Share

Kapitel 3

Author: Peachy
Ich stürmte aus der Eingangshalle und taumelte zum Pool hinter dem Anwesen.

Matteo eilte mir hinterher. Seine Hand lag wie ein Schraubstock auf meiner Schulter. „Mandy! Jetzt reicht es! Ich habe bereits nach Nico gesehen. Er ist tot. Wir werden ihn heimlich verschwinden lassen. Damit ist die Sache erledigt. Es war ein Unfall. Vergiss es endlich!“

Ich riss mich gewaltsam aus seinem Griff los und stürmte zum Poolrand.

Das Wasser lag vollkommen still da. Leer.

Der schwarze Kinderwagen und das Baby darin waren verschwunden!

Mir gefror das Blut in den Adern. Ich packte ihn am Revers seines maßgeschneiderten Anzugs. „Wo ist das Baby?! Wo ist es?!“

In diesem Moment kamen zwei von Matteos Männern, die Wachdienst hatten, auf uns zugelaufen. „Boss, gibt es ein Problem?“

Matteo reagierte blitzschnell.

Er presste mir eine riesige Hand auf den Mund und zog mich an seine Brust. Die Adern auf seinem Handrücken traten deutlich hervor.

Er schenkte ihnen ein genervtes Lächeln. „Nichts. Nur ein kleiner Ehekrach. Sie hat zu viel getrunken.“

Seine Mutter und Isla eilten herbei, um ihn zu decken. „Ja, sie hat eine Wochenbettdepression. Sie ist nicht ganz bei sich. Geht und behaltet das Eingangstor im Auge.“

Die Männer warfen mir einen misstrauischen Blick zu, nickten jedoch und gingen davon.

Sobald sie außer Hörweite waren, ließ Matteo mich los.

„Mandy, glaubst du wirklich, es ist mir egal, dass unser Sohn tot ist?“

„Aber wenn du hier eine Szene machst und alle davon erfahren, wie soll Bianca dann noch in unserem Kreis weiterleben? Wie soll unsere Familie danach noch ihr Gesicht wahren?!“

Ich wischte mir die kalten Tränen von den Wangen. „Ist irgendetwas davon wichtiger als ein Menschenleben?“

Ich sah mich verzweifelt um und versuchte, das Kind zu finden.

Doch da war nichts. Ich durchsuchte jeden Winkel des Hinterhofs, aber von dem kleinen Körper fehlte jede Spur.

Bis mein Blick auf die brummende industrielle Müllpresse vor der Hauptküche des Anwesens fiel.

Isla folgte meinem Blick. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig.

Sie eilte auf mich zu, versperrte mir den Weg und breitete die Arme aus. „Was hast du vor? Da drüben ist es dreckig!“

Ich stieß sie mit aller Kraft aus dem Weg und rannte zur Müllpresse.

Die Metallklappe stand halb offen. Ein übler Gestank nach Müll drang daraus hervor.

Zwischen verrottetem Gemüse und Essensresten sah ich deutlich die Ecke jener vertrauten Babydecke.

Mir gefror das Blut in den Adern.

„Bist du überhaupt noch ein Mensch?!“ Ich deutete auf die Maschine und stieß einen qualvollen Schrei aus.„Das ist ein Baby!“

Isla fing sich wieder und rückte ihre Diamantkette zurecht.

Sie zeigte nicht die geringste Spur von Scham. Stattdessen hob sie das Kinn mit arrogantem Stolz.

„Es ist doch nur ein wertloses Leben!“, höhnte sie stolz. „Ich beseitige ein Problem für die Familie! Wenn die Gäste eine Leiche sehen, ist unser Ruf ruiniert. Sie in dieser Maschine zu zerquetschen, ist die sauberste Lösung!“

„Du verdammte Giftschlange!“ Ich funkelte sie mit zusammengebissenen Zähnen an.

Bianca versteckte sich hinter Isla, streckte den Kopf hervor und schnitt mir eine freche Grimasse. „Hör auf zu schreien! Du willst dein totes Baby doch nur benutzen, um Mitleid zu erregen und das Geld der Familie zu stehlen! Schlampe!“

Mein Herz blutete. Ich riss den Kopf zu Matteo herum und starrte ihn finster an. „Hol das Baby da raus! Sofort!“

Matteo warf einen Blick auf die stinkende Müllpresse und verzog angewidert das Gesicht. Er trat sogar einen Schritt zurück, als hätte er Angst, seine teuren Lederschuhe schmutzig zu machen.

