Mag-log in„Tara, ich glaube, wir sollten zurückgehen ... jetzt.“ Matas Stimme zitterte, während sie auf Block D zugingen.
Tara blieb stehen, nachdem sie das eiserne Tor passiert hatten, das zum Block D führte.
Sollte ich umkehren und fliehen? Was, wenn er bereits entkommen ist? Würde ich ihn verraten, wenn ich ihn zurückließe?
Sie ballte die Hände zu Fäusten und hob den Kopf zu den schwarzen Buchstaben über dem Eingang.
BLOCK D.
„Gehen wir.“
Selbst uniformierte Beamte lagen verstreut auf dem Betonboden und kämpften verzweifelt um ihr Leben.
„Dieser Ort ist verdammt noch mal viel gefährlicher als unser Block!“, beschwerte sich Mata.
Tara ignorierte sie und suchte das Chaos weiter nach Dave ab.
„Tara!“ Mata zog sie zurück, erstarrte dann jedoch, als sich einer der Infizierten umdrehte und sie direkt anstarrte.
„Nicht bewegen ...“, flüsterte sie.
Die Kreatur stand regungslos da, ohne mit der Wimper zu zucken. Beide Mädchen hielten den Atem an, bis hinter ihnen ein lauter Knall ertönte.
Die Kreatur schleifte ihre Füße in Richtung des Geräuschs. Als sie an ihnen vorbeiging, streifte ihr fauliger Atem sie beinahe.
Tara setzte sich wieder in Bewegung.
„Tara, hier draußen werden sogar die Beamten abgeschlachtet, und du glaubst, wir werden nicht getötet?!“, jammerte Mata und eilte ihr hinterher.
Tara drehte sich zu ihr um. Tränen verschleierten ihre Sicht, während sie sich neben dem Eingang des Blocks an die Wand lehnte.
„Er ist ein Waisenkind, Mata“, flüsterte sie. „Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde er nach mir suchen, genau wie er es immer tut.“
Mata nahm ihre Hand.
„Selbst wenn er es nicht geschafft hat, würde niemand nach ihm suchen! Wenigstens kann ich das für ihn tun!“
Mata stand da und sah zu, wie eine Träne über Taras Wange rann. Sie seufzte.
„Wohin gehen wir jetzt?“
Tara wischte sich die Tränen ab und zwang sich zu einem schwachen Lächeln.
„Wir suchen ihn. In jeder einzelnen Zelle, selbst wenn ich nur noch seine Leiche finde.“
Tara drückte die Tür langsam auf. Der Zellentrakt war unheimlich still. Sie blickte zu den oberen Laufgängen hinauf und ließ ihre Augen über die Reihen von Zellen wandern, die sich auf beiden Seiten des offenen Bereichs gegenüberlagen.
Langsam traten sie ein.
„Gott, bitte ... wenn du mich rettest, schwöre ich, dass ich nie wieder in einen Club gehe. Ich werde deine beste Tochter sein“, murmelte Mata leise und folgte ihr dicht auf den Fersen.
„Wo zur Hölle ist er ...?“, murmelte Tara und öffnete eine Tür, um die Gemeinschaftstoilette im unteren Stockwerk zu überprüfen.
Niemand da.
Hier auch nicht.
„Dieser Block ist echt seltsam gebaut“, flüsterte Mata und blickte sich im leeren Flur um.
„Sei einfach still. Da sie noch nicht in diesem Bereich sind, sollten wir nicht auf uns aufmerksam machen ...“
Tara blieb stehen. Ihr Blick fiel auf einen toten Beamten, der ausgestreckt auf dem gefliesten Boden lag.
Sie kniff die Augen zusammen, ging in die Hocke und zog mit zitternden Händen die Pistole aus seinem Holster.
„Was machst du da?“, fragte Mata mit weit aufgerissenen Augen.
„Wir ...“ Tara schluckte schwer. „Wir könnten sie brauchen. Sie könnte uns helfen.“
Mata kniete sich neben einen anderen gefallenen Beamten und griff ebenfalls nach dessen Pistole.
„Aber wenn wir die benutzen, machen wir verdammt viel Lärm.“
Tara sah sie an.
„Stimmt ... Suchen wir nach einem Schalldämpfer, während wir nach Dave suchen.“
Sie schlichen lautlos an der Reihe von Zellen vorbei. Seltsamerweise war der gesamte Flügel vollkommen still.
„Tara ...“, rief eine tiefe, leise Stimme hinter ihnen.
Tara wirbelte herum.
Dave stand direkt vor ihnen im Flur.
„Da bist du ja“, sagte Mata lächelnd und atmete aus, als hätte sie die ganze Zeit die Luft angehalten.
