LOGINDIE FRAGEN, DIE ICH NIE GESTELLT HABEAbigails PerspektiveIch wachte auf, und der Geschmack der Angst lag mir noch immer im Mund.Einige Sekunden lang rührte ich mich nicht. Ich starrte an die Decke über mir und lauschte dem leisen Summen der Klimaanlage und den schwachen Geräuschen von Bewegungen irgendwo hinter meiner Schlafzimmertür. Das Morgenlicht drang durch die Vorhänge und zeichnete blasse Streifen auf den Boden.Alles sah normal aus, und genau das war das Problem. Seit Wochen hatte sich nichts in meinem Leben mehr normal angefühlt.Ich schloss die Augen, und sofort tauchte Cheryls Gesicht wieder vor mir auf. Ihre Finger, die sich in meinen Arm gruben, und ihre wütende Stimme, die wissen wollte, was ich mit Thomas tat.Der plötzliche Druck, der durch meinen Körper geschossen war und sie quer durch den Raum geschleudert hatte. Das Geräusch, als ihr Körper auf den Steinboden aufschlug.Ich öffnete die Augen wieder, und mein Herz schlug viel zu schnell. Ich richtete mich auf und
DIE KRAFT, DIE ICH NICHT ERKLÄREN KONNTEAus Thomas’ SichtIn dem Moment, als ich Abigails Zimmer verließ, wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte, weil ich ihr zu viel erzählt hatte. Ich blieb am Ende des Flurs stehen und starrte auf die geschlossene Tür hinter mir.Mein Wolf zappelte unruhig unter meiner Haut.Gefährte.Ich biss die Zähne zusammen. „Nicht jetzt.“Er knurrte als Antwort, aber ich ignorierte ihn und ging auf die Treppe zu. Meine Gedanken kreisten nicht um die Bindung, sondern um das, was unten passiert war.Ich hatte schon gesehen, wie Werwölfe mit bloßen Händen Knochen brachen. Ich hatte gesehen, wie Vampire sich schneller bewegten, als das menschliche Auge folgen konnte. Ich hatte gesehen, wie Hexen Gegenstände mit Zaubersprüchen manipulierten, aber das hatte mit nichts davon zu tun.Die Kraft war einfach aus Abigail hervorgebrochen.Und für eine einzige Sekunde hatte ich etwas gespürt, das sogar meinen Wolf zum Schweigen brachte. Uralt – das war das einzig
WAS BIN ICH?ABIGAILS PERSPEKTIVEIch wollte das eigentlich gar nicht.Ich hatte schon genug Probleme, ohne hier mit Cheryl zu streiten, also wandte ich mich von ihr ab.„Das mache ich nicht mit dir, Cheryl.“Ich machte einen Schritt in Richtung Haupthaus und schaffte es kaum zwei Schritte weit, bevor mich etwas nach hinten riss.Ich stolperte.Cheryl hatte mich am Arm gepackt.„Wo willst du denn hin?“„Lass mich los.“Ich versuchte, meinen Arm zu befreien, aber sie verstärkte ihren Griff.„Erst, wenn du mir sagst, was du mit Thomas machst.“„Cheryl, ich sagte, lass mich los.“Sie zog mich näher zu sich heran, und etwas in mir riss. Ich dachte nicht nach und wusste nicht einmal, was ich tat. Ich schnippte einfach mit der Hand, und das Nächste, was ich hörte, war ein Schrei.Cheryl flog rückwärts. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Körper wurde mehrere Fuß weit über den Eingangsbereich geschleudert, bevor sie hart auf dem Steinboden aufschlug. Ein widerliches Geräusch folgte.Dann Still
DAS MÄDCHEN, DAS SIE WEGGESCHMISST HATAUS THOMAS’ PERSPEKTIVEIn dem Moment, als ich aus dem Auto stieg, wusste ich, dass etwas nicht stimmte und dass Cheryl Ärger machen würde.Sie stand am Eingang der Villa und hatte die Arme fest vor der Brust verschränkt.Sie lächelte nicht, und schon das allein reichte aus, um mir einen Knoten im Magen zu verursachen.Ich schloss die Autotür und ging auf sie zu.„Cheryl.“Ihr Blick glitt sofort an mir vorbei direkt zu Abigail, bevor er wieder auf mich zurückkehrte.„Also“, sagte sie kühl. „Du hast mich belogen.“Ich blieb stehen. „Worüber?“„Du hast mir gesagt, du hättest viel zu tun.“„Das war ich auch.“Sie lachte bitter. „So beschäftigt, dass du eine ganze Woche lang von der Schule verschwunden bist?“Ich runzelte die Stirn. „Cheryl, das ist nicht der richtige Ort, um …“„Oh, ich glaube schon.“ Ihr Blick wanderte wieder zu Abigail. „Ich hätte es wissen müssen.“Abigail stieg langsam aus dem Auto, ihr Gesichtsausdruck war bereits zurückhaltend
DIE DINGE, DIE SICH VERÄNDERTENABIGAILEs war eine Woche her, seit das Glas meine Handfläche aufgeschnitten hatte. Eine Woche, seit ich zugesehen hatte, wie eine Wunde von meiner Haut verschwand, als hätte es sie nie gegeben, und ich verstand es immer noch nicht.Ich saß auf der Bettkante und starrte auf meine Hand.Es war nicht einmal eine schwache Narbe zu sehen. Hätte ich das Blut nicht selbst gesehen, hätte ich mir vielleicht eingeredet, dass es nie passiert war.Ich hatte den scharfen Stich gespürt und zugesehen, wie Thomas meine Hand in ein Handtuch wickelte. Und dann, Sekunden später, war nichts mehr da gewesen.Ich drehte meine Handfläche um. „Was passiert mit mir?“Ich flüsterte die Frage in den leeren Raum.Ich hatte immer noch keine Antwort. In der vergangenen Woche hatten auch andere Dinge begonnen, sich zu ereignen.Mein Gehör war unglaublich scharf geworden. Einmal hatte ich von meinem Schlafzimmer aus gehört, wie Marco in der Garage einen Schlüsselbund fallen ließ. Und
WAS IHR AUF DEN FERSEN WARTHOMASSobald ich die Villa verlassen hatte, wusste ich, dass ich einschlafen würde. Die Nachmittagsluft war kühl, aber ich nahm sie kaum wahr. Mein Wolf war unruhig unter meiner Haut, lief auf und ab und knurrte alles an, was ich mir nicht erklären konnte.„Wo genau hast du die Spuren gefunden?“, fragte ich Marco.„Auf der Ostseite des Grundstücks“, antwortete Marco. „In der Nähe der alten Straße.“„Wie viele?“„Mehr als wir zunächst dachten.“Ich blieb stehen.Marco wäre fast gegen mich gestoßen.„Was meinst du mit ‚mehr‘?“Er deutete auf die Bäume. „Komm und sieh selbst.“Wir überquerten gemeinsam den Rasen. Die schützende Grenze der Villa war für Menschen nicht sichtbar, aber ich konnte den schwachen Druck der Magie spüren, die das Anwesen umgab. Sie war alt. Stark.Die Familie meines Vaters hatte sie seit Generationen aufrechterhalten. Und doch hatte etwas den Rand erreicht.Ich hockte mich neben einen der Bäume, an dessen Rinde tiefe Rillen zu sehen wa







