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ÜBERLEBEN 101
ÜBERLEBEN 101
Author: C.C

Kapitel 1: Der Mord

Author: C.C
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-27 20:55:42

„Entschuldigen Sie, Sir! Wollen Sie mir verdammt noch mal sagen, dass ich Handschellen angelegt bekomme, nur weil ich in einer Bar war?“, fragte Tara wütend, während eine uniformierte Polizistin sie hinter sich herzog.

„Mein Gott, Tara! Ich hab dir gesagt, du sollst ihn in Ruhe lassen, und du hast verdammt noch mal auf ihn eingestochen!“, schrie Mata, ihre beste Freundin, hinter ihr, während ein weiterer Polizist sie an der Menge vorbeizerrte.

Eingestochen?

Tara blinzelte. Das Wort hallte in ihrem Kopf wider.

Sie blickte auf ihre Hände hinunter.

Blut.

Wovon zur Hölle redete Mata?

Tara konnte nicht einmal ein Küchenmesser richtig halten, um Obst zu schneiden, ohne sich dabei in den Finger zu schneiden. Wie sollte sie da jemanden umgebracht haben?

„Sir, ich habe niemanden umgebracht. Sie müssen mir glauben“, schluchzte sie, während ihr Tränen über die Wangen liefen. „Ich bin viel zu sanft, um überhaupt eine Klinge anzufassen ...“

Das Letzte, woran sie sich erinnern konnte, war, wie sie ihre Abschlussmütze in die Luft geworfen hatte, endlich frei von der Schule. Sie erinnerte sich daran, wie sie mit ihren drei engsten Freunden gefeiert hatte. Sie erinnerte sich an ihren Freund. Sie erinnerte sich daran, dass sie geglaubt hatte, heute wäre der Tag, an dem sie ihrem Freund alles geben würde.

Und jetzt schleifte ein Polizist sie wie eine Verbrecherin davon und beschuldigte sie, jemanden getötet zu haben, den sie sich nicht einmal erinnern konnte berührt zu haben.

„Das können Sie später dem Richter erzählen“, knurrte der Polizist. Er drückte ihren Kopf nach unten und zwang sie, auf den Rücksitz des Streifenwagens zu steigen.

Ein weiterer Polizist warf Mata neben sie auf den Sitz, während diese weinte. Weiter unten auf der Straße zwangen Beamte Dave, Taras Freund, mit Handschellen in ein anderes Fahrzeug.

„Wovon zur Hölle redest du, Mata?“, flüsterte Tara mit zitternder Stimme. „Du weißt ganz genau, dass ich nicht einmal einen Stock richtig halten kann!“

Mata seufzte und strich sich mit ihren gefesselten Händen die zerzausten Haare aus dem Gesicht. Mit einem Ruck ihres Kinns deutete sie zum Ausgang der Bar.

„Da“, flüsterte Mata kalt. „Das ist der Mann, den du getötet hast.“

Tara drehte sich zum Fenster.

Ihr Blick fiel auf eine Trage, auf der ein Körper lag, bedeckt mit einem weißen, blutbefleckten Laken. Ihr Mund klappte auf, und ihre Hände zitterten unkontrolliert.

„Ich war das nicht“, brachte sie erstickt hervor. „Ich könnte so etwas niemals tun ...“

Die Polizisten interessierte das nicht. Der Motor heulte auf, und der Wagen fuhr davon.

Tara saß wie erstarrt da und versuchte verzweifelt, die letzten Stunden in ihrem Kopf zusammenzusetzen.

Nichts. Nur bruchstückhafte Erinnerungen: laute Musik, blinkende Lichter, betrunkenes Gelächter, ihre durch die Luft fliegende Abschlussmütze ... und dann Leere.

„Runter! Los, bewegen Sie sich!“

Die Beamten zerrten sie aus dem Wagen in einen kahlen, grauen Innenhof und nahmen ihnen sämtliche persönlichen Gegenstände ab.

„Wie soll ich meine Eltern anrufen?!“, weinte Mata und griff nach dem Arm eines Beamten.

Niemand antwortete.

Bevor eine von ihnen überhaupt begreifen konnte, was geschah, führten die Wärter sie durch kalte, von grellem Neonlicht erhellte Gänge. Ein Wärter stieß eine schwere Eisentür auf und schubste sie in einen Zellentrakt.

Die Metalltür krachte hinter ihnen ins Schloss.

