Mag-log inDraußen fühlte sich die Abendbrise anders an – scharf und durchdringend. Ich holte gezwungen Luft und winkte ein Taxi zu meiner Wohnung heran.
„Bella-Hillton-Straße, Hausnummer 30.“
Nachdem ich bezahlt hatte, stieg ich unter die Dusche und nahm das wohltuendste Bad meines Lebens.
Ich wickelte den Verband von meiner Schläfe. Darunter lag ein braunes Pflaster, auf dessen Oberfläche ein dünner Blutfleck zu sehen war.
Ich holte den Erste-Hilfe-Kasten, wechselte das Pflaster, trug etwas Make-up auf, um meine Augenringe zu kaschieren, und legte meinen teuersten Lipgloss auf.
Als ich meinen Kleiderschrank öffnete, fiel mein Blick auf das smaragdgrüne Paillettenkleid, das ich vor Monaten gekauft hatte, um mit Aiden zu einer Gala zu gehen.
Ich hatte es voller Hoffnung gekauft, dass er unsere Beziehung endlich öffentlich machen würde, doch er hatte mich zurückgewiesen.
„Elaria, du weißt, dass ich viele Fans und Einfluss habe. Wenn wir zusammen auf der Gala auftauchen, würde das viele Fragen aufwerfen. Außerdem steht dir dieses Kleid nicht besonders gut.“
Jetzt ergab alles einen Sinn.
Ich nahm das Kleid und zog es an. Der Stoff schmiegte sich an meinen Körper, während der hohe Schlitz einen Teil meines Oberschenkels freilegte.
Ich stylte mein Haar im Boho-Brautstil: halb hochgesteckt, mit gedrehten Zöpfen und Locken, die mir über den Rücken fielen.
Ich betrachtete mein Spiegelbild.
„Die weinerliche Elaria ist tot.“ Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Diese Elaria kümmert sich nicht mehr darum. Wenn Eileen sich so gern mit meinen Resten zufriedengibt, soll es mir recht sein.“ Ich warf mein Haar über die Schulter und griff nach meiner Handtasche.
★★★★
Der Festsaal war voller Gäste.
Blitze von Kameras zuckten durch den Saal. Über den Tischen schwebten Ballons in Gruppen, während Rosen jede Ecke schmückten und ihr süßer Duft in der Luft lag.
Dichter Nebel breitete sich über den Boden aus und kringelte sich um die Beine der elegant geschmückten Tische und Stühle, auf denen die Gäste saßen.
In der Mitte des Saals stand eine Bühne, deren Sockel ordentlich mit roten Rosen umrankt war. Eileen und Aiden standen darauf.
Was zum Teufel?
Eileen trug genau dasselbe Kleid wie ich.
Aiden ging auf ein Knie hinunter, eine rote Schachtel in der Hand. Eileen stand errötend da und schlug die Hände vor den Mund, als wäre sie wirklich überrascht.
Ich verdrehte leicht die Augen.
Als er die Schachtel öffnete, funkelte der Diamant unter dem Kronleuchter über ihnen hell auf.
„Eileen Montclair. Ich liebe dich, seit wir uns damals im College am Theater kennengelernt haben, und nichts wird je daran ändern, dass ich dich immer lieben werde.“
Begeisterte Rufe und Jubel gingen durch die Menge.
Meine Eltern standen am anderen Ende der Bühne und hielten Händchen. Ihre Gesichter waren voller Wärme und Bewunderung.
Ein bitteres Schnauben entwich mir.
„Eileen Montclair, willst du mich heiraten?“
Eileen nickte eifrig und streckte ihm ihre linke Hand entgegen. Erneut brandete Jubel auf.
Ohne Umschweife schob Aiden ihr den Ring an den Finger. Ein zufriedenes Grinsen zuckte an seinem Mundwinkel.
Meine Eltern und seine Mutter kamen auf die Bühne. Ihre Freude war kaum zu bremsen.
Sie tauschten herzliche Umarmungen mit dem Paar aus.
„Herzlichen Glückwunsch!“ Meine Stimme durchschnitt das fröhliche Stimmengewirr.
Alle drehten sich abrupt zu mir um.
Als ihre Blicke auf mich fielen, klappten ihnen die Münder auf.
„Elaria.“ Meine Mutter starrte mich fassungslos an.
Langsam ging ich auf sie zu. Das scharfe Klacken meiner Absätze hallte leise über den polierten Boden.
Eileens Gesichtsausdruck verhärtete sich.
Als ich bei ihnen ankam, setzte ich ein sanftes Lächeln auf.
„Glückwunsch, Schwesterherz.“ Ich zog sie in eine feste Umarmung.
Sie schüttelte mich ab. Ihre Augen brannten, während sich Tränen darin sammelten.
„Warum trägst du dasselbe Kleid wie ich?“, jammerte sie.
Aidens Nasenflügel bebten, als er die Arme um Eileen schlang.
Die Wärme im Blick meiner Eltern verschwand und machte Wut Platz.
