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Kapitel 41 – Michelle

last update Veröffentlichungsdatum: 05.07.2026 19:57:24

Ich wachte auf, weil das Licht in der Küche noch an war und es durch den Türspalt fiel, warm, gelb, und ich kurz nicht wusste, ob es Abend oder Morgen war. Das Sofa. Sophie. Der Wein. Finn.

Ich blieb noch einen Moment liegen, ließ die Erinnerungen an den Vortag in der Reihenfolge ankommen, in der sie wollten, ohne sie zu ordnen. Finns Umarmung. Die geschlossene Tür. Der Wein mit Sophie. Das Gespräch, das irgendwann aufgehört hatte, Gespräch zu sein, und einfach Beieinandersein geworden

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  • Was ich mir wert bin    Kapitel 46 – Michelle & Sophie

    Es war Sophie, die es ansprach. Drei Tage nach dem Abend mit dem Wein und der Hand, die ich nicht weggezogen hatte, rief sie an und sagte: "Ich glaube, wir müssen reden. Nicht viel. Nur klar."Wir trafen uns bei mir. Nicht in einem Café, nicht neutral – bei mir, weil das ehrlicher schien als so zu tun, als wären wir zwei Fremde, die eine schwierige Unterhaltung führten.Sophie saß mir gegenüber, die Hände um eine Tasse, und sah mich an mit dem Blick einer Frau, die entschieden hatte, dass sie lieber weiß als hofft."Was ist das hier?", fragte sie.Ich atmete einmal durch. "Ich weiß es nicht", sagte ich. "Und ich weiß, dass das keine zufriedenstellende Antwort ist. Ich bin neugierig. Ich fühle etwas, wenn ich mit dir zusammen bin, das anders ist als vorher. Ob das bedeutet, was ich glaube, dass es bedeuten könnte – das weiß ich noch nicht. Ich habe Angst, dir das zu sagen,

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 45 – Paul

    Das Wochenende verbrachte ich so, wie ich die letzten Monate damit verbracht hatte, wenn ich nicht wusste, wohin mit mir: unterwegs, in Räumen, die laut genug waren, um das Denken zu überlagern, mit Menschen, die gut genug darin waren, den Abend als Selbstzweck zu betrachten.Freitagabend: eine Hausparty in einem Loft im dritten Stock, das nach Terpentin roch und nach alten Holzdielen, die Gastgeberin eine Bekannte aus der Galerien-Szene, die ihre Einladungen so streute, dass immer mindestens drei Gespräche passierten, an denen man sich hätte festhalten können. Ich passte, wie ich es immer tat, in solche Räume – kannte genug Namen, konnte genug Themen handhaben, hatte genug Erfahrung darin, anwesend zu sein, ohne es sein zu müssen. Die Räume waren gut beleuchtet, das Gespräch war gepflegt, und irgendwann gegen Mitternacht stellte eine Frau mit rotgefärbten Haaren und einem Lachen, das früher meine Aufmerksamkeit gehalten hätte, eine Frage über mein Beratungsunternehmen, und ich antwor

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 44 – Sophie & Michelle

    Sophie erschien, wie sie das manchmal tat, ohne viel Vorwarnung – eine Nachricht um 18:47, ich bin in der Nähe, darf ich kurz, und ich hatte natürlich geantwortet, weil es natürlich war, weil es immer natürlich gewesen war, seit wir uns kannten, und weil der Abend vorher, das Geständnis, die Stille danach, die Antwort, die ich gegeben hatte – all das zwischen uns lag wie etwas, das man noch nicht ganz berührt, aber auch nicht mehr unberührt lassen kann.Sie brachte, wie sie es manchmal tat, Wein mit. Keinen besonderen, den man für besondere Anlässe kauft – einen aus dem Regal des Supermarkts, mit einem Etikett, das leicht verblasst war, von der Art, die sie immer kaufte, weil sie sagte, bei Wein dieser Kategorie sehe man dem Etikett an, ob jemand einen guten Geschmack hatte oder nur gute Absichten. Ich hatte sie einmal gefragt, was dieser Unterschied sei. Sie hatte gesagt: "Das Etikett."Wir saßen auf dem Sofa, die Beine quer, ein Glas zwischen den Händen, und redeten über nichts Schw

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 43 – Paul

    Die Nachricht von Bergers Kanzlei erreichte mich an einem Dienstagvormittag, in meinem Büro, zwischen zwei Telefonaten, die ich eigentlich hätte führen sollen, aber nicht geführt hatte, weil ich seit einer Stunde dasselbe Dokument anstarrte, ohne es zu lesen.Überweisung des Restguthabens. Rücksendung der Karte. Erledigt.Ich las es zweimal. Dann legte ich das Telefon, mit dem Berger mir die Zusammenfassung weitergeleitet hatte, auf den Schreibtisch und starrte auf die Wand gegenüber, die mir, wie die meisten Wände in diesem Büro, nichts zurücksagte.

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 42 – Michelle

    Ich wachte auf, und der erste Gedanke, den ich hatte, war nicht Paul, nicht Sophie, nicht Finn.Er war: Ich muss heute die Musterbögen für den Oktober-Auftrag fertigstellen.Das war neu.Nicht der Auftrag, nicht die Musterbögen – das war Routine geworden, eine schöne, vertraute Routine, die sich anfühlte wie ein Kleidungsstück, das man so oft getragen hat, dass es aufgehört hat, sich fremd anzufühlen. Sondern der Gedanke als erstes. Noch vor dem Kaffee, noch vor dem Handy, noch vor der Frage, was gestern gewesen war u

  • Was ich mir wert bin    Kapitel 41 – Michelle

    Ich wachte auf, weil das Licht in der Küche noch an war und es durch den Türspalt fiel, warm, gelb, und ich kurz nicht wusste, ob es Abend oder Morgen war. Das Sofa. Sophie. Der Wein. Finn.Ich blieb noch einen Moment liegen, ließ die Erinnerungen an den Vortag in der Reihenfolge ankommen, in der sie wollten, ohne sie zu ordnen. Finns Umarmung. Die geschlossene Tür. Der Wein mit Sophie. Das Gespräch, das irgendwann aufgehört hatte, Gespräch zu sein, und einfach Beieinandersein geworden war.Sophie war noch da. Ich hörte sie in der Küche, das leise Klingen von Tassen, das Rauschen des Wasserhahns. Ich setzte mich auf, strich mir die Haare aus dem Gesicht, und spürte die besondere Art von Morgenstillheit, die nach einem Abend kommt, der zu viel von einem verlangt hatte, um ihn vollständig zu verarbeiten."Kaffee", sagte Sophie, aus der Küche."Bitte", sagte ich zurück.Sie kam herein mit zwei Tassen – ihrer eigenen, der schlichten weißen, die si

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