Tara stand einen Moment lang wie erstarrt da, bevor Dave auf sie zukam und sie fest in die Arme schloss. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter und biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszuweinen.
„Ich habe überall nach dir gesucht“, flüsterte Dave in ihr Haar.
„Ich auch ...“
Mata lächelte, trat zur Seite und klopfte leicht mit der Pistole gegen ihre Handfläche.
Schließlich lösten sie sich voneinander, ihre Gefühle kochten über. Dave nahm Taras Gesicht in beide Hände und wischte ihr die Tränen von den Wangen.
„Wir müssen uns sofort verstecken. Hier draußen ist es nicht sicher.“
Tara nickte.
„Aber ... wo? Sie sind überall.“
„Es gibt einen Ort, den sie noch nicht gefunden haben. Die Unterkünfte der Beamten.“
„Gott sei Dank“, hauchte Mata erleichtert.
„Okay ... aber ich muss vorher auf die Toilette“, bat Tara.
Mata kicherte leise.
„Dann komm“, sagte Dave und nahm Taras Hand.
Er blickte zu Mata.
„Musst du auch?“
Mata schüttelte den Kopf.
„Ich habe keinen einzigen Tropfen Wasser mehr im Körper.“
Dave lächelte und führte Tara zu einer nahe gelegenen Toilette unterhalb des oberen Zellentrakts.
„Sei vorsichtig.“
Tara überprüfte den Eingang, bevor sie hineinschlüpfte.
„Es gibt ein Gegenmittel ...“
Eine zitternde Stimme auf der anderen Seite der gefliesten Trennwand ließ sie sofort erstarren.
„Wirklich?“, fragte eine andere Stimme.
Tara schlich sich näher an die Trennwand und presste ihr Ohr gegen die kalten Fliesen.
„Ja ... ich ... ich—“
„Kannst du verdammt noch mal reden, bevor ich dir das hier durch den Leib jage?!“
„I-ich habe es von einem der Beamten gehört!“, flehte die stotternde Stimme. „Als ich hierhergerannt bin ... sie sagten, es gäbe etwas, das verhindert, dass sie einen fressen, wenn man es einnimmt!“
Taras Augen weiteten sich. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, während sie lauschte.
Ein Gegenmittel?
„Jetzt sag mir, wo es ist!“, verlangte die raue Stimme.
„Ich weiß es nicht! Ich ... ich—“
KLICK.
Das kalte metallische Klicken einer Pistole hallte durch die Wand.
„Du rückst besser damit raus, wenn du nicht als Futter für diese Miststücke enden willst!“
„Bitte! Ich weiß es wirklich nicht! Ich bin nur einer der Köche. Ich weiß nichts über die Dosierung!“
„Ist es in deinem Magen?!“
„Du Schlampe, ich habe dir gesagt, dass ich nicht weiß, wo—“
Vollkommene Stille.
Tara schlug beide Hände vor den Mund. Ihr ganzer Körper zitterte heftig.
Er hat ihn getötet.
Und er hat einen Schalldämpfer an seiner Waffe.
Sie stolperte rückwärts aus der Toilette und fand Dave und Mata vor, die leise miteinander plauderten und kleine Grinsen auf den Gesichtern trugen.
„Was ist los?“, fragte Dave und bemerkte sofort, wie blass sie geworden war.
Tara schüttelte den Kopf. Ihre Kehle war zu trocken, um auch nur ein einziges Wort herauszubringen.
„Bist du fertig?“, fragte Dave sanft.
Sie nickte hastig.
„Okay, dann gehen wir.“
Es gibt ein Gegenmittel ...
Der Gedanke schrie in Taras Kopf, während sie Dave den Flur entlang folgten.
Stimmt das wirklich? Wie sieht es aus? Eine Pille? Eine Spritze? Wie hält es diese Dinger davon ab, uns zu fressen? Wären wir wirklich in Sicherheit, wenn wir es finden würden?
Sie beobachtete Dave, der vor ihr herging, und warf dann einen Blick auf Mata. Schließlich streckte sie die Hand aus und tippte Dave auf die Schulter.
Er drehte sich um.
„Wohin gehen wir?“, fragte sie leise.
„Du musst dir keine Sorgen machen“, sagte Dave und legte einen Arm um ihre Schultern. „Dort werden wir sicher sein.“
Tara blinzelte überrascht, als Dave sie durch eine Doppeltür in einen Bürotrakt führte.
Dahinter befand sich ein riesiger Bereich mit mehreren Betten, die im ganzen Raum verteilt standen.
„Die Überlebenden ...“, flüsterte Mata, als sie vor den verschiedenen Menschen standen, die sich in den Unterkünften aufhielten. Einige saßen, andere lagen, und wieder andere standen herum.
