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Kapitel 2

last update publish date: 2026-01-18 05:56:21

Sera

Ich kam zu mir, als der Schmerz mich traf.

Hart. Unerwartet.

Mein Körper wurde aus etwas herausgestoßen, und noch bevor ich verstand, was geschah, schlug ich auf dem Boden auf. Die Luft wurde mir aus den Lungen gepresst. Ich hörte das Zuschlagen einer Tür. Dann Schritte. Stimmen. Gedämpft, fremd, ohne Gesicht.

Panik schoss durch mich.

Noch während ich versuchte, Luft zu holen, zwang ich meinen Körper, sich zu bewegen. Ich rollte mich zur Seite, rappelte mich hoch und rannte. Ich wusste nicht wohin. Nur weg.

Der Wald verschluckte mich sofort. Äste peitschten gegen mein Gesicht, rissen an meinen Haaren. Ich stolperte, fing mich gerade noch, schlug mir das Knie auf und spürte, wie etwas Warmes über meine Haut lief. Ich rammte einen Baum mit der Schulter, ein scharfer Schmerz zog durch meinen Arm, doch ich hielt nicht an.

Manchmal sah ich Sterne. Schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen. Mein Kopf pochte, mein Atem ging stoßweise. Aber ich musste weiterlaufen. Sie durften mich nicht einholen.

Doch niemand folgte mir.

Das war fast schlimmer.

Ich rannte, bis meine Beine nicht mehr wollten. Bis sie unter mir nachgaben und ich zu Boden sank. Die Kälte kroch sofort in mich hinein. Mein Körper zitterte, mein Kopf wurde leicht, dann schwer. Und dann… nichts.

Als ich die Augen wieder öffnete, hörte ich Schritte.

Mein Herz setzte aus.

Ich setzte mich hastig auf, presste den Rücken gegen etwas Festes. Ein Baum. Gut. Hinten Halt, unten Boden. Ich musste mich orientieren. Doch dann hörte ich Stimmen. Mehr als eine.

Mir wurde wieder schwarz vor Augen.

Reiß dich zusammen, zwang ich mich.

Als mein Blick klarer wurde, sah ich zwei Männer vor mir stehen.

Der eine hatte hellbraunes Haar, ein schmales, längliches Gesicht. Er war groß, stabil, wirkte ruhig, aber angespannt. Der andere… mein Atem stockte.

Dunkle Haare. Hellblaue Augen, so klar wie das Meer. Seine Schultern waren breit, seine Präsenz erdrückend. Er stand einfach nur da – und dennoch fühlte es sich an, als würde er den Raum um sich herum ausfüllen.

Ich zog die Knie an mich und rutschte näher an den Baum. Mein Körper zitterte unkontrolliert, vor Kälte, vor Angst. Mein Blick sprang zwischen ihnen hin und her.

Sind sie es?

Sind das die, die mich aus dem Auto gestoßen haben?

„Bitte nicht…“ flüsterte ich. „Bitte…“

Ich wusste nicht, an wen ich mich wandte. Ich wusste nicht einmal, warum diese Worte über meine Lippen kamen. Ich kannte sie nicht. Ich kannte mich nicht.

Es vergingen Sekunden. Vielleicht Minuten.

Der große Mann mit den blauen Augen schüttelte einmal langsam den Kopf. Nur eine kleine Bewegung – aber irgendetwas daran ließ die Panik in mir minimal nachlassen.

Dann sagte er: „Sie kommt mit ins Haus.“

Mein Herz raste. Was?

Warum wollte er mich mitnehmen? Wenn sie mir etwas antun wollten, hätten sie es doch längst getan… oder?

Ich war so in meinen Gedanken gefangen, dass ich nicht bemerkte, wie er auf mich zukam. Erst als er direkt vor mir stand, versuchte ich aufzustehen. Meine Beine gaben sofort nach.

Ich wankte – und dann waren da Arme, die mich auffingen.

Er streckte mir die Hand entgegen. Ich starrte sie an. Konnte ich ihm vertrauen? Aber welche Wahl hatte ich?

„Als erstes kommst du mit mir. Du bekommst ein warmes Bad, wenn du möchtest,“ sagte er ruhig.

Seine Stimme war tief. Fest. Und… ehrlich?

Ich wollte seine Hand nehmen, doch meine Kraft war fast aufgebraucht. Meine Beine knickten erneut ein, und er hielt mich fest, als wäre es das Natürlichste der Welt. Dann legte er mir seinen Mantel um die Schultern.

Erst da begriff ich, wie kalt mir wirklich war.

Der Stoff war warm. Schwer. Schützend. Ich begann stärker zu zittern – vielleicht vor Kälte, vielleicht vor Angst vor dem, was nun kommen würde. Aber tief in mir wusste ich: Das waren nicht die gleichen Menschen.

„Warum tust du das?“ fragte ich leise.

„Weil du hier bist. Und weil du gerade keine andere Wahl hast,“ antwortete er.

Ich nickte, verstand aber nur die Hälfte.

Auf dem Weg sah ich überall Menschen. Sie starrten. Flüsterten. Ich senkte den Blick. Alles fühlte sich fremd an. Zu groß. Zu laut. Zu viel.

Das Haus war riesig. Ohne Hilfe hätte ich mich sofort verlaufen.

Wir blieben in einem Zimmer stehen. Er half mir aus den Sachen, ohne mich anzusehen, als wolle er mir Raum lassen. Ich behielt ein kleines Stück Stoff an mir und ging damit ins Bad.

Als ich mich in die warme Wanne sinken ließ, hätte ich beinahe aufgeschluchzt. Die Wärme war überwältigend. Mein Körper entspannte sich, obwohl mein Kopf es nicht tat.

Wer bin ich?

Wo bin ich?

Was ist passiert?

Ich erinnerte mich an nichts.

Ich kämpfte gegen die Tränen an – und verlor.

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