Se connecterSo einsam wie neben meinem Mann habe ich mich noch nie gefühlt. Dabei hatte er mir einst versprochen, mich niemals allein zu lassen. Drei Jahre lang wartete ich darauf, dass mein milliardenschwerer Ehemann mich wieder so liebt wie früher. Ich gab meine Träume auf, organisierte sein Leben und lächelte über jede Enttäuschung hinweg. Vielleicht, hoffte ich, würde Nathaniel mich irgendwann wieder ansehen wie die Frau, ohne die er nicht leben konnte. An unserem dritten Hochzeitstag saß ich im roten Kleid vor einem kalten Abendessen. Nathaniel? Schickte seinen Assistenten los, um mir eine weitere Diamantkette zu kaufen. Da hatte ich endgültig genug. Herzlichen Glückwunsch, Mr. Blackwood! Deine Frau streikt! Kein Kochen mehr. Keine perfekte Ehefrau mehr. Kein gemeinsames Bett. Und Küsse? Absolut verboten! Nathaniel lachte, als ich ihm neunzig Tage gab, um ein besserer Ehemann zu werden. Als ich ihm die Scheidungspapiere auf den Schreibtisch legte, verging ihm das Lachen. Plötzlich verbrennt dieser kalte, arrogante Milliardär Pfannkuchen, schreibt schreckliche Liebesgedichte und wird lächerlich eifersüchtig, sobald mich ein anderer Mann zum Lächeln bringt. Das Schlimmste daran? Ich verliebe mich tatsächlich wieder in diesen Idioten. Doch gerade als Nathaniel zu dem Mann wird, den ich mir immer gewünscht habe, bekomme ich ein Angebot aus London: endlich die Karriere aufzubauen, die ich für unsere Ehe geopfert habe. Ich muss innerhalb von neunzig Tagen zusagen. Genau so lange hat Nathaniel Zeit, unsere Ehe zu retten. Wenn ich bleibe, verliere ich vielleicht erneut mich selbst. Wenn ich gehe, verliere ich womöglich den Mann, den ich zum zweiten Mal lieben lerne. Jetzt würde Nathaniel Blackwood alles tun, damit ich bleibe. Aber reichen seine Bemühungen aus? Zerreiße ich die Scheidungspapiere für den Mann, der er wird, oder verlasse ich endlich den Mann, der mir das Herz gebrochen hat?
Voir plusDoch dann machte die Dame alles zunichte. „Wir möchten nur die Lieferung des Diamantarmbands mit den eingravierten Initialen R und E für Ihren zehnten Hochzeitstag bestätigen“, sagte sie fröhlich.
Ich blinzelte verwirrt. „Zehn Jahre? R und E?“
„Ja! Für Richard und Eleanor Blackwood, Ihre Schwiegereltern, die nächste Woche ihre Rubinhochzeit feiern“, antwortete sie.
Ich stieß ein ziemlich verlegenes, nervöses Lachen aus. „Ach ja! Natürlich. Mein Fehler. Wissen Sie, das Büro meines Mannes kümmert sich um so viele Dinge. Die Lieferdaten stimmen. Vielen lieben Dank und auf Wiederhören!“ Ich legte auf und starrte mein Handy an, als hätte es mich gerade persönlich beleidigt. Mein Mann hatte daran gedacht, für den Hochzeitstag seiner Eltern in der nächsten Woche ein teures Geschenk zu besorgen. Und ich saß hier, an unserem eigenen Hochzeitstag, und fragte mich, ob er überhaupt wusste, welches Datum wir heute hatten.
Genau in diesem Moment klingelte mein Handy erneut. Diesmal war es Oliver, Nathaniels persönlicher Assistent. Oliver klang völlig außer Atem, als wäre er gerade sechs Stockwerke die Treppe hinaufgerannt.
