LOGINCrystals Sicht
Ihre Worte trafen mich wie ein Güterzug, die Verwirrung traf mich mit voller Wucht ins Gesicht.
Der Boden unter mir verschwindet. Ich kann nicht atmen. Ich kann nicht denken.
'Meine Tochter, Talia.' Diese Worte hallen so laut in meinen Ohren wider, dass es weh tut.
„Was – was meinen Sie mit Ihrer Tochter, Talia?“, stammle ich, meine Lippen zittern vor Angst.
Vor drei Jahren brachte Ethan die einjährige Talia mit nach Hause. Er erzählte mir, sie sei die Tochter seines entfernten Cousins, der bei einem Unfall ums Leben gekommen war.
Und ich habe ihn nie in Frage gestellt.
Ich habe Talia als meine eigene Tochter angenommen. Und selbst als er mich bat, meinen Job aufzugeben, um ihr die mütterliche Zuwendung zu geben, die sie brauchte, tat ich das sofort.
Aber nun, ganz plötzlich, ist das Baby, für das ich meine gesamte Karriere geopfert habe, Serenas Tochter?
Ich wende mich an Ethan. „Was zum Teufel ist hier los?“ Meine Stimme überschlägt sich gefährlich. „Und du sagst mir gefälligst die verdammte Wahrheit!“
"Entspann dich, Crystal. Lass uns das wie vernünftige Erwachsene durchsprechen", sagt Ethan.
Woher nimmt er sich die Dreistigkeit, absoluten Unsinn zu verbreiten?
Als ob das nicht genug wäre, beginnt er, den Abstand zwischen uns zu verringern und macht Anstalten, seinen Arm um mich zu legen.
Ich bin zutiefst angewidert.
Lass das in Ruhe durchgehen? Wie kann er nur so tun, als wäre das nichts Schlimmes?
Die Wut blendet mich, und bevor ich mich beherrschen kann, reiße ich seine Hand weg und gebe ihm eine heftige Ohrfeige.
„Ich sagte, gebt mir verdammt nochmal eine Erklärung!“, brülle ich.
Ein gefährliches Funkeln huscht über seine Augen, als er seine geröteten Wangen hält.
"Ich hab's für dich getan, Crystal.", bellt er, Speichel spritzt.
„Wie hätte ich dir denn sagen sollen, dass ich meine Seelenverwandte gefunden habe und dass sie von mir schwanger ist? Ich wollte nicht, dass du dich schlecht fühlst.“
„Ich habe dich so sehr geliebt, dass ich sogar mein Kind seiner Mutter weggenommen habe, nur damit du dich wie eine Mutter fühlst!“
Schock beschreibt nicht einmal annähernd, was ich gerade fühle.
Dürfen Menschen so schamlos sein? Ich kann es nicht fassen, dass ich vier Jahre lang mit diesem widerlichen Versager verheiratet war.
„Du hast mich meinetwegen betrogen?“ Wut schwingt in meiner Stimme mit. „Mach das zu einem Sinn, du verdammter Psycho!“
"Crystal!", presst Ethan hervor, während die Adern auf seiner Stirn hervortreten.
„Glaubst du, du hast irgendein Recht, wütend auf mich zu sein? Ich habe dir alles gegeben! Geld, Komfort, Status! Vielleicht wäre das nie passiert, wenn du mich so befriedigt hättest, wie du es hättest tun sollen!“
Mir entfährt ein ungläubiger Ausruf. Ich kann nicht glauben, dass er das wirklich gesagt hat.
Ich sehe Ethan an. Ich sehe ihn mir wirklich an und sehe einen Fremden. Einen jämmerlichen Fremden mit einem schwachen Kinn und zurückweichendem Haaransatz.
Wie konnte ich nur vier Jahre lang so blind sein und seine wahren Absichten nicht erkennen? Er hat mich so lange zum Narren gehalten.
Irgendwas in mir zerbricht. Es ist Zeit, seinen Spielchen ein Ende zu setzen.
Warum sollte ich einem Mann nachtrauern, der mich nicht verdient? Warum sollte ich meiner narzisstischen Schwester die Genugtuung geben, mich zu verletzen?
Der Schmerz in meinem Herzen lässt nach und wird durch eine kalte, klare Ruhe ersetzt.
Ich wische mir die Tränen ab und schaue Ethan direkt in die Augen.
"Ich will die Scheidung!"
Die Worte klingen knackig, klar und endgültig.
Sowohl Ethan als auch Serena schnappen entsetzt nach Luft. Sie starren mich an, als hätte ich plötzlich zwei Köpfe.