„Genug, Mandy“, sagte er gleichgültig. „Tot ist tot. Morgen bestelle ich dir die Yacht, die dir so gefallen hat. Betrachte sie als Entschädigung. Sind wir damit quitt?“

Eine Yacht.

Für ihn war ein Menschenleben nur eine verdammte Yacht wert.

Die pure Niedertracht dieser Familie raubte mir jede Kraft.

Mir blieb nur noch ein einziger Gedanke: Ich musste herausfinden, wer dieses Baby war.

„Hol das Baby einfach da raus. Wir … wir geben ihm ein anständiges Begräbnis.“

Matteo atmete tief durch und machte sich widerwillig daran, die Maschine zu bedienen.

Doch Isla stellte sich ihm in den Weg und musterte mich misstrauisch. „Matteo, deine Frau spielt mit dir. Sobald du die Leiche da rausholst, rennt sie damit zu ihrem Vater und liefert ihm den Beweis!“

Bianca zupfte an seiner Jacke. „Onkel Matteo, ich will keinen Ärger bekommen … Ich habe morgen meinen Schulball.“

Matteo ließ das Bedienwerkzeug fallen. „Das Kind ist tot, Mandy. Hör auf, so ein Theater um ihn zu machen.“

Ich schloss die Augen und lachte bitter.

„Na gut. Du solltest es besser nicht bereuen.“

Damit taumelte ich zum Ausgang des Anwesens.

„Willst du etwa irgendwohin?“ Isla packte mich am Handgelenk. „Du gehst hier nicht weg, bevor die Müllpresse ihre Arbeit erledigt hat! Wir können dich schließlich nicht draußen auf der Straße herumbrüllen lassen!“

Bis dahin würde der Körper des Babys zu Brei zerquetscht sein. Es würde keine Beweise mehr dafür geben, dass er absichtlich ertränkt worden war.

„Fesselt sie!“, befahl die Matriarchin den Dienstmädchen mit kalter Stimme.

Ein grobes Hanfseil wurde fest um meine Handgelenke gebunden.

Sie stießen und schubsten mich und zerrten mich gewaltsam in den unterirdischen Weinkeller.

Verzweifelt wehrte ich mich und warf Matteo einen flehenden Blick zu.

Doch er wandte genervt den Blick ab. „Ein paar Tage eingesperrt zu sein, wird dir helfen, wieder zur Besinnung zu kommen.“

Der Weinkeller war dunkel und eiskalt. Sie fesselten mich sicher an einen schweren Stuhl.

Während die Erwachsenen draußen ihre nächsten Schritte planten, schlich sich Bianca in den Keller.

Klatsch!

Sie schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht.

„Das ist dafür, dass du mich geschlagen hast!“ Sie streckte ihr die Zunge heraus. Ihr Gesicht war vor purer Bosheit verzerrt.

Dann hob sie ihren teuren kleinen Lederschuh und trat mir brutal in den Bauch.

Genau dorthin, wo meine Kaiserschnittnarbe noch nicht vollständig verheilt war.

Ein zerreißender, blendender Schmerz durchfuhr mich. Ich krümmte mich vor Schmerzen. Eiskalter Schweiß brach mir am ganzen Körper aus.

Matteo erschien gerade rechtzeitig in der Tür und sah alles mit an.

Er hielt sie nicht auf. Stattdessen zuckte er nur mit den Schultern. „Wie viel Kraft kann ein Kind schon haben? Du hast sie vorhin erschreckt. Lass sie ihre Wut an dir auslassen.“

Von Matteo ermutigt, wurde Bianca noch dreister.

Sie zeigte mit dem Finger direkt auf mein Gesicht und kreischte: „Dein Bastardsohn hat es verdient zu sterben! Er verdient es, zu Müll zerquetscht zu werden!“

Noch bevor ihre Worte verklungen waren, wurden die schweren Eisentore des Anwesens von außen gewaltsam aufgesprengt.