„Frau Blackwood? Es tut mir wirklich schrecklich leid, Sie zu stören“, sagte Oliver hastig. „Herr Blackwood hat mich gebeten, Sie anzurufen und zu fragen, ob Sie als Geschenk zum Hochzeitstag lieber eine Diamantkette oder eine Luxusuhr hätten.“
Ich zog in dem leeren Schlafzimmer eine Augenbraue hoch. „Ach, Oliver. Hat Herr Blackwood dir zufällig auch aufgetragen, mir einen Kuss auf die Wange zu geben und mir zu sagen, dass ich heute hübsch aussehe? Oder bist du nur für die Einkaufsabteilung zuständig?“
Am anderen Ende der Leitung stöhnte Oliver leise auf. „Bitte, Sophie, mach es mir nicht noch schwerer. Herr Blackwood hat das Budget bereits genehmigt und gesagt, ich soll dafür sorgen, dass du etwas bekommst, das dir gefällt.“
„Sag ihm, dass ich weder das eine noch das andere möchte“, seufzte ich und rieb mir die Stirn. „Sag ihm, wenn er mir ein Geschenk kaufen will, soll er gefälligst seinen eigenen Kopf benutzen und selbst etwas aussuchen. Andernfalls kann er es gleich vergessen.“
Nachdem ich das Gespräch mit dem armen Oliver beendet hatte, ging ich durch unser riesiges Penthouse in Manhattan und stieß einen langen Seufzer aus. Ich dachte an die Zeit vor drei Jahren zurück, bevor Nathaniel zum großen, wichtigen Chef von Blackwood Holdings geworden war. Damals war er einfach nur Nathaniel gewesen. Der liebevolle Mann, der mir schrecklich schlechte Liebesgedichte auf Papierservietten schrieb, mich mitten in der Nacht im Pyjama zum Eisessen entführte und sich die albernsten Ausreden einfallen ließ, nur um mich küssen zu können. Er behauptete nämlich, es sei schlecht für seine Gesundheit, einen ganzen Tag zu verbringen, ohne mich zu küssen. Diese Erinnerungen brachten mich zum Lächeln, doch gleichzeitig versetzten sie mir einen schmerzhaften Stich in die Brust. Irgendwo zwischen dem Aufbau seines gewaltigen Hotelimperiums und seinen Plänen, die ganze Welt zu erobern, hatte mein Mann vergessen, wie man ein Ehemann war.
Während ich in meinem Kleiderschrank nach etwas Passendem zum Anziehen suchte, streiften meine Finger ein altes, verstaubtes Skizzenbuch. Ich zog es heraus und blätterte durch die Seiten. Es war voller Einrichtungsideen, die ich vor Jahren gezeichnet hatte, als ich noch davon träumte, mein eigenes Innenarchitekturbüro zu eröffnen. Früher war ich jedes Mal ganz aufgeregt gewesen, wenn ich mir vorstellte, wie ich Häuser und Hotels gestalten und einrichten würde. Doch nachdem ich Nathaniel geheiratet hatte, bestand mein Leben nach und nach nur noch daraus, seinen Terminkalender zu organisieren, Geburtstagsgeschenke für seine entfernten Cousins zu kaufen und elegante Abendessen für seine Geschäftspartner auszurichten. Ich klappte das Skizzenbuch vorsichtig zu und legte es zurück. Niemand nahm meine Träume noch ernst. Am allerwenigsten Nathaniel, der mir jedes Mal versprach, dass wir „nächste Woche“ über meine Geschäftsideen sprechen würden.
Mein Handy vibrierte erneut. Diesmal war es meine beste Freundin Vanessa.
„Sag mal, machst du dich tatsächlich für einen Mann schick, der dich seit sechs Monaten nicht mehr ansehen kann, ohne gleichzeitig auf seine Uhr zu schauen?“, fragte Vanessa sofort, ohne auch nur Hallo zu sagen.
„Vee, hör auf damit“, erwiderte ich und versuchte, streng zu klingen. „Nathaniel arbeitet hart. Er liebt mich. Er ist einfach nur gestresst.“
„Er ist mit seinem Büro verheiratet, Sophie!“, widersprach Vanessa. „Du hast dein Innenarchitekturbüro, deine Freizeit und deinen letzten Rest Verstand aufgegeben, nur um seine persönliche Assistentin mit einem hübscheren Titel zu spielen. Und was bekommst du dafür? Eine Textnachricht und ein aufgesetztes Lächeln!“
„Ich koche heute Abend sein Lieblingsessen“, flüsterte ich und hasste es, wie kleinlaut meine Stimme klang. „Ich glaube immer noch, dass alles wieder so werden kann wie früher, wenn wir nur einen einzigen richtigen Abend miteinander verbringen.“
Vanessa seufzte am anderen Ende der Leitung, und ihre Stimme wurde sanfter. „Ach, Süße. Ich hoffe wirklich, dass du recht hast. Aber wenn er dich heute Abend wieder sitzen lässt, musst du endlich aufwachen.“
Nachdem ich mit Vanessa aufgelegt hatte, weigerte ich mich, mir von ihren Worten die Stimmung verderben zu lassen. Ich verbrachte den gesamten Nachmittag damit, Nathaniels absolutes Lieblingsgericht zuzubereiten: geschmorte Rinderrippchen mit Knoblauch-Kartoffelpüree. Ich dekorierte unser Esszimmer mit Dutzenden von Kerzen, legte die sanfte Jazzmusik auf, zu der wir früher in unserer ersten winzigen Wohnung getanzt hatten, und zog das rote Kleid an, von dem Nathaniel einmal behauptet hatte, es müsste eigentlich mit einem öffentlichen Warnhinweis versehen werden.