„Elaria, warum bist du so?“, schnaubte meine Mutter. „Warum bist du so versessen darauf, Eileen die Show zu stehlen?“
Ihr die Show stehlen? Ach, bitte.
Ich sah mich gespielt verwirrt um. „Ich sehe hier keine Show.“
Das Gesicht meines Vaters lief knallrot an. Er sah aus, als würde er jeden Moment explodieren.
Aidens Mutter beobachtete mich mit leichter Belustigung.
Eileen brach in Tränen aus und klammerte sich an Aidens Arm.
„Du machst das immer.“ Sie rang nach Luft. „Warum? Warum willst du ständig mit mir konkurrieren?“
Ich starrte sie an, als wäre sie eine Fremde.
„Mit wem konkurrieren? Mit dir? Mädchen, bitte. Ich würde eher einem Elefanten den Arsch küssen.“
Kaum waren die Worte über meine Lippen, wurde Eileens Schluchzen noch heftiger.
Meine Verwandten, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte, kamen auf die Bühne.
„Dann erklär mir, warum du dasselbe Kleid trägst wie sie und warum du vorhin behauptet hast, Aiden gehöre dir“, warf meine Mutter scharf ein.
Aidens Augen weiteten sich. „Ich? Deiner?“ Er lachte trocken auf.
Wie erwartet, leugnete er, je etwas mit mir gehabt zu haben.
Schade für ihn, dass ich die Königin des Leugnens war.
Eileen vergrub das Gesicht an seiner Brust und weinte, als hätte ich ihr die Süßigkeiten weggenommen.
Ich neigte den Kopf.
„Mom, es scheint, als würdest du deine Medikamente nicht wie verordnet nehmen.“ Ich grinste. „Denn ich habe nie gesagt, dass Aiden mir gehört. Wie sollte er auch, wo er doch nur ein weiterer Rest ist, nach dem Eileen giert?“
„Genug!“, donnerte mein Vater und hob die Hand.
Alle wurden still.
Die Gäste beobachteten uns und versuchten herauszufinden, was hier vor sich ging.
„Wie kannst du es wagen, hier hereinzukommen und so eine Szene zu machen?“ Jetzt stand er vor mir, seine Augen loderten wie ein Gasbrenner.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und erwiderte seinen Blick.
„Hallo, Dad.“ Ich lächelte.
„Dad, sie hat gerade meinen Verlobten beleidigt.“ Eileen hob den Kopf von Aidens Brust. Ihr Lidschatten war unter den Augen verschmiert.
Ich holte ein Taschentuch aus meiner Handtasche und reichte es ihr. „Hier, du siehst schrecklich aus.“
Aidens Blick verfinsterte sich.
Seine Mutter wandte sich an meine Mutter.
„Wer ist sie?“
Oh.
Ich drehte mich zu ihr um. Mein Lächeln verschwand nicht. „Hallo, Sie müssen seine Mutter sein.“ Ich streckte ihr die Hand entgegen. „Ich bin Elaria, die zukünftige Schwägerin Ihres Sohnes.“
Das Gesicht der Frau verhärtete sich. „Und du wagst es, ihn so zu beleidigen?“
„Elaria, ich wusste schon immer, dass du ein besessener Fan bist, aber zu behaupten, ich gehöre dir, geht zu weit. Ich könnte niemals mit einer Frau wie dir zusammen sein – und war es auch nie.“
Der Rest, hatte Aiden gesagt.
„Ein Fan? Entschuldigung?“ Ich ließ den Blick über ihn gleiten. „So toll bist du nun auch wieder nicht.“
Meine Mutter packte meinen Arm.
Eileen bewegte sich blitzschnell. So schnell, dass ich ihre Hand kaum sah. Sie schlug mir ins Gesicht und riss meinen Kopf zur Seite.
„Deshalb hast du keinen Mann“, sagte sie durch zusammengebissene Zähne.
„Wer sagt das?“
Eine unverkennbar vertraute Stimme erklang vom Eingang.