Dann kichert Ethan: „Das meinst du nicht ernst. Was kannst du schon ohne mich und mein Geld tun?“
Seine Worte treffen mich tief, und ich muss mich beherrschen, nicht zusammenzuzucken. Ich darf ihm nicht zeigen, dass mich seine Worte getroffen haben.
„Du und dein Geld könnt in der Hölle schmoren, Ethan!“, presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Mein Anwalt wird sich morgen bei Ihnen melden!“
Ohne seine Reaktion abzuwarten, drehe ich mich um und gehe hinaus.
Ich habe es satt, die unterwürfige Hausfrau zu sein, die sich von jedem herumschubsen lässt. Wenn Ethan denkt, ich wäre ohne ihn nichts, dann wird es Zeit, ihm das Gegenteil zu beweisen.
****
Einige Minuten später sitze ich in einer Bar gleich um die Ecke und kippe gefährliche Wodka-Shots in mich hinein, in der Hoffnung, dass er die letzten vier Jahre meines Lebens auslöschen möge.
Ich greife nach meinem letzten Wodkaglas, aber gerade als ich es an die Lippen setze, reißt mir eine Hand es aus der Hand.
Mein Blick fällt auf eine Frau in einem knappen schwarzen Kleid, die ein Headset über den Ohren trägt.
„Wo zum Teufel warst du, Lyra?“, faucht sie ihn an und sieht stinksauer aus. „Der VIP wartet schon. Ich rufe dich schon seit einer Stunde an!“
Ich runzle verwirrt die Stirn und hebe die Hand.
"Tut mir leid, aber ich bin nicht –"
„Keine Ausreden!“, faucht sie mich an und zerrt mich schon von der Bar; ihr Griff ist überraschend fest.
Bevor ich überhaupt meine Gedanken ordnen kann, zieht sie mich mit sich in den Aufzug.
„Du bist eine Stunde zu spät. Eine Stunde!“, schimpft sie weiter mit mir, während der Aufzug nach oben fährt und sich immer weiter von der Bar entfernt.
"Weißt du, wie viel der Kunde pro Stunde zahlt? Das war nicht unsere Abmachung, als du gestern Abend verzweifelt um diesen Job gebettelt hast."
Da dämmert es mir. Ich sehe wahrscheinlich aus wie eine der Stripperinnen, die hier arbeiten.
Mondgöttin, kann meine Nacht noch schlimmer werden?
„Hey!“, presse ich hervor und versuche, mich aus ihrem Griff zu befreien.
Aber verdammt! Sie ist stark!
„Mrs. Anderson!“, platze ich heraus. „Ich bin Mrs. Anderson, nicht Lyra.“
Nun ja, es gibt nur eine Familie Anderson in ganz Silvercrest, und das ist ein sehr großer Name.
So sehr ich es auch hasse, mit Ethans Namen in Verbindung gebracht zu werden, ist dies das Einzige, was diese Frau vielleicht aus meinem Leben verbannen kann.
Doch zu meinem Entsetzen wirft sie mir einen finsteren Blick zu. „Wenn du Mrs. Anderson bist, dann bin ich verdammt nochmal die Frau des Alphas! Bist du wahnsinnig geworden, Schlampe?“
Sie lässt mir nicht einmal Zeit zu antworten, sondern zerrt mich aus dem Aufzug in einen mit VIP gekennzeichneten Raum.
Bevor ich protestieren kann, schiebt sie mich hinein und knallt mir die Tür vor der Nase zu.
Ich schlage mit meinem Körper gegen die Tür und rüttele wie wild an der Türklinke, aber die Tür rührt sich nicht einmal.
Mondgöttin, ich bin so verdammt.
Ich stieß einen frustrierten Seufzer aus, drehte mich um und erstarrte im nächsten Moment, als mein Blick auf die dunkelsten Augen fiel, die ich je gesehen hatte.
Der Mann lehnt an den Fenstern, seine scharfsinnigen, berechnenden Augen sind auf mich gerichtet, und zwar so, dass ich erschaudere.
Verdammt! Diese Augen sind dunkel. Sehr, sehr dunkel, wie der Meeresgrund.
Sein dichtes braunes Haar ist übertrieben nach hinten gegelt, sein Kinn trägt einen leichten Bartansatz, was ihm einen sexy-anrüchigen Look verleiht.
Selbst seine Kieferpartie sieht so aus, als könnte man sich daran einen Papierschnitt zufügen, wenn man sie berührt.
Alles an ihm ist gefährlich und überwältigend sexy. Es würde mich nicht mal wundern, wenn sein zweiter Vorname „Sex am Stiel“ wäre.