Um sechs Uhr abends leuchtete mein Handy auf. Eine persönliche Nachricht von Nathaniel erschien auf dem Bildschirm: Ich muss länger arbeiten, um den großen Hoteldeal abzuschließen, aber ich verspreche dir, vor sieben zu Hause zu sein. Alles Liebe zum Hochzeitstag, mein Schatz.
Mein Herz machte einen glücklichen Satz. Doch sieben Uhr kam und ging. Die Kerzen brannten langsam herunter, und der herrliche Duft des Essens begann zu verfliegen. Um acht Uhr schenkte ich mir ein Glas Wasser ein und setzte mich an den Esstisch. Ich starrte auf den leeren Stuhl mir gegenüber. Um neun Uhr war das Essen vollständig kalt.
Um 21:47 Uhr vibrierte mein Handy. Es war nicht Nathaniel. Es war eine weitere Nachricht von Oliver, in der stand, dass Herr Blackwood noch immer in einer äußerst wichtigen Besprechung festsaß und es ihm aufrichtig leidtäte. Wenige Minuten später brachte ein Lieferbote eine kleine Samtschachtel vorbei, in der eine unglaublich teure Diamantkette lag. Nathaniel hatte sie nicht selbst ausgesucht. Das erkannte ich sofort, denn sie entsprach überhaupt nicht meinem Geschmack.
Ich wollte die Schachtel gerade beiseitelegen, als eine neue Benachrichtigung aus dem Familiengruppenchat der Blackwoods auf meinem Handy erschien. Meine Schwägerin Isabella hatte ein brandneues Foto aus einem eleganten Restaurant in der Innenstadt gepostet.
Ich tippte auf das Foto und vergrößerte es. Da stand mein Mann Nathaniel, mitten in einer Gruppe von Führungskräften seines Unternehmens. Er saß keineswegs in einer langweiligen Bürobesprechung fest. Er war auch nicht unter Bergen dringender Unterlagen begraben. Nein, er hielt ein Glas Champagner in der Hand, hatte den Kopf nach hinten geworfen und lachte laut und ausgelassen, während die Menschen um ihn herum den erfolgreichen Abschluss eines Geschäfts feierten.
Ich blickte auf den leuchtenden Bildschirm, dann auf das kalte, unberührte Abendessen, für dessen Zubereitung ich Stunden gebraucht hatte, und schließlich auf die teure Diamantkette, die auf dem Tisch lag. Eine seltsame, eisige Ruhe breitete sich in mir aus. Nathaniel hatte unseren Hochzeitstag nicht verpasst, weil etwas Schreckliches passiert war. Er hatte ihn auch nicht verpasst, weil er zu müde zum Feiern gewesen wäre. Er hatte einfach etwas anderes gefunden, das es seiner Meinung nach mehr wert war, gefeiert zu werden. Und zum allerersten Mal in drei Jahren wurde mir klar, dass ich die Einzige in diesem Haus war, die noch versuchte, unsere Ehe am Leben zu erhalten.
Drei Jahre lang hatte mein Mann mir beigebracht, ohne seine Aufmerksamkeit zu leben. Und heute Abend war ich endlich bereit, ihm zu zeigen, was für eine gute Schülerin ich geworden war.
