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Author: Moonbunnie
last update publish date: 2026-08-11 06:01:01

Celeste

Das Klirren von Besteck auf Tellern war das einzige Geräusch in dem riesigen Speisesaal.

Ich fühlte mich so fehl am Platz an diesem Tisch, der aussah, als gehöre er Königen und Königinnen. Der goldene Kronleuchter über uns warf sein Licht auf silbernes Geschirr und Kristallgläser, gefüllt mit teurem Wein. Mein Magen drehte sich um, nicht weil ich Hunger hatte, sondern weil Jace direkt neben mir saß.

Seit seinem Wutausbruch hatte er kein Wort mehr gesagt, aber ich spürte seinen Blick auf mir – kalt und herausfordernd, wie der eines Raubtiers, das seine Beute beobachtet. Jeder Atemzug, den ich nahm, fühlte sich abgemessen und vorsichtig an.

„Celeste“, sagte mein neuer Vater herzlich und reichte mir eine Schale mit frischen Erdbeeren. „Die bauen wir in unserem eigenen Garten an.“

Ich nahm sie mit einem höflichen Lächeln entgegen. „Danke.“

„Um diese Jahreszeit sind sie nicht süß“, murmelte Jace und bohrte seinen Blick offen herausfordernd in meinen.

Das warme Lächeln meines Stiefvaters verschwand. „Sie schmecken gut, Jace.“

Jace stach mit dem Toast stärker als nötig in sein Brot. „Wenn du meinst, Dad.“

Auf der anderen Seite des Tisches lachte meine Mutter viel zu laut, der Klang klang gekünstelt und verzweifelt. „Das Essen hier ist unglaublich, nicht wahr, Celeste?“

„Ja“, antwortete ich, obwohl ich kaum etwas probiert hatte. Mein Appetit war in dem Moment verschwunden, als Jace heute Morgen mein Zimmer betreten hatte.

Jace lehnte sich in seinem Stuhl zurück, seine Stimme war leise, triefte aber vor Sarkasmus. „Pass auf, dass du es dir nicht zu bequem machst. Man weiß nie, wann all das verschwinden könnte.“

Meine Finger umklammerten meine Gabel so fest, dass meine Knöchel weiß wurden. „Manche Menschen brauchen keine teuren Dinge, um glücklich zu sein.“

Sein Grinsen vertiefte sich, ein teuflischer Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. „Sagst du dir das nachts, wenn du in deine neuen Seidenlaken eingekuschelt bist?“

„Jace“, ermahnte sein Vater, doch in seiner Stimme lag keine wirkliche Autorität.

Jace sah ihn nicht einmal an. Seine dunklen Augen blieben auf meine geheftet, als würden wir ein gefährliches Spiel spielen, das nur er verstand.

Mein Stiefvater räusperte sich. „Wir sind jetzt eine Familie. Ich möchte, dass wir uns auch so verhalten.“

Jace zog seine Gabel über den Teller, und das quietschende Geräusch ließ mich zusammenzucken. „Klar. Familie.“

Der Rest des Abendessens kam mir endlos vor. Mein Stiefvater versuchte, Smalltalk zu machen, aber jeder Kommentar von Jace war darauf ausgelegt, mich herabzusetzen. Er sprach leise, seine grausamen Worte waren nur für meine Ohren bestimmt.

Jeder Bissen schmeckte wie Müll. Mein Kiefer schmerzte, weil ich die Zähne so fest zusammengebissen hatte. Ich überstand das erste Familienessen, aber ich wusste, dass dies nur der Anfang eines verdrehten Spiels war, das Jace spielen wollte.

„Also, Celeste“, sagte mein Stiefvater nach dem Hauptgang, immer noch bemüht, die unangenehme Stille zu füllen. „Was sind deine Hobbys? Was machst du gerne?“

Ich schluckte schwer. „Ich lese gerne … zeichne manchmal.“

Sein Gesicht hellte sich auf. „Zeichnen? Das ist wunderbar! Wir haben oben ein Atelier. Das solltest du nutzen.“

„ „Vielleicht kann sie ja ein Bild von dem armseligen Leben malen, das sie hinter sich gelassen hat“, warf Jace beiläufig ein.

Meine Hände zitterten, als ich meine Serviette fest umklammerte. „Wenigstens hatte ich ein Leben, an das es sich zu erinnern lohnt“, gab ich zurück, bevor ich mich zurückhalten konnte.

Am ganzen Tisch herrschte Stille. Sogar die leise Hintergrundmusik schien zu verklingen.

„Das reicht“, sagte mein Stiefvater bestimmt. „So etwas machen wir nicht an meinem Esstisch.“

Doch Jace lächelte nur und beugte sich leicht zu mir hinüber, bis sein Arm meinen streifte. Bei dieser kurzen Berührung schoss ein elektrisierender Schauer durch meinen Körper, und ich hasste mich dafür, dass ich auf ihn reagierte. „Ich versuche nur, meine neue Schwester kennenzulernen“, sagte er unschuldig.

