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KAPITEL 3

last update 公開日: 2026-09-07 17:13:30

Selenes POV

„Gib mir das Salz, Selene."

Caiden blickte nicht von seinem Teller auf, als er sprach, seine Stimme völlig entspannt. Drei Wochen waren vergangen, seit meine Schwester ins Gästezimmer den Flur hinunter gezogen war, und das ganze Haus hatte sich still um ihre Anwesenheit herum neu geordnet.

„Hier", murmelte ich und schob den silbernen Streuer über den Tisch.

„Danke, Süße", sagte Vivienne und fing ihn mit einem strahlenden, sonnigen Lächeln auf, das direkt an Caiden gerichtet war.

Caiden lachte. Es war ein warmer, dröhnender Klang, den ich seit drei ganzen Jahren nicht mehr in diesem Esszimmer gehört hatte. In den letzten Wochen war er jeden einzelnen Tag früher von der Arbeit nach Hause gekommen. Er saß länger am Esstisch, schenkte zusätzlichen Wein ein und hing an jedem einzelnen Wort, das aus Viviennes Mund kam. Ich saß dort am Rand des Raumes, ein Geist, der zusah, wie sie interne Witze und gemeinsame Erinnerungen austauschten, und ich sagte absolut nichts.

Sie waren so sehr voneinander eingenommen, dass keiner von beiden bemerkte, dass ich mein Essen kaum anrührte. Sie wussten nicht, dass meine morgendliche Übelkeit sich zu einem Kampf über den ganzen Tag entwickelt hatte, oder dass ich es absichtlich vermieden hatte, die Frauenklinik anzurufen, um meinen Abtreibungstermin neu zu vereinbaren.

„Ihre Laborwerte sehen heute völlig anders aus, Selene", sagte Dr. Evans am nächsten Morgen und tippte mit den Fingern gegen meine Krankenakte.

Ich saß allein im sterilen Untersuchungsraum, der vertraute Geruch von Desinfektionsmittel biss in meine Nase. „Ist alles in Ordnung, Frau Doktor?"

„Mehr als in Ordnung. Ihre Eisenwerte haben sich vollständig stabilisiert, und Ihr Blutdruck ist genau dort, wo er sein sollte", antwortete Dr. Evans und drehte ihren Stuhl, um mich anzusehen. „Sie sind heute offiziell in der zehnten Woche. Da Ihre Vitalwerte ausgezeichnet sind, können wir den Abbruch-Eingriff jetzt legal und sicher neu terminieren, falls Sie sich immer noch dafür entscheiden."

Meine Kehle zog sich zusammen. „Verstehe."

„Der Fötus entwickelt sich perfekt", fügte sie hinzu, ihre Hand ruhte auf dem Ultraschallgerät neben der Liege. „Bevor wir über den neuen Termin sprechen – möchten Sie den Herzschlag hören?"

„Ja", sagte ich. Das Wort flog aus meinem Mund, bevor mein Gehirn es überhaupt aufhalten konnte.

Dr. Evans lächelte sanft und griff nach dem Doppler-Gerät. Sie drückte es gegen meinen Unterbauch und bewegte es durch das kühle Gel. Ein paar Sekunden lang gab es nur Rauschen. Dann füllte ein lautes, schnelles Geräusch den kleinen Raum.

Wumm-wumm, wumm-wumm, wumm-wumm.

Es war das schnellste, wildeste kleine Geräusch, das ich je in meinem Leben gehört hatte. Etwas öffnete sich leise in meiner Brust, ein plötzlicher Schwall heftiger Wärme überschrieb die Taubheit, die mich monatelang umschlossen hatte. Das war kein Fehler oder ein Verhandlungsobjekt, um eine tote Ehe zu retten. Das war ein winziger, lebendiger Mensch. Mein Mensch.

„Soll ich den Freitagstermin für den Eingriff buchen, Selene?", fragte die Ärztin und schaltete den Monitor aus.

Ich wischte mir das Gel vom Bauch und stand auf, mein Kiefer wurde fest. „Nein. Buchen Sie ihn nicht. Ich muss nach Hause gehen."

Ich verließ die Klinik, ohne einen neuen Termin zu vereinbaren.

An diesem Abend saß ich im Dunkeln am Rand meiner Matratze, als die Schlafzimmertür aufging.

Caiden kam herein. Er schaltete das Deckenlicht nicht an, sondern verließ sich nur auf das gelbe Licht aus dem Flur. Er kam zu meinem Bett herüber und setzte sich, anstatt seiner üblichen kalten Distanz, direkt neben mich. Er beugte sich nah heran, sein Duft umnebelte meine Sinne, seine Hand streichelte sanft meine Schulter. Er war warm – auf diese bestimmte, erschreckende Weise, die er nur wurde, wenn er etwas von mir wollte.

