und griff nach meinem Mantel, riss ihn heftig an mich.
Er stand wie erstarrt da, die Geldbörse noch offen in der Hand.
Ich ging an ihm vorbei und stieß ihn hart mit der Schulter.
„Billiger Typ.“
Ich stieß die Tür auf und knallte sie hinter mir zu.
JoleneMein Herz begann so laut zu schlagen, dass ich es in den Ohren hören konnte.„Albion Correctional Facility?“ Meine Stimme war dünn.„Die Beamten im Rose M. Singer Center haben plötzlich über Überbelegung geklagt“, sagte Mr. Warner. „Es ist eine Notfall-Überlaufverlegung. Sie bringen einige Inhaftierte mit einem Vertragsbus. Ihre Mutter steht auf der Liste.“Ich dachte, ich würde zusammenbrechen.„Aber Albion ist etwa sechs Stunden entfernt.“Warner fing an, etwas über das Einreichen eines Antrags zu sagen, aber seine Stimme kam gedämpft in meinen Ohren an.Das hatte Harold und Diana in großen Lettern geschrieben.„Im Moment kann ich nichts weiter tun“, war das Letzte, was ich von Warner hörte.„Danke, Mr. Warner“, sagte ich, meine Stimme jetzt ruhig und leise.„Warner kann nichts tun, aber ich kann etwas tun“, flüsterte ich zu mir selbst.Ich setzte mich vor den Spiegel und bürstete mein Haar, bis es weich an meiner Haut lag.Meine Foundation war zu hell, aber ich verblendete s
JoleneReid hörte nicht auf.Er griff an mir vorbei, direkt an meinem Ohr vorbei.Ich hörte das leise Klicken, als die Autotür entriegelt wurde. Sein Arm hielt mich immer noch gefangen. Sein Gesicht war nur Zentimeter von meinem entfernt. Ich spürte seinen Atem, warm auf meinem Gesicht.„Ich mache die Tür für dich auf“, flüsterte er. „Was dachtest du, was ich tue?“Hitze schoss mir den Nacken hoch bis ins Gesicht.„Da springst du wieder zu Schlussfolgerungen“, sagte er, die Augen immer noch auf mich gerichtet.Ich sah schnell weg.Ich starrte auf den Regen, der das Fenster herunterlief. Auf den Ledersitz.Auf alles, nur nicht auf sein Gesicht.Dann zog er sich zurück. Ich hatte nicht gemerkt, wie warm er war, bis er nicht mehr da war.Ich stieß die Tür auf und kalte Luft traf meine Haut auf einmal, und Gänsehaut kroch meine Arme hinauf.Meine Zähne knirschten.„Du kannst meine Jacke haben“, sagte Reid. Er streifte sie schon ab.„Mir geht’s gut. Das musst du nicht.“„Ich will nicht, da
ReidJolene muss sich an ihrem eigenen Speichel verschluckt haben.Der Laut, der ihr entfuhr, war kein Husten.Ihre Schultern zitterten heftig, während sie sich eine Hand vor den Mund schlug.Sie griff nach der Wasserflasche auf dem Tisch. Sie drehte den Deckel ab, warf den Kopf in den Nacken und trank, bis sie leer war.Meine Augen blieben auf ihr.Sie setzte die Flasche mit einem leisen Aufprall ab.„Es tut mir leid“, sagte sie, nachdem sie sich wieder gefangen hatte. Ihre Stimme brach. „Haben Sie etwas von Heirat gesagt?“Ich holte das Dokument aus meinem Anzug und schob es über den Tisch zu ihr.Sie nahm es und las laut vor, was fett auf der Titelseite stand.„Konto eingefroren – ausstehende Bundesprüfung.“„Ich habe alles verloren, was ich aufgebaut hatte, während ich in Russland war“, sagte ich, während sie die erste Seite aufschlug. „Nach dem College habe ich das Familienunternehmen verlassen, um etwas Eigenes aufzubauen – eine Logistiksoftware, die alles trackt. Baumateriali
ReidIch entdeckte sie ganz hinten, wie sie versuchte, ihr Gesicht zu verstecken.Selbst in einem Raum mit über hundert Menschen stach sie hervor. Sie hatte sich in ihren Stuhl geduckt und benutzte Wendy als menschlichen Schutzschild.Jolene Wilson.Tochter von Heather Bryson und Harold Wilson, die inzwischen geschieden sind.Ex von Dylan Travis.Ich grinste für mich.„Guten Tag, alle zusammen“, sagte ich, sobald der Applaus verebbt war. Ich zog die Hände aus den Taschen. „Ich weiß, dass die letzten Wochen für keinen von uns einfach waren. Mein Vater hat sehr positiv über euch gesprochen. Ich bin nicht hier, um ihn zu ersetzen. Ich bin nur hier, um fortzusetzen, was er aufgebaut hat. Ich freue mich darauf, mit euch allen zusammenzuarbeiten, und die Türen zu meinem Büro werden immer offen stehen. Danke.“Höflicher Applaus folgte.Ich schaute wieder nach hinten. Ihr Gesicht war inzwischen komplett rot. Ihre Augen waren auf den Tisch gerichtet und weigerten sich, die meinen zu treffen.I
JoleneIch trat aus dem Badezimmer, ein Handtuch eng um die Brust geschlungen.Wendy saß am Spiegel und bürstete sich die Haare.„Danke, dass ich wieder bei dir übernachten durfte“, sagte ich.Wendy sah mich im Spiegel an, ohne sich umzudrehen.„Du bedankst dich ständig bei mir, Jolene“, seufzte sie. „Wofür sind Freunde denn da? Außerdem werde ich dich auf keinen Fall weiter bei Dylan wohnen lassen nach dem, was er getan hat. Ich stehe immer hinter dir.“Ich lächelte, klein, aber echt.Wendy und ich erzählen uns alles. Aber der One-Night-Stand und was ich mit dem Fremden gemacht habe, sind Geheimnisse, die ich mit ins Grab nehmen werde.„Übrigens hat Audrey mich angerufen“, sagte Wendy.Mein Atem stockte.„Sie sagte, du würdest ihre Anrufe nicht annehmen. Sie wollte dich nur daran erinnern, dass die nächste Anhörung deiner Mutter später am Tag ist.“Mein Herz rutschte in den Magen.Ich hatte Audreys Anrufe gesehen. Ich hatte sie klingeln lassen, weil ich dachte, sie würde anrufen, um
JoleneMein Kopf drehte sich langsam, und meine Augen trafen die seinen.Er hatte kurzes dunkles Haar und dunkle Augen. Seine Kieferlinie war perfekt. Das Gesicht einer Art, das Frauen unfassbare Dinge tun lässt.Wer ist dieser gefallene Engel?Warum hat er mir einen Drink spendiert?Und warum starrt er mich so an?Er stand auf. Er war groß, und seine Schultern waren breit unter dem dunklen Hemd.Mein Mund fiel auf.Es musste der Alkohol sein, der ihn bewunderte, denn die nüchterne Jolene bewundert keine Menschen.Schon gar nicht Männer.Männer sind keine guten Menschen.„Darf ich mich setzen?“, kam seine tiefe Stimme heraus, leise und rau.Ein plötzlicher Hitzeschub durchfuhr mich.Was stimmt nicht mit mir?Ich sollte diesen Ort verlassen, bevor ich mich blamiere.Trotzdem zeigte ich auf den Platz vor mir.Er setzte sich.Seine Augen ließen die meinen nicht los.Der Kellner kam mit meinem Wodka und stellte ihn ab.„Blended Whiskey“, sagte der Mann.Der Kellner nickte und ging.„Danke