Meine Mutter starrte auf ihr Weinglas hinunter, ihr Gesicht war blass. Sie würde mich nicht verteidigen. Nicht hier, nicht vor ihrem neuen Ehemann und seinem Geld.

Jace griff nach seinem Glas und ließ seinen Arm erneut meinen streifen. Diesmal wusste ich, dass es Absicht war. „Ups, tut mir leid“, flüsterte er, aber sein Tonfall verriet, dass es ihm überhaupt nicht leid tat.

Ich biss mir so fest auf die Zunge, dass ich Blut schmeckte. Er wollte, dass ich ausrastete, die Kontrolle verlor und bewies, dass ich in sein perfektes Haus nicht gehörte.

„Celeste“, sagte mein Stiefvater plötzlich, „deine Mutter hat erwähnt, dass du noch nie an einem Ort wie diesem gelebt hast.“

„Das stimmt“, gab ich zu. „Unsere Wohnung war … viel kleiner.“

Jace lachte leise, der Klang klang bitter. „Das ist noch milde ausgedrückt.“

Ich drehte mich zu ihm um und zwang meine Stimme, ruhig zu bleiben, obwohl mein Herz raste. „Und doch waren wir dort irgendwie glücklich.“

Für einen kurzen Moment verschwand sein spöttisches Grinsen. „Glücklich“, wiederholte er. „Warum bist du dann hier?“

Mein Stiefvater nahm die Hand meiner Mutter, woraufhin sie wie ein Teenager errötete. Bei diesem Anblick drehte sich mir der Magen um. „Bitte versteh meine Fragen nicht falsch“, sagte er sanft. „Ich möchte meine neue Tochter einfach nur kennenlernen.“

„Natürlich, Papa“, antwortete ich und lächelte, obwohl sich an all dem nichts richtig anfühlte. Meine Mutter sah so selbstzufrieden aus, und das brach mir das Herz. „Frag mich, was du willst.“

Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten lang über Belangloses, aber jedes Wort fühlte sich gezwungen an. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus.

„Entschuldigt mich“, sagte ich. „Ich glaube, ich gehe jetzt in mein Zimmer.“

Ich ging schnell auf die Treppe zu, verzweifelt darauf bedacht, der erstickenden Atmosphäre dieses Esszimmers zu entkommen. In ihrer Nähe – in seiner Nähe – war es mir unmöglich, klar zu denken.

Ich war schon fast an meiner Schlafzimmertür, als ich hinter mir seine Stimme hörte, sanft wie Seide und doppelt so gefährlich.

„Läufst du schon davon?“

Ich blieb stehen und drehte mich langsam um, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als seine dunklen Augen meine trafen. „Ich gehe, bevor ich etwas sage, was ich später bereuen werde“, brachte ich hervor.

Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Die Sache mit dem Bereuen, Celeste … es holt einen irgendwann ein.“

„Was meinst du damit?“

Ich erstarrte, als Jace auf mich zukam, jeder Schritt bedächtig und raubtierhaft. Er winkte Mary ab und schickte sie fort. Sie eilte davon und ließ uns ganz allein in dem langen Flur zurück.

Jace kam näher, bis ich sein Parfüm riechen konnte – teuer und berauschend. Er beugte sich vor, sein heißer Atem streifte meinen Nacken.

Ich wusste nicht, ob er das absichtlich tat, aber welches Spiel er auch immer spielte, es wirkte auf mich auf eine Weise, die ich nicht zugeben wollte.

Mein Körper verriet mich und reagierte auf seine Nähe, obwohl mein Verstand mich anschrie, wegzulaufen.

„Was – was glaubst du, was du da tust?“, stammelte ich.

Genau wie in meinem Traum streckte Jace seinen Finger aus und strich mir über die Lippen, so sanft, dass es sich wie ein Flüstern anfühlte.

„Diese Lippen“, murmelte er, wobei seine Stimme zu einem rauen Flüstern sank, das mir die Knie weich werden ließ. Mein Körper reagierte augenblicklich, als hätte er auf seine Berührung gewartet. Das war gefährlich. Wir waren allein, und ich verlor die Kontrolle über mich.

Mit einer plötzlichen Bewegung drückte er mich gegen die Wand, und ein leises, mir fremdes Geräusch entfuhr meinen Lippen.

„Wer hätte das gedacht“, säuselte er, während sich seine Hand um meinen Hals schlang und er sich so nah zu mir beugte, dass ich seinen Herzschlag spüren konnte, „dass du nicht nur eine Goldgräberin bist, sondern auch eine kleinliche kleine Schlampe.“

Seine Worte durchdrangen den Nebel aus Verwirrung und Begierde, der meinen Verstand trübte. Ich riss die Augen auf, und die Realität holte mich mit voller Wucht ein.

„Was hast du gerade gesagt –“, begann ich, doch bevor ich zu Ende sprechen konnte, unterbrach er mich auf eine Weise, mit der ich nie gerechnet hätte.

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Comments (1)
goodnovel comment avatar
Kalina
So good. I love it
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