Dutzende schwer bewaffnete Männer in schwarzen Anzügen strömten wie eine Flutwelle herein. Waffen wurden gezogen. Innerhalb weniger Sekunden war jeder Ausgang gesichert.

Umgeben von seinen besten Vollstreckern schritt mein Vater – der Don der Familie Sterling – in das Anwesen.

Sicher in seinen Armen lag ein weinendes, schreiendes Baby.

Es war mein dreimonatiger Sohn Nico – quicklebendig!

„Wer zum Teufel hat behauptet, mein Enkel sei tot?!“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Wiedergeboren für die Rache meines Babys   Kapitel 8

    Rocco starrte auf das schwarz-weiße Testergebnis. Seine Augen weiteten sich.„Matteo!“, brüllte er.Matteo wurde totenbleich. Er wich zurück und fuchtelte panisch mit den Händen.„Rocco, lass mich das erklären! Wir waren doch nur betrunken! Es ist nur dieses eine Mal passiert!“„Scheiß drauf!“, brüllte Rocco und zog seine Waffe.Doch meine Leute waren schneller.Zwei meiner Leibwächter stürzten sich auf ihn, entwaffneten ihn und hielten seine Arme fest.Rocco verlor völlig die Kontrolle. Er riss sich los, stürzte sich auf Matteo und schlug seinem eigenen Bruder mit voller Wucht ins Gesicht.„Du hast mit meiner Frau geschlafen?! Und mich zehn Jahre lang dein Bastardkind großziehen lassen?!“ Rocco setzte sich auf Matteos Brust und prügelte ihn fast zu Tode.Ich stand einfach da und sah mir das Schauspiel an. Bianca war zehn. Als ob es „nur dieses eine Mal“ gewesen wäre.Mein Wohnzimmer verwandelte sich in ein Schlachthaus.Matteo hatte nirgendwohin zu fliehen. Mit einem lauten Knacken br

  • Wiedergeboren für die Rache meines Babys   Kapitel 7

    Rocco und die alte Frau nahmen ihre Männer mit und verwüsteten den Club von Stellas Vater.Sie drohten damit, der gesamten Unterwelt zu erzählen, dass Stella eine Komplizin gewesen war.Um den Frieden zu wahren, schluckte Stellas Vater die Demütigung herunter.Er übergab ihnen einen Sportwagen aus einer limitierten Sonderedition und zehn Prozent der Anteile an einem Casino.Als Boss auf Augenhöhe betrachtete er das als nichts weiter, als Bettlern ein paar Münzen hinzuwerfen.Doch die Vaughns waren gierig. Sie wollten noch mehr.Bianca presste ein paar gespielte Tränen heraus und flehte um einen größeren Anteil.Sie verlangte sogar, dass Stellas Familie öffentlich auf die Knie ging und die gesamte Schuld auf sich nahm.Stellas Vater platzte der Kragen. Diese Beleidigung würde er nicht hinnehmen.Bei einem Treffen mit allen großen Familien ließ er Stella eine vernichtende Tonaufnahme abspielen.Auf der Aufnahme weinte Stella. Sie hatte zu große Angst, den Kinderwagen anzufassen.Bianca h

  • Wiedergeboren für die Rache meines Babys   Kapitel 6

    Der Skandal verbreitete sich wie ein Lauffeuer.In weniger als einer halben Stunde wusste jede Mafia-Familie von dem grausamen Mord.Die Vaughns waren zum Gespött der gesamten Unterwelt geworden.Matteo ignorierte den Spott. Er wich meinem Vater aus und schlich sich in mein Schlafzimmer.„Mandy, du musst die Schuld für die Leiche übernehmen“, sagte er und schlug die Tür hinter sich zu. Er sagte es, als wäre es meine Pflicht als Ehefrau.Ich war gerade dabei, meine Kleidung einzupacken. Mitten in der Bewegung hielt ich inne.Er hatte keine Ahnung, dass meine Brosche jedes einzelne Wort aufzeichnete.„Wie bitte?“ Ich lachte auf. In mir brodelte eine kalte, eisige Wut. „Ich soll die Schuld für die Frau deines Bruders übernehmen? Ich soll mich wegen ihr dem Zorn der Kommission aussetzen? Und was ist mit meinem Sohn?!“Matteo trat dicht an mich heran und tat so, als würde er mir damit einen Gefallen tun.„Wir lassen Rocco Nico als seinen Erben anerkennen. Ich rede mit dem Don. Sie werden di