Jedes Augenpaar im Raum richtete sich auf sie.
„Hallo ...“, begrüßte Dave die Gruppe. „Das ist meine Freundin, und das ist ihre Freundin.“
Niemand antwortete.
Tara ließ ihren Blick durch den Raum wandern. Sie entdeckte die kurzhaarige Gefangene, die an einer Wand lehnte und auf ihrem Holzstäbchen kaute.
Das Mädchen bemerkte Taras Blick und grinste.
Tara zählte sie rasch durch.
Zehn Personen.
Fünf Frauen und fünf Männer. Zusammen mit Tara und Mata waren sie insgesamt zwölf.
Ein Mann lag ausgestreckt auf einer Pritsche. Ein Tuch bedeckte sein Gesicht, als läge er in einer Leichenhalle. Ein anderer Gefangener saß neben ihm wie ein Leibwächter.
Tara ließ ihren Blick weiterwandern.
Es war das blonde Mädchen, die Schwester von Lion-Tat.
Eine andere Frau stopfte sich hektisch Essen in den Mund.
Ein junger Mann mit Brille blickte sich völlig verwirrt um.
Eine ältere Frau saß still in einer Ecke.
Weiter hinten stand eine andere Frau mit dem Rücken zu ihnen und blies Zigarettenrauch in die Luft.
„Na, Kleines!“, rief ein Mann und winkte mit einem Taschentuch, während er breit grinste. „Willkommen im Überlebensclub!“
Er kicherte.
„Kommt rein“, sagte Dave und hielt Taras Hand.
„Dave“, flüsterte Tara und zog ihn in eine abgelegene Ecke des Raumes. „Ich glaube, wir müssen hier weg.“
„Was? Warum? Das ist der einzige Ort, den sie noch nicht erreicht haben.“
„Ich weiß, aber hierzubleiben wird uns nicht retten ...“
Dave runzelte die Stirn.
„Warum nicht? Ich glaube schon.“
„Dave, hör mir zu. Wir müssen weg und etwas suchen. Zusammen mit Mata.“
„Was denn? Wir kommen nicht an unsere Handys.“
Tara schüttelte den Kopf. Dave starrte sie an und wartete auf eine Erklärung.
Tara atmete aus. Ihre Hände krallten sich in den Stoff ihrer Hose, bevor sie schwer schluckte.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin völlig verwirrt. Ich weiß nicht, was hier passiert, was wahr ist und was nicht“, rief sie unter Tränen.
Dave nahm erneut ihr Gesicht in beide Hände.
„Hey, beruhige dich. Wir werden in Sicherheit sein, okay?“
„Es gibt ein Gegenmittel ...“
„Was?“
Sie nickte hektisch.
Dave umklammerte ihre Hände.
„Tara, das sind großartige Neuigkeiten!“
„Genau deshalb müssen wir—“
„Leute!“, rief Dave und wandte sich den anderen zu.
„Dave, was machst du?!“
„Es gibt ein Gegenmittel!“, verkündete Dave.
Stille.
Jeder einzelne Kopf drehte sich zu ihnen um.
Am anderen Ende des Raumes erstarrte die rauchende Frau. Langsam drehte sie sich um und starrte Tara direkt an.
Tara kniff die Augen zusammen.Gott, Dave, warum zur Hölle hast du es ihnen erzählt?„Gegengift?“, fragte die Feinschmeckerin und kaute unbeholfen weiter. „Was für ein Gegengift?“„Ich kann nicht glauben, dass du dich traust, mir unter die Augen zu treten, nach allem, was du meiner Schwester angetan hast!“, fuhr Lion-Tats Schwester ihn an.Die Raucherin drehte ihnen erneut den Rücken zu, steckte sich ihren Ohrhörer wieder ins Ohr und blies Rauch in Richtung Decke.Der Typ, der auf der Pritsche lag, rührte sich nicht einmal und zog auch das Tuch nicht von seinem Gesicht.„Tara, erzähl ihnen, was du gehört hast“, sagte Dave und hielt Taras Handgelenk zwischen seinen Händen fest.„Gehört?“, wiederholte Lion-Tats Schwester mit gereizter Stimme. „Hab ich gerade verdammt noch mal richtig gehört? Du hast gesagt, sie hätte es gehört?“„Gott, ich dachte, du hättest es mit deinen eigenen Augen gesehen. Das wäre interessant gewesen.“ Der Insasse, der mit seinem Taschentuch herumwedelte, kicherte
