FAZER LOGINDie Dunkelheit war nicht leer.Eloise hat das in der ersten Sekunde gelernt.Die Lichter gingen aus und der Schulungsraum wurde schwarz, aber es war nicht still. Sie hörte Atem. Vier Sätze. Kontrolliert. Ausbreiten. Einer an der Tür. Einer in der Nähe des Waffenregals. Zwei kreisen.Jäger.„Runter“, sagte Lucian. Seine Stimme war direkt neben ihrem Ohr.Eloise fiel.Etwas pfiff über ihrem Kopf. Schnell. Scharf. Es traf die Wand hinter ihr und erzeugte einen Funken. Silbernes Netz.„Thermik, bewegen“, sagte eine männliche Stimme. Niedrig. Professional. „Sie ist von der Prime.“„Hab sie“, antwortete eine Frau.Licht explodierte.Nicht von der Decke. Von der Brustausrüstung des Jägers. Hell, weiß, den Raum durchflutend. Eloise warf einen Arm nach oben. Geblendet.„Nullladung in drei“, sagte die Frau.Eloise rollte. Schlag auf die Matte. Kam herbei und schwang die Stabjalousie. Es verband sich mit etwas Festem. Ein Grunzen.„Kontakt“, sagte die Frau. „Subjekt ist feindselig.“„Das Subjekt
Der Tote stand auf.Eloise beobachtete das Geschehen auf dem Monitor. Einen Moment lang lag der Beta-Wächter flach auf dem Rücken, mit offener Kehle, und Blut sammelte sich auf den Steinen des Virelith-Tors. Im nächsten Moment zuckten seine Finger. Dann seine Arme. Dann richtete sich sein ganzer Körper auf wie eine Marionette, die an Fäden gezogen wird.Sein Kopf fiel herab. Der Schnitt an seiner Kehle war immer noch da und klaffte, aber es kam kein Blut heraus. Seine Augen waren offen. Weiß. Keine Schüler.„Heilige Scheiße“, sagte Eloise.Lucian bewegte sich bereits. „Lockdown“, sagte er. Das Wort erklang in der Luft und die Festung antwortete. Türen wurden zugeschlagen. Die Lichter wechselten von Weiß auf Rot. Ein leises Summen begann in den Wänden.Auf dem Bildschirm hat die Beta einen Schritt gemacht. Dann noch einer. Seine Bewegungen waren falsch. Ruckartig. Als hätte er vergessen, wie Beine funktionieren.Hinter ihm öffneten sich die Virelith-Tore.Tiago ging als Erster hinaus.
Der Rat traf im Morgengrauen ein.Eloise beobachtete sie von der Glaswand in Lucians Trainingsraum aus. Nicht wirklich beobachten – sie sah den schwarzen Konvoi, der sich auf dem Monitor-Feed die Bergstraße hinaufschlängelte. Sieben Fahrzeuge. Ratssiegel auf den Türen. Bewaffnete Betas im vorderen und hinteren Wagen.„Sie sind zu früh“, sagte sie.„Sie haben Angst“, erwiderte Lucian. Er stand mit freiem Oberkörper in der Mitte des Raumes und kreiste die Schultern. Auf seinem Rücken waren Narben. Alt. Tief. Keine davon von Silber. „Angst macht die Menschen pünktlich.“Eloise wandte sich vom Bildschirm ab. Der Trainingsraum war bis auf Matten, Waffen an den Wänden und sie beide leer. Keine Fenster. Keine Ausgänge außer der einen Tür. „Wirst du mit ihnen reden?“„Nein.“ Lucian nahm zwei Holzstäbe aus dem Ständer. Einen warf er ihr zu. Sie fing ihn auf. „Du wirst es tun.“Eloise hätte den Stab fast fallen gelassen. „Was?“„Sie sind nicht wegen mir hier.“ Lucian wirbelte seinen Stab einmal
Eloise erwachte und es herrschte Stille.Nicht das schwere, wertende Schweigen des Virelith-Anwesens. Das war anders. Sauber. Kalt. Wie die Luft nach dem Schnee.Sie öffnete ihre Augen.Die Decke über ihr bestand aus schwarzem Stein mit silbernen Adern. Keine Kronleuchter. Keine schwimmenden Kerzen. Nur ein einzelner Lichtstreifen, der niedrig und gleichmäßig am Rand des Raumes entlangläuft. Das Bett war riesig, die Laken dunkelgrau, weicher als alles, was sie jemals berührt hatte.Ihr Rücken tat nicht weh.Eloise setzte sich schnell auf. Zu schnell. Der Raum drehte sich. Sie packte den Rand der Matratze.Das Seidenkleid war weg. Stattdessen trug sie ein schlichtes schwarzes Hemd, das zu groß für sie war. Es reichte bis zur Mitte des Oberschenkels. Ihre Haut darunter war sauber. Kein Blut. Kein Schmutz.Mit zitternden Fingern griff sie hinter sich. Sie fand glatte Haut. Keine Wunden. Keine Krusten. Nur vier dünne Linien, blass und erhaben, dort, wo die silberne Peitsche getroffen hatt
Der Wein traf ihre Zunge.Bitter. Metallisch. Falsch.Eloise schluckte nicht. Noch nicht. Sie ließ ihn auf der Zunge liegen, sodass er ihren Mund auskleidete, während die gesamte Halle den Atem anhielt. Dreihundert Augenpaare beobachteten sie. Alphas. Betas. Älteste. Ihre Brüder. Zelda.Draußen vor dem Fenster rührte sich Lucian nicht.Rune war der Erste, der die Beherrschung verlor. „Spuck’s aus!“, brüllte er und sprang über den Tisch.Eloise legte den Kopf schief. Dann schluckte sie.Die Halle explodierte.Lian stürmte vor. Miko rief Befehle. Dienstboten ließen Tabletts fallen. Das Quartett brach mitten in der Note ab, die Saiten kreischten.Eloise stellte das Glas ab. Leer. Sie presste die Lippen zusammen und wartete.Eine Sekunde. Zwei. Drei.Nichts.Kein Brennen. Kein Würgen. Kein Zusammenbruch. Ihr Herz schlug ruhig in ihrer Brust. Ihre Hände zitterten nicht.Zeldas Schluchzen hörte auf.Orlos Augen verengten sich. Er war der Einzige, der sich nicht bewegte. Er starrte Eloise an
Die Einladung wurde mit einem silbernen Dolch an Eloises Schlafzimmertür genagelt.Sie starrte darauf, immer noch feucht von der Dusche. Ihr Haar tropfte auf den Holzboden. Das Pergament war dick und mit dem Wappen des Virelith-Wolfs geprägt. Mit schwarzer Tinte buchstabierte sie ihren Namen wie eine Anschuldigung.Eloise Virelith Beim Mondaufgangsbankett ist Ihre Anwesenheit erforderlich Heute Abend. Haupthalle. Sonnenuntergang. Formelle Kleidung. Keine Ausnahmen.Keine Unterschrift. Aber sie wusste, wer es geschickt hatte. Mikos Handschrift war immer scharf, als könnte jeder Buchstabe schneiden.Sie zog den Dolch heraus. Es war zeremoniell und nicht für echte Kämpfe gedacht. Die Klinge war stumpf. Die Nachricht war nicht.Drei Tage waren vergangen, seit sie im Flur zusammengebrochen war. Drei Tage lang verschlossene Türen und geflüsterte Gespräche, die verstummten, als sie vorbeiging. Niemand hatte ihr Essen gebracht. Niemand hatte gefragt, ob sie noch lebte. Sie hatte mit den







