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Daran
Ich wurde gerufen, weil am Rand unseres Reviers etwas nicht stimmte. Ein Geruch lag in der Luft und es fühlte sich anders an.
Schärfer. Kälter. Wie ein fremder Wind, der durch die Bäume weht.
Ich rief Liam, meinen Beta, und wir fuhren sofort los. Ich wusste, dass er dieselbe Unruhe spürte wie ich, auch wenn er es nicht zugeben würde.
Als wir ankamen, stand ein junger Mann meines Rudels am Waldrand. Er wirkte nervös, seine Hände zitterten fast, und er vermied es, uns direkt anzusehen. Er war jung, unerfahren. Aber er wusste, dass er etwas seltsames gefunden hatte.
„Das ist nicht unser Blut,“ sagte Liam, bevor ich überhaupt etwas sagen konnte.
Ich nickte nur.Und dann sah ich sie.
Der junge Mann, Eric, zeigte nur auf einen Baum, als ob er selbst nicht glauben konnte, dass sie dort war. „Ich wusste nicht, was ich mit ihr machen sollte…“ stammelte er.
Ich trat näher. Mein Wolf in mir, Kian, kam in meinem Geist nach vorne. Er spürte etwas. Eine Präsenz, die ihn sofort zusammenzucken ließ – aber nicht vor Angst. Eher vor Erregung.
Eine junge Frau, dunkelhaarig mit leicht rotem Schimmer, zerzaust in ihrem Gesicht, mit fast schwarzen Augen und so groß und so wach, als hätte sie noch nie zuvor Menschen gesehen.
Sie saß zitternd an einem Baumstamm, den Rücken gegen die Rinde gepresst, als ob sie nach Halt suchte.
Sie hob den Kopf und starrte uns an, als wäre sie erst jetzt aus einem Traum aufgewacht.
„Bitte nicht…“ flüsterte sie. „Bitte…“Ihr Blick wanderte von mir zu Liam, dann wieder zu mir, als ob sie nicht wusste, wohin sie schauen sollte.
Ich bemerkte die Kratzer an ihrem Arm. Nicht tief, aber deutlich. Und ich bemerkte etwas anderes, viel Ungewöhnlicheres:Ihr T-Shirt war zerrissen, und darunter sah man einen Stoff, der nicht wie normale Kleidung aussah. Er war grob, wie von jemandem, der kein Geld für feine Sachen hatte… oder von jemandem, der keine Zeit hatte, sich darum zu kümmern.
Doch was mich wirklich stoppte, war der Geruch.
Ein Hauch von Wald. Von Erde. Und dann – ganz leicht, kaum wahrnehmbar – ein Hauch von Wolf. Nicht stark.Kian drängte in meinem Kopf: „Nimm sie mit.“
Ich schüttelte den Kopf, obwohl ich es nicht verstand.Sie ist ein Mensch.
Und doch spürte ich, wie mein Wolf stärker wurde, als ob er sie sofort in seinem Rudel haben wollte.
„Sie kommt mit ins Haus,“ sagte ich schließlich, ohne weiter nachzudenken.
Es war nicht nur eine Entscheidung. Es war ein Befehl – aber einer, der mehr von Kian kam als von mir.
Der junge Mann sah mich an, als hätte er Angst, dass ich ihn sofort bestrafen würde. Aber ich war nicht wütend. Ich war nur… wachsam.
„Warum?“ fragte er, fast panisch.
Ich blickte zu der Frau. Sie war schwach, fast kraftlos. Sie stand auf, als ich mich ihr näherte, und wankte.
Ich streckte ihr meine Hand entgegen.
„Als erstes kommst du mit mir. Du bekommst ein warmes Bad, wenn du möchtest,“ sagte ich ruhig.Sie zögerte, dann nahm sie meine Hand. Sie konnte kaum stehen. Ihre Beine gaben nach, und sie fiel in meine Arme. Für einen Moment hielt sie sich fest, als ob sie Angst hätte, zu fallen – nicht nur körperlich, sondern auch in eine neue Realität.
Ich sah, dass sie fror. Der Wald war kalt, und ihr Körper schien kaum mehr Wärme zu produzieren.
Ich zog meinen Mantel aus und wickelte ihn um ihre Schultern.Sie zitterte noch stärker, aber sie schien sich zu entspannen. Es war, als ob der Mantel nicht nur Wärme, sondern auch Schutz gab.