Ich weiß einfach, dass er neu im Team ist. Denn jemand, der wie ein majestätischer Gott aussieht, hätte es garantiert in die Silvercrest-Schlagzeilen geschafft.
Mein Blick fällt auf seine Lippen? Heiliges Paradies! Sie sind zu einer sexy, dünnen Linie gezogen.
Man merkt einfach, dass sie zum Küssen gemacht sind.
Warten!
Was zum Teufel stimmt nicht mit meinem Gehirn?
Ich müsste eigentlich Todesangst haben. Ich wurde gerade in einen Deal hineingezogen, von dem ich absolut nichts weiß.
Außerdem sieht dieser Mann eher gefährlich als sexy aus.
Er ist sehr groß. Mindestens 1,88 Meter, und breitschultrig – so einer, der eine 1,70 Meter große Frau wie mich mühelos in zwei Hälften brechen kann.
Doch statt Angst spüre ich ein Kribbeln der Lust, das mir durch die Adern läuft.
Es muss am Wodka liegen.
Das muss jetzt wohl die Wirkung einsetzen. Denn meine Augen können einfach nicht aufhören, über jedes einzelne, verführerische Stück seines Körpers zu wandern.
Und da dämmert es mir.
Dieser Mann ist fast nackt – bis auf das Tattoo, das perfekt auf seiner Brust sitzt und seine Bauch- und Brustmuskeln anspannt.
Ansonsten ist es nur ein winziges Handtuch, das um seine Hüften gewickelt ist und so aussieht, als könnte es sich bei der geringsten Bewegung lösen.
Heilige Scheiße, ich bin sowas von erledigt!
Ist dieses Lyra-Mädchen etwa nicht nur eine Stripperin, sondern eine Hure?
Ich räuspere mich verlegen. „Mein Herr, die Sache ist die: Sie irren sich –“
„Pscht“, er bringt mich mit dem Finger auf meinen Lippen zum Schweigen.
Ich schnappe scharf nach Luft, fassungslos darüber, wie schnell er sich bewegt hat.
Und...verdammt! Aus der Nähe sieht er noch viel verheerender aus, eine kleine Narbe verläuft quer über seine linke Augenbraue.
Und diese Augen. Verdammt, diese Augen.
Ich kann ihm nicht einmal direkt in die Augen schauen, sonst würde ich darin ertrinken.
Oder vielleicht ertrinke ich bereits.
Denn dieser umwerfend schöne Mann riecht unbeschreiblich gut – Moschus-Kölnischwasser vermischt sich mit seiner Körperwärme und berauscht meine Sinne gnadenlos.
Alpha-Aura, ich spüre, wie sie sich um meine empfindlichsten Nervenenden legt. Er ist ein Alpha-Mann.
Herrisch, triebhaft und verführerisch männlich!
"Hmmm." Er krächzt, als ob er meine Gedanken hören könnte, sein Blick verdunkelt sich vor Verlangen.
Dann senkt er den Kopf, seine Lippen nur noch einen winzigen Zentimeter von meinen entfernt.
„Was hat dich glauben lassen, dass du mir wirklich entkommen könntest, Lyra?“, schnurrt er leise und bedrohlich, und mir läuft ein Schauer über den Rücken.
