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Author: Moonbunnie
last update publish date: 2026-08-11 06:00:17

Celeste

„Nun“, sagte er, während sich dasselbe spöttische Lächeln aus meinem Traum um seine Lippen legte, „das ist ja … interessant.“

Eine plötzliche Welle der Angst überkam mich, und mir sank das Herz in die Hose. Ohne nachzudenken, stieß ich einen durchdringenden Schrei aus. Schnell wickelte ich die Decke fest um mich herum, in der Hoffnung, sie würde mich vor seinem intensiven Blick schützen. Doch nichts konnte mich vor der Scham bewahren, die in meinen Wangen brannte.

„Was versteckst du da?“, fragte Jace mit kalter, spöttischer Stimme.

Ich fühlte mich klein, kleiner als je zuvor in meinem Leben. Nackt in mehr als einer Hinsicht. „Was ist los mit dir?“, fragte ich mit zitternder Stimme. „Warum hast du nicht angeklopft?“

„Das ist mein Zimmer“, antwortete er, während sein Blick mich entblößte. „Soll ich anklopfen, bevor ich meinen eigenen Raum betrete?“

„Soweit ich weiß, gehört dieses Zimmer mir.“

Er trat näher, und der schwache, würzige Duft seines Parfüms stieg mir in die Nase. „Ich frage mich, was du unter dieser Decke versteckst.“

„Raus hier!“, schrie ich, während mir die Tränen in die Augen stiegen. „Bevor ich …“

„Deine Mama anrufe.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Armes kleines Mädchen. Du bist so flach, dass ich dich für einen Moment für einen Jungen gehalten habe.“

Meine Hände zitterten vor Wut und Schmerz. Mein ganzes Leben lang hatte man mir gesagt, ich sei nicht hübsch genug, nicht gut genug. Und nun sagte dieser Fremde dieselben grausamen Dinge.

„Warum bist du hier?“, fragte ich und versuchte, tapfer zu klingen, obwohl ich am liebsten zusammengebrochen wäre.

„Du wirst unten gebraucht“, antwortete er, doch sein Blick wanderte nicht von mir. Er wanderte langsam und leidenschaftlich über mich, als wäre ich etwas, das er bereits für sich beansprucht hatte.

Ich umklammerte die Decke fester. „Hör gut zu, Bruder. Wenn du noch einmal ohne anzuklopfen in mein Zimmer kommst, wirst du es bereuen.“

Seine Hand schoss hervor und packte meine Arme, bevor ich mich zurückziehen konnte. Er beugte sich vor, bis ich seinen Atem auf meinem Gesicht spürte. „Ich bin nicht dein Bruder“, sagte er leise und ruhig, und doch fühlten sich die Worte gefährlich an. „Und du bist nicht meine Schwester. Das bedeutet, ich kann tun, was ich will.“

Mein ganzer Körper zitterte. Ich fühlte mich wie ein kleines Tier, das von einem Wolf in die Falle gelockt worden war. „Du hast keine Manieren.“

„Manieren?“, knurrte er. „Deine geldgierige Mutter sollte die erst einmal lernen.“

Die Worte trafen mich wie eine Ohrfeige. Meine Mutter war nicht perfekt, aber sie war alles, was ich hatte. Sie hatte mich alleine großgezogen. Sie hatte Fehler gemacht, aber sie liebte mich.

„Sprich nicht so über meine Mutter.“

„Jeder weiß, was sie ist“, spottete er und fixierte mich mit seinem Blick. „Eine Frau, die für Geld alles tun würde. Sogar einen Mann heiraten, den sie nicht liebt.“

Meine Augen füllten sich mit Tränen der Wut. „Ja, sie hat aus Geldgründen geheiratet“, fuhr ich ihn an, meine Stimme zitterte. „Weil wir Hunger hatten. Weil ich Medikamente brauchte, als ich krank war. Weil Liebe manchmal nicht ausreicht, um am Leben zu bleiben.“

Bevor ich mich zurückhalten konnte, stieß ich ihn weg und schlug ihm ins Gesicht.

„Du hast mich geschlagen“, flüsterte er und berührte seine Wange. Er wirkte schockiert, als hätte sich noch nie jemand zuvor gegen ihn gewehrt.

