LOGINEloise Virelith wuchs in dem Glauben auf, sie sei die unerwünschte Waise, die die mächtige Familie Virelith in ihrem Haus bemitleidet hatte. Aber jedes Mal, wenn jemand blutete, holte ihre Berührung ihn vom Rande des Todes zurück. In der Nacht, als sie nach Jahren der Abwesenheit auf das Anwesen zurückkehrt, trifft ein zerbrechlich aussehendes Mädchen namens Zelda mit Tränen und perfekten Lügen ein. Die sieben Adoptivbrüder, die einst versprochen hatten, Eloise zu beschützen, wenden sich ohne zu zögern gegen sie. Während sie ihre Reihen um Zelda schließen, beginnt jemand im Dunkeln, Eloises Blut zu stehlen. Dann erscheint ein uralter Alpha im Schatten. Lucian Noctavion hat jahrhundertelang regiert, Imperien aufgebaut und Liebhaber wie in den Nachrichten von gestern ausrangiert. Doch ein Blick auf Eloise und die Bindung schnappt ein. Sie ist seine Schicksalsgefährtin, die Haupterbin, die ihrer wahren Blutlinie entrissen wurde, und die einzige Kreatur auf der Welt, die er nicht verlieren will. Als sich der Verrat wie Holz anhäuft und ihre heilende Gabe zu etwas weitaus Gefährlicherem zu erwachen beginnt, muss Eloise sich entscheiden: Sie muss weiterhin versuchen, sich die Liebe einer Familie zu verdienen, die sie nie wollte, oder alles niederbrennen und den Thron beanspruchen, der immer ihr gehörte, mit dem besessensten Alpha der Welt, der an ihrer Seite steht.
View MoreDie Dunkelheit war nicht leer.Eloise hat das in der ersten Sekunde gelernt.Die Lichter gingen aus und der Schulungsraum wurde schwarz, aber es war nicht still. Sie hörte Atem. Vier Sätze. Kontrolliert. Ausbreiten. Einer an der Tür. Einer in der Nähe des Waffenregals. Zwei kreisen.Jäger.„Runter“, sagte Lucian. Seine Stimme war direkt neben ihrem Ohr.Eloise fiel.Etwas pfiff über ihrem Kopf. Schnell. Scharf. Es traf die Wand hinter ihr und erzeugte einen Funken. Silbernes Netz.„Thermik, bewegen“, sagte eine männliche Stimme. Niedrig. Professional. „Sie ist von der Prime.“„Hab sie“, antwortete eine Frau.Licht explodierte.Nicht von der Decke. Von der Brustausrüstung des Jägers. Hell, weiß, den Raum durchflutend. Eloise warf einen Arm nach oben. Geblendet.„Nullladung in drei“, sagte die Frau.Eloise rollte. Schlag auf die Matte. Kam herbei und schwang die Stabjalousie. Es verband sich mit etwas Festem. Ein Grunzen.„Kontakt“, sagte die Frau. „Subjekt ist feindselig.“„Das Subjekt
Der Tote stand auf.Eloise beobachtete das Geschehen auf dem Monitor. Einen Moment lang lag der Beta-Wächter flach auf dem Rücken, mit offener Kehle, und Blut sammelte sich auf den Steinen des Virelith-Tors. Im nächsten Moment zuckten seine Finger. Dann seine Arme. Dann richtete sich sein ganzer Körper auf wie eine Marionette, die an Fäden gezogen wird.Sein Kopf fiel herab. Der Schnitt an seiner Kehle war immer noch da und klaffte, aber es kam kein Blut heraus. Seine Augen waren offen. Weiß. Keine Schüler.„Heilige Scheiße“, sagte Eloise.Lucian bewegte sich bereits. „Lockdown“, sagte er. Das Wort erklang in der Luft und die Festung antwortete. Türen wurden zugeschlagen. Die Lichter wechselten von Weiß auf Rot. Ein leises Summen begann in den Wänden.Auf dem Bildschirm hat die Beta einen Schritt gemacht. Dann noch einer. Seine Bewegungen waren falsch. Ruckartig. Als hätte er vergessen, wie Beine funktionieren.Hinter ihm öffneten sich die Virelith-Tore.Tiago ging als Erster hinaus.
Der Rat traf im Morgengrauen ein.Eloise beobachtete sie von der Glaswand in Lucians Trainingsraum aus. Nicht wirklich beobachten – sie sah den schwarzen Konvoi, der sich auf dem Monitor-Feed die Bergstraße hinaufschlängelte. Sieben Fahrzeuge. Ratssiegel auf den Türen. Bewaffnete Betas im vorderen und hinteren Wagen.„Sie sind zu früh“, sagte sie.„Sie haben Angst“, erwiderte Lucian. Er stand mit freiem Oberkörper in der Mitte des Raumes und kreiste die Schultern. Auf seinem Rücken waren Narben. Alt. Tief. Keine davon von Silber. „Angst macht die Menschen pünktlich.“Eloise wandte sich vom Bildschirm ab. Der Trainingsraum war bis auf Matten, Waffen an den Wänden und sie beide leer. Keine Fenster. Keine Ausgänge außer der einen Tür. „Wirst du mit ihnen reden?“„Nein.“ Lucian nahm zwei Holzstäbe aus dem Ständer. Einen warf er ihr zu. Sie fing ihn auf. „Du wirst es tun.“Eloise hätte den Stab fast fallen gelassen. „Was?“„Sie sind nicht wegen mir hier.“ Lucian wirbelte seinen Stab einmal
Eloise erwachte und es herrschte Stille.Nicht das schwere, wertende Schweigen des Virelith-Anwesens. Das war anders. Sauber. Kalt. Wie die Luft nach dem Schnee.Sie öffnete ihre Augen.Die Decke über ihr bestand aus schwarzem Stein mit silbernen Adern. Keine Kronleuchter. Keine schwimmenden Kerzen. Nur ein einzelner Lichtstreifen, der niedrig und gleichmäßig am Rand des Raumes entlangläuft. Das Bett war riesig, die Laken dunkelgrau, weicher als alles, was sie jemals berührt hatte.Ihr Rücken tat nicht weh.Eloise setzte sich schnell auf. Zu schnell. Der Raum drehte sich. Sie packte den Rand der Matratze.Das Seidenkleid war weg. Stattdessen trug sie ein schlichtes schwarzes Hemd, das zu groß für sie war. Es reichte bis zur Mitte des Oberschenkels. Ihre Haut darunter war sauber. Kein Blut. Kein Schmutz.Mit zitternden Fingern griff sie hinter sich. Sie fand glatte Haut. Keine Wunden. Keine Krusten. Nur vier dünne Linien, blass und erhaben, dort, wo die silberne Peitsche getroffen hatt