„Warum tust du das?“ fragte sie leise.
Ich sah sie an und musste mich zusammenreißen, damit meine Stimme nicht zu hart wurde.
„Weil du hier bist. Und weil du gerade keine andere Wahl hast.“
Sie nickte nur, als hätte sie verstanden, obwohl sie noch nicht wirklich wusste, was es bedeutete.
Als wir zum Haus gingen, spürte ich die Blicke meines Rudels auf uns. Ich wusste, dass sie uns beobachteten. Dass sie die Veränderung in der Luft bemerkten. Ich würde später ihre Fragen beantworten.
Im Haus führte ich sie in mein Zimmer. Mein Wolf, Kian, war still. Zu still. Das machte mich nervös.
„Ich werde dir helfen,“ sagte ich, während ich ihre aus den Sachen half.Sie ging ins Badezimmer, wo ich schon das Wasser für eine heiße Wanne einließ.
Dann fiel mein Blick auf ein Stück Stoff, das nicht zu ihrem Outfit passte – zu sauber, zu neu, als wäre es jemandem gehört, der eine hohe Position hat – Macht.
Ich hob es an und roch daran. Es war nicht nur normaler Menschengeruch. Es war etwas, das ich nur zu gut kannte: der Hauch von Wildnis, von Mondnächten und von einem Rudel. Wie eine Spur, die jemand absichtlich hinterlassen hatte.
Kian presste sich gegen meine Gedanken.Sie gehört zu uns.
Und ich konnte nicht leugnen, dass etwas in mir antwortete.
„Ich weiß nicht, wer du bist,“ flüsterte ich, mehr zu mir selbst als zu ihr.„Aber ich weiß, dass du nicht allein hierher gefunden hast.“
Sie sah mich an, verwirrt.
„Ich… ich weiß nicht wer ich bin.“Das war der Moment, als sich in mir etwas regte.
Nicht aus Angst. Sondern aus einem Gefühl, das ich nie zuvor erlebt hatte: Schutz. Zorn. Und… Verlangen.Ich wusste, dass mein Rudel es spüren würde.
SeraWo gehöre ich hin?Die Frage tauchte in meinem Kopf auf, noch bevor ich meine Augen ganz öffnete. Ich bin wieder eingeschlafen. Die frage lag schwer in mir, wie etwas, das schon viel zu lange unbeantwortet war. Mein Körper fühlte sich erschöpft an, aber nicht schwach. Eher so, als hätte ich etwas überstanden, das größer war als ich.Ich erinnerte mich an den Wolf.Alpha Daran. In seiner Gestalt aus Fell, Kraft und purer Präsenz.Und das Seltsame war: Ich hatte keine Angst gehabt. Keine Spur davon.Warum?Ein Teil von mir flüsterte eine Antwort, leise, kaum greifbar: Weil du gleich bist.Doch ich spürte es nicht. Ich fühlte keinen Wolf in mir, keine Kraft unter der Haut. Nur diese Unruhe. Dieses Ziehen in der Brust. Dieses Gefühl, nicht vollständig zu sein.„Du bist wach.“Die Stimme war sanft, warm. Ich drehte den Kopf und
DaranIn dem Moment, in dem sie die Augen öffnete, spürte ich es.Nicht mit meinen Sinnen. Nicht als Alpha. Nicht einmal als Wolf.Sondern dort, wo Kian und ich eins waren.Es war, als hätte jemand ein Band gestrafft, das vorher lose gewesen war. Warm. Pulsierend. Lebendig.Eine Verbindung.Meine Finger lagen um ihre Hand, und als sie sich leicht bewegte, als wäre sie noch halb im Traum gefangen, zog sich etwas in meiner Brust schmerzhaft zusammen. Ich hätte nicht gedacht, dass Nähe sich so anfühlen konnte. So gefährlich. So richtig.Sie rückte näher an mich heran, kaum merklich. Instinktiv.Und ich ließ es zu.Nein. Mehr noch.Ich genoss es.Ihr Atem war ruhig, ihr Geruch klarer als zuvor. Nicht mehr nur Mensch. Nicht mehr verborgen. Etwas Altes regte sich in ihr, und mein Wolf erkannte es, noch bevor mein Verstand es zulassen wollte.Gefä