Ich wachte auf, noch bevor die Sonne über der Skyline von Manhattan aufgegangen war, denn ich hatte eine äußerst wichtige Mission zu erfüllen. Ich war fest entschlossen, meiner Frau zu beweisen, dass ein milliardenschwerer Geschäftsführer alles meistern konnte, selbst eine Küche.Nachdem ich den gesamten vorherigen Abend damit verbracht hatte, mir hektisch YouTube-Anleitungen über die Zubereitung von Pfannkuchen anzusehen und um Mitternacht sogar einen befreundeten Profikoch anzurufen, um ihn verzweifelt um kulinarische Notfalltipps zu bitten, war ich fest davon überzeugt, dass das Frühstück meine Geheimwaffe werden würde. Ich schlich mich leise aus dem Bett, band mir eine lächerlich aussehende schwarze Küchenschürze um die Taille und marschierte die Treppe hinunter wie ein General, der in die Schlacht zog.Wie schwer konnte es schon sein, einen Pfannkuchen zu wenden? Ich leitete Immobilienprojekte im Wert von mehreren Millionen Dollar und verhandelte jede einzelne Woche über komplizi
Ich saß still im Gästezimmer und starrte auf mein Handydisplay, als Nathaniels Nachricht das dunkle Zimmer erhellte.Sophie, wie lange denkst du schon darüber nach, mich zu verlassen?Mir stockte der Atem. Ich starrte auf die Worte, während mein Herz einen seltsamen, schweren Schlag gegen meine Rippen machte. Woher wusste er von dem Familienanwalt? Dann erinnerte ich mich an den gemeinsamen digitalen Kalender, den wir seit Jahren benutzten. Ich hatte vergessen, den Eintrag aus meinem privaten Notizbereich zu löschen.Sofort begann mein Handy zu klingeln. Es war Nathaniel.Ich holte tief Luft, nahm den Anruf entgegen und hielt das Handy an mein Ohr. „Hallo, Nathaniel. Hast du inzwischen herausgefunden, wie man die Kaffeemaschine bedient, oder rufst du nur an, um zu überprüfen, ob das Haus noch steht?“„Sophie.“ Seine Stimme klang angespannt, ernst und vollkommen frei von der üblichen Arroganz. „Dieser Termin ... Sprichst du mit einem Familienanwalt? Hast du tatsächlich schon mit jemand
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, spürte ich eine ungewohnte Kälte auf der rechten Seite unseres riesigen Kingsize-Bettes. Schlaftrunken streckte ich die Hand aus, in der Erwartung, Sophie in meine Arme zu ziehen, so wie ich es in den vergangenen drei Jahren jeden Morgen getan hatte. Doch meine Hand traf nur auf leere, kalte Bettlaken.Ich schlug die Augen auf und starrte an die Decke unseres Schlafzimmers im Penthouse. Dann fiel mir alles wieder ein. Das Desaster mit unserem Hochzeitstagsessen, der abgenommene Ehering, der auf dem Esstisch zurückgeblieben war, und ihre völlig absurde Erklärung, für neunzig Tage in den Streik zu treten.„Unglaublich“, murmelte ich vor mich hin und rieb mir übers Gesicht.Mit einem schweren Seufzer setzte ich mich auf und schüttelte den Kopf. Ich war der Geschäftsführer von Blackwood Holdings. Ich leitete Hotelübernahmen im Milliardenwert, verhandelte mit starrköpfigen Vorstandsmitgliedern und traf jeden einzelnen Tag Entscheidungen, bei denen es u
Nathaniel kam kurz vor elf Uhr abends durch die Haustür. Er sah erschöpft aus, wirkte aber gleichzeitig äußerst zufrieden mit sich selbst. Er lockerte seine Seidenkrawatte, warf sein Sakko über die Armlehne des Sofas und marschierte direkt ins Esszimmer.„Sophie, Liebling, es tut mir wirklich schrecklich leid, dass ich so spät komme“, sagte er und trat mit diesem selbstbewussten, halb entschuldigenden Lächeln auf mich zu, bei dem mir früher immer die Knie weich geworden waren. Er beugte sich vor, um mir einen Kuss auf die Stirn zu geben, und nannte mich bei seinem liebsten Kosenamen, den er nur benutzte, wenn wir allein waren.Ich rührte mich keinen Zentimeter. Stattdessen schlüpfte ich ruhig aus meinen High Heels, erhob mich vom Esstisch und machte einen kleinen Schritt zurück, sodass seine Lippen mich völlig verfehlten.Nathaniel blinzelte überrascht, und seine Hand blieb mitten in der Bewegung stehen. Er sah mich an und blickte dann auf den Tisch, auf dem die Kerzen inzwischen zu k





