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Kapitel 5: Das Ultimatum

Autor: LovelyAurora
last update Fecha de publicación: 2026-07-02 18:42:52

POV: Lucian

„Lass sie los“, sage ich.

Der Mann zuckt zusammen, seine Finger lockern sich, aber nicht schnell genug. Ich bin in einem Augenblick bei ihm, meine Hand schließt sich um seinen Hals, drückt ihn gegen die Wand und hebt ihn hoch, bis er auf den Zehenspitzen steht. Das Leder seiner Jacke knarzt unter meinen Fingern, während ich gerade fest genug zudrücke, damit er spürt, dass sein Leben an mir hängt.

„Wo glaubst du bist du hier?“, knurrt er mit erstickter Stimme.

„Bei dir zu Hause ganz sicher nicht“, sage ich.

Ich halte ihn mühelos fest und bringe mein Gesicht nah an seines. Die Luft um uns wird eisig, und meine Fänge schieben sich leicht hervor, um im Schatten des Flurs zu glänzen. Sein Geruch nach Angst füllt meine Nase.

„Du glaubst, du kannst eine Frau anfassen und ohne Konsequenzen davonkommen?“, sage ich, leise genug, dass nur er mich hört.

Er wird sichtlich blass, die Augen weit aufgerissen.

„D-das war ein Fehler, Alpha. Ich wusste nicht…“

Meine Krallen fahren aus, durchbohren seine Schulter und graben sich durch das Leder in sein Fleisch. Vier saubere Schnitte leuchten silbern auf, bevor sie sich sofort zu einer Narbe schließen.

„Ab heute bist du auf der Stelle aus dem Silvermoon-Rudel verbannt“, entscheide ich. „Trage dieses Mal bis ans Ende deiner Tage, und alle Alphas und alle Rudel sollen wissen, was aus dir geworden ist.“

Er wirft sich auf die Knie, noch bevor ich ihn loslasse, versucht nach meiner Hose zu greifen, um zu betteln.

„Gnade, Alpha! Ich wusste nicht, dass sie unter Eurem Schutz steht.“

Ich trete einen Schritt zurück und lasse ihn zu Boden fallen.

„Du gehörst zu keinem Rudel mehr. Du bist jetzt ein Streuner, und das macht wahnsinnig, schlimmer als der Tod. Verschwinde“, befehle ich. „Du bekommst keine zweite Warnung.“

Er kriecht zum Ausgang, steht dann auf und flieht humpelnd, die Hand auf seine Schulter gepresst.

Ich ziehe meine Jacke aus und lege sie Lily über die Schultern. Sie zittert, weicht aber nicht zurück, protestiert nicht. Ich lege einen Arm um ihre Taille, um sie zu stützen. Sie ist leicht, schwächer als sie aussieht, und ich führe sie zum Ausgang.

Die schwarze Limousine wartet am Bordstein. Declan, mein vertrauter Omega, öffnet die Tür. Ich setze Lily auf den Rücksitz und nehme ihr gegenüber Platz, ohne sie aus den Augen zu lassen.

Sie wringt ihre Hände, bevor sie endlich zu mir aufblickt.

„Warum haben Sie reagiert?“, fragt sie. „Ich bin nur ein Mensch.“

Sie zittert, senkt den Blick aber nicht, und diese Mischung aus Zerbrechlichkeit und Widerstand überrascht mich.

Ich neige den Kopf leicht.

„Du stellst viele Fragen für jemanden, den man gerade gerettet hat“, sage ich.

„Sie weichen meiner aus“, entgegnet sie.

„Niemand fasst an, was unter meiner Verantwortung steht“, sage ich.

„Sie reden, als würde ich Ihnen gehören. Das stimmt nicht.“

„Ich habe dir ein Angebot gemacht. Vierundzwanzig Stunden zum Entscheiden“, sage ich.

„Und wenn ich ablehne?“, haucht sie.