SeraIch erwachte langsam.Nicht mit einem Ruck, nicht mit einem klaren Gedanken – sondern wie jemand, der sich mühsam aus tiefem, kaltem Wasser an die Oberfläche kämpft. Geräusche waren zuerst nur ein fernes Rauschen. Stimmen, gedämpft. Wärme unter meinen Fingern. Ein vertrauter Druck.Ich atmete ein.Der Geruch von Kräutern lag in der Luft. Bitter, erdig, fremd – und doch beruhigend. Mein Körper fühlte sich schwer an, als hätte ich zu lange geschlafen. Oder zu lange gerannt.Als ich die Augen öffnete, war alles verschwommen. Schatten bewegten sich über mir. Eine Gestalt saß neben dem Bett, leicht nach vorne gebeugt.Daran.Ich wusste seinen Namen, noch bevor mein Verstand ganz wach war. Er war einfach da. Wie ein Anker.Meine Finger zuckten – und da merkte ich, dass ich seine Hand hielt. Oder besser: dass er meine hielt. Fest. Als hätte e
DaranIch wich nicht von ihrer Seite.Sera lag reglos auf dem Bett, ihre Haut zu blass, ihr Atem zu flach. Ab und zu zuckte ihr Körper, als würde sie gegen etwas Unsichtbares ankämpfen. Ihre Stirn legte sich in Falten, ihre Lippen bewegten sich lautlos.Aber es machte mir Angst.„Sie kämpft,“ murmelte Selina leise neben mir. Ihre Stimme war ruhig, aber ich kannte sie gut genug, um zu hören, dass auch sie beunruhigt war. „Nicht gegen Fieber. Gegen etwas Inneres.“Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar. Mein Herz schlug schwer gegen meine Rippen, als würde es mir etwas sagen wollen, das ich nicht hören wollte.Das ist deine Schuld.Kaum hatte der Gedanke Form angenommen, war Kian da.'Nein,' sagte er ruhig. Zu ruhig.'Das ist Schicksal.'Ich schloss die Augen. „Hör auf.“'Du spürst es doch selbst,' fuhr er fort. 'Seit dem ersten Mom
SeraIch war auf einem Baum.Nicht in meinem Zimmer. Nicht in einem Traum. Sondern in einem Bild, das tief in mir schlummerte – wie ein Stück meiner Seele, das jemand vergraben hatte.Ich schaute nach unten.Der Boden war weit entfernt. Und trotzdem wusste ich sofort:Ich kann springen.Es war kein Gedanke.Es war ein Instinkt. Ein Tierinstinkt, der in meinem Körper schlief, als hätte er nur darauf gewartet, geweckt zu werden.Ich atmete einmal tief ein – und sprang.Der Fall war ein Katzensprung.Leicht. Geschmeidig. Natürlich.Ich landete, ohne zu wanken, und rannte los.Meine Beine bewegten sich, als würden sie von selbst wissen, wohin sie wollten.Hinter mir hörte ich Schritte.Große Schritte. Nicht menschlich.Die Erde vibrierte.Der Wald wurde zu einem Tunnel aus Schatten und Bewegung, als ich schneller wurde.Je
DaranIch stand in meinem Zimmer und starrte auf die Stelle, an der sie gerade noch gestanden hatte. Auf dem Bett lag nur die Decke – ordentlich gefaltet, als hätte niemand sie benutzt.Und ich wusste etwas anderes, das mir das Herz in die Kehle drückte:Ich wollte sie.Nicht nur Kian.Ich wollte sie.Dieses Gefühl war so neu, so fremd – und gleichzeitig so klar, dass ich mich kaum traute, es auszusprechen. Ich war Alpha. Ich durfte keine Schwäche zeigen. Ich durfte nicht nachgeben.Und doch spürte ich Kian in meinem Geist wie eine Welle, die gegen die Felsen schlägt.„Sie bleibt. Sie gehört hierher. Sie gehört zu mir. Zu uns!“Ich knirschte mit den Zähnen.„Kian…“ murmelte ich.Er antwortete sofort, als hätte er nur darauf gewartet.„Du weißt, dass sie es ist. Du weißt, dass sie…“Ich schluckte. „Ich weiß nicht, was ich weiß.“Sein Ton wurde schärfer. „Du spürst es doch. Du willst sie.“„Nein,“ sagte ich, obwohl ich die Wahrheit fühlte, „ich will sie nicht. Ich will keine Probleme. I