„Ja, und ich werde es wieder tun, wenn du meine Mutter beleidigst.“

Seine Lippen verzogen sich zu einem gefährlichen Lächeln. „Du hast Mut, für jemanden, der so klein ist.“

Ich versuchte, tapfer zu wirken, aber innerlich brach ich zusammen. „Wir mögen arm sein, aber wir haben etwas, das du niemals verstehen wirst. Wir haben einander.“

„Tu nicht so, als hättest du Würde, Schlampe“, knurrte er und stieß mich aufs Bett. Er ragte groß und stark über mir auf, und für eine schreckliche Sekunde dachte ich, er würde mich vielleicht küssen. Schlimmer noch: Ein Teil von mir wollte, dass er es tat. „Du wirst es bereuen, mich geschlagen zu haben.“

Als er endlich ging, atmete ich zitternd aus. Meine Hände wollten nicht aufhören zu zittern. Wie sollte ich mit diesem Mann unter einem Dach leben? Wie sollte ich so tun, als wäre er mein Bruder, wenn sich jedes Wort, jeder Blick wie Feuer anfühlte?

Ich ging ins Badezimmer und versuchte, das Gefühl seiner Hände auf meinen Armen und seines Atems auf meinem Gesicht wegzuwaschen. Das Badezimmer war größer als unsere alte Wohnung, mit goldenen Wasserhähnen, Marmorböden und Spiegeln überall. Es war wunderschön, aber es kam mir vor wie ein Gefängnis.

Ich probierte die Armaturen aus, bis ich den Dreh raus hatte, und summte leise eine Melodie vor mich hin, um meine Gedanken zu beruhigen. Das Badewasser war warm, fast schon wohltuend, und ich versank darin und ließ mich von der Wärme ganz und gar umhüllen.

Als ich fertig war, trocknete ich mich ab, zog die besten Kleider an, die ich finden konnte, und drehte mein Haar zu einem ordentlichen Dutt zusammen.

„Guten Morgen, Miss“, begrüßten mich die Bediensteten, als ich in den Flur trat. Miss. Nicht Celeste. Nicht mein Name.

„Guten Morgen“, lächelte ich, aber es fühlte sich unecht an.

„Ich bin Mary“, sagte ein Mädchen in meinem Alter, deren freundliche Augen warm und einladend waren. „Ich bin Ihre persönliche Zofe. Ich werde mich um Sie kümmern.“

Mary lächelte aufrichtig – das erste echte Lächeln, das ich in diesem Haus gesehen hatte. „Freut mich, dich kennenzulernen, Mary.“

Sie führte mich ins Esszimmer, wo meine neue Familie bereits wartete. Vor uns erstreckte sich der Tisch, beladen mit genug Essen für eine ganze Woche.

„Guten Morgen, Papa, Mama“, grüßte ich.

Mein neuer Vater lächelte warmherzig. „Da bist du ja, Celeste. Nimm bitte Platz.“

Ich ließ mich auf den Stuhl neben Jace gleiten, der bereits saß.

„Bequem?“, murmelte er, seine Stimme so leise, dass niemand sonst sie hören konnte.

Ich hielt den Blick nach vorne gerichtet und zwang mich, nicht zusammenzuzucken.

„Hast du gut geschlafen?“, fragte mein Vater.

„Ja, Papa.“ Zumindest versuchte er, freundlich zu sein.

„Papa“, wiederholte Jace, und das Wort triefte nur so vor Gift. „Wie süß.“

Ich ignorierte ihn, aber meine Wangen glühten, als ich daran dachte, wie er mich nackt gesehen hatte und wie hilflos ich mich gefühlt hatte.

„Jace“, ermahnte Vater. „Sie ist jetzt deine Schwester.“

„Sie ist nicht meine Schwester“, sagte Jace und schlug so heftig mit der Hand auf den Tisch, dass das Geschirr zitterte. „Sie wird niemals meine verdammte Schwester sein.“

Mama und ich saßen schweigend da. Ich sah sie an, sah sie wirklich an, auf der Suche nach auch nur einem Anflug von Reue, in der Hoffnung, sie würde sich vielleicht wünschen, sie hätte auf mich gehört, als ich sie angefleht hatte, ihn nicht zu heiraten.

Aber da war nichts.

Ich atmete langsam aus. Was hatte ich von jemandem erwartet, der für Reichtum zu allem bereit war? Das war jetzt mein Leben. Und irgendwie musste ich es überstehen.

Und ihn überstehen.

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