KLIRR!

„Scheiße!“, fluchte Mata und trat einen verrosteten Eimer über den Betonboden. Das Geräusch zerriss die Stille des Trakts.

„Hey, Bobby!“, rief eine heisere Stimme vom gegenüberliegenden Gang. „Halt da drüben verdammt noch mal die Klappe!“

„Halt du doch die Klappe!“, brüllte Mata zurück. Sie ging davon aus, dass die Gitterstäbe der Zellen sie schützen würden.

Doch sie irrte sich.

Innerhalb weniger Sekunden glitten drei Frauen aus der Nachbarzelle in ihren Bereich. Bevor Mata überhaupt reagieren konnte, schleuderte ein schneller Schlag sie zu Boden. Die Frauen prügelten brutal auf sie ein, während Tara vor Angst erstarrt in einer Ecke neben einer schmutzigen Wand stand.

Als die Angreiferinnen sich schließlich zurückzogen, eilte Tara zu Mata. Ihre beste Freundin lag zusammengekauert auf dem dreckigen Boden, in ihrem orangefarbenen Gefängnisoverall, und weinte leise.

Tara hob den Blick zu den drei Frauen, die über ihnen standen.

Die erste war blond und trug ein aufgeknöpftes Oberteil. Gleichgültig saß sie da und feilte sich die Nägel.

Die zweite hatte pechschwarze Haare und großflächige Tätowierungen, die sich über ihren Hals und ihr Schlüsselbein erstreckten. Tara verengte die Augen, als sie das auffälligste Motiv erkannte: einen brüllenden Löwen.

Ihr Blick wanderte zur dritten Frau. Sie unterschied sich von den anderen beiden. Sie saß still an die Wand gelehnt und zitterte.

Als die Blonde Tara böse anfunkelte, wandte diese hastig den Kopf ab.

„Wir müssen einen Weg hier raus finden“, flüsterte Tara eindringlich zu Mata. „Wir können nicht hierbleiben. Wir gehören nicht hierher.“

Mata blickte sie mit tränenfeuchten Wimpern wütend an. „Wie denn? Was für einen verdammten Plan haben wir denn?“, schluchzte sie. „Sie haben mein iPhone einkassiert! Ich kann nicht einmal meinen Vater anrufen!“

Tara blickte wieder zu den drei Frauen, die laut miteinander lachten.

„Wir finden einen Weg ...“

Schließlich übermannte sie beide die Erschöpfung. Zusammengekauert auf dem kalten Betonboden fielen sie in einen unruhigen Schlaf, bis ein schrilles, metallisches Scheppern sie hochschrecken ließ.

KLIRR! KLIRR! KLIRR!

„Hey! Steht auf, wenn ihr nicht bis zum Abend hungern wollt!“, hallte die Stimme eines Wärters durch den Gang.

Innerhalb weniger Sekunden flogen die Zellentüren auf. Die Gefangenen strömten wie eine stampfende Herde in den Flur und drängten sich rücksichtslos an allen vorbei, die ihnen im Weg standen.

„Ich darf das Essen heute nicht verpassen!“, stöhnte eine Gefangene, während sie an ihnen vorbeieilte.

„Was zur Hölle ist denn jetzt schon wieder los?“, stöhnte Mata, rieb sich die Augen und blinzelte in das Chaos hinein.

„Es ist Essenszeit“, sagte eine ruhige Stimme in der Nähe ihrer Zellentür. „Ihr solltet besser mitkommen, wenn ihr etwas in den Magen bekommen wollt.“

Es war das stille Mädchen, das so anders wirkte als die anderen. Sie sprach, ohne auch nur den Kopf in ihre Richtung zu drehen.

„Ach, lass sie doch“, knurrte eine andere Gefangene im Vorbeigehen. Sie trug nur ein Tanktop, ihre Gefängnisjacke hatte sie um die Hüfte gebunden. Ihr Kopf war kurz rasiert, und ein hölzerner Zahnstocher hing zwischen ihren Lippen. „Sie werden schon auf die harte Tour lernen.“

Das stille Mädchen warf Tara einen kurzen, unergründlichen Blick zu, bevor sie verschwand.

„Ich glaube, wir sollten etwas essen gehen“, sagte Tara und stemmte sich vom Boden hoch.

„Essen? Hast du gerade Essen gesagt?“, fuhr Mata sie an. Ihr Gesicht verzog sich vor Ekel. „Du willst, dass ich Gefängnisdreck esse?“

Tara antwortete nicht.