„Tara, ich glaube, wir sollten zurückgehen ... jetzt.“ Matas Stimme zitterte, während sie auf Block D zugingen.Tara blieb stehen, nachdem sie das eiserne Tor passiert hatten, das zum Block D führte.Sollte ich umkehren und fliehen? Was, wenn er bereits entkommen ist? Würde ich ihn verraten, wenn ich ihn zurückließe?Sie ballte die Hände zu Fäusten und hob den Kopf zu den schwarzen Buchstaben über dem Eingang.BLOCK D.„Gehen wir.“Selbst uniformierte Beamte lagen verstreut auf dem Betonboden und kämpften verzweifelt um ihr Leben.„Dieser Ort ist verdammt noch mal viel gefährlicher als unser Block!“, beschwerte sich Mata.Tara ignorierte sie und suchte das Chaos weiter nach Dave ab.„Tara!“ Mata zog sie zurück, erstarrte dann jedoch, als sich einer der Infizierten umdrehte und sie direkt anstarrte.„Nicht bewegen ...“, flüsterte sie.Die Kreatur stand regungslos da, ohne mit der Wimper zu zucken. Beide Mädchen hielten den Atem an, bis hinter ihnen ein lauter Knall ertönte.Die Kreatur
Tara erstarrte. Die abgetrennte Hand des tätowierten Mädchens hielt sich noch immer fest um ihren Hals geklammert. Ihr Körper zitterte, während das infizierte Mädchen langsam ihr Gesicht verzog und Blut aus ihrem Mund tropfte.Das Mädchen schleifte einen Fuß näher an die Eisengitter heran ...Näher.Sie legte den Kopf schief.Tara hielt sich sofort die Hand vor den Mund und hielt den Atem an.„Hey!“, rief eine andere Gefangene, woraufhin die Kreatur den Kopf ruckartig von Tara weg und in Richtung der Stimme drehte.Tara stürzte sofort zu Boden und versuchte verzweifelt, die Hand von ihrem Hals zu lösen. Sie kroch zu Mata hinüber, die reglos auf dem Beton lag, und schüttelte sie heftig, um sie aufzuwecken.Die Kreatur legte den Kopf schief und knurrte, während sie der Gefangenen zuhörte, die den Flur hinunterbrüllte.„Hältst du das hier für irgendeinen verdammten Witz?!“, schrie die Frau. „Oh Gott ... Ich hatte sowieso schon einen beschissenen Tag, weil ich nichts zu essen bekommen hab
„Iss das verdammt noch mal nicht!“, zischte Tara Mata zu, die ihren Löffel langsam sinken ließ.„Warum?“Tara beugte sich über den Tisch. „Ich glaube nicht, dass das Essen sicher ist.“„Du klingst wie jemand, der früh sterben wird“, knurrte eine tiefe Stimme hinter ihnen.Sie drehten sich zu einem riesigen Mann um, der lässig mit dem Rücken zu ihnen am eisernen Absperrgitter lehnte.„Wie bitte?“Er stieß sich vom Gitter ab und steckte die Hände in die Taschen. Als er sich bewegte, bemerkte Tara ein kleines Schmetterlingstattoo auf seinem Handgelenk.„Du wirst früh sterben, wenn du weiterredest“, sagte er, ohne sich umzudrehen, und ging davon.„Kennst du ihn?“, fragte Mata und sah ihm nach, bis sein Rücken in der Menge verschwand.Tara schüttelte den Kopf. Ihr Blick folgte seinen breiten Schultern. Er sah gepflegt aus, viel gepflegter als alle anderen in diesem Raum.Sie wandte sich wieder Mata zu. „Ich sage dir, mit dem Essen stimmt etwas nicht.“„Warum?“„Ich ... weiß es selbst noch
„Entschuldigen Sie, Sir! Wollen Sie mir verdammt noch mal sagen, dass ich Handschellen angelegt bekomme, nur weil ich in einer Bar war?“, fragte Tara wütend, während eine uniformierte Polizistin sie hinter sich herzog.„Mein Gott, Tara! Ich hab dir gesagt, du sollst ihn in Ruhe lassen, und du hast verdammt noch mal auf ihn eingestochen!“, schrie Mata, ihre beste Freundin, hinter ihr, während ein weiterer Polizist sie an der Menge vorbeizerrte.Eingestochen?Tara blinzelte. Das Wort hallte in ihrem Kopf wider.Sie blickte auf ihre Hände hinunter.Blut.Wovon zur Hölle redete Mata?Tara konnte nicht einmal ein Küchenmesser richtig halten, um Obst zu schneiden, ohne sich dabei in den Finger zu schneiden. Wie sollte sie da jemanden umgebracht haben?„Sir, ich habe niemanden umgebracht. Sie müssen mir glauben“, schluchzte sie, während ihr Tränen über die Wangen liefen. „Ich bin viel zu sanft, um überhaupt eine Klinge anzufassen ...“Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war, wie sie