„Du siehst erschöpft aus, Selene", flüsterte er, seine Stimme sanft und weich.

Ich zog mich leicht zurück, meine Haut kribbelte unangenehm. „Ich bin nur müde, Caiden. Es war ein langer Tag."

„Ich weiß, dass er das war", sagte er, sein Daumen strich über meinen Nacken. Sein Ton blieb sanft, aber als er mir in die Augen sah, war sein Blick völlig kalt, frei von jeder echten Wärme. „Die Verwaltungsangestellte von der Klinik hat vor einer Stunde in meinem Büro angerufen. Sie sagten, du hättest dein Zeitfenster verpasst, den Termin heute neu zu vereinbaren."

Mein Puls stockte plötzlich. „Sie haben in deinem Büro angerufen?"

„Ich habe die Nummer meiner Sekretärin auf der Versicherungsrechnung angegeben, erinnerst du dich?" Caidens Griff um meine Schulter verstärkte sich gerade genug, um mir zu zeigen, dass er keine Frage stellte. „Was machst du, Selene? Wir hatten vor drei Wochen eine sehr klare Vereinbarung."

„Ich brauchte mehr Zeit, Caiden", sagte ich, meine Stimme wurde hart, als ich ihn ansah. „Mein Körper war nicht bereit."

„Dein Körper ist jetzt in Ordnung", sagte er, seine Stimme verlor ihren weichen Rand und kehrte zur starren Befehlsgewalt eines CEOs zurück. „Wir haben das besprochen. Ich habe dir gesagt, dass sich alles zwischen uns ändert, sobald diese kleine Ablenkung erledigt ist. Ich werde mich vollständig für dich entscheiden. Aber du musst deinen Teil tun."

„Du hast gesagt, du würdest mich danach lieben", flüsterte ich und starrte ihm direkt in seine dunklen Augen. „Du hast gesagt, es gäbe keine Mauern mehr."

Caiden bestritt es nicht. Er bestätigte es auch nicht. Er blickte mich einfach mit völlig ausdrucksloser Miene an, als wäre mein verzweifeltes Bedürfnis nach seiner Liebe völlig nebensächlich. Für ihn war das nur ein Vertrag, und ich versäumte es, zu liefern.

Ein plötzlicher Mut brannte durch meine Adern. Das Bild des Screenshots in meinem versteckten Ordner blitzte hinter meinen Augen auf, die Worte schnitten sich in meinen Verstand.

„Vor acht Monaten hast du dein Telefon auf dem Nachttisch liegen lassen", sagte ich, meine Stimme fest, brach das dreijährige Schweigen.

Caidens Augen verengten sich leicht. „Was hat das damit zu tun?"

„Eine Nachricht ist von einer nicht gespeicherten Nummer aufgepoppt", fuhr ich fort und fixierte meinen Blick auf ihn. „Du hast ihr geantwortet. Du hast geschrieben: Sie ist nicht du. Sie wird niemals du sein. Ich will wissen, an wen du das geschickt hast, Caiden."

Die darauffolgende Stille war schwer und erstickend. Die Pause zog sich über fünf, dann zehn Sekunden hin und wurde zu einem eigenen, lauten, unbestreitbaren Geständnis. Er zuckte nicht zusammen, aber sein Kiefer spannte sich fest an.

„Das ist nichts, worüber wir jetzt reden müssen", sagte Caiden kalt, stand vom Bett auf und strich seine Hose glatt. „Vereinbare den Termin bis morgen früh, Selene. Zwing mich nicht, dich noch einmal zu fragen."

Er drehte sich um und verließ das Zimmer, schlug die Tür hinter sich zu.

Ich saß dort im Dunkeln, ein bitteres Lächeln berührte meine Lippen. Er musste mir keinen Namen nennen. Ich wusste es. Ich hatte es tief in meiner Seele schon immer gewusst. Er hatte es Vivienne geschickt, bevor sie je in dieses Haus zurückgekehrt war.

Ich wartete, bis das Geräusch seiner Schritte vollständig im Flur verklungen war. Dann griff ich zu meiner Nachttischschublade und zog die kleine weiße Klinikkarte mit Dr. Evans' direkter Bürotelefonnummer und der Erinnerung an die Neuterminierung auf der Rückseite heraus.

Ich griff die Karte mit beiden Händen und riss sie genau in der Mitte durch. Dann riss ich sie noch einmal und noch einmal, bis die Stücke nichts als winzige weiße Fetzen in meiner Handfläche waren.

Ich würde dieses Baby behalten. Ich wusste nicht, wie ich überleben sollte, was als Nächstes kam, oder wie ich aus diesem Haus entkommen würde, aber als ich meine Hand fest gegen meinen Bauch presste, war eine Sache absolut sicher.

Ich würde ihn niemals dieses Kind anrühren lassen.

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