LOGINMike saß bereits auf der Untersuchungsliege, als Elena hereinkam, ein Bein schwingend, grinsend, als hätte er den ganzen Tag auf ihr Auftauchen gewartet.„Du hast eine Nachuntersuchung angefordert", sagte er. „Priya sagt, du hast speziell nach mir gefragt."„Priya redet zu viel."„Priya ist eine Heilige. Sie sagte, du klangst sehr ernst dabei." Er lehnte sich auf die Hände zurück, alles lässige Arroganz, die Lüge von vor zwei Nächten zusammengefaltet und weggelegt, irgendwo, wo sie nicht herankam. „Also. Was habe ich getan?"Elena schloss die Tür hinter sich. Das Klicken klang lauter, als es sollte.„Du hast mich am Donnerstag versetzt", sagte sie. „Du hast gesagt, etwas ist dazwischengekommen."„Ist es auch."„Danny hat dich um Viertel nach sechs in der Eishalle gesehen."Eine halbe Sekunde lang bewegte er sich nicht. Dann kam das Grinsen zurück, diesmal ein wenig langsamer. „Danny sieht viele Dinge. Er denkt auch, sein Hoodie ist verflucht."„Mike."„Ich bin zurück, um meine Ausrüst
Elena kam zehn Minuten zu früh zur Bibliothek, aus Gewohnheit mehr als aus allem anderen, und richtete ihren Tisch so ein, wie sie es immer tat: Notizen links, Laptop in der Mitte, der Platz ihr gegenüber auffällig leer gelassen.Sechs Uhr kam und ging.Um Viertel nach sechs hatte sie aufgehört, jedes Mal zur Tür zu schauen, wenn sie sich öffnete, und angefangen, ihre Notizen tatsächlich zu lesen. Um halb sieben zog sie ihr Handy heraus.Elena: Kommst du noch?Zehn Minuten lang nichts. Sie sagte sich, dass es keine Rolle spielte, dass sein Training manchmal länger dauerte, dass Leute zu spät kommen durften, dass sie nicht der Typ Mensch war, der herumsaß und auf den Zeitplan eines anderen wartete. Sie schaffte noch eine Seite Notizen, bevor ihr Handy summte.Mike: Sorry. Etwas ist dazwischengekommen.Elena: Alles okay?Mike: Ja. Nur beschäftigt.Sie starrte einen Moment länger auf den Bildschirm, als die Nachricht es rechtfertigte. Etwas ist dazwischengekommen war nicht direkt seltsam
„Dir ist klar, dass so viele Bücher auf einmal zu tragen technisch gesehen eine Gefahr am Arbeitsplatz ist", sagte Mike und fiel neben ihr vor der Bibliothek in Schritt, eine Hand schon ausgestreckt, um die obersten zwei von ihrem Stapel zu nehmen, ohne zu fragen.„Du arbeitest hier nicht."„Ich bin ein besorgter Bürger."„Du bist neugierig."„Besorgter Bürger. Ich habe es dir gesagt." Er balancierte die Bücher gegen seine Hüfte, leicht wie nichts, und Elena ließ ihn, weil darüber zu streiten mehr Energie kostete, als sie nach einem vollen Vorlesungstag übrig hatte.Es war ein guter Tag. Ein leichter Tag sogar, die Sonne war ausnahmsweise mal da, die Art von Nachmittag, an dem sich der Campus weniger wie ein Schnellkochtopf anfühlte und mehr wie ein echter Ort, an dem Menschen lebten. Mike war unangekündigt vor ihrem Gebäude aufgetaucht und behauptete, er wäre nur vorbeigelaufen, obwohl sie inzwischen vermutete, dass die meisten seiner Vorbeiläufe deutlich weniger zufällig geworden wa
Die Klinik war donnerstagnachmittags ruhig, die Flaute zwischen dem Mittagsansturm und den abendlichen Trainings-Check-ins, und Elena hatte fast vergessen, wie es sich anfühlte, im Hinterzimmer zu sitzen, ohne dass ihr Puls erhöht war.„Du hast in zehn Minuten eine Team-Untersuchung", sagte Priya und schob einen Ordner über den Tresen. „Routinekram. Sollte einfach sein."Elena warf einen Blick auf den Namen auf der Lasche und spürte, wie sich etwas tief in ihrem Magen festsetzte, noch bevor sie ihn geöffnet hatte.Sorenson, Michael.Natürlich.Er tauchte genau pünktlich auf, was neu war, und ließ sich auf den Stuhl im Untersuchungszimmer fallen mit der leichten Vertrautheit von jemandem, der diesen Ort vor Wochen aufgehört hatte, seltsam zu finden.„Hast du mich vermisst?", sagte er.„Es sind vier Tage."„Vier sehr lange Tage."„Für wen?"„Für mich. Offensichtlich. Du hast wahrscheinlich kaum bemerkt, dass ich weg war." Er grinste, und es war dasselbe Grinsen wie immer, locker, ein we
Der Parkplatz vor der Arena war eine Stunde nach der Schlusssirene noch halb voll, Grüppchen von Studenten blieben bei ihren Autos stehen, der Atem dampfte in der Kälte. Elena hatte Jade irgendwo zwischen dem Kiosk und dem Ausgang verloren, verschluckt von einer Gruppe Mädchen aus ihrem Wirtschaftskurs, und sie überlegte gerade, ob sie einfach loslaufen sollte, als sie ihren Namen hörte.„Hey. Innenhof-Mädchen."Mike joggte heran, die Haare noch feucht, die Sporttasche über einer Schulter, ein blauer Fleck, der schwach entlang seines Kiefers aufblühte und vor dem Spiel noch nicht da gewesen war. Er sah jetzt müde auf die gewöhnliche Art aus, nicht auf die Art vom Eis, und etwas in Elenas Brust lockerte sich leicht bei dem Anblick, wie er aufrecht stand und redete.„Es ist Elena."„Ich weiß. Ich mag den anderen lieber."„Das ist beunruhigend."„Alles an mir ist beunruhigend. Daran solltest du dich gewöhnt haben." Er fiel neben ihr in Schritt, ohne zu fragen, und sie ließ ihn, weil das
Die Arena war lauter, als Elena erwartet hatte.Sie war seit der Highschool nicht mehr bei einem Hockeyspiel gewesen, irgendein Freizeitliga-Finale eines Cousins, an das sie sich kaum erinnerte, und nichts davon hatte sie auf das hier vorbereitet, die vollen Ränge, die Band irgendwo hinter der Heimmannschaftsbank, das besondere elektrische Summen einer Menge, die etwas unbedingt wollte.„Ich kann immer noch nicht glauben, dass du gekommen bist", sagte Jade und setzte sich mit zwei überteuerten heißen Schokoladen neben sie. „Du hasst Menschenmengen."„Ich hasse Menschenmengen nicht."„Du hasst Menschenmengen und laute Geräusche und die meisten Formen organisierter Unterhaltung."„Unterhaltung kann niemals organisiert sein", sagte Elena. „Das ist das ganze Problem mit dem Ausdruck. Und ein Hockeyspiel ist technisch gesehen keine Unterhaltung. Ich bin hier, weil es organisierte Nicht-Unterhaltung ist. Da ist ein Unterschied."Jade blinzelte sie an. „Du ergibst keinen Sinn."„Vergiss es."