„Dann musst du es mir vor siebzehn Uhr dreißig morgen sagen“, ordne ich an. „Danach geht der Platz an jemand anderen.“

Der Wagen nimmt eine scharfe Kurve, und ihre Schulter stößt gegen meine, bevor sie sich sofort versteift.

„Entschuldigung…“, murmelt sie.

Ich sehe sie an.

„Du entschuldigst dich oft“, sage ich.

„Ist das eine schlechte Angewohnheit?“

Ein trockenes Lächeln zieht über meine Lippen.

„Ich habe noch nicht entschieden“, sage ich.

Dann bemerke ich den Riss in ihrem Ärmel und den Kratzer, der sich auf ihrem Handgelenk rötet.

„Zeig her“, sage ich.

Sie zögert eine Sekunde, bevor sie den Arm ausstreckt. Declan reicht mir den Erste-Hilfe-Kasten über seine Schulter. Ich öffne ihn, nehme eine Kompresse und reinige die Wunde vorsichtig, aber bestimmt. Meine Finger streifen ihre Haut.

„Es ist nichts“, murmelt sie und versucht, ihre Hand zurückzuziehen.

„Es kann sich entzünden“, sage ich und halte sie einen Moment länger fest.

„Sind Sie immer so herrisch?“, fragt sie mit gerunzelter Stirn.

Ich sehe ihr direkt in die Augen.

„Du wirst feststellen, dass das oft der Fall ist.“

Ich reiche ihr meine Visitenkarte. Unsere Finger berühren sich, und ich ziehe die Hand sofort zurück, als würde ihre Haut mich verbrennen. Die Kontrolle entgleitet mir.

„Ruf diese Nummer an, zu jeder Uhrzeit, wenn du ein Problem hast“, sage ich.

Wir halten vor ihrem Gebäude. Ich steige zuerst aus, um ihr die Tür zu öffnen. Sie zögert einen Moment auf der Schwelle.

„Danke… Alpha.“

„Lass mich nicht warten“, entscheide ich.

Sie steigt aus und geht schnell zur Haustür. Die Tür schlägt zu, und ich steige wieder ein.

„Zur Zentrale“, sage ich.

Declan fährt ohne zu zögern los.

„Elliot will die konsolidierten Prognosen bis achtzehn Uhr“, sagt er. „Er bittet zwanzig Minuten vor Ihrer Ankunft um ein Briefing.“

„Bereite sie für siebzehn Uhr dreißig vor, und leg die Jinan-Akte vor der Besprechung auf meinen Tisch“, sage ich.

„Verstanden. Und die Einberufung für den Rat?“

„Ordne sie nach Risiko. Ich will nur Fakten hören“, entscheide ich.

„Sie sind stiller als sonst“, bemerkt er leise.

„Eine laufende Angelegenheit“, sage ich.

Elliot wartet vor dem Besprechungsraum, das Tablet in der Hand. Ich setze mich und verschränke die Arme.

„Fangen wir an?“

„Zeig die finale Version“, sage ich.

Ich unterschreibe zwei Genehmigungen, unterbreche eine vage Schätzung mit einer Handbewegung, verlange genaue Quellen und verwerfe eine unbelegte Hypothese. Fünfzehn Minuten später ist alles geregelt. Ich stehe als Erster auf, und niemand bewegt sich vor mir.

Zurück in meinem Büro blättere ich eine Sekunde in einer Akte, bevor ich sie mit einem harten Schlag zuklappe. Nutzlos. Keine Zahl hält meine Aufmerksamkeit. Ein Mensch sollte nicht diesen Platz in meinem Kopf einnehmen, und trotzdem bleibt sie dort.

Das Telefon vibriert. Auf dem Display steht nur: Lily.

Ein Lächeln bildet sich, ohne dass ich es erlaube. Ich nehme ab.

„Sag mir, dass du nicht anrufst, um abzulehnen“, sage ich.

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