  • Wiedergeboren für die Rache meines Babys   Kapitel 5

    Die Wachen hebelten die Müllpresse auf. Vorsichtig zogen sie den winzigen Körper aus dem tiefen Inneren der Maschine.Der kleine Körper war mit Schmierfett und Blut bedeckt und bis zur Unkenntlichkeit zerquetscht.Eine der Wachen zog mit zitternden Händen die schmutzige Decke zurück. Ein kleines, von Blutergüssen übersätes, lebloses Gesicht kam zum Vorschein.Es war Luca. Der dreimonatige Sohn von Rocco und Isla.„Nein!!!“, schrie Isla auf. Ihre Augen verdrehten sich, und sie brach bewusstlos zusammen.Bianca kroch herbei. Sie sank vor dem zerquetschten Körper ihres Bruders auf die Knie und stieß ein verzweifeltes Heulen aus.„Nein! Das ist nicht Luca!“ Sie krallte sich in die Haare. Tränen liefen über ihr Gesicht und wuschen den Schmutz von ihren Wangen. „Ich habe den Bastard dieser Schlampe da reingestoßen!“Ich trat näher und blickte auf die kleine Mörderin hinab. Ich hatte dieser Psychopathin unzählige Diamantketten geschenkt. Ich hatte sie in der Unterwelt beschützt.„Wie kannst d

  • Wiedergeboren für die Rache meines Babys   Kapitel 4

    Mein Vater stürmte in den Weinkeller, Nico sicher in seinen Armen.Eben noch hatten die Vaughns meinen Namen verflucht.Jetzt wich ihnen schlagartig jede Farbe aus dem Gesicht.Matteos Augen traten hervor. Er starrte auf das Kind, stürzte auf Nico zu und kniff ihm brutal in die Wange.„Wie kannst du noch leben?!“, platzte es aus ihm heraus.Nico schrie vor Schmerz auf.Der Blick meines Vaters wurde eiskalt. Mit voller Wucht trat er Matteo mit seinem schweren Stiefel direkt gegen die Brust.Matteo schrie auf und wurde nach hinten geschleudert. Er krachte gegen eine Reihe von Eichenfässern. Tiefroter Wein vermischte sich mit dem Blut aus seiner Nase und rann über den Boden.„Fass meinen Enkel noch einmal an, und du bist ein toter Mann“, knurrte mein Vater.Matteo krümmte sich vor Schmerzen am Boden. Er hielt sich die Brust und schüttelte benommen den Kopf.„Unmöglich. Ich habe Nicos Babydecke gesehen! Mit eigenen Augen!“Plötzlich verengten sich seine Pupillen. Er rappelte sich hoch, bis

  • Wiedergeboren für die Rache meines Babys   Kapitel 3

    Ich stürmte aus der Eingangshalle und taumelte zum Pool hinter dem Anwesen.Matteo eilte mir hinterher. Seine Hand lag wie ein Schraubstock auf meiner Schulter. „Mandy! Jetzt reicht es! Ich habe bereits nach Nico gesehen. Er ist tot. Wir werden ihn heimlich verschwinden lassen. Damit ist die Sache erledigt. Es war ein Unfall. Vergiss es endlich!“Ich riss mich gewaltsam aus seinem Griff los und stürmte zum Poolrand.Das Wasser lag vollkommen still da. Leer.Der schwarze Kinderwagen und das Baby darin waren verschwunden!Mir gefror das Blut in den Adern. Ich packte ihn am Revers seines maßgeschneiderten Anzugs. „Wo ist das Baby?! Wo ist es?!“In diesem Moment kamen zwei von Matteos Männern, die Wachdienst hatten, auf uns zugelaufen. „Boss, gibt es ein Problem?“Matteo reagierte blitzschnell.Er presste mir eine riesige Hand auf den Mund und zog mich an seine Brust. Die Adern auf seinem Handrücken traten deutlich hervor.Er schenkte ihnen ein genervtes Lächeln. „Nichts. Nur ein kleiner E

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status