Crystal SichtIch fand es schrecklich, dass er das tat, weil ich mich dadurch schlecht fühlte, da ich glaube, dass er an ihr interessiert ist, was deutlich macht, dass er immer noch ein Auge auf sie geworfen hat.Ich hätte nie gedacht, dass er sich bereit erklären würde, an der Seite dieser undankbaren Frau zu kämpfen. Ihr Vater könnte dahinterstecken, und wenn ich irgendwann herausfinde, dass er darin verwickelt ist …Valeria, du wirst eine Waise sein.Königin Elyah ging fort, während wir auf Valeria warteten. Sie kehrte mit einer Wache zurück, die uns über einen unwegsamen Pfad zum Ufer führte. Das Gras war fast höher als ich, deshalb musste ich ständig Augen und Ohren offen halten, um nicht von Schlangen gebissen zu werden.„Hier ist meine Haltestelle. Gute Reise.“ Er drehte sich um und b
Kierans SichtIch war schockiert, als ich sah, dass Olivia sich auf den Weg zu dem Zimmer machte, in dem sie uns vermutete, denn es war eher der einzige Schattenplatz neben dem Ort, der für die Anführer bestimmt war, wo der Alpha dieses Höllenlochs stand und Lyra und seine Frau beim Training beobachtete.„Ich möchte Ihnen keine schlechten Nachrichten überbringen, aber Alpha Harry ist hier, und ich weiß nicht, ob Sie ihn sehen wollen.“„Glaubst du, er weiß, dass wir hier sind?“„Ich glaube nicht, dass er das weiß, denn er kam einfach als Gast in die Gruppe, und ich habe dafür gesorgt, dass er mich nicht sieht. Die Königin weigerte sich, ihm zu sagen, dass wir als Besucher zu ihrer Gruppe gehören.“"Warum sollte sie das tun?", fragte Lyra Olivia und hob beide Hände in die Luft, wobei
Crystal Sicht„Das war ein wunderschöner Wettkampf. Ich schätze, sie hat nichts von ihrem Können eingebüßt, obwohl sie gleichzeitig Heilerin des Rudels und Königin ist, und außerdem ist sie auch noch richtig gut“, sagte er, während er Königin Elyah ins Schloss führte, während ich zurückblieb und über ihre Worte nachdachte.„Wenn jemand ein Programm betreibt, ohne dass irgendjemand davon weiß, dann sollte diese Person auch wissen, wie sie ihre Spuren verwischt, da es so aussieht, als wüssten nur sehr wenige Leute davon“, murmelte ich vor mich hin und drehte mich um. Kieran stand hinter mir.Ich war maßlos verblüfft.„Wie kannst du denn schon so wach sein? Ich hab dich doch bewusstlos geschlagen.“ Er kicherte leise und lächelte breit.„Deshal
Crystal POV „So geht das nicht, Schwester. Du kannst sie in Ruhe lassen.“„Es wird gleich noch interessanter.“ Sie ging zu einer großen Holzkiste und holte zwei Schwerter heraus. Ich komme mit Schwertern nicht gut zurecht, weil ich sie nicht benutze, also verlangte ich einen Speer und freute mich, dass er zwei scharfe Schneiden hatte.„Wie willst du mit dieser Waffe gewinnen?“, knurrte sie und warf den Speer in Richtung meiner Füße.„Es geht nicht um die Waffe, sondern um den Willen, sie einzusetzen.“„Ich weiß, wo ich das gelesen habe. Es ist ein Buch von Olivia.“ Sie muss wohl zu Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn eines von Olivias Büchern gelesen haben, aber ich musste mich auf diesen Kampf konzentrieren, wenn ich gewinnen wollte.Sie griff zuerst an, doch ich wich aus und schleuderte sie mit dem Speer in den Sand. Sie stand schnell wieder auf und schlug erneut zu, diesmal noch heftiger als zuvor. Aber ich wusste, ich musste ihre Kampffertigkeiten verbessern, also machte i
Crystal POVEr hätte sie getötet, wenn ich nicht eingegriffen hätte. Ich merke, wenn jemand nach Luft schnappt und versucht, ihr den Atem zu rauben, und als ich sah, wie Kieran wieder die Beherrschung verlor, während seine Hände immer noch um ihren Hals lagen, wusste ich, dass ich nur eines tun konnte, um ihn zu stoppen: mit einem einzigen, gewaltigen Schlag ein großes Chaos anrichten.Ich nahm ein Holzbrett vom Esstisch und schlug ihn damit, weil er es verdient hatte, gestoppt zu werden. Warum sollte er ein Mitglied seines Rudels im Land eines anderen Mannes erwürgen wollen?Sie stöhnte vor Schmerzen und rang nach Luft, während ich Königin Elyah um Hilfe bitten musste, um herauszufinden, wo ihre Heilerin war und wie sie mit dem umgehen sollten, was mit Kieran schiefgelaufen war.„Was stimmt nicht mit ihm?“„Er
Kierans SichtWenn ich mit Valeria ein Zimmer geteilt hätte, wäre Lyra nur eifersüchtig geworden, und ich wollte, dass sie darum kämpft, mit mir das Zimmer zu teilen, aber das tat sie nicht. Jetzt sitze ich mit Valeria fest, die wohl glaubt, ich würde die Nacht mit ihr verbringen wollen.„Es ist schon ewig her, dass wir uns im selben Raum getroffen haben. Ich hätte nie gedacht, dass so ein Tag kommen würde.“„Vergiss diese Gedanken. Ich möchte mich ausruhen, denn wir haben morgen einen langen Tag vor uns.“„Wir unternehmen morgen nichts, wir warten nur auf das Boot, um unsere Reise fortzusetzen. Wenn wir zurückkommen, sollte der LKW, den du demoliert hast, repariert sein. Ich habe dir da draußen das Leben gerettet …“ Sie verstummte abrupt, als es an der Tür klopfte.„Wer ist d