„Das ist sinnlos, Tara! Wir kommen sowieso bald hier raus! Unsere Eltern werden uns abholen, also gibt es verdammt noch mal keinen Grund, sich das anzutun!“

Eltern?

Selbst wenn Matas reiche Eltern ihre Beziehungen spielen ließen, würden ihre eigenen Eltern das auch tun?

Wenn Tara nach Hause kam, bemerkten ihre Eltern sie kaum. Sie verbrachten ihr ganzes Leben vor ihren Computerbildschirmen und blickten kaum auf, um überhaupt ihre Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen. Sie hatten wahrscheinlich noch nicht einmal bemerkt, dass sie verschwunden war.

„Ich gehe“, sagte Tara leise und trat auf den Gang hinaus.

Niedergeschlagen rappelte Mata sich auf und folgte ihr. Gemeinsam schlossen sie sich den anderen Gefangenen an, bis sie eine große Halle erreichten, in der Gefangene in Uniform Schlange standen. Einige aßen bereits, während Sicherheitsbeamte umhergingen und alles im Auge behielten.

„Stellt euch an, wenn ihr etwas essen wollt“, sagte eine Frau und stieß im Vorbeigehen gegen sie.

Sie reihten sich in eine lange Schlange in einem riesigen, schwach beleuchteten Speisesaal ein.

„Heilige Scheiße ... sitzen hier Männer und Frauen zusammen?“, flüsterte Mata, als sie männliche Gefangene in Uniform auf der gegenüberliegenden Seite einer Absperrung entdeckte.

„Dann müsste Dave doch auch hier sein, oder? Wo ist er?“

Mata ließ ihren Blick über die Männer schweifen und vergaß für einen kurzen Moment ihr Elend. „Sieh dir den da drüben an ... der ist tatsächlich ziemlich heiß.“ Sie deutete auf einen Mann, dessen Brust von dichten Tätowierungen bedeckt war.

Tara folgte ihrer ausgestreckten Hand, doch ihre Aufmerksamkeit wurde von einem Mann weiter hinten in der Schlange gefesselt.

Er lief in engen, hektischen Kreisen. Ein Schritt, eine Drehung, ein Schritt, eine Drehung. Aggressiv raufte er sich die Haare. Seine Augen waren weit aufgerissen und blickten ins Leere, während seine Bewegungen von Sekunde zu Sekunde unkontrollierter wurden.

Tara kniff die Augen zusammen.

War mit ihm alles in Ordnung?

„Hey! Weitergehen!“, bellte eine raue Stimme hinter ihr.

Tara stolperte nach vorn und warf einen Blick auf eine Frau vor der Essensausgabe, die sie misstrauisch beobachtete.

„Kümmer dich um deinen verdammten Scheiß“, fauchte die Frau.

Tara schluckte schwer, nahm ihr Metalltablett und ging zu einer freien Betonbank. Hinter ihr stürmten zwei Wärter herbei und rissen den Mann, der im Kreis gelaufen war, brutal zu Boden. Er schrie und wehrte sich wild.

Tara ließ den Blick durch den Saal schweifen und suchte nach den Frauen aus ihrem Zellentrakt.

Sie entdeckte die drei Frauen hinten im Raum, wo sie zusammensaßen. Keine von ihnen aß.

Tara blinzelte und betrachtete die übrigen Gefangenen in der Kantine genauer. Die meisten der erfahrenen Insassen rührten ihr Essen nicht an. Einige aßen, doch diejenigen, die es taten, streckten sich nervös oder zuckten unkontrolliert.

„Hier stimmt etwas nicht“, murmelte Tara leise.

„Das kannst du laut sagen“, flüsterte Mata zurück und beugte sich über den Tisch. „Dieser Ort macht mir echt Angst.“

Auf der anderen Seite des Raums ging das stille Mädchen an der Frau mit dem Löwentattoo vorbei und beugte sich zu ihrem Ohr hinunter.

Tara richtete ihren Blick auf den Mund des stillen Mädchens.

N-I-C-H-T.

E-S-S-E-N.

N-I-M-M.

Nicht essen.

Taras Augen schossen zu Mata, die bereits einen gehäuften Löffel Reis zum Mund führte.

„Iss das nicht!“, zischte Tara und streckte die Hand aus, um Matas Handgelenk nach unten zu schlagen.

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