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Kapitel 3: Falsche Abzweigung

Penulis: LovelyAurora
last update Tanggal publikasi: 2026-06-29 18:29:05

„Passen Sie auf, wohin Sie gehen.“

Er gibt mir meine Tasche mit einer kurzen Geste zurück und sagt nichts weiter.

„Danke… ich bin Lily“, murmle ich, für den Fall, dass es eine Rolle spielt.

Er nickt nur knapp und geht dann schnell davon, verschluckt von der Menge.

Ich bleibe ein paar Sekunden stehen. Jeder hält den Blick gesenkt, als wäre Augenkontakt ein Risiko. Nicht mein Problem. Ich schüttle den Kopf. Keine Zeit zum Zögern. Ich prüfe die Wegbeschreibung zur Blackthorne Group.

Mein Auto ist zu weit weg. Der Sprit würde fast jeden Cent kosten, den ich noch habe. Also gut — ich bin sowieso schon am Limit. Der Bus muss reichen.

Ich entwerte mein Ticket und setze mich ans Fenster, unruhig. Das ist es, was man tut, wenn man keine andere Wahl hat. Wenigstens schlafe ich heute Nacht nicht im Auto.

Endlich hält der Bus an. Ich steige aus und blicke hoch: Türme aus Glas und Stahl ragen in die Höhe, und Blackthornes Gebäude beherrscht den ganzen Block, als wolle es den Rest der Stadt darunter zerdrücken.

Ich bleibe auf dem Gehweg stehen. Es ist nur ein Vorstellungsgespräch… also warum fühlt sich mein Magen so eng an, als stünde ich kurz davor, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen?

Ich atme langsam aus und gehe weiter. Wenn ich jetzt umkehre, ist meine Ausbildung vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Am Eingang mustert mich ein Sicherheitsmann von oben bis unten, eindeutig misstrauisch.

„Haben Sie einen Termin?“, fragt er mit schneidendem Ton.

Ich halte ihm die Anzeige hin, die Finger um das Papier verkrampft.

„Ja. Ich bewerbe mich für die Einstiegsposition.“

Er wirft einen kurzen Blick darauf, zögert eine Sekunde und zieht dann seine Karte durch.

„Gehen Sie rein. Der Empfang ist hinten.“

In der Lobby bewegen sich die Angestellten schnell, die Absätze klacken auf dem polierten Boden. Niemand sieht den anderen an. Alles hier wirkt kalt, kontrolliert — als verbiete eine unsichtbare Regel jede Wärme oder Spontaneität.

Eine Seitentür fliegt auf. Eine Frau im Businessanzug stürmt heraus, einen Karton an die Brust gedrückt. Mit wütendem Ruck reißt sie ihren Ausweis ab und wirft ihn auf den Boden.

„Behalten Sie Ihren Job! Sie werden es bereuen!“, schreit sie, die Stimme vor Wut und Angst zitternd.

Sie dreht sich um und marschiert davon, verschwindet außer Sicht. Überall um mich senken sich die Köpfe zu schnell, als würde Wegsehen sie schützen.

Am Empfang tippt die Rezeptionistin weiter, ohne aufzusehen.

„Name?“

„Lily Morgan.“

Sie tippt ihn ein und runzelt dann kurz die Stirn — als würde etwas nicht passen — bevor sie mir ein Formular über den Tresen schiebt.

„Füllen Sie das aus. Vierzehnter Stock. Elliot Vance erwartet Sie.“

„Elliot?“, flüstere ich, das Wort klingt fremd und ungewohnt.

„Der Mann, der für die Einstellung zuständig ist.“

Ich nehme die Papiere und gehe zum Aufzug. Zu spät, um es mir noch anders zu überlegen. Vor meinem Spiegelbild sage ich mir: Atmen. Ehrlich sein. Entweder bestehen oder scheitern.

Die Türen öffnen sich. Eine Frau wartet bereits und wirkt in Eile.

„Miss? Mr. Vances Büro ist geschlossen. Folgen Sie mir.“

Sie führt mich in einen Raum, in dem mehrere andere Frauen sitzen, die Gesichter angespannt vor Nervosität. Manche verdrehen nervös die Hände; andere starren auf den Boden, als wollten sie verschwinden. Die Atmosphäre ist so schwer, dass sie einem auf die Schultern drückt.

Ich setze mich ans Fenster. Neben mir kann eine blonde Frau nicht stillsitzen, ihre Finger verheddern und entwirren sich ständig.

„Ich bin Maya. Wenn ich nervös bin, rede ich zu viel — viel zu viel. Sag mir einfach, ich soll die Klappe halten, wenn ich quatsche, okay?“

Ich hebe einen Mundwinkel, ohne es zu einem echten Lächeln zu schaffen. Wir werden sehen.

„Gut. Wenn ich gestresst bin, werde ich still. Sieht so aus, als würden wir uns ausgleichen.“

Sie kichert nervös und verstummt dann, die Wangen rot, als hätte sie gerade erst gemerkt, wie viel sie geredet hat.

Ein paar Minuten später öffnet sich die Tür. Ein breiter, stämmiger Mann kommt herein — ruhig, aber mit einer einschüchternden Präsenz; man merkt sofort, dass er es gewohnt ist, Befehle zu erteilen. Er bleibt in der Mitte des Raumes stehen.

„Dorian. Ich interessiere mich nicht für Lebensläufe. Papier lügt. Nur eure Antworten zählen.“

Er gibt jeder von uns ein Blatt, ohne Erklärung. Ich nehme den Stift. Lieber abgelehnt werden für das, was ich bin, als eingestellt für jemanden, der ich nicht bin.

Als er sie zurückbekommt, befragt er die Kandidatinnen eine nach der anderen, ohne Zeit zu verlieren.

