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Wo der Wolf mich fand
Wo der Wolf mich fand
Author: Elizes Heimpo

Kapitel 1

last update publish date: 2026-01-18 05:56:10

Daran

Ich wurde gerufen, weil am Rand unseres Reviers etwas nicht stimmte. Ein Geruch lag in der Luft und es fühlte sich anders an.

Schärfer. Kälter. Wie ein fremder Wind, der durch die Bäume weht.

Ich rief Liam, meinen Beta, und wir fuhren sofort los. Ich wusste, dass er dieselbe Unruhe spürte wie ich, auch wenn er es nicht zugeben würde.

Als wir ankamen, stand ein junger Mann meines Rudels am Waldrand. Er wirkte nervös, seine Hände zitterten fast, und er vermied es, uns direkt anzusehen. Er war jung, unerfahren. Aber er wusste, dass er etwas seltsames gefunden hatte.

„Das ist nicht unser Blut,“ sagte Liam, bevor ich überhaupt etwas sagen konnte.

Ich nickte nur.

Und dann sah ich sie.

Der junge Mann, Eric, zeigte nur auf einen Baum, als ob er selbst nicht glauben konnte, dass sie dort war. „Ich wusste nicht, was ich mit ihr machen sollte…“ stammelte er.

Ich trat näher. Mein Wolf in mir, Kian, kam in meinem Geist nach vorne. Er spürte etwas. Eine Präsenz, die ihn sofort zusammenzucken ließ – aber nicht vor Angst. Eher vor Erregung.

Eine junge Frau, dunkelhaarig mit leicht rotem Schimmer, zerzaust in ihrem Gesicht, mit fast schwarzen Augen und so groß und so wach, als hätte sie noch nie zuvor Menschen gesehen.

Sie saß zitternd an einem Baumstamm, den Rücken gegen die Rinde gepresst, als ob sie nach Halt suchte.

Sie hob den Kopf und starrte uns an, als wäre sie erst jetzt aus einem Traum aufgewacht.

„Bitte nicht…“ flüsterte sie. „Bitte…“

Ihr Blick wanderte von mir zu Liam, dann wieder zu mir, als ob sie nicht wusste, wohin sie schauen sollte.

Ich bemerkte die Kratzer an ihrem Arm. Nicht tief, aber deutlich. Und ich bemerkte etwas anderes, viel Ungewöhnlicheres:

Ihr T-Shirt war zerrissen, und darunter sah man einen Stoff, der nicht wie normale Kleidung aussah. Er war grob, wie von jemandem, der kein Geld für feine Sachen hatte… oder von jemandem, der keine Zeit hatte, sich darum zu kümmern.

Doch was mich wirklich stoppte, war der Geruch.

Ein Hauch von Wald. Von Erde. Und dann – ganz leicht, kaum wahrnehmbar – ein Hauch von Wolf.

Nicht stark.

Kian drängte in meinem Kopf: „Nimm sie mit.“

Ich schüttelte den Kopf, obwohl ich es nicht verstand.

Sie ist ein Mensch.

Und doch spürte ich, wie mein Wolf stärker wurde, als ob er sie sofort in seinem Rudel haben wollte.

„Sie kommt mit ins Haus,“ sagte ich schließlich, ohne weiter nachzudenken.

Es war nicht nur eine Entscheidung. Es war ein Befehl – aber einer, der mehr von Kian kam als von mir.

Der junge Mann sah mich an, als hätte er Angst, dass ich ihn sofort bestrafen würde. Aber ich war nicht wütend. Ich war nur… wachsam.

„Warum?“ fragte er, fast panisch.

Ich blickte zu der Frau. Sie war schwach, fast kraftlos. Sie stand auf, als ich mich ihr näherte, und wankte.

Ich streckte ihr meine Hand entgegen.

„Als erstes kommst du mit mir. Du bekommst ein warmes Bad, wenn du möchtest,“ sagte ich ruhig.

Sie zögerte, dann nahm sie meine Hand. Sie konnte kaum stehen. Ihre Beine gaben nach, und sie fiel in meine Arme. Für einen Moment hielt sie sich fest, als ob sie Angst hätte, zu fallen – nicht nur körperlich, sondern auch in eine neue Realität.

Ich sah, dass sie fror. Der Wald war kalt, und ihr Körper schien kaum mehr Wärme zu produzieren.

Ich zog meinen Mantel aus und wickelte ihn um ihre Schultern.

Sie zitterte noch stärker, aber sie schien sich zu entspannen. Es war, als ob der Mantel nicht nur Wärme, sondern auch Schutz gab.

„Warum tust du das?“ fragte sie leise.

Ich sah sie an und musste mich zusammenreißen, damit meine Stimme nicht zu hart wurde.

„Weil du hier bist. Und weil du gerade keine andere Wahl hast.“

Sie nickte nur, als hätte sie verstanden, obwohl sie noch nicht wirklich wusste, was es bedeutete.

Als wir zum Haus gingen, spürte ich die Blicke meines Rudels auf uns. Ich wusste, dass sie uns beobachteten. Dass sie die Veränderung in der Luft bemerkten. Ich würde später ihre Fragen beantworten. 

Im Haus führte ich sie in mein Zimmer. Mein Wolf, Kian, war still. Zu still. Das machte mich nervös.

„Ich werde dir helfen,“ sagte ich, während ich ihre aus den Sachen half. 

Sie ging ins Badezimmer, wo ich schon das Wasser für eine heiße Wanne einließ.

Dann fiel mein Blick auf ein Stück Stoff, das nicht zu ihrem Outfit passte – zu sauber, zu neu, als wäre es jemandem gehört, der eine hohe Position hat – Macht.

Ich hob es an und roch daran. Es war nicht nur normaler Menschengeruch. Es war etwas, das ich nur zu gut kannte: der Hauch von Wildnis, von Mondnächten und von einem Rudel. Wie eine Spur, die jemand absichtlich hinterlassen hatte.

Kian presste sich gegen meine Gedanken.Sie gehört zu uns.

Und ich konnte nicht leugnen, dass etwas in mir antwortete.

„Ich weiß nicht, wer du bist,“ flüsterte ich, mehr zu mir selbst als zu ihr.

„Aber ich weiß, dass du nicht allein hierher gefunden hast.“

Sie sah mich an, verwirrt.

„Ich… ich weiß nicht wer ich bin.“

Das war der Moment, als sich in mir etwas regte. 

Nicht aus Angst. Sondern aus einem Gefühl, das ich nie zuvor erlebt hatte: Schutz. Zorn. Und… Verlangen.

Ich wusste, dass mein Rudel es spüren würde. 

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