~ Elaria POV ~Sonnenlicht fiel durch die Vorhänge und tauchte meine Haut in goldene Strahlen. Es weckte mich auf.Ich setzte mich auf und streckte die Arme aus.Ein leises Gähnen entwich mir.In diesem Moment knarrte die Tür und Rhys kam herein. In den Händen hielt er ein Keramiktablett.Meine Brauen zogen sich zusammen, als sich unsere Blicke trafen.„Guten Morgen, Schlafmütze“, rief er begeistert.Mit dem Fuß zog er die Tür sanft zu und kam auf mich zu. Seine Augen glänzten.„Was soll an diesem Morgen gut sein?“, fragte ich gedehnt und beobachtete ihn dabei, wie er das Tablett auf den Beistelltisch stellte.„Ich habe ein Angebot für dich.“Bei seinen Worten verengte ich die Augen. Sein Streit mit seiner Mutter vom Vorabend ging mir durch den Kopf.„Wag es ja nicht!“, fuhr ich ihn an und sprang aus dem Bett.Er richtete sich auf und steckte die Hände in die Taschen. „Immer mit der Ruhe, Kleine.“„Du glaubst wohl, ich weiß nicht, was du vorhast, hm?“ Ich ging auf das Badezimmer zu.„
~ Elaria POV ~„Da lauscht jemand.“Rhys deutete zur Tür und zeigte auf den Boden.Ein dunkler Schatten ragte unter der Tür hervor und erstreckte sich ein paar Zentimeter über die Fliesen.Ich klatschte in die Hände. Das Geräusch durchbrach die Stille.Rhys hob eine Braue. „Was machst du da?“, flüsterte er.„Spiel einfach mit“, sagte ich kaum hörbar.Ein selbstgefälliges Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus.„Schatz, jetzt nicht. Alle warten bestimmt schon auf uns“, sagte ich leise, aber laut genug, dass die Person vor der Tür es hören konnte.Rhys blieb stehen, die Hände noch immer in den Taschen. „Okay.“Er zog eine Hand aus der Tasche, presste die Handfläche auf seine Lippen und ließ sie mit einem scharfen Geräusch wieder los, als würde er einen Kuss andeuten.„Keine Sorge. Sobald wir wieder in deiner Villa sind, kannst du mit mir machen, was du willst“, sagte ich süßlich.Rhys schüttelte den Kopf und musterte mich. „Das hättest du wohl gern“, murmelte er.„Ganz sicher nicht
~ Elaria POV ~„Wer sagt das?“Eine unverkennbar vertraute Stimme erklang vom Eingang.Ich drehte mich um.Rhys?Er stand da, beide Hände in den Seitentaschen seiner aschgrauen, maßgeschneiderten Hose. Einige Knöpfe seines hellblauen Hemdes waren offen und gaben einen ordentlichen Teil seiner Brust frei.Sein Blick war auf mich gerichtet.Plötzlich blitzten überall Kameras auf.Klicks hallten durch den Saal. Die Paparazzi, die in einer Ecke gestanden hatten, bewegten sich nun auf Rhys zu.„Rhys Cassian.“„Oh mein Gott! Er ist es wirklich.“Die Gäste brachen in bewundernde Rufe aus.Ein leises Schnauben entwich mir. „Er hört einfach nie zu.“Er kam auf mich zu, während das Licht des Kronleuchters über sein Gesicht schimmerte. „Schatz“, sagte er.Hä?Bevor ich reagieren konnte, legte er sanft einen Arm um meine Taille und zog mich in eine Umarmung.„Was machst du da?“, fragte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen.Er drückte mir einen kurzen Kuss auf die Stirn. „Spiel einfach mit“, mur
Draußen fühlte sich die Abendbrise anders an – scharf und durchdringend. Ich holte gezwungen Luft und winkte ein Taxi zu meiner Wohnung heran.„Bella-Hillton-Straße, Hausnummer 30.“Nachdem ich bezahlt hatte, stieg ich unter die Dusche und nahm das wohltuendste Bad meines Lebens.Ich wickelte den Verband von meiner Schläfe. Darunter lag ein braunes Pflaster, auf dessen Oberfläche ein dünner Blutfleck zu sehen war.Ich holte den Erste-Hilfe-Kasten, wechselte das Pflaster, trug etwas Make-up auf, um meine Augenringe zu kaschieren, und legte meinen teuersten Lipgloss auf.Als ich meinen Kleiderschrank öffnete, fiel mein Blick auf das smaragdgrüne Paillettenkleid, das ich vor Monaten gekauft hatte, um mit Aiden zu einer Gala zu gehen.Ich hatte es voller Hoffnung gekauft, dass er unsere Beziehung endlich öffentlich machen würde, doch er hatte mich zurückgewiesen.„Elaria, du weißt, dass ich viele Fans und Einfluss habe. Wenn wir zusammen auf der Gala auftauchen, würde das viele Fragen auf
KAPITEL 1~ Elarias Sicht ~Das schrille Piepen in meinen Ohren verblasste langsam und wurde durch einen leisen, stetigen Ton ersetzt.Meine Augen flatterten auf. Trübe Leuchtstoffröhren hingen über mir und warfen ein blasses, gelbliches Licht auf meine Haut.Das leise Piepen wurde deutlicher. Es kam von neben mir. Ich drehte meinen Kopf ein wenig; ein pochender Schmerz pulsierte an meinen Schläfen und zwang mich, die Augen wieder zu schließen.Erinnerungen an jene Nacht überfluteten meinen Verstand. Aiden. Eileen. Und dann der Unfall…Meine Augen rissen auf.„Wo…“ Meine Stimme erstarb im Hals.„Sie ist wach, Sir“, ertönte eine fremde weibliche Stimme von der anderen Seite des Raumes.Das scharfe Geräusch von Schritten stürmte in das Zimmer.Bevor ich begreifen konnte, was geschah, ragte eine große, breitformatige, männliche Gestalt über mir auf.Ich blinzelte hart, um meine Sicht zu schärfen.„Elaria…“„Rhys?“ Meine Stimme klang rau, kaum wiederzuerkennen.Seine smaragdgrünen Augen f