„Sie haben geschrieben: ‚Gehorchen ohne Fragen‘, und dann gesagt, Sie wollen Erklärungen. Widerspruch. Nächste.“

Keine Diskussion, keine Freundlichkeit. Als er zu mir kommt, zeigt er auf zwei Zeilen auf meinem Blatt.

„Sie haben geschrieben: ‚Ich werde einen Befehl nicht befolgen, wenn ich seinen Sinn nicht verstehe.‘ Auch wenn es Sie den Job kostet?“

Mehrere Köpfe drehen sich zu mir. Dann sage ich es eben geradeheraus.

„Ja“, antworte ich ohne Zögern. „Blinder Gehorsam ist kein Arbeiten. Es ist nur Schweigen und mit geschlossenen Augen weitermachen. Und das kann ich nicht.“

Er starrt mir direkt in die Augen, ohne zu blinzeln.

„Auch wenn ich derjenige bin, der den Befehl gibt?“

„Dann werde ich nach dem Grund fragen. Wenn er Sinn ergibt, werde ich ihm folgen. Wenn nicht, dann nicht.“

Eine angespannte Stille liegt in der Luft. Dann nickt er — nur einmal.

„Sehr gut. Warten Sie hier.“

Leises Murmeln setzt um mich ein. Vielleicht habe ich es versaut… aber wenigstens habe ich nicht gelogen.

Bald darauf kommt dieselbe Frau zurück.

„Lily Morgan. Der Direktor möchte Sie sehen.“

Wir gehen schweigende Korridore entlang, bis wir ein riesiges Büro erreichen. Am anderen Ende steht ein Mann mit dem Rücken zu mir und blickt durch bodentiefe Fenster über die Stadt.

„Setzen Sie sich.“

Seine Stimme ist tief, voll, unmöglich zu ignorieren.

Er dreht sich um. Groß, breitschultrig, mit gewelltem schwarzem Haar. Seine Augen sind von einem so lebhaften, durchdringenden Blau, dass sie einen zu durchschauen scheinen.

„Sie sind hier für die Stelle?“

„Ja.“

Meine Stimme kommt etwas zu schnell, etwas zu schroff heraus. Ich verschränke die Hände im Schoß, um sie nicht zittern zu lassen.

„Haben Sie den Vertrag gelesen?“, fragt er.

„Nein. Ich habe nur die Anzeige gesehen“, antworte ich, diesmal gefasster.

Er tritt näher, bietet mir ein Glas Wasser an, ohne es zu drängen, und beginnt.

„Als meine offizielle Begleitung müssen Sie jederzeit präsentabel sein, Ihrem Status und dem Ansehen des Rudels entsprechend.“

„Begleitung?“

„Korrekt. Sie müssen rund um die Uhr für Meetings und Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Sie werden jede Regel ohne Ausnahme befolgen.“

Dann kommt er direkt zur Sache:

„Wie hoch ist Ihr Tarif für intime Beziehungen?“

Die Frage trifft mich wie eine Ohrfeige. Ich verschlucke mich fast.

„Wie bitte…?“, sage ich, völlig aus dem Konzept gebracht.

„Es ist keine persönliche Frage. Es ist ein Punkt im Vertrag.“

Er tritt einen Schritt näher. Die Luft um mich wird schwerer, schwerer zu atmen. Mein Körper begreift, bevor mein Verstand es tut — hier ist eine Macht, die ich nicht kontrollieren kann. Ich erstarre, unfähig, mich zu bewegen.

„Wenn Sie meine Luna werden, ist das nur natürlich. Die meisten Wölfinnen in diesem Gebäude würden für diese Position töten.“

„Ihre Luna?“

Meine Stimme sinkt zu einem kaum hörbaren Flüstern. Meine Kehle schnürt sich zu, und mein Herz hämmert gegen meine Rippen.

„Ihr Name?“

„Lily Morgan.“

In dem Moment, als ich ihn sage, weiten sich seine Pupillen, wechseln von menschlicher Form zu etwas Längerem, Schärferem — mehr tierisch. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter.

„Sie gehören nicht zum Rudel, oder?“

„Nein. Ich bin ein Mensch.“

Er hebt eine Augenbraue, überrascht und zugleich neugierig — als hätte er etwas gesehen, das er für unmöglich hielt.

„Mensch? Hier? Das ist neu.“

Ein Mundwinkel hebt sich zu einem Lächeln, das keine Wärme enthält, nur etwas Scharfes und Gefährliches.

„Wie kommt eine bloße Menschliche dazu, sich auf diese Stelle zu bewerben?“

„Es muss ein Fehler vorliegen. Ich sollte mich mit Elliot Vance treffen. In der Anzeige stand Büroarbeit, und das Gehalt war dreimal so hoch wie üblich. Ich brauchte das Geld, um mein Studium zu beenden.“

Bei dem Namen verengen sich seine Augen um ein Weniges. Er weiß bereits, was passiert ist.

„Vance… Jetzt verstehe ich.“

Ich stehe langsam auf, bereit, zu gehen, bevor es noch komplizierter wird.

„Es tut mir leid, dass ich Ihre Zeit verschwendet habe.“

„Warten Sie.“

Der Befehl ist bestimmt, unmissverständlich. Ich bleibe abrupt stehen, die Hand schon am Türknauf.

„Ich habe einen Vorschlag. Er könnte alle Ihre Geldprobleme lösen… und Ihnen genau das geben, was Sie brauchen.“

Er macht eine Pause, seine Augen fixieren die meinen, ohne das volle Gewicht seiner Macht zu verbergen.

„Unter einer Bedingung — dass Sie meine akzeptieren.“

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ShaziaM
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